Anschlag auf BVB

21. April 2017 07:46; Akt: 21.04.2017 08:06 Print

4 Mio Gewinn – der perfide Aktienplan des Bombers

Der Attentäter auf den Car von Borussia Dortmund wollte mit seiner Tat reich werden, vermuten die Ermittler. Wie geht das?

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Roman Bürki trägt beim Einlaufen das Trikot von Marc Bartra. Julian Weigl denkt mit einem Spezial-Shirt an seinen Teamkollegen. Es herrscht Gänsehautstimmung. Das ganze Stadion steht auf und singt «You'll never walk alone». Auch Keeper Roman Bürki ist mit von der Partie. Die BVB-Spieler entschieden selbst, ob sie sich bereit fühlen, aufzulaufen. Die gelb-schwarze Wand steht heute ganz besonders hinter ihrem BVB. Die Fans sind auch heute gekommen, manche von ihnen mit einer besonderen Nachricht für die Mannschaft. Das Erfolgserlebnis bleibt aus. Die Partie geht 2:3 verloren. Auch das noch: Roman Bürki wird von Teamkollege Sven Bender bezwungen - Eigentor. Verrückt: Keine 24 Stunden nach der Attacke auf den Teambus stehen sie auf dem Platz. BVB-Coach Thomas Tuchel hätte sich gewünscht, dass sein Team mehr Zeit bekommt. Er kritisiert die Uefa. Der Teambus kommt am Stadion an. Polizei-Eskorte: Mit was für einem Gefühl die Jungs wohl in den Bus gestiegen sind? Die Sicherheitsvorkehrungen wurden erhöht. Vor dem Trainingsgelände des BVB machen junge Fans den Spielern Mut. Nach einer schwierigen Nacht bei ihren Familien besammeln sich die Spieler im Trainingsgelände von Dortmund. Hier kommt Pierre-Emerick Aubameyang an. BVB-Captain Marcel Schmelzer (l.) trudelt mit Nuri Sahin ein. Starke Polizeipräsenz beim Trainingsgelände. Schwer bewaffnete Polizisten sichern noch immer die Umgebung des Tatorts. Im Stadion wird derweil nichts dem Zufall überlassen. In der Nähe vom Teambus der Dortmunder gab es auf der Fahrt zum Stadion eine Explosion. Diese beschädigte den hinteren Teil des Cars. Scheiben gingen zu Bruch. Die Sprengkörper waren in einer Hecke versteckt. Bei der Detonation wurde Verteidiger Marc Bartra verletzt. Roman Bürki (2. v. l.) und seine Teamkollegen stehen unter Schock. An ein Fussballspiel gegen den AS Monaco ist am Dienstagabend nicht zu denken. Polizei und Feuerwehr sind sofort zur Stelle. Diesen Schock muss die Mannschaft erst einmal verdauen. Die Mannschaft macht sich zu Fuss auf den Weg zum Hotel. Goalgetter Pierre-Emerick Aubameyang macht sich auf den Weg. Die Spieler werden von der Polizei begleitet. Coach Thomas Tuchel ist nun gefragt: In nicht einmal 24 Stunden wird die Partie nachgeholt. Die Hintergründe der Tat waren am späten Dienstagabend noch unklar. Die Polizei geht aber von einem gezielten Anschlag auf den Dortmunder Bus aus In der Nähe des Tatorts wurde ein Schreiben gefunden. Dessen Echtheit wird abgeklärt. Dies bestätigte die Polizei am späten Dienstagabend an einer Pressekonferenz. Über die Art der Sprengsätze gebe es noch keine Erkenntnisse. Es handle sich aber ersten Erkenntnissen zufolge um «ernstzunehmende» Sprengsätze. Die Ermittlungen laufen auf Hochtouren. BVB-Boss Hans-Joachim Watzke spricht nach dem Zwischenfall im Stadion. Wenig später meldet die Polizei: Am BVB-Teambus explodierten Sprengsätze. Schock bei den Fans. Sie informieren sich über die aktuellen Geschehnisse. Obwohl lange nicht klar war, ob das Spiel stattfindet, wurden die Zuschauer in den Signal Iduna Park gelassen. Aufruhr vor dem Stadion: Die Polizei ist in Alarmbereitschaft. Lagebesprechung zwischen Stadionsprecher Norbert Dickel (r.) und Präsident Reinhard Rauball. Das Spiel wurde um 20.30 Uhr abgesagt und wird am Donnerstag um 18.45 Uhr nachgeholt. Ein Spieler von Borussia Dortmund hat sich beim Zwischenfall verletzt: Verteidiger Marc Bartra. Der Spanier brach sich die Speiche im rechten Handgelenk und musste auch wegen diverser Fremdkörper im Arm noch am Dienstagabend operiert werden. Auch für Keeper Roman Bürki ist die Situation nicht einfach. Keine 24 Stunden nach dem Vorfall muss der Schweizer wieder auf dem Platz stehen. Der Mannschaftsbus von Monaco stand bereits in der Tiefgarage des Stadions. Die Gäste absolvierten nach der Absage ein Training im Stadion.

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Eineinhalb Wochen nach dem Anschlag auf den Teambus von Borussia Dortmund haben die Ermittler einen Verdächtigen verhaftet: den 28-jährigen Sergej W.

Sein vermutetes Tatmotiv: Geldgier. Er wollte mit Anschlag offenbar einen Kurssturz der BVB-Aktie provozieren – und nahm dafür sogar Tote in Kauf.

Sein kranker Plan: Zuerst nahm er einen Verbraucherkredit auf. Dann kaufte er über die IP-Adresse des Mannschaftshotels «L'Arrivée» 15'000 Put-Optionen für die BVB-Aktie. Das sind Wetten auf fallende Kurse bestimmter Wertpapiere.

Die BVB-Aktie stand am Tag des Anschlags auf 5,61 Euro.

Am Tag nach der Explosion sank der Kurs:

Offenbar wollte der Täter möglichst viele BVB-Spieler verletzen oder gar töten, um die BVB-Aktie zum Absturz zu bringen. Je tiefer die Aktie gefallen wäre, desto mehr hätte er verdient. Gemäss dem Bundeskriminalamt ging es um ein Vermögen: Sergej W. hätte einen Gewinn von bis zu 3,9 Millionen Euro (4,1 Millionen Franken) erzielt.

(hal)