Konkurs eröffnet

22. April 2013 10:57; Akt: 22.04.2013 15:19 Print

Die AC Bellinzona ist am Ende

Die AC Bellinzona ist nach 109 Jahren am Ende. Der Konkursrichter verweigert dem Tessiner Challenge-League-Klub einen Aufschub von zwei Wochen, um einen Sanierungsplan zu präsentieren.

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Nach langem Hin und Her doch das Ende: Das Amtsgericht verhängt den Konkurs über die AC Bellinzona. Der Tschetschene Bulat Tschagajew wollte mit Xamax in die Champions League. Nicht einmal ein Jahr nach seinem Amtsantritt wurde der dreifache Schweizer Meister (1916 noch als Cantonal FC) in die 2. Liga interregional zwangsrelegiert und der Investor wanderte ins Gefängnis. 2. Liga interregional. Im Februar 2005 muss Servette Konkurs anmelden. Der Grossaktionär und selbsternannte Klubretter von Servette, Marc Roger, konnte seinen Versprechungen nicht nachkommen und wurde für drei Monate inhaftiert. Die Genfer mussten in der 1. Liga neu beginnen. Super League. Weil die Klubführung sechs Millionen Franken Schulden gemacht hat, wird Lausanne-Sports im Sommer 2002 in die damalige Nationalliga B zwangsrelegiert. Im Mai 2003 folgt das definitive Lichterlöschen: Lausanne geht Konkurs und fängt in der 2. Liga interregional als FC Lausanne-Sport neu an. Super League. Am 5. Mai 2002 wird FCL-Präsident Helios Jermini tot im Luganersee gefunden. Er hatte 72 Millionen Franken Schulden. Betroffen war auch der FC Lugano, der Konkurs anmelden musste. Dank der Fusion mit Malcantone Agno starteten die Tessiner 2003 als AC Lugano in der Challenge League neu. 2008 wurde der Klub wieder in FC Lugano umbennant. Challenge League. 1992 steigt der FC Wettingen aus der Nationalliga A ab. Ein Jahr später wird der Klub aus finanziellen Gründen aufgelöst und beginnt mit dem neuen Namen FC Wettingen 93 in der 5. Liga. Im Jahre 2012 wechselt der Verein seinen Namen wieder zu FC Wettingen. 2. Liga interregional.

Diese Schweizer Klubs gingen bankrott.

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Die AC Bellinzona steht vor dem definitiven Aus. Konkursrichter Marco Ambrosini verweigert dem Challenge-League-Klub einen Aufschub von zwei Wochen, um einen Sanierungsplan zu präsentieren.

Am letzten Donnerstag hatten die Anwälte von Bellinzonas Präsident Gabriele Giulini beantragt, die Anhörung mit möglichen Sanierungsvorschlägen auf den 2. Mai zu verschieben. Giulini sprach bis zuletzt von «zwei potenziellen Investoren». Am Montag fand er kein Gehör mehr vor dem Richter. Bei Schulden von rund 8,5 Millionen Franken betrachtete Marco Ambrosini die Konkurseröffnung als unausweichlich.

Bellinzona legt Rekurs ein

Die AC Bellinzona legte gegen den Entscheid des Konkursrichters Rekurs ein, was aufschiebende Wirkung um zehn Tage (bis 2. Mai) hat. Deshalb findet das Spiel der 28. Runde in der Challenge League heute Abend beim FC Wil regulär statt. Präsident Giulini bestreitet auch, dass 8,5 Millionen in der Kasse fehlen. «Das ist nicht wahr. Es fehlen uns drei Millionen, um die Saison zu beenden. Für die neue Saison braucht es Bankgarantien. Die Hoffnung lebt nach wie vor.»

Wie weiter in der Challenge League?

Ob Bellinzona die Meisterschaft zu Ende spielt, ist noch unklar. «Wir hoffen nach wie vor, dass dies der Fall sein wird. Aber mehr kann ich dazu momentan nicht sagen», so Guggisberg. Fakt ist: Spielen die Tessiner nicht mehr alle Partien, werden alle Spiele mit Bellinzona-Beteiligung ab der Winterpause aus der Wertung genommen.

Im Aufstiegsrennen ist das Ende von Bellinzona für Aarau praktisch das Ticket in die Super League. Die Aargauer würden neu 12 Punkte vor Winterthur liegen - bei noch 8 ausbleibenden Partien. Punktemässig würden die beiden Teams vom Rückzug Bellinzonas indirekt profitieren. Beide Mannschaften verloren in der Rückrunde gegen die Tessiner. Auf den Vorsprung Aaraus hätte dies aber keinen Einfluss.

