Fussball-Tragödie

16. März 2012 11:03; Akt: 16.03.2012 12:21 Print

Das Versagen der Polizei in Port Said

Die ägyptische Staatsanwaltschaft hat 75 Personen wegen der tödlichen Fussballkrawalle in Port Said angeklagt. Die Fussball-Meisterschaft in Ägypten wurde definitiv abgesagt.

Bildstrecke im Grossformat »
Am 4. Februar versuchen zwei Männer, die Demonstranten in Kairo am Werfen von Steinen zu hindern - vergeblich. Bei den neuen Unruhen sind erneut elf Menschen ums Leben gekommen. Die Proteste in Ägypten entzündeten sich wieder, nachdem es an einem Fussballspiel in Port Said im Zuge schwerer Ausschreitungen über 70 Tote gegeben hatte. Die Demonstranten wollen teils nichts geringeres als die Hinrichtung der Mitglieder des Militärrats. Am Rande der gewaltsamen Proteste in der ägyptischen Hauptstadt Kairo ist am 3. Februar im Gebäude der Steuerbehörde in Feuer ausgebrochen. Am 3. Februar stürmten Demonstranten in Kairo ein Gebäude und versuchten es in Brand zu setzen. Die Proteste in Ägypten weiten sich aus. Zwei Personen wurden in der Stadt Suez erschossn Über 600 Fussball-Fans wurden einen Tag nach der Tragödie von Port Said bei einer Demonstration in Kairo verletzt. Die Sicherheitskräfte gingen mit Tränengas gegen die Fussball-Fans vor. Vor dem Innenministerium kam es zur Konfrontation zwischen der Polizei und den Demonstraten. Tausende Ägypter marschieren vom Fussballklub Al-Ahly zum Innenministerium. Vor dem Parlamentsgebäude kommt es zu Protesten. Dort entlässt Premierminister Kamal al-Ganzouri in einer Krisensitzung die Spitze des Fussballverbands. Auf dem Sphinx-Platz in Kairo versammeln sich Tausende Fussballfans. Die Trauer um die Toten ist gross. Hier weinen Frauen bei einer Beerdigung eines Opfers der Ausschreitungen. Nach dem Abpfiff einer Fussball-Partie im ägyptischen Port Said zwischen Al-Masry und Al-Ahly Kairo sind am 1. Februar 2012 dutzende Menschen ums Leben gekommen. Die Armee setzte Hubschrauber ein, um Spieler und Fans in Sicherheit zu bringen. Zuschauer haben den Rasen gestürmt und sollen Jagd auf die Spieler und Fans des Vereins Al-Ahly gemacht haben. Die Spieler von Al-Ahly flüchteten in die Kabinen, wo sie sich einschlossen. Der Mediziner sprach von Chaos und forderte eine umgehende Untersuchung. Die Ordnungskräfte mussten dem Treiben hilflos zusehen. Als Reaktion auf die Gewalt in Port Said zünden auch Fans an einem Fussballmatch in der Hauptstadt Kairo die Tribünen an. Verzweifelt versuchten sie, dem Treiben zu entkommen. «Das ist Krieg, der geplant war», wurde der Mannschaftsarzt von Al-Ahli zitiert. Auf die Spieler war von den gegnerischen Fans regelrecht Jagd gemacht worden. Bei den Ausschreitungen wurden wohl über 1000 Menschen verletzt. Die Fans warfen Steine, Feuerwerkskörper und Flaschen. Ein Mann hält in einer Moschee in Port Said Totenwache für seinen Bruder, der bei den Unruhen sein Leben verloren hatte. Am Bahnhof von Kairo warten Krankenwagen und tausende Angehörige und Freunde auf die Rückkehr verletzter Al-Ahli-Fans aus Port Said. Am Bahnhof von Kairo. Eine Militärmaschine transportierte die Verletzten. Sie wurden nach Kairo gebracht, wo sie medizinische Hilfe erhielten. Zahlreiche Verletzte werden von Sanitätern weggetragen. Blutverschmierte Tribünen-Sitze zeugen von den Ereignissen am Vorabend. 73 Menschen sind bei den Auseinandersetzungen nach dem Fussballspiel vom 1. Februar in Port Said gestorben. Hier trauert ein Mann um seinen Bruder. Zuvor haben Fans der Klubs al-Ahly und al-Zamalek vor dem Fussballstadion in Kairo gegen die Gewaltexzesse am gestrigen Match demonstriert. Am Morgen des 2. Februar warten Menschen am Bahnhof von Kairo auf ihre Angehörigen, die vom Fussballspiel in Port Said zurückkehren. Manche sind verletzt und werden von ihren Freunden getragen. Am 2. Februar treffen sich Al-Ahly-Fans sich vor dem Klubhaus in Kairo und skandieren Anti-Militär-Slogans. Generalstaatsanwalt Mahmoud Abdel-Meguid (2.v.l.) besucht am Tag nach den Ausschreitungen das Stadion von Port Said. Der Gouverneur von Port Said, Mohamed Abdullah, ist zurückgetreten. Die Leiter der Sicherheits- und Polizeibehörde sind suspendiert worden.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Nach den tödlichen Krawallen in einem ägyptischen Fussballstadion vor sechs Wochen ist am Donnerstag Anklage gegen 75 Personen erhoben worden. Bei den Ausschreitungen in Port Said am 1. Februar wurden mindestens 74 Menschen getötet. Unter den Beschuldigten sind neun Polizisten, darunter auch Generalmajor Issam Samak, der damalige Polizeichef in der östlichen Hafenstadt.

