Ricardo Rodriguez

30. August 2017 12:06; Akt: 30.08.2017 12:56 Print

«England ist nicht so mein Ding»

von E. Tedesco, Feusisberg - Vom grauen Wolfsburg in die schillernde Metropole Mailand. Ricardo Rodriguez und die AC Milan nehmen Anlauf zurück zu alter Grösse.

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Die Karriere von Ricardo Rodriguez Der Linksverteidiger unterschreibt im Sommer 2017 bei der AC Milan einen 4-Jahres-Vertrag. Im Januar 2012 wechselte Ricardo Rodriguez vom FCZ zu Wolfsburg. In den letzten zweieinhalb Jahren wurde der Linksverteidiger mit diversen Spitzenclubs in Europa in Verbindung gebracht. Am 7. Oktober 2016 im WM-Qualifikationsspiel gegen Ungarn (3:2) ist es endlich so weit: Der Linksverteidiger erzielt mit einer herrlichen Direktabnahme sein erstes A-Länderspiel-Tor. Das hat gedauert! Am 9. November 2013 schiesst Rodriguez beim 2:1-Sieg gegen Borussia Dortmund sein erstes Bundesliga-Tor. Seine Freistoss-Flanke fliegt an Freund und Feind vorbei in die entfernte Torecke. Mittlerweile sind zwei weitere Treffer hinzugekommen. : Mit 23 Jahren gehört Ricardo Rodriguez zu den besten Linksverteidigern der Welt. Der Sohn eines Spaniers und einer Chilenin hat das Interesse verschiedener Grossclubs auf sich gezogen. Der Stern von Ricardo Rodriguez geht im November 2009 auf. Der Linksverteidiger mit drei Pässen (Schweiz, Spanien, Chile) wird mit der Schweizer U17 in Nigeria Weltmeister. Am 5. April 2010 bestreitet Rodriguez mit 17 Jahren sein erstes Spiel in der Super League und freut sich mit Torschütze Admir Mehmedi über einen 3:2-Sieg im Derby gegen die Grasshoppers. Der Linksverteidiger macht sich rasch einen Namen als gefährlicher Freistoss-Schütze. In der Qualifikation zur Champions League 2010/11 scheitert der FCZ zwar am grossen FC Bayern. Rodriguez' Leistung gegen Arjen Robben (l.) jedoch sorgt auch in Deutschland für Aufsehen. Mit 19 Jahren wechselt Ricardo Rodriguez im Januar 2012 in die Bundesliga zum VfL Wolfsburg. Dort erarbeitet sich der Landsmann von National-Keeper Diego Benaglio innert kurzer Zeit einen Stammplatz auf der linken Abwehrseite. Mit einer Ablösesumme von rund 10 Millionen Franken war und ist Ricardo Rodriguez der teuerste Spieler, den der FCZ je verkauft hat. Dafür lässt Präsident Ancillo Canepa gern einen Blumenstrauss springen. Bis kurz vor der Winterpause 2013/14 hat Ricardo Rodriguez für den VfL Wolfsburg insgesamt 57 Bundesliga-Spiele bestritten. Wie stark der Schweizer spielt, lässt sich unter anderem an der Kartenstatistik ablesen: Rodriguez wird nur zweimal verwarnt. Detail am Rande. Der Verteidiger schiesst ausschliesslich mit seinem linken Fuss. Aber er schreibt mit rechts. Rodriguez spielt eine hervorragende WM in Brasilien. Diverse Topklubs buhlen um den Schweizer, der sich aber für eine Vertragsverlängerung in Wolfsburg entscheidet. Rodriguez unterschreibt einen Vertrag bis 2019. Das Papier enthält eine fixe Ablösesumme von 36 Millionen Euro. Sollte der VfL Wolfsburg die Champions League verpassen, reduziert sich der Betrag auf 26 Millionen.

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Zurück zu alter Grösse – das erscheint im ersten Augenblick komisch für einen jungen Mann, der vor fünf Tagen seinen 25. Geburtstag gefeiert hat. Nicht aber für einen, der mit 19 Jahren von zu Hause und seinem Junioren-Club FCZ auszog, in der Bundesliga beim VFL Wolfsburg sofort durchstartete und mit Topclubs wie Real Madrid und Manchester United in Verbindung gebracht wurde. Für Rodriguez, der in Bestform weltweit zu den Top 3 auf seiner Position als Linksverteidiger zählt, war das sechste und letzte Jahr beim VW-Club eines zu viel.

