Theater ums Trikot

12. Oktober 2012 13:03; Akt: 12.10.2012 13:45 Print

Newcastle brüskiert seine Muslim-Profis

Der Premier-League-Club Newcastle United stellt mit einem neuen Sponsor seine Spieler muslimischen Glaubens vor Probleme. Es ist nicht der erste Verein, der mit einem Schriftzug für Aufsehen sorgt.

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Noch steht das Logo der britischen Bank «Virgin Money» auf dem Trikot von Newcastle United. Nächste Saison soll auf der Brust von Demba Ba (l.) und seinen Teamkollegen «Wonga» werben, ein umstrittenes Kleinkreditunternehmen. Das dürfte dann in etwa so ausschauen. Es ist nicht das erste Mal, das Trikotwerbung bei einem Fussballverein heiss diskutiert wird. Real Madrid verkauft den Platz auf der Brust von Cristiano Ronaldo und Co. seit einigen Saisons teuer an den privaten Sportwettenanbieter «bwin». Fussball und Wetten - da war doch mal was ...? Auch nicht unumstritten: Der Erdölkonzern «Tamoil» sponserte von 2005 bis 2007 Juventus Turin. Eigentlich war der Deal über zehn Jahre vorgesehen, soweit kam es aber nicht. Derzeit wird die alte Dame von der Automarke «Jeep» unterstützt. In diesem Sommer gab es in Bremen heftige Proteste gegen den neuen Trikotsponsor «Wiesenhof». Der in der Kritik stehende Geflügelproduzent schaffte es dennoch aufs Werder-Leibchen. Auch gegen Bochums Trikotsponsor «Netto» wurden schon Stimmen laut. Der Lebensmittel-Discounter steht in Deutschland immer wieder in der Kritik. Am Beispiel des 1. FC Kaiserslautern zeigt sich: Es muss zur heutigen Zeit nicht unbedingt mit Erdöl, Wetten oder Krediten Werbung gemacht werden. Es geht auch lustig - wenn auch nicht beabsichtigt. Beim deutschen Zweitligisten ziert das Logo von «Allgäuer Latschen Kiefer» das Trikot. Die Pflegecrème mit der innovativen Anti-Hornhaut-Formel dürfte nun allen deutschen Fussballfans ein Begriff sein. In Nürnberg spielten die Profis bis vor Kurzem mit dem Schriftzug «mister+lady» auf der Brust . Danach stellte der Bundesligist von lustig auf umstritten um. Er holte den Atomkraftkonzern «Areva» an Bord. Kernkraftgegner sind davon nicht wirklich begeistert. Ein Lächeln aufs Gesicht zaubert hingegen der Sponsor, der seit 1995 die Brust von Club America (r.), einem mexikanischen Erstligisten, ziert. «Bimbo» war einst die erste Firma, die geschnittene Brotscheiben in die Läden Mexikos brachte. Auch früher gab es schon Lustiges auf dem Rasen zu sehen: Zu Beginn der achtziger Jahren prangte der Schriftzug der Jeansmarke «Pooh» auf der Brust der Milan-Spieler. Ziemlich unglücklich besonders bei internationalen Spielen, denn auf Englisch ist dies ein Wort fürs «grosse Geschäft». Beim schottischen Fussballklub Clydebank war der Trikotsponsor einst eine nasse Angelegenheit: Wet Wet Wet. Hintergrund: Die gleichnamige Popband - ebenfalls aus Clydebank -, die mit «Love is All Around» einen Nummer-1-Hit landete, unterstützte die Kicker. Der VfL Bochum entschloss sich einst sogar dazu, das ganze Trikot im Sinne des Sponsors farblich zu verändern. Das legendäre Faber-Trikot (Lottogesellschaft) aus den Neunzigern passte vielen Bochum-Fans nicht in den Kram. Das ging in die Hose - im wahrsten Sinn des Wortes. Lyon druckte in den frühen neunziger Jahren die örtliche Telefonvorwahl aufs Trikot. Dumm nur, dass dieser Aufdruck die Fantasie vieler anregte. «Nobo» war eigentlich kein problematischer Sponsor des Brighton & Hove Albion FC. Nur fanden es die gegnerischen Fans natürlich lustig ein «dy» anzuhängen: «Nobody». Kurz und bündig: Während langer Zeit trugen die dänischen Nationalspieler «Dong» auf ihren Leibchen. Dies ist einer der führenden Energiekonzerne in Nordeuropa mit Hauptsitz in Dänemark. Soweit nicht wirklich problematisch. Auf Englisch heisst «dong» allerdings «Penis» ... Italiens drittgrösster Festnetzanbieter «Wind» ergatterte sich im Jahr 2007 das Trikot der AS Roma. Francesco Totti und Co. müssen seither aufpassen, dass sie nicht weggeblasen werden.

