Schlechte Leistungen

21. November 2012 10:16; Akt: 21.11.2012 15:45 Print

Chelsea trennt sich von Di Matteo

Der FC Chelsea trennt sich per sofort von Roberto Di Matteo. Nach der 0:3-Niederlage in der Champions League bei Juventus Turin zieht Klubbesitzer Roman Abramowitsch die Reissleine.

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Roberto Di Matteo wurde am 29. Mai 1970 in Schaffhausen geboren. Die grosse Leidenschaft des italienisch-schweizerischen Doppelbürgers war und ist der Fussball. Die zweitschönste Nebensache der Welt hat ihn nie mehr losgelassen. Begonnen hat die Karriere des Mittelfeldspielers beim FC Schaffhausen, wo er zusammen mit Joachim Löw, dem heutigen deutschen Bundestrainer, und unter Trainer Rolf Fringer spielte. Nach drei lehrreichen Jahren beim FCS wechselte Di Matteo zum FC Zürich, wo er allerdings nur eine Saison blieb. Sein ehemaliger Trainer Rolf Fringer holte ihn 1992 nach Aarau. Als «Chefdenker» und Libero führte Di Matteo den FCA 1993 sensationell zum Schweizer Meistertitel. Die Schweiz war jedoch zu klein für den talentierten «Robi». Nach nur einem Jahr in Aarau folgte der Wechsel zu Lazio Rom, wo er auch zum italienischen Nationalspieler reifte. Insgesamt spielte Di Matteo 34-mal im Trikot der «Squadra Azzurra». Nach einem Zerwürfnis mit Lazio-Trainer Zdenk Zeman folgte im Sommer 1996 der Wechsel zum FC Chelsea. Bei den «Blues» war Spielmacher Di Matteo zusammen mit Gianfranco Zola der Drahtzieher im Mittelfeld. Unvergessen sein Tor nach nur 43 Sekunden im FA-Cup-Final 1997 gegen Middlesborough. Zwei FA-Cupsiege und und den Erfolg im damaligen Cup der Cupsieger durfte Di Matteo im «Blues»-Dress bejubeln. Im Sommer 2000 endete Di Matteos Karriere als Aktiver abrupt. Im Uefa-Cup-Spiel gegen den FC St. Gallen im Zürcher Hardturm zog er sich einen dreifachen Beinbruch zu. Nach einer achtjährigen Pause vom Fussball stieg Di Matteo ins Trainergeschäft ein. Nach dem englischen Drittligisten Milton Keynes Downs übernahm er 2009 West Bromwich Albion und führte die «Baggies» gleich in seinem ersten Jahr in die Premier League. Nach einer erfolglosen Phase wurde der Schaffhauser aber im Dezember 2010 entlassen. Ein halbes Jahr später kehrte Di Matteo zu «seinem» FC Chelsea zurück. Als Assistent des portugiesischen Hoffnungsträgers André Villas-Boas kümmerte er sich vor allem um die taktische Schulung im Training. Nach der Entlassung von Villas-Boas wurde Di Matteo am 4. März 2012 ad interim zum Cheftrainer befördert. In der Premier League konnte er die «Blues» nicht ganz zurück auf Kurs bringen. Rang 6 ist für den Londoner Klub mehr als eine Enttäuschung. Dafür sorgte Di Matteo in der Champions League für Furore. Im Halbfinal eliminierte das alternde Starensemble um Drogba, Terry und Lampard den haushohen Favoriten Barcelona vor allem dank einer taktischen Meisterleistung des Trainers. Anfang Mai durfte Di Matteo seinen ersten Titel als Trainer bejubeln. Chelsea siegte im FA-Cup-Final gegen Liverpool mit 2:1. Am 19. Mai 2012 der Meilenstein schlechthin in Di Matteos Karriere: Im Champions-League-Final bezwingt er mit Chelsea Bayern München im Penaltyschiessen und sorgt für den grössten Erfolg in der Vereinsgeschichte der «Blues». Ob der Interimstrainer allerdings weiterhin an der Seitenlinie der Engländer bleiben darf, ist trotz dem Titel ungewiss. Roberto Di Matteo wird für seine Erfolge mit den «Blues» belohnt. Er unterschreibt am 13. Juni 2012 einen Zweijahresvertrag. Am 21. November 2012 wird Di Matteo allerdings bereits entlassen. Vier sieglose Partien in der Premier League und das desolate 0:3 bei Juventus Turin waren zu viel. Chelsea steht damit als erster Titelverteidiger der Königsklasse vor dem Ausscheiden in der Gruppenphase.

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Sechs Monate und zwei Tage nach dem Champions-League-Triumph in München wurde Roberto Di Matteo (42) als Trainer von Chelsea entlassen. Der in Schaffhausen geborene Italiener war erst seit März im Amt.

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Am Ende hat ihm das Team nicht mehr geholfen. Die kraft-, ideen- und lustlose Art und Weise, wie sich die Chelsea-Spieler ins Turiner Debakel schickten, war ein deutliches Signal. Sie kämpften nicht für ihren Trainer. Nach vier Spielen in der Premier League mit nur zwei Punkten steht Chelsea nach dem 0:3 gegen Juventus in der Champions League vor dem Out in der Gruppenphase - als erster Titelverteidiger überhaupt in diesem Wettbewerb. Am Morgen danach folgte die erwartete Konsequenz: Coach Roberto Di Matteo wurde bei Chelsea entlassen, «weil die Resultate nicht gut waren und ein Wechsel nötig ist, um wieder in die richtige Richtung zu kommen», wie der Klub schrieb.

