Analyse

29. September 2017 10:35; Akt: 29.09.2017 10:56 Print

Die Anarchie kostete Ancelotti den Job

von Sebastian Rieder - Carlo Ancelotti provozierte seine Entlassung bei Bayern München mit seinem Führungsstil.

Wer wird Nachfolger von Carlo Ancelotti? In München wird derzeit wild spekuliert. (Video: AFP)
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Aura verloren, Spieler verloren, Job verloren. Das Kurztelegramm von Carlo Ancelotti zum Auftakt seiner zweiten Saison bei den Bayern gleicht einem Abgesang auf einen Ausnahmetrainer. Dreimal hat der Italiener die Champions League gewonnen – zweimal mit Milan, einmal mit Real. Angesichts seiner mageren Ausbeute bei den Bayern wirkt sein dickes Palmares wie ein Lorbeerkranz, dessen Blätter längst verwelkt sind.

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Ist die Entlassung von Ancelotti richtig?

Vielleicht ist es ein wenig vermessen, zu behaupten, dass sich Ancelotti auf den besagten Lorbeeren etwas gar lange ausgeruht hat. Das jüngste Protokoll aus der Pariser Schandnacht beim 0:3 gegen PSG lässt aber vermuten, dass sein Eifer als Anführer einer zerrütteten Fussballfamilie zuletzt doch arg gelitten hat. Latent unzufriedene Stars sind bei den Bayern allerdings nichts Ungewöhnliches, solange man die Führungsspieler bei Laune hält.

Degradierung von Robben und Ribéry

In den vergangenen Tagen und Wochen soll sich Ancelotti aber mit der Speerspitze seiner Truppe überworfen haben. Im Klartext: Mit Müller und Lewandoswki und auch mit Ribéry und Robben. Die französisch-holländische Flügelzange wurde gegen PSG zur allgemeinen Verwunderung auf die Ersatzbank verbannt. In der Folge waren mit Alaba und Kimmich zwei Aussenverteidiger für die bayerische Flankenflut verantwortlich.

Die Degradierung von Ribéry und Robben kann im Nachhinein als Provokation an die Adresse seiner grössten Kritiker verstanden werden. Vielleicht wollte Ancelotti aber auch das Ende bei den Bayern mit seinem fragwürdigen Rotationsprinzip einfach etwas beschleunigen. Zumindest passt dazu eine aktuelle Anekdote aus dem innersten Kreis der Kabine: Vor dem Spiel im Parc de Princes heftete Ancelotti die Startaufstellung einfach an die Wand – wortlos.

Harte Kritik von Oliver Kahn

Auf der Liste der ersten Elf suchten nicht nur Robben und Ribery vergeblich nach ihren Namen. Auch Boateng und Hummels, die beiden Weltmeister, liess Ancelotti aussen vor. Wie gross die Irritation innerhalb der Mannschaft gewesen sein muss, lässt sich nur erahnen. Offensichtlich war jedoch die Ratlosigkeit bei der taktischen Ausrichtung gegen das vielleicht zurzeit beste Dreigestirn im Weltfussball: Cavani, Neymar und Mbappé.

Nach der klaren Niederlage gegen PSG liess vor allem der ehemalige Bayern-Goalie Oliver Kahn deutliche Worte folgen. «Der FC Bayern hat einfach keine Ideen, keine klaren Mechanismen, wie man gegen den Ball funktionieren soll.» Autsch. Es folgte eine markige Ansprache von Bayern-Vorstand Karl-Heinz Rummenigge. «Das war eine bittere Niederlage. Das war nicht Bayern.» Im Angesicht von Ancelotti und der gesamten Mannschaft drohte er mit direkten Konsequenzen.

Ancelotti nahm seine Absetzung stoisch entgegen, selbst seine sonst so ausgeprägte linke Augenbraue blieb für einmal regungslos. Ein ruhiges Gemüt war er schon immer, auch in Momenten des grössten Triumphs blieben Emotionen eine Seltenheit. Die Philosophie seines Erfolgs beschrieb er im vergangenen Jahr sogar in einem literarischen Werk namens «Quiet Leadership – Wie man Menschen und Spiele gewinnt». Vielleicht sollte er das Buch nach dem Kapitel mit den Bayern noch einmal überarbeiten. Zeit hat er, und die Ruhe sowieso.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Fussballfan am 29.09.2017 10:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fussballfan

    Aber niemand sagt das der fc bayern einfach schlechter geworden ist. Der einzige spielmacher Xavi Alonso ist weg. Ribbery und Robben gehen dem ende Ihrer kariere entgegen und wer ersetzt Sie? Hummels und boateng sind immer verletzt. Kimmich muss als aussenbäverteidiger spielen. Nur die schuld an Ancelotti geben ist nocht korekt!