Umstrittene oder kuriose Trikotsponsoren.

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Noch bis Ende Saison ziert das Logo der britischen Bank «Virgin Money» das Trikot von Newcastle United. Vor kurzem hat der Tabellenzehnte den Nachfolger enthüllt und dies hat eine Welle der Entrüstung ausgelöst. Die «Magpies» werden den Schriftzug des umstrittenen Kleinkreditunternehmens «Wonga» auf der Brust tragen.

Für Demba Ba, Papiss Cisse, Cheick Tiote und Hatem Ben Arfa, Newcastle-Kicker muslimischen Glaubens, könnte dies ein Problem darstellen. Die Scharia, das religiöse Gesetz des Islam, lehrt nämlich, dass das Verdienen an Zinsen auf Geld nicht erlaubt ist. Damit soll erreicht werden, dass die Bedürftigen vor Ausbeutung geschützt werden.

Und die Zinsen bei «Wonga» sind horrend. Die britische Daily Mail rechnet den Fussballfans das Ganze wie folgt vor: Würde sich ein Newcastle-Anhänger Geld für ein Trikot - das wären umgerechnet rund 75 Franken - leihen, müsste er nach einem Monat eine Summe von 108 Franken zurückbezahlen. Zwischen acht und fünfzehn Millionen Pfund lässt sich das Unternehmen, das auch schon den FC Blackpool (2. englische Liga) und die Hearts Of Midlothian (1. schottische Liga) unterstützte, den Platz auf der Brust der Spieler kosten.

Newcastle-Kicker können sich frei entscheiden

Ob Demba Ba, Papiss Cisse, Cheick Tiote und Hatem Ben Arfa mit der Aufschrift spielen werden, ist noch unklar. Fakt ist: Auch wenn es gemäss der Scharia gegen den Glauben ist, der Islam verbietet es den Kickern nicht. Dies bestätigt der Dachverband der britischen Muslime. «Einerseits gibt es die religiösen Richtlinien. Andererseits ist es jedem selber überlassen, wie er diese Richtlinien befolgen will», erklärt Shaykh Ibrahim Mogra, stellvertretender Generalsekretär des MCB.

Die Vergangenheit hat gezeigt, dass ein muslimischer Spieler auch mit einem logofreien Shirt auflaufen kann. Federic Kanoute, ehmaliger Stürmer vom spanischen Erstligisten FC Sevilla und gläubiger Moslem, wollte 2006 nicht für einen Internet-Wettanbieter (888.com) werben, da seiner Meinung nach der Koran Wettspiele verbietet. In Absprache mit dem Sponsor und seinem Arbeitgeber wurde die Aufschrift während Spielen abgeklebt.

Egal wie das Ganze ausgeht: Die kontroverse Zusammenarbeit hat auch ihr Gutes: «Wonga» lässt Newcastle United kommende Saison wieder im historischen St. James Park spielen. Dies obwohl das Kreditunternehmen auch das Recht auf den Stadionnamen erworben hat. Warum das Unternehmen auf den Stadionnamen verzichtet, bleibt indes unklar. Zu vermuten ist, dass der Online-Finanzdienstleister damit seinen in Grossbritannien umstrittenen Ruf verbessern will. Seit November 2011 trägt die Spielstätte der «Magpies» den Namen Sports Direct Arena.

