Zepterübergabe beim FCB

16. Januar 2012 23:50; Akt: 17.01.2012 07:33 Print

«Ich bin nicht für voll genommen worden»

von Eva Tedesco - Die erfolgreichste Präsidial-Ära in der Geschichte des FC Basel ist zu Ende. Gigi Oeri sagt im Interview, warum sie dennoch nicht traurig ist und was sie mit ihrer neuen Freizeit anstellt.

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1999 stieg Gisela «Gigi» Oeri beim FC Basel als Mäzenin und Vorstandsmitglied ein. Dieses Bild zeigt sie drei Jahre später vor den leeren Rängen des St. Jakob-Park. Oeri befand sich stets am Puls des Geschehens - hier mit Hakan Yakin im Cabrio bei der Meisterfeier 2002. Auffällige Outfits - auch das gehört zu Gigi Oeri. Von Kopf bis Fuss auf Fussball eingestellt und strahlend wie ein Maikäfer zeigte sie sich bei der Champions-League-Partie gegen den FC Liverpool am 12. November 2002, als die «Bebbi» ein 3:3-Unentschieden realisierten. Cup-Sieg 2003 - auch Gigi Oeri stemmte den Pokal. Der Milliardärin machte es nichts aus, auch selber einmal Hand anzulegen. Hier beim Prominentenrennen auf der Trabrennbahn in Basel im Juli 2003. Eine Horde kräftiger, gutaussehender Männer - und Gigi Oeri mittendrin. Die Mäzenin und spätere FCB-Präsidentin liess es sich auch beim Meistertitel 2004 nicht nehmen, mit den Spielern in der Kabine zu feiern. Als Stern verkleidet tauchte sie damals bei der Meisterfeier auf dem Barfüsserplatz auf. Unvergessen ist auch ihr Auftritt im Superman-Kostüm zwei Jahre zuvor, in dem sie sich zu den Spielern in den Whirlpool setzte. Auftritt in der «Königsklasse»: Oeri im Juli 2005 bei der Auslosung der dritten Qualifikationsrunde in der Champions Leauge. Grosser Rummel am 9. Mai 2006: Gigi Oeri ist neue Präsidentin des FC Basel. Die Milliardärsgattin zeigte ein grosses Herz für die Spieler - hier bei der Verabschiedung von Pascal Zuberbühler vor dessen Abgang zu West Bromwich Albion. Auch tröstete sie Ivan Rakitic gemeinsam mit dem damaligen Ersatzgoalie Louis Crayton nach dem verpassten Meistertitel 2007. Wenig später konnten Oeri & Co. schon wieder lachen: Der FCB holte sich den Cup 2007. Gigi Oeri: immer Vollgas! Beim Meistertitel 2008 genoss Oeri einmal mehr das Bad in der Mitte der Spieler. Zum Scherzen aufgelegt: Oeri bei der Präsentation des neuen Spielerdresses im Juli 2008, gemeinsam mit Neuzugang David Abraham. Einen grossen Fisch an der Angel hatten die FCB-Präsidentin und ihr Vize Bernhard Heusler (r.) im Juni 2009: Sie präsentierten den Deutschen Thorsten Fink als neuen Trainer. Zwar war dieser als Coach zu diesem Zeitpunkt noch ein ziemlich unbeschriebenes Blatt, doch die Verpflichtung stellte sich als wahren Glücksgriff heraus. Kaum da, schon Meister: Gigi Oeri feierte mit Thorsten Fink bereits nach dessen erster Saison den Titel. Am 12. August 2011 gab Oeri ihren Rücktritt als FCB-Präsidentin per Ende Jahr bekannt. Fünf Jahre lang hatte sie das Amt inne, zwölf Jahre lang war sie insgesamt in irgendeiner Funktion beim FCB tätig. Oeri gibt ihr Amt an Vizepräsident Bernhard Heusler ab. Der letzte grosse Auftritt als FCB-Präsidentin: Oeri mit Helm und Helikopter beim Spatenstich des Nachwuchs-Campus auf dem Trainingsgeländer der St. Jakob-Sportanlagen am 12. August 2011. Der Nachwuchs liegt der ehemaligen FCB-Präsidentin am Herzen. Sie bleibt deshalb auch nach ihrem Rücktritt Vorsitzende der «Stiftung Nachwuchs-Campus Basel». Deshalb falle sie nun auch nicht in ein grosses, schwarzes Loch, so Oeri. «Mit dem Campus habe ich ja weiterhin eine grosse Aufgabe.»

Gigi Oeri tritt als Präsidentin des FC Basel ab und übergibt das Zepter an Bernhard Heusler.

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Gigi Oeri war gestern eigens aus Ibiza eingeflogen, um an der ausserordentlichen GV des FC Basel teilzunehmen. Die Milliardärsgattin schaute noch einmal auf ihre erfolgreiche Ära, erst als Mäzenin und seit 2006 Präsidentin der Rotblauen, zurück. Die scheidende Präsidentin wurde mit Standing Ovations und minutenlangem Applaus von den Mitgliedern verabschiedet. Erst reagierte sie gefasst, dann übermannten die Emotionen die zierliche Blondine doch noch – beim Abschied versagte ihr die Stimme und Tränen liefen ihr übers Gesicht.