Kurz nach dem Abpfiff waren Fans des Heimklubs Al-Masri auf Anhänger des Kairorer Klubs Al-Ahly losgestürmt. Unter Berufung auf Video-Aufzeichnungen und Zeugenaussagen beschrieb die ägyptische Staatsanwaltschaft am Donnerstag, wie Al-Ahly-Fans über Absperrungen an den Tribünen gestossen wurden und in den Tod stürzten. Bei der Flucht der Gäste-Fans durch einen engen Korridor seien dort zudem Sprengsätze gezündet worden.

Polizei war gewarnt

Die Sicherheitskräfte hätten es versäumt, rechtzeitig einzugreifen, um die Opfer zu schützen, hiess es in einer Stellungnahme der Staatsanwaltschaft. Sie hätten ausserdem zugelassen, dass 3000 Fans über die maximale Stadionkapazität hinaus eingelassen worden seien. An den Eingängen sei niemand nach Waffen durchsucht worden. Die Polizisten hätten auch bereits im Vorfeld gewusst, dass Angriffe auf Al-Ahly-Fans geplant waren.

Vor dem Büro des obersten ägyptischen Staatsanwalts Mahmud Abdel-Maguid versammelten sich am Donnerstag mehrere tausend Fans des Hauptstadtklubs Al-Ahly. Sie protestierten dabei gegen die aus ihrer Sicht zu langsame Aufarbeitung der Vorfälle und forderten ein zügiges Gerichtsverfahren.

Verband sieht keine «dritte Kraft»

Nach Aussage des Präsidenten des ägyptischen Fussball-Verbandes stand keine «dritte Kraft» hinter den Ausschreitungen. «Die Massnahmen der Ordnungskräfte waren sicherlich locker, aber vielmehr war die hasserfüllte Rivalität der Fans ausschlaggebend», sagte Magdy Abdel Ghany am Donnerstag auf einer Konferenz für Sport und Sicherheit in der katarischen Hauptstadt Doha.

Die Saison der ägyptischen Fussball-Liga wurde nach dem Vorfall in Port Said endgültig abgesagt. Wann der Spielbetrieb wieder aufgenommen wird, konnte Ghany nicht sagen. Stattdessen soll in den nächsten Wochen ein freundschaftliches Turnier ausgetragen werden. Einzelheiten wurden aber nicht bekannt. Nach den Krawallen von Port Said war die gesamte Spitze des ägyptischen Verbandes auf Geheiss der Regierung entlassen worden.

(pbl/ap)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.