Die ACB wurde 1948 das einzige Mal Meister. Im Schweizer Cup reichte es dreimal zum Finaleinzug. 1962, 1969 und zuletzt 2008 gegen Basel setzte es aber jeweils Niederlagen ab.

Locarno könnte profitieren

Zumindest einen vorzeitigen Lizenzentzug scheint Bellinzona nicht fürchten zu müssen. Die SFL hat gegen Bellinzona - anders als bei Xamax vor einem Jahr - derzeit keine Disziplinarverfahren laufen. Bellinzona wurden bereits drei Punkte abgezogen.

Das Pech von Bellinzona könnte am Ende der Saison das Glück des Kantonsrivalen Locarno sein. Geht es mit der ACB zu Ende, gibt es aus der Challenge League keinen Absteiger in die 1. Liga Promotion. Locarno als abgeschlagener Tabellenletzter wäre gerettet.

(fox/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Martin am 22.04.2013 12:26 Report Diesen Beitrag melden

    Musste soweit kommen

    Es kann ja nicht sein dass in einem vergleichbar schwach besiedelten Kanton drei Fussballvereine (Lugano, Bellinzona, Chiasso) und zwei Eishockeyverine (Lugano und Ambri) beherbergt. Dass da die Sponsorengelder halt einfach geteilt werden ist ja nur klar. Ähnliches Dilemma gibt es in Zürich (GC, FCZ / ZSC, Kloten). Wirtschaftlich gesehen, vor allem im Tessin, ist es besser dass man die Vereine zusammenlegt, Kultur hin und her, nur so hat man längerfristig eine Chance.

    einklappen einklappen
  • Hans Schneider am 22.04.2013 13:23 Report Diesen Beitrag melden

    Aufstieg

    Ich als Aarau-Fan bin froh. Totzdem ist es schade und eine Schande für den schweizer Klubfussball, dass schon wieder ein schweizer Traditionsverein konkurs geht.

  • Rafael am 22.04.2013 11:21 Report Diesen Beitrag melden

    Egal

    Macht nix. Verein auflösen. Ende im Gelände.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Critical Acclaim am 23.04.2013 10:19 Report Diesen Beitrag melden

    Leider alle Jahre wieder einer......

    Schade, vor allem für die Fans. Die können ja schliesslich nix dafür. Wenn Bellinzona jetzt langsam wieder was aufbauen will, muss zuerst die offensichtlich unfähige Vereinsführung weg! Der FCA wäre damit aufgestiegen. Im Moment sind sie ja auch so auf Platz 1, aber ob sie es bis Ende Saison geblieben wären, werden wir möglicherweise nie erfahren... Locarno dürfte damit zum GC der letzten Saison werden, dank Konkurs eines Konkurrenten um den Abstieg herumgekommen ;-) Vielleicht spielt ja Locarno nächste Saison ganz vorne um den Aufstieg :-P

  • MR. NHL am 23.04.2013 09:24 Report Diesen Beitrag melden

    Salary Cap

    Weso führt die Liga kein Salary Cap ein? Es werden weniger überteuerte Ausländer oder Altstars gekauft, es werden mehr Junge eingesetzt und die Klubs gehen weniger Pleite.

  • Klaus am 23.04.2013 07:46 Report Diesen Beitrag melden

    Buchhaltung

    Tja, wer über den Verhältnissen lebt, der muss sich nicht wundern, wenn es dann zur Pleite kommt. Geht ja nicht nur Sportvereinen und Privaten so, sondern ganzen Staaten! Willkommen im "Wir leben in Saus uns Braus bis zum grausigen Aus!" - Zeitalter! Und ja, es wird noch schlimmer kommen, weil das den meisten nämlich ziemlich am Sperrsitz vorbei geht...

  • Aarauer am 23.04.2013 02:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Brügglifeld

    seit ihr schonmal im Brügglifeld gewesen? ich finde nicht, dass es ein schlechtes stadion ist (klar ist es nicht vergleichbar mit basel oder zürich) aber es hat tradition und die stimmung ist trotz 6000 Zuschauern besser als in basel mit 20000.

    • Elvez Meier am 23.04.2013 17:33 Report Diesen Beitrag melden

      ja es ist so

      Da gebe ich dir Recht. Im Gegensatz zu diesen modernen und vor allem charakterlosen Stadien herrscht im Brügglifeld noch so richtige Fussballstimmung. Nostalgie pur.

    einklappen einklappen
  • R.H. am 22.04.2013 23:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    What's next

    Und wann geht die Klubführung für ein Meeting nach Ungarn? Ps: Vergisst die farbigen Bändelchen nicht.