Sicherheitsvorkehrungen

17. November 2015 13:46; Akt: 17.11.2015 14:14 Print

Länderspiele im Zeichen des Terrors

Verschärfte Sicherheitsvorkehrungen, Solidaritätsbekundungen, Verbrüderung, Absagen: Die Terror-Anschläge von Paris haben grosse Auswirkungen auf die anstehenden Länderspiele.

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Sie verbrüdern sich in diesen finsteren Tagen, die langjährige Rivalität auf dem Rasen wird irrelevant: Wenn sich England und Frankreich am Dienstagabend zum Länderspiel treffen, wird nichts sein wie sonst, die Bedeutung des Matchs wird weit über die sportliche Dimension hinausragen. Statt zwei Mannschaften, die sich gegenseitig bekämpfen, werden sich zwei Mannschaften gegenüberstehen, die die Katastrophe eint.

Vier Tage nach den Terror-Anschlägen in Paris wird man in London Französisch sprechen. Die Engländer tun einiges, um ihre Solidarität mit den Gästen, die am Freitagabend und frühen Samstagmorgen im Stade de France bange Stunden erlebten, und deren Landsleuten kundzutun. Die 90'000 Zuschauer im Wembley werden die Marseillaise intonieren – genau wie die englischen Nationalspieler, die zudem eine spezielle Aktion geplant haben. Der Text der französischen Nationalhymne wird auf den Grossleinwänden eingeblendet werden. Der «Mirror» und die «Sun» druckten die Zeilen auf der letzten Seite ihrer Dienstagsausgaben ab.

1400 Fans aus Frankreich

Der Bogen über dem Wembley-Stadion wird weiter in den französischen Nationalfarben Blau, Weiss und Rot leuchten. Auf den Videotafeln ausserhalb und in der Arena leuchten die Leitworte der französischen Revolution «Liberté, Egalité, Fraternité» auf.

«Wembley öffnet seine Arme für ein Land in Trauer», titelte die «Times» am Montag, Personen mit düsteren Absichten soll dagegen mit aller Macht der Zutritt verwehrt werden. Die Sicherheitsvorkehrungen wurden – bewaffnete Polizisten überwachten beispielsweise das Training der Franzosen – und werden rund um den Match massiv verschärft. Schliesslich dürften gegen 1400 Fans aus Frankreich zum Spiel kommen.

Grosse Polizeiaufgebote in Hannover und Bologna

Auch die zweite Mannschaft, die am Freitag im Pariser Vorort Saint-Denis auf dem Rasen stand, hat bereits den nächsten schweren Gang vor sich. Die Deutschen empfangen in Hannover Nachbar Holland. Bundestrainer Joachim Löw hatte die Partie zuerst noch absagen wollen, entschied sich dann aber dagegen. Er wünscht sich den Match als «klare Botschaft und klares Symbol für die Freiheit und die Demokratie».

Der Spielort Hannover ist zur Hochsicherheitszone geworden, Polizisten patrouillieren mit Maschinenpistolen und Spürhunden durch die Stadt. Unterstützt werden sie von privaten Sicherheitskräften. «Wir geben ein deutliches Zeichen, dass sich die Zuschauer im Stadion weiterhin sicher fühlen können», sagt der Sicherheitsbeauftragte Hendrik Grosse Lefert.

In Bologna, wo Italien gegen Rumänien spielt, hat das italienische Innenministerium die Sicherheitsvorkehrungen ebenfalls verschärft und dafür Hunderte Polizisten aufgeboten (ähnlich wie in Wien für die Partie Österreich gegen die Schweiz). Die Spieler werden vor der Begegnung eine Schweigeminute zu Ehren der Opfer in Paris und eines Brandes in einer Diskothek in Bukarest einhalten, bei dem 50 Menschen ums Leben kamen.

Absage in Brüssel

Zu einer Absage kam es in Belgien. Der belgische Fussballverband sagte das Länderspiel auf Empfehlung der nationalen Behörden und in Absprache mit der spanischen Nationalmannschaft ab. Nach den Anschlägen wurde in Belgien die Terrorwarnstufe erhöht. Stufe drei (von vier) bedeutet, dass ein Anschlag möglich oder wahrscheinlich ist. Das zum Innenministerium gehörende Krisenzentrum erklärte, besonders bedroht seien Orte mit einer grossen Menschenansammlung.

Der Verband bedauerte die kurzfristige Absage. Es dürfe aber kein Risiko für die Spieler und Fans eingegangen werden. Im Brüsseler König-Baudouin-Stadion waren für das Spiel 50'000 Zuschauer erwartet worden. Ihre Enttäuschung über die Absage dürfte sich in Grenzen halten.

(kai/sda)