Kuriose und lustige Beispiele aus Deutschland

Seit es Trikotsponsoring im Fussball gibt, haben schon viele kuriose, skandalöse oder auch einfach nur lustige Firmen die Brust der Fussballer geziert. Etwa 1973 in Deutschland, als der Schnapshersteller «Jägermeister» als einer der ersten Sponsoren mit Eintracht Braunschweig ins Geschäft kam - das für gerademal 200 000 Deutsche Mark.

Ebenfalls mit Alkohol geworben hat der FC St. Pauli. «Jack Daniels» war einst auf der Brust des heutigen Zweitligisten zu lesen. Nicht mit Hochprozentigem, aber dennoch auf eine kuriose Art und Weise hat Fortuna Düsseldorf 2001 Werbegeld kassiert. Die Toten Hosen haben ihrem Lieblingsverein - damals in finanziellen Nöten - ihr Totenkopf-Logo verkauft. Zuletzt sorgte Werder Bremen für Zündstoff, als der Bundesligist die Zusammenarbeit mit «Wiesenhof» bekanntgab, einem in der Kritik stehenden Geflügelproduzenten.

Welche Vereine sonst noch mit strittigen Firmen kooperierten oder mit - ungewollt - lustigen Schriftzügen auf der Brust für Aufsehen sorgten, sehen Sie in der Bildstrecke oben.

(als)

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Die neusten Leser-Kommentare

  • lotto666 am 12.10.2012 18:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    schlimm

    die probleme... jaja.... die spielen ja auch nicht für ein zuckerbrot

  • Alex am 12.10.2012 17:39 Report Diesen Beitrag melden

    So ein Quatsch

    Ich glaube kaum, dass dies ein Problem darstellt. Immerhin, haben die Kicker ein Anstellungsverhältnis mit ihren Vereinen und diese fällen Entscheidungen betreffend Sponsoren. Da ist nicht der jeweilige Träger des Tricots verantwortlich, auch nicht vor Gott.

  • GDMSCH am 12.10.2012 17:16 Report Diesen Beitrag melden

    Journalismus?

    Ist Journalismus auf noch tieferem Niveau überhaupt noch möglich?

  • Danny am 12.10.2012 16:21 Report Diesen Beitrag melden

    Fussball und Islam

    Ich weiss nicht was im Koran über Fussball steht (kleiner Scherz), aber viele Sachen, welche wir im Westen als schön und habenswert erachten, z.B. Musik, wird von den Fundamentalisten nicht toleriert, zum Teil verboten (z.B. von den Taliban). Kann mir durchaus vorstellen, dass Fussball an sich, für gewisse Kreise, nicht gottgefällig ist. Was also sollen all die sportbegeisterten Muslime weltweit tun? Aufhören Fussball zu spielen? Aufhören Sport an sich zu treiben und/oder anzuschauen? Man kann's auch ZU weit treiben mit der Religiosität und der Suche nach Problemen, welche den Islam betreffen

    • Rosmarie Kull am 12.10.2012 17:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Es reicht!

      Genau gibt noch GANZ viel andere Gläubige da macht man nie so ein Theater! Endlich mal aufhören damit und auf gesunden Menschenverstand von gewissen hoffen! Es reicht!

    einklappen einklappen
  • Bojo am 12.10.2012 15:43 Report Diesen Beitrag melden

    So ein Unsinn - kicken da Fundis?

    Wenn mein Arbeitgeber Reklame machen will für etwas, was mir nicht passt, kann ich ja gehen. Das gilt wahrscheinlich auch für Berufsfussballer. Mir ist auch bewusst geworden, dass manche (wenige) Muslims sich von allem und jedem beleidigt fühlen (wollen?). Die wenigsten Muslims allerdings werden wegen so etwas Probleme haben - genausowenig wie ein Christ (in der Bibel steht ja schliesslich auch das Zinsverbot (Ex 22,24)) damit heute Probleme hat. Ich nehme an, jeder Fussballer weiss sehr genau, wo sein Geld herkommt: von den Sponsoren.