WM-Qualifikation

09. Juni 2017 20:34; Akt: 11.06.2017 16:40 Print

Xhaka, Shaqiri und ein Totalausfall

6 Spiele, 6 Siege in der WM-Qualifikation: Die Schweiz geht nach einem problemlosen Sieg auf den Färöer mit dem Punktemaximum in die Ferien.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Die Ausgangslage bleibt in der WM-Qualifikation dank der makellosen Bilanz vier Spieltage vor Schluss perfekt. In der Gruppe B führt Vladimir Petkovics Ensemble dank der SFV-Rekordserie von sechs Erfolgen auf Ausscheidungs-Niveau drei Zähler vor der portugiesischen Prominenz; der letztjährige EM-Teilnehmer Ungarn spielt nach seiner epochalen 0:1-Blamage in Andorra keine Rolle mehr.

Mit seinem 20. Treffer im SFV-Dress sorgte Topskorer Shaqiri frühzeitig für das 2:0 (59.) und ein Zwischenergebnis, das nicht den Hauch einer Ungewissheit mehr offenliess. Die verlustpunktlosen Schweizer sind von ihrem direkten Kurs Richtung vierte WM-Endrunde in Folge weiterhin keinen Zentimeter abzubringen - schon gar nicht von Nationalteams aus der dritten europäischen Kategorie.

Das 2:0 durch Shaqiri. (Quelle: SRF)

Die Konstanz ist eine der wichtigsten Merkmale der Schweizer Equipe. Sie fällt seit geraumer Zeit kaum mehr unter ein gewisses Level. Die Brillanz oder die letzte Konsequenz in der Offensive ist ihr unter Umständen in ein paar Situationen abzusprechen, aber die Zuverlässigkeit, die Bereitschaft, auch abseits des internationalen Scheinwerferlichts akkurat und fokussiert aufzutreten, ist der in dieser Beziehung ausgesprochen reifen Mannschaft hoch anzurechnen.

Xhakas Dribbling und Leadership

Zwei, drei Mal erzeugte der Gruppen-Leader in der ersten Hälfte Druck. Immer wieder stand dabei Xhaka am Ursprung. Im Stile eines Skippers steuerte der Arsenal-Professional die Angriffsbemühungen. Mit dem Selbstvertrauen des englischen Cupsiegers trieb er seine Mitspieler an und kanalisierte im Zentrum die Auslösung der Spielzüge nahezu solo.

Dass Xhaka in der 36. Minute am ersten Vorteil hauptbeteiligt war, passte zu seinem überzeugenden Auftritt und war das Resultat seiner Leadership. In Co-Produktion mit Blerim Dzemaili düpierte der Premier-League-Vertreter innert Sekundenbruchteilen gleich drei Kontrahenten. Sein erstes Tor im aktuellen WM-Qualifikations-Parcours vereinfachte die Konstellation erheblich. Ballast fiel ab, und das Szenario, gegen einen ausschliesslich in der Defensive formierten Gegner im Finish in eine ungemütliche Situation zu geraten, rückte ab jenem Xhaka-Dribbling endgültig in beruhigend weite Ferne.

Das 1:0 durch Xhaka. (Quelle: SRF)

Rekord ausgebaut

In der Defensive nichts zuzulassen und im Angriff die Effizienz markant zu erhöhen, so hatte Petkovic am Abend vor dem 6. Spieltag die wichtigsten Vorgaben sinngemäss zusammengefasst. Die Wünsche des Chefs setzte die Mannschaft einmal mehr mit der nötigen Sorgfalt um. Die Bilanz gegen Aussenseiter wie die Färöer fällt seit der Amtsübernahme Petkovics imponierend aus: zehn Siege, 29:2 Tore.

Der eher provinzielle Rahmen und die frostigen Temperaturen inspirierten die Protagonisten im letzten Ernstkampf am Ende einer intensiven Saison nicht zu einem Spektakel. Aber ihre Stilsicherheit genügte, eine mit Blick auf das Drehbuch gut getimte, souveräne und zielorientierte Darbietung brachte den erhofften Ertrag ein: weitere drei Punkte auf dem Weg zur grossen Finalissima beim Europameister in Portugal im kommenden Oktober.

Akanjis Debüt in einer variablen Abwehr

Taktisch flexibel, die Schweizer veränderten ihre 4-2-3-1-Grundaufstellung bereits in der Startphase immer wieder, drängten die Gäste den limitierten Herausforderer von der ersten Minute zurück. Eine Flut von Chancen erspielten sie sich zwar nicht, aber die Richtung war sofort unmissverständlich klar: Ballbesitz, kaum Bewegungsfreiheit für die chancenlosen Nordländer, absolute Kontrolle.

