Hooligan-Konkordat

26. Januar 2012 07:16; Akt: 26.01.2012 08:54 Print

Schärfere Massnahmen wohl erst ab 2013Schärfere Massnahmen wohl erst ab 2013

von Lukas Mäder - Ein härteres Vorgehen gegen Gewalttäter an Sportveranstaltungen findet breite Zustimmung. Umstritten ist einzig die Bewilligungspflicht – was zu Verzögerungen führen dürfte.

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Am Anfang der öffentlichen Debatte um Hooliganismus in der Schweiz stand die sogenannte Fans stürmten nach der Niederlage des FC Basel gegen den FC Zürich in der Finalissima das Spielfeld. Es kam zu einem Im Hinblick auf die Euro 2008 in Österreich und in der Schweiz berief der Bund einen Runden Tisch ein. Im Bild ein in Genf für allfällige Hooligans. führte den Runden Tisch, an dem alle Beteiligten vertreten sind, weiter. Im Bild empfängt Maurer 2010 Captain Alex Frei und die Nationalmannschaft im Bundeshaus. Kritiker werfen Maurer vor, und zuwenig Wille für eine politische Lösung aufzubringen. Das Bild zeigt Maurer im Juni 2011 in Dänemark zusammen mit Peter Gillieron (M) vom Fussballverband und Uefa-Präsident Michel Platini (l.). Doch das Hauptproblem des Runden Tisches sind seine fehlenden Kompetenzen. Entscheide waren nur möglich mit Einwilligung aller Beteiligten - was längst nicht mehr der Fall ist. Am 1. September 2011 gab Maurer bekannt, . Da die meisten Kompetenzen im Bereich Hooliganismus bei den Kantonen liegen, kommt mit dem Ende des Runden Tisches Karin Keller-Sutter eine Schlüsselrolle zu. Die St. Galler Justizdirektorin ist seit 2010 Präsidentin der (KKJPD) und zuvor Vizepräsidentin. Im April 2010 präsentiert sie in Bern ein Massnahmenpaket gegen Gewalt an Sportanlässen. Die FDP-Politikerin Keller-Sutter ist ein gegen gewalttätige Fussballfans. Auf Seiten der Fans hat sie sich zu einer Hassfigur entwickelt. Konkret mit den Fussball-Hooligans beschäftigen müssen sich die Ihr Verband unterstützt schärfere Massnahmen. Gleichzeitig funktionieren auf lokaler Ebene die Beziehungen zu Clubs und Fanarbeiter oft gut. Auf dem Bild sind FCZ-Fans auf dem Weg zum Bahnhof Wankdorf. Stark betroffen vom Hooliganismus sind auch die die mit Extrazügen Fans befördern müssen. Die Bundesbahnen wollen, dass die Clubs für die Schäden ihrer Fans aufkommen und die Extrazüge chartern müssen. Im Bild SBB-CEO Andreas Meyer im Februar 2010. Unterstützung erhalten die SBB vom Dessen Direktor Peter Füglistaler lässt eine Gesetzesänderung ausarbeiten, damit die Clubs für Schäden in die Pflicht genommen werden können. Laut dem heute gültigen Transportgesetz müssen die SBB alle Personen transportieren, die einen gültigen Fahrausweis besitzen. Lange zurückhaltend gaben sich der So argumentierte SFL-Präsident Thomas Grimm Ende noch Ende 2010, man können einen Club auch nicht für einen Überfall verantwortlich machen, nur weil der Räuber ein Shirt des Clubs getragen habe. Inzwischen arbeitet der Verband aber an einem bei dem Gästefans von Fanarbeitern und nicht von maskierten Polizisten mit Schlagstöcken empfangen werden. Grimm (l.) mit SFV-Präsident Peter Gillieron an der Nacht des Fussballs im August 2009 in Bern. Sehr unterschiedlich ist das Engagement der Während einige insbesondere in der Prävention aktiv sind, sind andere dem Vernehmen nach nicht an einer Lösung interessiert. FCZ-Präsident Ancilo Canepa (l.) und GC-CEO Marcel Meier im Juli 2011 in Zürich. Eine eigentliche Funktion zwischen den Fronten nehmen die ein. So ist manchmal von einer anwaltschaftlichen Beziehung zu den Fans die Rede. Während sie das Vertrauen der Fans brauchen und oft finanziell vom Club abhängig sind, brauchen sie einen guten Draht zu den Sicherheitskräften und den SBB. Urs Frieden (vorne links), Vorstandsmitglied der Fanarbeit Bern, am FCB-Umzug durch die Berner Innenstadt im Juli 2011. Der wohl wichtigste Akteur beim Thema Hooligans sind schliesslich die die meist in Gruppierungen organisiert sind. Obwohl nur eine Minderheit gewaltbereit ist, findet eine Solidarisierung statt. Feuerwehrleute vor YB-Fans in Collombey-Muraz, Oktober 2010. Insbesondere beispielsweise auch die Hooligan-Datenbank des Bundes, sind die Fangruppen geschlossen. Ebenso lehnen sie das Pyro-Verbot in den Stadien ab. Fans des FC Luzern im Mai 2010 in Bern.

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Im letzten Herbst hatten die Kantone genug: Mit der Sistierung des Runden Tisches unter der Leitung von Sportminister Ueli Maurer am 1. September übernahm die Justizdirektorenkonferenz KKJPD das Zepter im Kampf gegen den Hooliganismus – und stellte eine Reihe von schärferen Massnahmen vor: Ein längeres und gesamtschweizerisches Rayonverbot, eine Ausweitung der Meldeauflage, Durchsuchungen im Intimbereich sowie eine Bewilligungspflicht für Spiele. Bei den involvierten Stellen stossen die Neuerungen im sogenannten Hooligan-Konkordat fast ausschliesslich auf ein positives Echo, wie KKJPD-Generalsekretär Roger Schneeberger sagt. Das habe die Vernehmlassungen ergeben, die Mitte Januar zu Ende ging.

