FCZ-Trainer Urs Meier

02. Dezember 2012 12:40; Akt: 02.12.2012 12:48 Print

«Ich bin nicht David Copperfield»

von Eva Tedesco - FCZ-Interimstrainer Urs Meier warnt vor dem Derby gegen GC vor übertrieben Erwartungen. Er hofft mit dem FC Zürich durch Bescheidenheit und Demut den Erfolg zu finden.

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Bis Dienstag war Urs Meier Trainer der U21-Mannschaft des FCZ, bis ihn die Entlassung von Rolf Fringer wieder interimistisch als Coach in die 1. Mannschaft hochspülte. Oder soll man eher sagen als Psychologe? Denn das war er in den ersten Tagen hauptsächlich. «Die Unruhe, die gegen Aussen spürbar war, habe ich auch bei den Spielern angemerkt und vorgefunden. Meine Aufgabe war deshalb in dieser kurzen Zeit in erster Linie, Platz für das Wesentliche in den Köpfen zu schaffen. Und das heisst: Fussball spielen und das erfolgreich. Wenn der Erfolg zurück ist, kommt auch die Freude wieder.»

Schonungslos müsse sich jeder Spieler fragen, ob er denn genug gemacht hat? «Und wenn die Spieler selbstkritisch genug sind, dann müssen sie sich eingestehen, dass das nicht der Fall war, sonst wäre man nicht in dieser Situation», redete Meier Klartext. Auch er habe sich zu der Mannschaft Gedanken gemacht, die schon zum zweiten Mal einen Trainer «auf dem Gewissen» hat. Und auch im Frühjahr 2011 war Meier es, der zwischenzeitlich als Nachfolger des entlassenen Urs Fischer eingesprungen war. «Sicher macht man sich als Trainer so seine Gedanken über so eine Mannschaft. Aber diesmal ist sie in der Verantwortung und fertig!»

Bickel erklärt der Mannschaft seinen Abgang

Er sei sehr enttäuscht gewesen. Schliesslich sei es immer eine Niederlage, wenn einer gehen muss. «Es ist ein Scheitern und das muss inzwischen jedem im Verein klar sein», so Meier weiter. Erschwerend kam hinzu, dass sich Sportchef Fredy Bickel nur einen Tag später in Richtung YB verabschiedet habe. Bickel trat am Freitag persönlich vor die Mannschaft und legte seine Gründe offen. «Das war wichtig, dass die Spieler nicht nur aus den Medien erfahren, was gelaufen ist, sondern Eins-zu-Eins von Fredy seine Beweggründe hören konnte.» Das Gespräch habe nicht länger als zehn Minuten gedauert, sei sehr emotional gewesen – von beiden Seiten – aber wichtig, damit man die Woche gedanklich abschliessen konnte.

Die Aufarbeitung der Probleme stand bei Meier seit Dienstag im Vordergrund. «In der kurzen Zeit ist es schwierig, etwas zu ändern. Ich habe daher sehr viel über die Stärken geredet, und zwar unsere eigenen und nicht die des Gegners. Ich musste versuchen, den verunsicherten Spielern Selbstvertrauen zurückzugeben und das holt man bei sich selber. Wenn man sich selbst vertraut, dann geht es auch weiter.» Das Problem seien falsche Erwartungen, die unzufrieden machen. Und wer unzufrieden ist, könne auch keine Freude am Job haben. Die Spieler sind erfahren genug und aus einem guten Grund beim FCZ. Wir müssen zu Demut und Bescheidenheit zurückfinden. Ab sofort müssen Eigeninteressen hinten eingereiht und ans Kollektiv gedacht werden.»

Meier kann nicht zaubern

Meier sei ein sehr positiver Mensch und ambitioniert. «Wenn man Freude an der Sache hat, spürt das der Spieler. Ich werde nichts unversucht lassen, die Saison positiv abzuschliessen. Denn meist fängt man so an, wie man aufgehört hat. Aber ich bin nicht David Copperfield, sondern Urs Meier und ich kann nicht zaubern. Das kann nicht einmal José Mourinho oder Pep Guardiola. Aber wenn man in Zürich lebt, ist das Derby etwas Besonderes und ich freue mich wahnsinnig auf das Derby. Und das müssen auch die Spieler.»

Ein positives Resultat wäre für Meier schon ein Remis. Schliesslich spiele man nicht gegen irgendeinen Gegner, sondern den Leader der Super League. GC sei stark und das käme nicht von irgendwoher. «Ich verlange Bereitschaft, offensiven Fussball, auch in schwierigen Phasen des Spiels Ruhe zu bewahren und nicht in Einzelteile zu zerfallen. Die Mannschaft muss zeigen, dass sie auf gewisse Sachen reagieren kann und vor allem, dass sie lebt!»