Abflug ins Ungewisse

12. November 2012 19:00; Akt: 12.11.2012 19:50 Print

Wie sicher ist Tunesien für die Nati?

von Eva Tedesco, Sousse - Am Mittwoch trägt die Schweizer Nationalmannschaft ein Testländerspiel gegen Tunesien in Sousse aus. Aber wie sicher ist Tunesien?

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Die Schweiz gewinnt das Testspiel gegen Tunesien 2:1. Die Rot-Weissen müssen aber lange auf den erlösenden Treffer warten. Erst in der 96. Minute hämmert Shaqiri das Leder zum 2:1-Siegestreffer in die Maschen. Nicht viele Zuschauer haben den Weg ins Stadion gefunden. Im Olympiastadion von Sousse herrscht gähnende Leere auf den Rängen. «Kraftwürfel »Shaqiri ist während der ersten Halbzeit quasi inexistent. Eren Derdiyok (links) erzielt in der 40. Minute den Führungstreffer für die Rot-Weissen. Lange agieren die Eidgenossen zu harmlos, um die Tunesier in Bedrängnis zu bringen. Die Tunesier gehen von Anfang an zur Sache. Immer wieder müssen die Schweizer harte Fouls einstecken. SF-Kommentator Sascha Ruefer ist sich wohl auch andere Arbeitsbedingungen gewohnt. Gartenstühle auf der Haupttribüne. Ein Blick von der Pressetribüne aus. Ein Schmuckstück ist das Stadion in Sousse nicht. Immerhin ist die Temperatur mild und der Rasen in einem guten Zustand. Tunesische Sicherheitskräfte gönnen sich vor der Partie eine kurze Pause. Sommer (l.) und Wölfli beim Training in Sousse. Nati-Coach Ottmar Hitzfeld bekannt, dass Yann Sommer (l.) gegen Tunesien das Tor hüten wird. Marco Wölfli bleibt derweil Ersatz. Blerim Dzemaili (l.) und Admir Mehmedi tauschen sich vor der ersten Einheit aus. Die Stimmung bei der Nati ist hervorragend. Im Stade Olympique in Sousse wird das Testspiel gegen Tunesien stattfinden. Steve von Bergen (l.) und Nassim Ben Khalifa auf dem Weg zum ersten Training. Tranquillo Barnetta und Eren Derdiyok haben ihr Hotelzimmer bereits bezogen. Die Nati-Stars besammelten sich am Montag vor dem Abflug in Zürich-Kloten im Hotel Radisson Blu. Erstmals mit dabei ist Izet Hajrovic. In der Hotel-Lobby kommt es auch zum ersten persönlichen Gespräch zwischen Nati-Trainer Ottmar Hitzfeld und dem GC-Flügel. Danach begrüsst Hajrovic seine neuen Nati-Kollegen und stellt sich bei jedem einzeln vor. «Ich kenne die meisten nicht persönlich», so der Hopper. Auch das gehört dazu: Kurz vor dem Mittagessen gibt Bayern-Söldner Xherdan Shaqiri noch Interviews. Um 13.30 Uhr geht es Richtung Gate 43, von wo aus die Nati mit dem Flug Swiss WK2012 in Richtung Tunesien abhebt. Granit Xhaka zeigt sein Flugticket, damit allen klar ist: Der Zielflughafen heisst Enfidha-Hammamet und liegt rund 130 Kilometer südöstlich der Hauptstadt Tunis. Flughafenangestellte packen noch schnell die Gelegenheit beim Schopf und schiessen fleissig Erinnerungsfotos mit Xherdan Shaqiri. Zwei Flugstunden später und langem Warten auf das Gepäck am Flughafen Enfidha macht sich Shaqiri auf den Weg zum Mannschaftsbus, der die Nati ins rund 35 Kilometer entfernt gelegene Sousse bringt, wo das Team logiert und am Mittwoch spielen wird. Wesentlich entspannter wie Shaqiri, dem die Mannschaftskollegen einen Streich gespielt und den Pass versteckt haben, gehen es die Routiniers Eren Derdiyok, Diego Benaglio, Tranquillo Barnetta und Marco Wölfli (vlnr) an. Bis Mittwoch ist schliesslich noch viel Zeit. Training in Sousse am Montagabend. Die Stimmung ist zumindest bei Reto Ziegler (Mitte) gut. Ein Tape für Yann Sommer im Outdoor-Massageraum.