Als umstrittenen Punkt bezeichnet Schneeberger die Ausgestaltung der Bewilligungspflicht. Diese soll den Behörden Auflagen ermöglichen, insbesondere zum Einsatz von Extrazügen, zu den Eingangskontrollen sowie zum Alkoholausschank im Stadion. Aus terminlichen Gründen will der Eishockey-Verband eine einmalige Bewilligung für die gesamte Saison. Der Fussball-Verband SFV und die Liga SFL wollen nur Hochrisikospiele bewilligungspflichtig machen. Sie fürchten neben kurzfristigen Absagen von Spielen insbesondere auch hohe Kosten für Polizeieinsätze und sicherheitstechnische Umbauten. Die SFL sei aber nicht grundsätzlich gegen eine Bewilligung von Spielen, schreibt der Liga-Chef Claudius Schäfer auf Anfrage. Einer Globalbewilligung für eine ganze Saison gegenüber ist er nicht abgeneigt.

Erfolglose frühere Zusammenarbeit

Um das Hooligan-Konkordat zu beraten, treffen sich am Donnerstag nächster Woche die Justiz- und Polizeidirektoren zu einer ausserordentlichen Plenarversammlung. Hauptdiskussionpunkt dabei wird laut Schneeberger die Bewilligungspflicht sein. Welche Ergebnisse daraus resultieren, kann er noch nicht sagen. Doch klar ist, dass die KKJPD nicht Hand bieten wird zu weitreichenden Kompromissen. «Die Bewilligungspflicht ist zentral», sagt Hans-Jürg Käser, Berner Sicherheitsdirektor und Vizepräsident der KKJPD. Er verweist auf die erfolglosen Versuche seit 2009, zusammen mit SFV und SFL wirksame Massnahmen auszuarbeiten. «Die Bereitschaft dazu war gering.»

Als möglicher Weg, um terminliche Probleme der Bewilligung zu vermeiden, bieten sich Saisonbewilligungen an, wie sie der Eishockey-Verband vorschlägt. Der Zuger Sicherheitsdirektor Beat Villiger spricht von einer Variante mit einer Saisonbewilligung, die zusätzliche Beurteilungen der einzelnen Spiele einige Tage im Voraus beinhaltet. «Wir müssen auch den Verwaltungsaufwand in Grenzen halten.» Wenn eine solche Globalbewilligung nicht zur Alibiübung verkommt, kann sich auch Käser damit anfreunden. «Es geht mir als Sportdirektor nicht darum, Sportveranstaltungen zu verhindern», sagt er. Es könne nicht sein, dass die Fans bestimmen, wo der Extrazug hält - wie dies im letzten Juli in Bern bei einem Spiel gegen Basel der Fall war.

Zeitplan noch offen

Die KKJPD-Vertreter Käser und Schneeberger sind zuversichtlich, dass die geplanten Verschärfungen in den kantonalen Parlamenten eine Mehrheit finden. Noch ungewiss ist hingegen, wann sie in Kraft treten. Der ursprüngliche Zeitplan der KKJPD ging optimistisch davon aus, dass die Kantone das Geschäft, zu dem diese nur Ja oder Nein sagen können, bis im Sommer 2012 verabschieden. Das Konkordat wäre so bereits auf die Fussball-Saison 2012/13 wirksam geworden, die im Juli beginnt. Für Käser ist das unrealistisch. Er hofft, dass in seinem Kanton das Parlament im kommenden Herbst darüber berät. Die schärferen Massnahmen könnten so erst auf die Saison 2013/14 in Kraft treten.

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  • Kristin Mönch am 27.01.2012 10:05 Report Diesen Beitrag melden

    2 Jahre für was?

    Für Normalbürger, welche keine Interessensverbänden angehören und auch nicht in der Politik sind, ist es schwer verständlich, weshalb es erneut ganze zwei Jahre für weiterführende Massnahmen braucht.

  • Fan25 am 27.01.2012 09:00 Report Diesen Beitrag melden

    PS: Hooligans kenne ich keine in der CH

    Wann lernt der Staat, dass Restriktionen nichts bringen. Ich bin gegen einen Überwachungsstaat! Der Dialog ist wichtig! Im übrigen hat kein Land in Europa das Problem gelöst!

  • kein fan am 26.01.2012 20:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    an der zeit...

    dass sich in dieser hinsicht schlagartig was ändert.. letztendlich wird sonst das ganze zirkus gleich abgeschafft...

Axpo Super League

Datum Spiel Resultat
16.02.12  Young Boys - Basel 2:2 (1:0)
18.02.12  Zürich - Thun 1:1 (1:0)
19.02.12  Lausanne-Sport - Luzern 0:0
19.02.12  Servette - Grasshoppers 3:1 (0:0)
R Mannschaft Sp S U N G : E P
1. Basel 20 11 7 2 40 : 19 40

2. Young Boys 21 9 7 5 32 : 20 34
3. Luzern 21 9 7 5 27 : 17 34

4. Thun 21 7 7 7 24 : 23 28
5. Servette 20 8 3 9 29 : 33 27
6. Zürich 21 7 5 9 30 : 28 26
7. Grasshoppers 21 6 1 14 20 : 42 19
8. Lausanne-Sport 19 3 3 13 16 : 44 12

9. Sion 20 9 5 6 26 : 18 -4 (-36)

10. Neuchâtel Xamax 18 7 5 6 22 : 22 26
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