Es stand schon seit Monaten fest, dass Sie als Präsidentin abtreten werden. Wie fühlen Sie sich nach dem definitiven Ende Ihrer Amtszeit?
Gigi Oeri
: Ich fühle mich gut und bin auch nicht traurig, zumal ich die Entscheidung ja nicht über Nacht gefällt habe.

Der FCB steht so erfolgreich da wie noch nie zuvor in seiner Vereinsgeschichte. Wieso treten Sie ausgerechnet jetzt ab?
Es wurde mir zuviel. Der Campus, das Nachwuchsprojekt des FCB, war in eine entscheidende Phase getreten und hat sehr viel Zeit in Anspruch genommen. Ich bin ein Mensch, der, wenn er etwas macht, es zu hundert Prozent machen will. Ich habe gemerkt, dass mir beides zu viel wurde und entweder etwas zu kurz kommt oder wenn das nicht der Fall gewesen wäre, ich dran kaputt gehe.

Erlauben Sie einen kurzen Blick zurück: Sie wurden 2006 als erste Frau Präsidentin eines Schweizer Erstligisten. Wie schwierig war es als Frau in der Männerdomäne Akzeptanz zu erlangen?
Ich müsste lügen, wenn ich sage, dass es einfach war als Frau einen Klub und noch dazu einen erfolgreichen Klub zu führen. Ich bin anfangs nicht für voll genommen worden, aber die Männer haben schnell gelernt. Leider muss ich heute sagen. Denn danach war der Bonus der Ahnungslosigkeit, der mir manchmal in Verhandlungen geholfen hat, natürlich verloren. Aber dafür wusste ich, dass ich spätestens ab dem Zeitpunkt völlig akzeptiert war.

Frauen wird nachgesagt, dass sie intuitiv und aus dem Bauch heraus entscheiden, während Männer nur der Vernunft folgen. Wie haben Sie Ihre Entscheidungen gefällt?
Männer haben wirklich keinen Bauch – zumindest nur zum Essen. Ich habe zu hundert Prozent auf meinen Bauch gehört und bin immer gut gefahren. Glauben Sie mir, ich wäre nicht abgetreten, wenn ich in Bernhard Heusler nicht einen perfekten Nachfolger gewusst hätte. Ich bin überzeugt, dass er der richtige Mann und es der richtige Moment ist. Denn ich gebe einen erfolgreichen und gesunden Klub ab. Aber das klingt wie meine eigene Grabrede – und das soll es ja nicht sein. Ich bin und bleibe ein Teil des FCB. Ich kehre einfach dahin zurück, wo ich 1999 eingestiegen bin - zum Nachwuchs.

Welchen Moment nehmen Sie als schönste Erinnerung aus Ihrer Ära mit?
Das Spiel gegen Liverpool war der unglaublichste Moment, den ich nie vergessen werde.

Und der schlimmste Augenblick?
Da muss man kein Prophet sein: Der 13. Mai 2006. Die hohe Busse, die uns die Liga auferlegt hat, habe ich irgendwie wie persönlich genommen. Die Meinung, der FCB ist Gigi Oeri und die kann das schon bezahlen, fand und finde ich heute noch unfair. Jeder andere Klub wäre zugrunde gegangen.

Während der FCB so stark dasteht wie noch nie, erleidet der Schweizer Fussball mit Christian Constantin und Bulat Tschagajew viel Imageschaden. Machen Sie sich darüber Gedanken?
Natürlich macht mich das traurig. Ich finde generell, dass die Liga nicht gut ist. Es braucht Köpfe wie Constantin, den ich gerne mag. Trotz oder wegen seiner Ecken und Kanten. Man mag von ihm halten was man will, aber er ist eine Persönlichkeit und der Schweizer Fussball braucht Persönlichkeiten. Auf Ihre Frage nach Tschagajew: Da bin ich soviel Patriot und sage, das ist der falsche Weg.

Mit Ihnen verliert der FCB auch seinen finanziellen «Fallschirm». Wenn es aber hart auf hart geht: Würden Sie noch einmal mit Ihrem Portemonnaie einspringen?
Sag niemals nie, aber ich denke in diesem Rahmen nicht. Der Campus schluckt einiges an Investition und Kosten und die nehme ich so dem FCB natürlich ab. Zudem besteht ein Arrangement, dass ein Teil der Ausbildungsentschädigung, wenn ein Nachwuchsspieler den Verein verlässt, wieder dem FCB zugute kommen und ein Teil in den Campus zurückfliesst.

Die Ära Gigi Oeri ist zu Ende. Wird man Sie nun nicht mehr im Stadion sehen?
Doch sicher. Ich bin die meiste Zeit in meinem Haus auf Ibiza, wo ich derzeit ein Tierheim aufbaue. Aber ich werde auch immer wieder mal in Basel und auch bei FCB-Spielen anwesend sein.