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Um 14 Uhr hob der Flug Swiss WK2012 vom Flughafen Zürich in Richtung Enfidha-Hammamet im 1187 Flugkilometer entfernten Tunesien ab. Am Mittwoch trägt die Nati in Sousse ihr letztes Spiel des Jahres aus. Aber rund eineinhalb Jahre nach dem Sturz von Präsident Zine EL Abidine Ben Ali hat sich die politische Lage in Tunesien noch nicht beruhigt. Zuletzt kam es Ende Oktober in der Hauptstadt Tunis, die 130 km von der Hafen-Metropole Sousse entfernt, ist zu Unruhen. Und am 14. September forderten gewaltsame Proteste vor der US-Botschaft und einer amerikanischen Schule mehrere Todesopfer.

Das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) berichtet auf seiner Homepage, dass sich die Sicherheitslage zwar beruhigt habe, die politischen Spannungen aber weiter bestehen. «Vor allem in den grossen Städten sind erneute Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und den Sicherheitskräften möglich. Auch Streiks können nicht ausgeschlossen werden. Während Ausschreitungen kann die Regierung eine Ausgangssperre verhängen. In den Touristenzentren hat die Kriminalität zugenommen. Im ganzen Land besteht das Risiko von Terroranschlägen. Lassen Sie erhöhte Wachsamkeit walten. (...)

Die Nati bleibt gelassen

SFV-Medienchef Marco von Ah: «Wir haben uns auch auf der Homepage des EDA auf dem Laufenden gehalten. Die ganze Situation scheint verhältnismässig ruhig. Aber zur Sicherheit sind Teammanager Philipp Ebneter und der Sicherheitsverantwortliche Christian Schöttli bereits am Sonntag vorausgereist, um sich ein Bild zu machen und, um eventuell reagieren zu können. Der Polizeischutz rund um die Mannschaft wird aber im üblichen Rahmen sein.»

Sousse liegt am Golf von Hammamet und ist nach Tunis und Sfax die drittgrösste Stadt des Landes. Sie zählt rund 173 000 Einwohner. Sousse stammt aus phönizischer Zeit, möglicherweise wurde es sogar schon vor rund 3000 Jahren gegründet, also noch vor Karthago, kann man dem Reiseführer entnehmen. Ihre Blütezeit erlebte die Hafenstadt unter den Römern. Die Nati wird ihr Spiel im Stade Olympique de Sousse austragen. Es ist die Heimstätte des örtlichen Vorzeigeklubs Etoile Sportive Du Sahel und von Stade Soussien. Das Stadion wurde 1973 eröffnet und hat eine Kapazität von 25000 Plätzen.

Einige Bekannte - aber nur Darragi im tunesischen Aufgebot

Yassine Chikhaoui, Amine Chermiti und Chaker Zouaghi (alle FCZ), Saïf Ghezal (Thun) sind unter anderen Spieler, die bei Etoile Sportive du Sahel gross geworden sind und den Verein in Richtung Super League verlassen haben. Fwayo Tembo wechselte 2010 von Etoile zum FC Basel. Im Januar 2012 kehrte der Mittelfeldspieler für ein Jahr auf Leihbasis nach Tunesien zurück. Aber der Einzige, der im aktuellen Nationalmannschafts-Kader steht, ist der Sittener Darragi. Schweizer Trainer oder Trainer mit Schweizer Vergangenheit bei Etoile Sportive Du Sahel sind Michel Decastel (zuletzt Sion) und Gernot Rohr (ex YB). Der neunfache tunesische Meister gehört zu den Topadressen in Afrika. Den sportlichen Höhepunkt bildete der Gewinn der CAF Champions League 2007.

Zwischen Tunesien (Fifa-Rangliste: Rang 46) und der Schweiz (16.) kam es bisher zu zwei Länderspielen. Am 17. März 1993 siegten die Eidgenossen unter Nati-Coach Roy Hodgson in Tunis 1:0. Den einzigen Treffer der Partie erzielte Adrian Knup in der 87. Minute. Die zweite Begegnung fand am 15. November 2000 statt. Mario Cantaluppi hatte die Nati von Trainer Enzo Trossero nach 20 Minuten in Führung geschossen. Das Spiel endete 1:1.