Die Statistik liess im Prinzip schon nach 45 Minuten keine Fragen mehr offen, ob die Auswahl von Petkovic ihre bald einjährige makellose Serie fortsetzen würde. 358:75 Pässe schlug der Favorit – mehr Einbahnfussball ist kaum möglich. Die Färöer verhielten sich kaum mutiger als im Hinspiel in Luzern, sondern in erster Linie destruktiv.

Mehmedi fehlte Selbstvertrauen

Die Massnahme, Valon Behrami teilweise in der Abwehr zu positionieren und den Aussenverteidigern Lichtsteiner und Moubandje Freiheiten zu offerieren, erweiterte das Repertoire – zumal mit dem 21-jährigen Basler Meister Manuel Akanji im Zentrum der Abwehr einer debütierte, der schon im Kluballtag eine variable Auslegung der Defensivarbeit pflegt.

Allerdings hatte der Pflichtsieg auch einen Verlierer: Admir Mehmedi, der schon im Test gegen Weissrussland kaum zu sehen war, aber auch auf den Färöer von Beginn weg spielte, war erneut ein Totalausfall und wurde wieder ausgewechselt. Dem ehemaligen FCZ-Spieler fehlt zurzeit jegliches Selbstvertrauen, da er auch mit Leverkusen eine schlechte Saison hatte.

Färöer - Schweiz 0:2 (0:1)
Torsvöllur, Torshavn - 4800 Zuschauer (ausverkauft) - SR Mazzoleni (ITA)
Tore: 36. Xhaka (Dzemaili) 0:1. 59. Shaqiri (Dzemaili) 0:2.
Färöer: Nielsen; Naes, Gregersen, Johan Davidsen (71. Färö), Viljormur Davidsen; Vatnhamar, Benjaminsen, Hansson (66. Lökin), Olsen (61. Joensen); Sörensen, Justinussen.
Schweiz: Sommer; Lichtsteiner, Akanji, Djourou, Moubandje; Behrami, Xhaka; Shaqiri, Dzemaili (85. Freuler), Mehmedi (62. Zuber); Seferovic (78. Derdiyok).
Bemerkungen: Schweiz ohne Schär (gesperrt) sowie Rodriguez, Elvedi, Lacroix und Drmic (alle verletzt). Debüt im Nationalteam von Akanji. 31. Kopfball von Akanji an die Latte. Verwarnungen: 40. Benjaminsen (Foul).

Andorra - Ungarn 1:0 (1:0)
Andorra La Vella - 2400 Zuschauer - SR Kalogeropoulos (GRE)
Tor: 26. Rebes 1:0.
Andorra: Gomes; Rubio, Llovera, Lima, San Nicolas; Vales, Rebes; Clemente (83. Riera), Pujol (88. Ayala), Martinez; Alaez.
Ungarn: Gulacsi; Bese, Lang (56. Balogh), Toth, Vinicius; Nagy, Stieber (21. Nagy); Gyurcso (72. Sallai), Kleinheisler, Dzsudszak; Eppel.
Verwarungen: 28. Alaez. 29. Pujol. 37. San Nicolas. 45. Bese. 61. Rubio.

Lettland - Portugal 0:3 (0:1)
Riga - 8087 Zuschauer - SR Kovacs (ROU)
Tore: 41. Ronaldo 0:1. 63. Ronaldo 0:2. 67. André Silva 0:3.
Lettland: Vanins; Jagodinskis, Kolesovs, Gorkss, Maksimenko; Kluskins (62. Indrans), Kazacoks (72. Vardanjans), Laizans, Solovjovs; Sabala; Ikaunieks (68. Rakels).
Portugal: Rui Patricio; Cédric (71. Semedo), Fonte, Bruno Alves, Guerreiro; Carvalho, Moutinho, André Gomes, Martins (58. Quaresma); André Silva (80. Nani), Ronaldo.
Bemerkungen: Portugal u.a. ohne João Mario, Pepe (beide verletzt), Renato Sanches (U21-EM) und Eder (nicht im Aufgebot).
Verwarnungen: 38. Kluskins. 55. Martins. 75. Laizans. 93. Quaresma (alle Foul).

Rangliste:
1. Schweiz 6/18 (12:3)
2. Portugal 6/15 (22:3)
3. Ungarn 6/7 (8:7)
4. Färöer 6/5 (2:10)
5. Andorra 6/4 (2:13)
6. Lettland 6/3 (2:12).

