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Zepterübergabe beim FCB
16. Januar 2012 23:50; Akt: 17.01.2012 07:33 Print
«Ich bin nicht für voll genommen worden»
von Eva Tedesco - Die erfolgreichste Präsidial-Ära in der Geschichte des FC Basel ist zu Ende. Gigi Oeri sagt im Interview, warum sie dennoch nicht traurig ist und was sie mit ihrer neuen Freizeit anstellt.
Gigi Oeri tritt als Präsidentin des FC Basel ab und übergibt das Zepter an Bernhard Heusler.
Gigi Oeri war gestern eigens aus Ibiza eingeflogen, um an der ausserordentlichen GV des FC Basel teilzunehmen. Die Milliardärsgattin schaute noch einmal auf ihre erfolgreiche Ära, erst als Mäzenin und seit 2006 Präsidentin der Rotblauen, zurück. Die scheidende Präsidentin wurde mit Standing Ovations und minutenlangem Applaus von den Mitgliedern verabschiedet. Erst reagierte sie gefasst, dann übermannten die Emotionen die zierliche Blondine doch noch – beim Abschied versagte ihr die Stimme und Tränen liefen ihr übers Gesicht.
Es stand schon seit Monaten fest, dass Sie als Präsidentin abtreten werden. Wie fühlen Sie sich nach dem definitiven Ende Ihrer Amtszeit?
Gigi Oeri: Ich fühle mich gut und bin auch nicht traurig, zumal ich die Entscheidung ja nicht über Nacht gefällt habe.
Der FCB steht so erfolgreich da wie noch nie zuvor in seiner Vereinsgeschichte. Wieso treten Sie ausgerechnet jetzt ab?
Es wurde mir zuviel. Der Campus, das Nachwuchsprojekt des FCB, war in eine entscheidende Phase getreten und hat sehr viel Zeit in Anspruch genommen. Ich bin ein Mensch, der, wenn er etwas macht, es zu hundert Prozent machen will. Ich habe gemerkt, dass mir beides zu viel wurde und entweder etwas zu kurz kommt oder wenn das nicht der Fall gewesen wäre, ich dran kaputt gehe.
Erlauben Sie einen kurzen Blick zurück: Sie wurden 2006 als erste Frau Präsidentin eines Schweizer Erstligisten. Wie schwierig war es als Frau in der Männerdomäne Akzeptanz zu erlangen?
Ich müsste lügen, wenn ich sage, dass es einfach war als Frau einen Klub und noch dazu einen erfolgreichen Klub zu führen. Ich bin anfangs nicht für voll genommen worden, aber die Männer haben schnell gelernt. Leider muss ich heute sagen. Denn danach war der Bonus der Ahnungslosigkeit, der mir manchmal in Verhandlungen geholfen hat, natürlich verloren. Aber dafür wusste ich, dass ich spätestens ab dem Zeitpunkt völlig akzeptiert war.
Frauen wird nachgesagt, dass sie intuitiv und aus dem Bauch heraus entscheiden, während Männer nur der Vernunft folgen. Wie haben Sie Ihre Entscheidungen gefällt?
Männer haben wirklich keinen Bauch – zumindest nur zum Essen. Ich habe zu hundert Prozent auf meinen Bauch gehört und bin immer gut gefahren. Glauben Sie mir, ich wäre nicht abgetreten, wenn ich in Bernhard Heusler nicht einen perfekten Nachfolger gewusst hätte. Ich bin überzeugt, dass er der richtige Mann und es der richtige Moment ist. Denn ich gebe einen erfolgreichen und gesunden Klub ab. Aber das klingt wie meine eigene Grabrede – und das soll es ja nicht sein. Ich bin und bleibe ein Teil des FCB. Ich kehre einfach dahin zurück, wo ich 1999 eingestiegen bin - zum Nachwuchs.
Welchen Moment nehmen Sie als schönste Erinnerung aus Ihrer Ära mit?
Das Spiel gegen Liverpool war der unglaublichste Moment, den ich nie vergessen werde.
Und der schlimmste Augenblick?
Da muss man kein Prophet sein: Der 13. Mai 2006. Die hohe Busse, die uns die Liga auferlegt hat, habe ich irgendwie wie persönlich genommen. Die Meinung, der FCB ist Gigi Oeri und die kann das schon bezahlen, fand und finde ich heute noch unfair. Jeder andere Klub wäre zugrunde gegangen.
Während der FCB so stark dasteht wie noch nie, erleidet der Schweizer Fussball mit Christian Constantin und Bulat Tschagajew viel Imageschaden. Machen Sie sich darüber Gedanken?
Natürlich macht mich das traurig. Ich finde generell, dass die Liga nicht gut ist. Es braucht Köpfe wie Constantin, den ich gerne mag. Trotz oder wegen seiner Ecken und Kanten. Man mag von ihm halten was man will, aber er ist eine Persönlichkeit und der Schweizer Fussball braucht Persönlichkeiten. Auf Ihre Frage nach Tschagajew: Da bin ich soviel Patriot und sage, das ist der falsche Weg.
Mit Ihnen verliert der FCB auch seinen finanziellen «Fallschirm». Wenn es aber hart auf hart geht: Würden Sie noch einmal mit Ihrem Portemonnaie einspringen?
Sag niemals nie, aber ich denke in diesem Rahmen nicht. Der Campus schluckt einiges an Investition und Kosten und die nehme ich so dem FCB natürlich ab. Zudem besteht ein Arrangement, dass ein Teil der Ausbildungsentschädigung, wenn ein Nachwuchsspieler den Verein verlässt, wieder dem FCB zugute kommen und ein Teil in den Campus zurückfliesst.
Die Ära Gigi Oeri ist zu Ende. Wird man Sie nun nicht mehr im Stadion sehen?
Doch sicher. Ich bin die meiste Zeit in meinem Haus auf Ibiza, wo ich derzeit ein Tierheim aufbaue. Aber ich werde auch immer wieder mal in Basel und auch bei FCB-Spielen anwesend sein.

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