270 Tage nach Knast

26. November 2016 05:31; Akt: 26.11.2016 11:18 Print

Hoeness steht wieder an der Bayern-Spitze

Seine Haftstrafe wegen Steuerhinterziehung scheint vergeben und vergessen. Unter grossem Beifall haben die Mitglieder des FC Bayern Uli Hoeness wieder zu ihrem Präsidenten gewählt.

Hat um eine zweite Chance gebeten und diese auch erhalten: Der ehemalige und neue Präsident des FC Bayern, Uli Hoeness.(Video: Tamedia/Reuters)
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Uli Hoeness steht wieder an der Spitze des FC Bayern. Vor der Wahl kam es vor der Halle aber noch zu einem Eklat. Obwohl der Raum bereits voll war, standen noch hunderte Bayern-Anhänger vor dem Eingang und protestierten lautstark. Die Stimmung kippte, die Mitglieder skandierten: «Absagen, absagen.» Als der wiedergewählte Präsident zu den Massen spricht, ist es endgültig aus. «Ihr seid alles Lügner» oder «Ihr seid so lächerlich» tönt es aus der Menge.

Harmonischer ging es danach im überfüllten Audi Dome zu und her. Nach mehr als drei Stunden haben die über 7000 Mitglieder Hoeness am Freitagabend wieder zum Präsidenten gewählt. Der 64-Jährige dankte in einer emotionalen und deutlichen Ansprache seinen «zwei Familien»: der um seine Ehefrau Susi und eben dem Herzensclub. «Ich bitte Sie um eine zweite Chance», so Hoeness.

Die Jahreshauptversammlung der Bayern. Video: Tamedia

«Ich verspreche, dass ich alles tun werde, um die Erwartungen zu erfüllen.» Hoeness will ein starker und wortgewaltiger Präsident sein. Er besitze weiterhin die Fähigkeit, Probleme deutlich anzusprechen, sagte er mit Blick auf seine frühere Funktion als «Abteilung Attacke» des FC Bayern. «Sie schläft nicht, sie ruht.»

Harte Stunden und Tränen

Begleitet von grossem Beifall und «Uli, Uli»-Rufen kehrt Hoeness damit 270 Tage nach seiner Haftentlassung wieder auf den Posten zurück, den er nach seiner Verurteilung wegen Steuerhinterziehung aufgegeben hatte. «Ich habe einen grossen Fehler gemacht, ich respektiere jeden hier im Saal, der mir heute seine Stimme wegen des Fehlverhaltens nicht gibt. Aber ich habe alles getan, um diesen Riesenfehler wieder gut zu machen», sagte Hoeness, der von harten Stunden und vielen Tränen im Gefängnis berichtete. «Die Kraft hat mir dieser Verein zurückgegeben.»

Mit 98,5 Prozent der Stimmen wurde er wiedergewählt:

«Ich gönne Dir von Herzen die verdiente Rückkehr in Dein Amt als Präsident», sagte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge mit Blick auf Hoeness. «Ich bin neugierig auf die neuerliche Zusammenarbeit mit Dir. Wir kennen uns nun ja schon 42 Jahre», sagte Rummenigge. Vor dem Blick in die Zukunft rühmte der Vorstandschef besonders die vergangenen Jahre mit Titeln wie am Fliessband: «Jahre wie diese haben wir selbst noch nicht erlebt.»

Der scheidende Präsident Karl Hopfner wurde am Tag der besten Zahlen der Clubgeschichte von der Vereinsschar mit lang anhaltendem Beifall verabschiedet. «Das berührt mich wirklich», sagte Hopfner, der über drei Jahrzehnte für den FC Bayern arbeitete.

(foa/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • zuffi16 am 26.11.2016 06:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    interessant!

    wie war das. ich zitiere uli hoeness: "kriminelle haben im fussball nichts zu suchen". danke für deine worte. gilt diese regel aöso nur für alle anderen und nicht für den fc bayern?

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  • Raffael am 26.11.2016 06:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ohje

    Und da sieht man, was Bayern für ein Verein ist. Schlimm!!

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  • Kein Fan am 26.11.2016 06:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Niedere Beweggründe

    Uli Hoeness ist wieder zurück im Theater Fussball. Dem Gegner in die Beine treten, anspucken, theatralisch fallen lassen, Beschimpfungen, Korruption, alles im Namen des Sports.Im normalen Arbeitsleben alles Verfehlungen welche Konsequenzen hätten.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Chilenito am 27.11.2016 11:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    verrückte welt

    ahja...verbrechen lohnt sich nicht..??? geeeeenau...

  • Fiskus am 27.11.2016 11:41 Report Diesen Beitrag melden

    Ironie

    Dass man sich ausgerechnet in der CH, dem Land des Bankengeheimnisses und des geparkten Schwarzgelds, über eine Steuerhinterziehung aufregt, entbiert nicht einer gewissen Ironie.

  • Sportler am 27.11.2016 09:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schön

    dass diese Meldung im Teil Sport erscheint! Somit ist auch klar gestellt wie der Fussballsport funktioniert.

    • Eintracht Adler am 27.11.2016 12:18 Report Diesen Beitrag melden

      Wo sonst?

      Ein neuer (alter) Fußballmanager wird gewählt - wo hätten Sie das angesiedelt? Unter "Wirtschaft", "People" oder "Entertainment"?

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  • Tinu am 27.11.2016 09:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Korruption

    Das Uli nicht für den FIFA Präsidenten kandidiert hat erstaunt mich. Da hätte er gut hingepasst.

  • Meinrad Jnglin am 27.11.2016 03:03 Report Diesen Beitrag melden

    Geld regiert die Welt!

    Der Fall Hoeness bildet jetzt in Deutschland einen Präzedenzfall. Denn seit Freitagabend ist es gesetzlich erlaubt, dass verurteile Kriminelle welche ihre Strafe verbüssten haben, wieder in den alten Job zurück. Aber nur, wenn er wieder sehr viel Geld akquiriert. Leider ist es so, dass alle anderen keine Chance erhalten wieder ins Berufsleben zurück zukehren. Darum heisst es: Geld regiert die Welt! Übrigens, wann wird Sepp Blatter wieder FIFA Präsident...?