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  • Schmeichel am 29.09.2017 10:48 Report Diesen Beitrag melden

    Fair bleiben

    Nicht nur der Trainer ist schuld sondern auch die sogenannten Stars wie Robben oder Ribery. Robben war schon bei Chelsea eher unbeliebt und meckerte immer nur rum, auf und neben dem Platz!

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  • tom e. am 29.09.2017 11:12 Report Diesen Beitrag melden

    Schwierige Phase

    Fast jeder Spieler von Ancelottis Ex-Mannschaften hat nur gute Worte für Ancelotti übrig. Er ist ein sehr menschlicher Trainer, die Ruhe in Person. Es muss etwas dazwischen gekommen sein zwischen den Spielern von Bayern und Carlo Ancelotti. Man muss aber auch sagen, dass Ancelotti in einer ungünstigen Phase bei Bayern tätig war. Viele verlangen neue, junge und bissige Spieler die alles geben. Das Problem ist aber, dass Vereinslegenden wie Robben, Ribery und Müller sehr ehrgeizig sind und den Platz auf der Bank nicht kennen. By the way, Philipp Lahm hat zur richtigen Zeit aufgehört.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Roland V.d.Meulen am 30.09.2017 10:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mentalität

    FC Bayern München - ok sie 1-3 x die Champ. Final gewonnen - FC Bayern wird komplett überschätzt - auch im Aufbau von jungen Spielern klappt es nicht - Siehe Real M. und Barça - da werden junge Spieler sukzessive eingebaut in die 1.Mannschaft - Real macht zur Zeit die beste E/Politik !Auch Stars kommen nicht einmal mit top Offerten nach München ! Wer will denn längerfristig mit dieser eigenartigen Mentalität der Deutschen zusammen arbeiten

  • marko 32 am 29.09.2017 23:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schrecklich

    Schrecklich

  • tiziano am 29.09.2017 22:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Der FCB

    War ja schon letzte CL klar das man mit der Mannschaft keine CL Gewinnen kann. Seitdem Sind Die FCB Spieler nur älter aber nicht besser geworden und die Topclubs haben noch weiter aufgerüstet. Das ist Größenwahn und totale Arroganz da 1 Jahr später immer noch siege zu erwarten. Der ancelotti hatte nur diese Chance und ist jetzt froh das er diesen Schwachsinn nicht weiter zuhören muss.

  • fcbasel fan am 29.09.2017 20:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Arme bayern

    mit den Bundesligist passiert das gleiche wie mit der Merkel. Sie wird wiedergewählt und trump gratuliert erst 4 Tage später. Dem FCB geht es ungefähr gleich, früher hockten sie am Tisch der grossen, heute mit Basel, BVB, Leipzig.....und wer ist jetzt noch da? AUSTRIA Wien? Dynamo Zagreb? Ach ich habe keine Ahnung wer da das tablet sonst noch auffüllt. Bayern kann sich sicher Zeit lassen bei der Trainer Wahl, am 2. Tisch ist die Nachfrage für einen Job wohl nicht so gross.

    • fc Bayern 4 ever am 29.09.2017 23:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @fcbasel fan

      also für ein gegner wie FC Basel reicht auch die 3. Manschaft der Bayern

    • tiziano am 30.09.2017 16:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @fc Bayern 4 ever

      Klaro, aber die Topmannschaften können gegen den FC Bayern ab den ersten 15 min auch beginnen es gemütlich zu nehmen und ein halbes Dutzend Junioren Spieler mal CL Luft schnuppern zu lassen. Bei den Top Mannschaften spielt das keine Rolle ob jetzt da der FC Bayern oder der FC Basel spielt. okay für Ligen wie unsere ist der grosse FCB sicher ein Kaliber zu hoch. ribery und Robben haben locker noch die Klasse solche im Alleingang zu entscheiden. Aber für mehr bleiben sie dies schon länger schuldig. Also da muss man lange zurück denken.

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  • S.M am 29.09.2017 20:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gut das er weg ist!

    Das allerbeste, was Ancelotti passieren konnte! Ein Fc Bayern, voll mit Diven sollte sich C.A nicht länger antun! vom Management ganz zu schweigen! Spieler von vergangenen Vereinen haben nur lobende Worte wo bei den Lederhosenträger nicht der Fall ist! Ancelotti hat einen besseren Club verdient!!!