Di Matteo schenkt Abramowitsch den CL-Titel

Mit den gleichen Worten war im März bei Chelsea schon der Portugiese André Villas-Boas verabschiedet worden. Es war der Beginn gewesen eines schönen, aber letztlich doch sehr kurzen Trainer-Märchens für Di Matteo. Der in Schaffhausen geborene Italiener wurde vom Assistenten zum Chef befördert. Und ausgerechnet er, der Unerfahrene im Metier, gewann den Titel, den sich Klub-Chef Roman Abramowitsch so lange gewünscht hatte. Am 19. Mai 2012 holte Chelsea die Champions League - nicht unter Claudio Ranieri oder José Mourinho. Nicht unter Guus Hiddink oder André Villas-Boas, sondern unter Roberto Di Matteo.

Der achte Trainer hatte Abramowitsch den grossen Wunsch endlich erfüllt und doch wurde Di Matteos Position bei Chelsea durch den Münchner Triumph nicht gestärkt. Abramowitsch zierte sich lange damit, den Interimstrainer mit einer Festanstellung zu belohnen. Es wird so gewesen sein: Abramowitsch hätte im Sommer lieber einen grossen Namen präsentiert. Aber nach den Siegen in der Champions League und im FA-Cup wäre eine Ersetzung Di Matteos bei Fans, Medien und Spielern nicht zu vermitteln gewesen.

Schwieriger Generationenwechsel

In der neuen Saison war Di Matteos Aufgabe vom ersten Tag an schwierig. Nach dem Champions-League-Titel waren die Ansprüche an den Trainer und an die verjüngte Mannschaft riesig. Vergessen wurde dabei, dass Chelsea in der letzten Saison nur selten geglänzt hatte. Die Teilnahme an der Champions League wurde nur dank dem Titel gesichert, denn in der Premier League resultierte letztlich bloss Rang 5. Die enttäuschende Klassierung in England spiegelte die Realität des Leistungsvermögens besser als der epochale Triumph in Europa.

Den von Vorgänger André Villas-Boas eingeleiteten und von der alten Garde (Terry, Lampard, Essien, Drogba) blockierten Generationenwechsel führte Roberto Di Matteo in diesem Herbst auch wegen des Abgangs von Führungsspielern wie Didier Drogba und Michael Essien sowie kostspieliger Transfers (Hazard, Oscar) weiter. Zudem streifte der Trainer dem Team ein neues taktisches Kleid über. Basierte der Champions-League-Sieg noch auf einer starken Defensive, forcierte Di Matteo in dieser Saison die Offensive, mit dem Ergebnis, dass der Mannschaft gerade in Spitzenspielen das Gleichgewicht fehlte. In den Partien gegen Manchester United (2:3), Juventus Turin (2:2, 0:3) und Schachtjor Donezk (1:2, 3:2) kassierte sie zu viele Tore.

Guardiola soll kommen

Wer das schlingernde Schiff auf Kurs bringen soll, will der Klub in Kürze bekannt geben. Für die Buchmacher ist der Spanier Rafael Benítez der Favorit vor Pep Guardiola und Harry Redknapp. Beobachter gehen davon aus, dass spätestens im kommenden Sommer Erfolgstrainer Guardiola auf der Kommandobrücke stehen wird.

(si)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Sarah am 21.11.2012 13:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    In die Schweiz

    Back to the roots. Komm zurück in die Schweiz,hier wird man deine Arbeit schätzen. ;-)

  • Thomas Oberholzer am 21.11.2012 10:59 Report Diesen Beitrag melden

    Als neuer Trainer zum FC Thun

    Jetzt kann Herr Di Matteo das Traineramt beim FC Thun übernehmen. Eine junge aufstrebende Mannschaft mit Drang zur Spitze. Ein Traineramt in der Schweiz wo er auch hingehört.

  • Cote d' Ivoire am 21.11.2012 11:27 Report Diesen Beitrag melden

    Drogba

    Didier Drogba hat das Team zusammen mit John Terry zum FA Cup und der CL geleitet, di Matteo hatte lediglich die notwendigen Diplome um an der Linie zu stehen, mehr nicht.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Air I am 23.11.2012 08:31 Report Diesen Beitrag melden

    zu hohe Erwartungen...

    Schade, aber die Erwartungshaltung war halt einfach zu gross.

  • juventus am 21.11.2012 17:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    3:0

    tja pech für chelsea... das resultat sagt ja wohl dass die alte dame einfach besser war. chelsea hatte dem nichts entgegen zu setzen. forza juve

  • chelseafan am 21.11.2012 17:36 Report Diesen Beitrag melden

    Chelsea's Trainer

    Ich hoffe Guardiola kommt nicht! Ich kann den Typen nicht leiden. Ich glaube ausserdem kaum dass Benitez besser ist. Abramowich hätte damals nie Mourihno und Guus Hiddink gehen lassen dürfen.

  • Mighty am 21.11.2012 17:34 Report Diesen Beitrag melden

    Queens Park Rangers

    Ich kann mir gut vorstellen das RDM jetzt ein Thema bei den Queens Park Rangers ist, Tabellenletzter der Premiere League. Die haben sich ja auf diese Saison ziemlich verstärkt, César, Zamora und Park. Er würde meiner Meinung nach auch dort hin passen.

  • Jules am 21.11.2012 15:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hmmm 

    Find ich keine gute entscheidung! Meiner meinung nach ist das nicht seine schuld- torres spielt einfach schlecht, macht keine tore, luiz kann nicht verteidigen und chec ist in letzter zeit auch kein held.. Terry fehlt und ein richtiger stürmer, da kann di matteo nix für.. Letztes saison noch ein gefeierter mann und jetzt.. Naja