Vor der EM in Frankreich im Sommer 2016 sass Rodriguez quasi schon auf gepackten Koffern und hatte sich geistig auf einen Clubwechsel eingestellt. «Aus Mangel an akzeptablen Angeboten», wie er sagt, ist er geblieben. «Ein Transfer hätte unbedingt Sinn machen müssen. Ich gehe jedoch nicht weg, wenn ich nicht einen Schritt vorwärts machen kann», so Rodriguez rückblickend.

Das berühmte eine Jahr zu viel

Die sechste Saison mit dem VFL wurde beinahe zum Albtraum. Der Meister von 2009 wechselte innert drei Monaten zweimal den Trainer, kämpfte gegen den Abstieg, sicherte sich den Klassenerhalt erst in den Relegation-Playoffs. Und dabei konnte Rodriguez seinen Mannschaftskollegen nicht einmal helfen, denn der Linksverteidiger hatte sich im März verletzt. Wegen eines Teilabrisses des Syndesmosebandes im Spiel gegen RB Leipzig fehlte Rodriguez für sechs Partien. Danach gab es einen letzten Auftritt beim 0:6 gegen die Bayern.

Seine Rückkehr auf den Rasen feierte er bereits im neuen Trikot der AC Milan. Die Rossoneri, seit Sommer im Besitz von chinesischen und amerikanischen Investoren, gaben über 200 Millionen Euro für eine neue Mannschaft aus. Die Absicht: Man will zu alter Grösse des italienischen Traditionsclubs zurückkehren. Dieses Ziel verfolgt auch Rodriguez: das Letzte Seuchenjahr vergessen und wieder zu seinem Topniveau zurückfinden.

Seit Montag befindet sich der 45-fache Internationale wieder im Kreis der Nati, nachdem er verletzungsbedingt drei Länderspiele verpasste. Am Dienstag traf sich 20 Minuten mit dem Zürcher auf der Terrasse hoch über dem Zürichsee zum Interview.

Ricardo Rodriguez, seit Ihrem 18. Lebensjahr tragen Sie am rechten Oberarm ein Madonnen-Tattoo. Es soll Sie daran erinnern, dass es vielleicht manchmal schwierig ist, aber dass es wieder gut werden kann. Wird jetzt alles wieder gut?
Mein Onkel ist Italiener und er hat mir das Bild mit dem Gebet in italienischer Sprache geschenkt, als ich noch klein war. Ich habe es aufbewahrt und mir mit 18 Jahren tätowieren lassen. Ich gehe zwar nicht in die Kirche, aber ich bin ein gläubiger Mensch und bete manchmal, um einfach nur Danke zu sagen, für die Dinge, die ich im Leben erfahren darf.

Das Leben hat für Sie einen neuen Abschnitt bereit. Sie wechselten im Sommer vom überschaubaren Wolfsburg in die Metropole Mailand. Wie kamen Sie zurecht?
Mailand ist tatsächlich das pure Gegenteil von Wolfsburg. Aber ich komme aus einer grossen Stadt, also komme ich gut damit klar.

Eine grosse Stadt?
Zürich ist auch gross, oder nicht?! Auf jeden Fall ist immer was los ... (er schmunzelt). In Mailand ist auch immer etwas los, man kann unter unzähligen Restaurants wählen, und auch sonst kann man viele Dinge unternehmen. Wolfsburg ist vergleichsweise klein und ruhig, aber für mich war der VfL mit 19 Jahren perfekt. Zudem bin ich sowieso gern zu Hause und gehe nicht oft aus.

Wahrscheinlich können Sie sich in Italien auch nicht mehr so frei bewegen wie in Wolfsburg?
Jetzt geht es noch ganz gut, aber man spürt das Interesse am Fussball generell und an Milan schon extrem – und zwar auf der ganzen Welt. Ob auf unserer Chinareise oder beim Testspiel in Lugano, es gibt überall unheimlich viele Milan-Fans.

Milan wurde im Sommer an den chinesischen Geschäftsmann Li Yong-Hong verkauft. Haben Sie den neuen Präsidenten schon getroffen?
Ich habe ihn in China kennengelernt. Er hat uns gesagt, was die neuen Besitzer von der Mannschaft wollen.

Und das ist?
Dass die AC Milan zur alten Grösse zurückkehrt. Sie wollen das erfolgreiche Milan von früher. In erster Linie wollen sie aber schnell zurück in die Champions League.

Warum haben Sie sich für einen Club entschieden, der viel an Glanz verloren hat? Und die Serie A zählt derzeit auch nicht zu den attraktivsten Ligen.
Ich habe immer Spanien und Italien favorisiert. Dieser Fussball kommt meinem Stil mehr entgegen. England ist nicht so mein Ding. Milan ist ein Traditionsclub, ein Verein mit grossen Zielen. Ich sehe eine Riesenchance für mich.

