Rückkehr nach Basel

07. September 2010 13:59; Akt: 07.09.2010 14:18 Print

Steven Gerrards Schweizer AlbtraumSteven Gerrards Schweizer Albtraum

von Peter Blunschi - Englands Captain wird gegen die Schweiz besonders motiviert sein. Im Basler St. Jakob Park hatte er seine schwärzeste Stunde als Fussballer erlebt.

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Alex Frei spuckt Steven Gerrad in den Nacken. (Video: YouTube) Im Grossformat auf dem Videoportal Videoportal
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Wenn sich die Captains Alex Frei und Steven Gerrard kurz vor 20.45 Uhr im Mittelkreis zum Handshake treffen, werden unweigerlich Erinnerungen wach an das erste Rencontre der beiden Spieler am 17. Juni 2004 im portugiesischen Coimbra. Es war das zweite Gruppenspiel der EM 2004. Die von Köbi Kuhn trainierten Schweizer spielten gut, waren meist im Angriff, wurden von den cleveren Engländern aber eiskalt ausgekontert.

In der 75. Minute erzielte der 18-jährige Wayne Rooney mit seinem zweiten Treffer das vorentscheidende 2:0. Zwei Minuten später kam es zum Eklat: Steven Gerrard attackierte Alex Frei mit einer harten Körpercharge. Der vom Spielverlauf frustrierte Schweizer antwortete auf seine Weise: Er spuckte Gerrard im Vorbeigehen in den Nacken. Anfangs war die Beweislage unklar, Frei und der Schweizer Fussballverband leugneten die Entgleisung. Dann lieferte ausgerechnet das Schweizer Fernsehen den ultimativen Videobeweis.

Frei wurde von der UEFA für drei Länderspiele gesperrt und boykottierte für einige Zeit das Schweizer Fernsehen, das Krisenmanagement des Verbands und seines Präsidenten Ralph Zloczower wurde durchleuchtet. Heute ist die Affäre für die Spieler erledigt. «Damals war ich sauer», erklärte Gerrard am Montag vor den Medien. «Doch das ist sechs Jahre her, ich bin nicht nachtragend und er hat sich entschuldigt. Deshalb ist die Sache für mich erledigt.»

Der Albtraum von Basel

Für den Mittelfeldregisseur ist der Match im Basler St. Jakob Park aus ganz anderen Gründen mit Emotionen verbunden. Hier hatte er vor acht Jahren mit dem FC Liverpool erlebt, was englische Medien als «schwärzeste Stunde» oder «grössten Albtraum» seiner Karriere bezeichnen. Steven Gerrard müsse «seine eigenen Dämonen bändigen», schrieb der «Guardian» in Anspielung auf Wayne Rooneys Sex-Skandal.

Es war der 12. November 2002: Der FC Liverpool trat in der Champions League beim FC Basel an. Englands Rekordmeister brauchte einen Sieg, um sich für die damals noch ausgetragene Zwischenrunde zu qualifizieren, doch die «Reds» wurden von den entfesselten Baslern in der wohl besten Halbzeit, die eine Schweizer Klubmannschaft je gezeigt hat, in Grund und Boden gespielt. Nach einer halben Stunde stand es 3:0.

Völlig neben den Schuhen stand der damals 22-jährige Steven Gerrard, als waschechter «Scouser» bereits damals der Liebling der Liverpooler Fans. In der Pause folgte die Höchststrafe: Trainer Gérard Houllier liess Gerrard in der Kabine und wechselte ihn gegen Salif Diao aus. Gerrard kochte vor Wut, Goalietrainer Joe Corrigan, der ihn zu trösten versuchte, scheuchte er mit einem «Fuck off» davon. Liverpool konnte in der zweiten Hälfte noch auf 3:3 ausgleichen, war aber trotzdem ausgeschieden.

Scheidung der Eltern als Ausrede

Die Medien sahen damals die Ursache für Gerrards schlechte Leistung in der Scheidung seiner Eltern. Sein Vater Paul sprach deswegen sogar bei Gérard Houllier vor. Acht Jahre später lässt Steven Gerrard dies nicht mehr gelten: «Ja, meine Eltern hatten sich getrennt. Aber das war eine Ausrede, ich war einfach furchtbar und zeigte eine meiner schlechtesten Leistungen. Die Auswechslung in der Pause war vollkommen verdient.»

In einem seiner ersten Champions-League-Spiele ausgewechselt zu werden, sei «ein Tiefpunkt» seiner Karriere gewesen. «Aber aus solchen Erfahrungen lernt man, dadurch wurde ich zum Spieler, der ich heute bin.» Er schaue nicht zurück und werde am Dienstag sicher nicht an die damalige Leistung denken, betonte Gerrard weiter. Für den «Guardian» dürften der Spielort und das Wiedersehen mit Alex Frei dem Captain dennoch «genug Motivation bieten für das, was gegen die Schweiz auf dem Spiel steht».

Axpo Super League

Datum Spiel Resultat
04.02.12  Luzern - Zürich 1:1 (1:0)
05.02.12  Basel - Sion 0:0
05.02.12  Grasshoppers - Thun 0:1 (0:1)
05.02.12  Young Boys - Servette 3:1 (3:0)
R Mannschaft Sp S U N G : E P
1. Basel 19 11 6 2 38 : 17 39

2. Luzern 19 9 5 5 26 : 16 32
3. Young Boys 19 8 6 5 29 : 18 30

4. Thun 19 7 5 7 22 : 21 26
5. Servette 19 7 3 9 26 : 32 24
6. Zürich 19 6 4 9 27 : 27 22
7. Grasshoppers 19 6 1 12 19 : 37 19
8. Lausanne-Sport 18 3 2 13 16 : 44 11

9. Sion 19 9 5 5 26 : 17 -4 (-36)

10. Neuchâtel Xamax 18 7 5 6 22 : 22 26
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