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Auftakt missglückt
07. September 2010 08:04; Akt: 08.09.2010 10:07 Print
Ängstliche Schweizer verlieren 1:3
von Reto Fehr, Basel - Der Schweiz misslingt der Start in die EM-Qualifikation 2012. Mit einer über weite Strecken uninspirierten Leistung unterliegt die Nati England verdient mit 1:3.
Wer dachte, Wayne Rooney zeige auf dem Feld aufgrund des Sex-Skandals eine schwache Leistung, sah sich bei dessen erster Aktion vielleicht noch bestätigt. Der bullige Stürmer schlug eine Flanke ins Niemandsland und erntete Pfiffe. Doch nach zehn Minuten fegte er alle Zweifel weg: Der 24-Jährige stand goldrichtig und schob unbedrängt zum 1:0 für England ein. Glen Johnson hatte über die linke Abwehrseite die schöne Vorarbeit geleistet. Es war der Anfang vom Ende.
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Shaqiris Traumtor gegen England
Dabei standen die Zeichen vor der Partie für die Schweiz günstig. Terry, Lampard, Crouch, King und Ferdinand fehlten verletzt, Defoe war angeschlagen vom Bulgarien-Spiel und das Theater um Rooney liess hoffen: Wenn nicht jetzt, wann dann? Der vierte Sieg im 25. Duell mit England schien möglich. Zumindest auf dem Papier. Aber schon Otto Rehhagel wusste: «Die Wahrheit liegt auf dem Platz.» Und dort war die Schweiz chancenlos.
Keine Gefahr vor Joe Hart
In der ersten Halbzeit wurde es vor Joe Hart nur einigermassen gefährlich, als dieser zwei Rückpässe wegschlagen musste. Dies jedoch auch nur, weil wohl jeder Schweizer insgeheim hoffte, dass auch der 23-Jährige die englische Tradition mit Goalie-Flops fortführen werde. Er tat es nicht. Einziger Hoffnungsfunke für die Schweiz: David Degens Abschluss. Der einzige Schweizer Torschuss in der ersten Halbzeit nach 38 Minuten ging jedoch klar übers Tor.
Immerhin beantwortete Diego Benaglio schon früh die zweite brennende Frage, ob er denn gedanklich beim Spiel oder bei seiner hochschwangeren Frau sei. Der Wolfsburger rettete einige Male gegen die stürmenden Engländer. Der englische Sturm mit Rooney und Defoe gab Gas wie ein Formel-1-Bolide. Im Gegensatz dazu hotterten Frei und Derdiyok wie Kleinwagen über den Rasen. Der Schweiz fehlte, was sie gegen Spanien und auch Italien vor wenigen Wochen noch ausgezeichnet hatte: die Laufbereitschaft. Während England rannte und agierte, blieb den Schweizern oft nur die Zuschauerrolle. Defoe illustrierte dies in der 43. Minute mit seinem Tanz im Strafraum gegen von Bergen und Co. eindrücklich. Einzig Benaglio konnte ihm folgen und verhinderte Schlimmeres.
Dummer Ausschluss von Lichtsteiner
Zur zweiten Halbzeit reagierte Hitzfeld. Er brachte Shaqiri für den blassen Margairaz. Der FCZler konnte bei seinem ersten Ernstkampf in der Nati seit dem Spiel gegen Südkorea an der WM 2006 noch weniger überzeugen als David Degen, welcher erstmals in einem Pflichtspiel für sein Land auflief. Spätestens im Nachhinein darf gefragt werden, warum Hitzfeld auf den defensiv wohl stärksten Couloir-Spieler Gelson Fernandes verzichtete.
Immerhin kam nach rund einer Stunde Stimmung in die Bude. Erst leistete sich Hart den erhofften Flop bei einer Degen-Flanke. Er liess den Ball aber «nur» vor die Füsse Glen Johnsons fallen. Wenig später tankte sich Frei im Strafraum durch, seine Hereingabe fand allerdings seinen Adressaten nicht. Hitzfeld verstärkte mit Streller für Degen kurz darauf die Offensive. Aber das Schweizer Strohfeuer beendete Stephan Lichtseiner mit einem sauberen Tackling gegen Milner, das als Foul ausgelegt wurde. Der Lazio-Verteidiger – wegen Reklamierens erst kurz zuvor mit Gelb vorbelastet – musste zu Unrecht unter die Dusche. Die Quittung folgte in der jetzt aufgebrachten Stimmung im St. Jakob-Park auf dem Fuss: Gerrard schickte Adam Johnson in die Tiefe, welcher alleine vor Benaglio zum 2:0 einschob.
Shaqiris Geschoss als Antwort
Die Schweiz liess den Kopf nicht hängen, sondern kämpfte sich zurück ins Spiel. Oder besser gesagt: Shaqiri hämmerte den Gastgeber zum 1:2. Sein Traumtor mit dem linken Fuss liess die Hoffnung nochmals aufkeimen. Endlich zeigten Hitzfelds Spieler den zuvor vermissten Kampfgeist. In Unterzahl konnten die immer zahmer werdenden «Three Lions» teilweise in die eigene Hälfte gedrückt werden.
Ein Treffer wollte nicht mehr fallen. So misslingt der Auftakt in die EM-Qualifikation. Die Schweiz muss sich vorwerfen lassen, erst in Unterzahl alles versucht zu haben. In den letzten Minuten fehlte dann aber auch etwas die Kraft, um die Sensation und somit den Ausgleich noch zu erreichen. So war es in der 88. Minute Jermain Defoe, welcher auf Pass von Ashley Cole mit dem 3:1 zur Entscheidung traf. Dieser Treffer bewegte viele der 37 500 Zuschauer im ausverkauften Stadion, sich vorzeitig auf den Heimweg zu machen. Sie verpassten nichts mehr.
Spiel in Montenegro schon vorentscheidend
Da Montenegro nach dem Heimsieg gegen Wales auch in Bulgarien mit 1:0 siegte, hat die Schweiz auf den direkten Konkurrenten um Platz 2 schon sechs Zähler Rückstand. Das bedeutet, dass die Partie am 8. Oktober im Balkanstaat schon vorentscheidenden Charakter haben wird. Eine Niederlage dort und die Montenegriner distanzieren die Nati um neun Punkte – die Euro 2012 würde in weite Ferne rücken, auch wenn die Qualifikation erst richtig begonnen hat. Aussichten wie 2008, als man gegen Israel und Luxemburg mit nur einem Zähler startete. Aber könnte so eine Aufholjagd ein zweites Mal gelingen? Damals hatte die Nati in der Sechsergruppe zwei Partien mehr Zeit.


