(tn/sda)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Schwiizer am 09.06.2017 23:07 Report Diesen Beitrag melden

    Stolz auf unsere Nati

    Sein wir doch mal ehrlich, wieviele von euch Hatern können die GANZE Hymne auswendig??? Ich bin stolz auf unsere Nati und finde, dass sie unser Land perfekt repräsentiert! Wir leben in einem Land in dem man alles erreichen kann, egal ob arm oder reich geboren, man muss nur wollen! Seit lieber ein bisschen dankbarer dafür, als sich immer über Kleinigkeiten aufzuregen! Sind wir doch ehrlich, wir hatten einfach Glück, dass wir hier geboren wurden, mehr nicht!

    einklappen einklappen
  • Pets am 09.06.2017 22:55 Report Diesen Beitrag melden

    Hymne

    Für alle die hier wieder wegen dem fehlenden Singen stänkern: kürzlich (beim Freundschaftsspiel gegen Weissrussland?) gab es im Vorprogramm einen Rückblick auf ein Nati-Spiel der 90er Jahre, es war die Mannschaft zu sehen während die Hymne spielte. Zur Erinnerung, unsere Spieler hiessen damals Wicki, Sutter, Sforza, Geiger, Knupp, Chapuisat, Hottiger, Bregy, Ohrel usw.. und wisst ihr was? KEINER hat die Hymne mitgesungen, alle konzentrierten sich auf das kommende Fussballspiel..

    einklappen einklappen
  • daniel am 09.06.2017 23:49 Report Diesen Beitrag melden

    echt?

    da stellt unsere nati einen allzeitrekord von siegen auf, hat das punktemaximum auf dem zähler, liegt vor dem europameister, hat in 7 partien nur 3 tore kassiert und das einzige was euch dabei auffällt ist das mit dem singen? sagt mal, macht ihr witze? ich hoffe es ist so. denn wenn ihr es tatsächlich ernst meint, dann...möge euch gott für den rest eures lebens gnädig sein. beati pauperes spiritu

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Marco Goby am 12.06.2017 10:01 Report Diesen Beitrag melden

    Neue Stürmer braucht das Land!!

    Mehmedi gehört schon längst aus der Startelf verbannt! Nicht umsonst hat er den Übernamen "Chancentod", denn er braucht jeweils zu viele Chancen, um auch nur einmal den Ball im Tor unterbringen zu können! Da haben wir mit Sicherheit valable Alternativen, die wir in die Nati einberufen könnten! (PS: Auch Seferovic ist nicht wirklich der Brüller im Sturm!)

  • dude am 10.06.2017 23:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    internationalmannschaft

    ja, hat tiptop gespielt die schweizerische migrationsmannschaft. die nationalmannschaft aus den faröern hatte jedenfalls keine chance. dafür war sie national.

  • George Best am 10.06.2017 21:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Es gibt keine WM für die Schweiz

    Portugal schlägt im letzten Gruppenspiel die Schweiz. Dann gehts in die Barrage gegen einen Gegner aus dem vorderen Teil der Weltrangliste und plötzlich ist man weg vom Fenster! So wird es der besten Schweizer Mannschaft aller Zeiten mit lauter Erfolgen gegen Fussballzwerge diesen Herbst ergehen! Keine WM, dafür an Memedi, Seferovic und Djouru festgehalten! Bravo Herr Petkovic.

  • Rarco Meus am 10.06.2017 19:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hopp schwiiz

    Okay. Gehen wir davon aus wir werden 2. und müssten in die barage. So schlimm wäre es auch nicht... hab mal die tabelle aller mannschaften angeschaut. Die schlimmsten gegner wären sicher italien oder spanien. Dann in der gruppe a wirts auch spannend. Holland wird es schwer haben platz 2 zu sichern. Und frankreich wird wahrscheindlich 1. somit wäre schweden unser gegner. Finde ich ist machbar. Bei allen anderen gruppen kann es keine hochkaräter mehr geben. Von dem her, in 2 spielen sind alle machbar. Aber besser wäre es natürlich 1. zu werden...

  • Aufpassen am 10.06.2017 14:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fakt

    So eine Nati macht Lust auf mehr.... Egal wie das Spiel gegen Portugal ausgehen wird.... Stolz sein können wir auf "unsere" Jungs allemal... An alle Kritiker: Wie würdet ihr denn reagieren, wenn wir Letzter in der Gruppe wären aber alle singen würden????

    • einpassend am 10.06.2017 15:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Aufpassen

      aber nein , thesen zu suchen passt nicht wirklich. wir sind erster und niemand singt , aber alle erfreuts. mehr brauchts nicht.

    • Aber Achtung am 10.06.2017 18:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Aufpassen

      Stolz zu sein dass man die Färöer geschlagen hat?! Hihi lustig irgendwie..

    einklappen einklappen