Und nach sechs Jahren eine neue Motivation? Wolfsburg kannten Sie in- und auswendig, nicht?
Jeder Neuanfang ist auch eine neue Motivation, und nach fünfeinhalb, fast sechs Jahren in der Bundesliga ist die Serie A für mich ein Neuanfang. Das Kader der AC Milan ist im Gegensatz zu Wolfsburg riesig, der Konkurrenzkampf sehr gross. Man muss Leistung zeigen, auch in den Trainings, sonst findet man sich schnell auf der Bank wieder.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Fussballer am 30.08.2017 12:57 Report Diesen Beitrag melden

    Stolz wohl eher

    Wer Rodriguez schlecht findet, sollte mal nicht so überheblich sein und den Fussball ein wenig besser studieren. Der Mann ist torgefährlich und zudem Assistgeber auf hohem Niveau. Und das alles als Verteidiger. Stolz wäre angebracht den er spielt für die Schweizer Nati!

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  • StefanWillibald am 30.08.2017 12:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Den Kommentaren nach...

    müsste man meinen er sei ein schlechter Spieler. Geht also garnicht, ich denke nicht dass wir in der Schweiz einen besseren Spieler haben?!?!

  • Beltran Leyva am 30.08.2017 13:15 Report Diesen Beitrag melden

    Wünsche Ihm alles gute!

    war ein riesentalent,ist ein sehr guter fussballer,aber um sein potenzial abzurufen muss es bei ihm auch privat zu 100% stimmen,was auf diesem niveau sehr problematisch ist,ich persönlich finde ihn sehr sympathisch und wünsche ihm alles gute für den neuanfang und hoffe er findet zu alter stärke zurück!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Mark am 31.08.2017 00:11 Report Diesen Beitrag melden

    zürich vs mailand?

    klar, vergleiche das kleine Zürich mit der Millionenmetropole Mailand welches alles 10 mal mehr hat xD Auf jedenfall ist die Stadt reich und wer geld hat, wird dort alles finden und viel spass haben.

    • Massimo am 31.08.2017 10:45 Report Diesen Beitrag melden

      Mailand? Besser? Klaaaaar!

      Vor allem modrige Gebäude und Gestank. Aber das brauch ich nicht 10mal mehr! Außerdem ist Zürich eine der Städte mit der größten Clubdichte, Bahnhofstrasse und Top 2 in der Lebensqualität. Nichts für ungut, aber da kann Mailand (Nicht mal Top 23) nicht mithalten. Mein Vater lebt in der Nähe von Mailand, kann ich immer noch nicht verstehen!

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  • Mondo.ch am 30.08.2017 21:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Guter Junge

    Zürich Wolfsburg Mailand hört sich nicht soo schlecht an.. ....Viel Glück und Hopp Schwiiz...:-))))

  • carmen diaz am 30.08.2017 16:20 Report Diesen Beitrag melden

    ich verstehe ihn...

    ..., schliesslich ist die ganze insel voller gendefekte und seltener krankheiten und 13-jährigen die das zweite mal schwanger sind. über das was die dort als essen bezeichnen wollen wir gar nicht erst sprechen...

    • Tina am 30.08.2017 16:39 Report Diesen Beitrag melden

      @Cameron diaz

      Inhaltlich muss man nicht diskutieren über ihren Kommentar. Er ist es nicht wert,wirft aber ein Licht auf seine Verfasserin.

    • Unglaublich am 30.08.2017 17:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @carmen diaz

      Du solltest dich schämen für diesen Kommentar. Warst du schon mal in England? Eben, lass es einfach. Es ist so peinlich was du geschrieben hast und hat nichts mit Rodriguez zu tun!!!

    • Dumm am 30.08.2017 18:32 Report Diesen Beitrag melden

      @Cameron diaz

      Na ja Cameron Diaz,hoffentlich verstehen sie mehr von Fussball.

    • Liverpooler am 30.08.2017 20:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @carmen diaz

      Spreche nicht von Dingen wo Du selber keine Ahnung hast!!! Und das war nicht das Thema...also,sei besser still!

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  • Raimundo am 30.08.2017 16:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Stolz

    Sehe hier so unnötige Kommentare hallo schaut ihr überhaupt Fussball zuerst schauen nachher jammern und ein grosses Kompliment an Ricardo Rodriguez endlich hat er sein Ziel erreicht und es wird immer besser kommen bei AC Milan dieser Club hat keine Geld sorgen auch in Zukunft weil Milan ist eine Legende!!

  • schindler am 30.08.2017 16:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bestätigen

    Top 3 auf seiner Position?!? Ist aber sehr schmeichelhaft. Hoffe er überzeugt in den nächsten 4 Natispielen, dann nehme ich alles zurück.