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Europarat fordert
13. Juli 2012 16:25; Akt: 13.07.2012 16:42 Print
Blatter muss Erklärungen abliefern
Sepp Blatter gerät weiter unter Druck. Der französische Europarat-Abgeordnete François Rochebloine verlangt vom Fifa-Oberhaupt Erklärungen zu den Schmiergeldzahlungen.
Die Karriere von Joseph Blatter.
Nachdem in dieser Woche Schmiergeldzahlungen an die ehemaligen brasilianischen FIFA-Funktionäre João Havelange und Ricardo Teixeira publik geworden sind, werden vom Präsidenten des Weltverbandes Erklärungen erwartet.
Der französische Parlamentarier und Europarat-Abgeordnete François Rochebloine verlangt vom 76-jährigen Walliser klare Antworten: «Wann hatte Blatter von diesen Zahlungen erfahren? Warum hat die Fifa diese stillschweigend akzeptiert und dagegen nichts unternommen? Welche Schritte will die Fifa nun unternehmen, damit dies nie mehr passiert?» Und der frühere DFB-Präsident und das heutige Fifa-Exekutivmitglied Theo Zwanziger fordert Konsequenzen für den Ehrenpräsidenten Havelange, der von 1974 bis 1998 den Weltverband geführt hatte.
Blatter war über Schmiergeldzahlungen informiert
Blatter hatte am Donnerstag verlauten lassen, dass es nicht in seiner Kompetenz liege, den 96-Jährigen zur Rechenschaft zu ziehen. Nur der Kongress könne entscheiden, was mit Havelange zu geschehen habe.
Die am Mittwoch veröffentlichte Einstellungsverfügung der Staatsanwaltschaft des Kantons Zug dokumentiert, dass Blatter als Fifa-Generalsekretär (1981 bis 1998) und später als Präsident über die Zahlungen informiert gewesen war. Laut Gerichtsakten sollen von der 2001 Konkurs gegangenen Zuger Vermarktungsagentur ISL zwischen 1989 und 2001 insgesamt 160 Millionen Franken an die Fifa geflossen sein.
Blatters Vorgänger Havelange erhielt davon 1,5 Millionen Franken, der langjährige Präsident des brasilianischen Verbandes und Fifa-Exekutivmitglied Teixeira 12,7 Millionen Franken. «Dies ist ein schockierender Skandal im Herzen der Fussball-Welt», so Rochebloine. «Dies ist eine Beleidigung für den Fussball und seine Legionen von loyalen Fans weltweit.»
«Zahlungen konnten von den Steuern abgezogen werden»
Blatter hatte am Donnerstag laut Fifa-Homepage zugegeben, dass er von den Zahlungen gewusst hatte, diese aber verharmlost, da zum damaligen Zeitpunkt diese im Gegensatz zu heute nicht strafbar gewesen seien. «Solche Zahlungen konnten sogar als Geschäftsausgaben von den Steuern abgezogen werden», so Blatter. Zu seiner Verteidigung liess der Walliser auch verlauten, dass aufgrund der Ereignisse im «Fall ISL» 2006 auf seine Initiative die FIFA-Ethikkommission gegründet worden ist. Zudem zielten die derzeitigen Reformbemühungen innerhalb des Weltverbandes in dieselbe Richtung. Im letzten Jahr wurde von der Fifa eine unabhängige Steuerungskommission (ICG) eingesetzt, die vom Schweizer Strafrechtsprofessor Mark Pieth geleitet wird.
Für viele Kritiker sind die jüngsten Entwicklungen ein weiterer Beweis dafür, dass Korruption, Bestechung und Schmiergeldzahlungen bei hochrangigen Fifa-Funktionären an der Tagesordnung sind. Zuletzt war es vor gut einem Jahr vor der Fifa-Präsidentschaftswahl zu Diskussionen um mögliche Bestechungszahlungen im Vorfeld der WM-Vergaben 2018 (Russland) und 2022 (Katar) im Dezember 2010 in Zürich gekommen. Blatters Gegner im Kampf um das Amt des Präsidenten, Mohamed bin Hammam (Katar), war kurz vor der Wiederwahl Blatters (bis 2015) am 1. Juni 2011 zusammen mit dem Vizepräsidenten Jack Warner wegen Bestechungsvorwürfen suspendiert worden.
(si)
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