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Gladbach im Hoch
20. August 2011 19:37; Akt: 21.08.2011 14:56 Print
Von der Schiessbude zum Spitzenreiter
von Reto Fehr - Lucien Favre verbrachte mit Mönchengladbach in der letzten Saison ein Wunder. Jetzt bastelt das «Absteiger-Verhüterli» am nächsten Husarenstück.

Zwei, die für Gladbachs Aufschwung stehen: Torhüter Marc-André ter Stegen und Goalgetter Marco Reus.
Der Borussia-Park bebte am Freitagabend nach dem 4:1-Erfolg der hoch überlegenen Gastgeber gegen Wolfsburg. «Spitzenreiter» johlten die Gladbach-Fans erstmals seit rund fünf Jahren wieder, die Spieler liessen sich feiern und Lucien Favre sagte zu «Sky»: «Wir waren klar die bessere Mannschaft, es hätte auch mehr sein können, als das 4:1.» Ziemlich offensive Worte für einen, der sonst praktisch nie von der Euphoriebremse geht.
Lucien Favre: Momentan passt alles.
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Schweizer in der Bundesliga 2011/12
Und wer hätte das gedacht: Gladbach grüsst auch noch am Samstagabend als Leader der Bundesliga. Gewinnt am Sonntag Mainz (gegen Schalke) und Hannover (gegen die Hertha) nicht, bleiben die Fohlen zumindest eine weitere Woche ganz oben. Eigentlich nicht verwunderlich, blickt man auf die Bilanz der letzten Wochen: Zuletzt startete Gladbach vor 16 Jahren gleich gut wie in diesem Jahr, seit zehn Pflichtspielen ist das Team ohne Niederlage, Favre ist mit einem Schnitt von 1,8 Punkten pro Partie der beste Trainer der Klubgeschichte und seit 13 Partien hat der Verein nie mehr als ein Gegentor kassiert – das gelang nicht einmal in den goldenen 70er Jahren mit Günther Netzer und Co.
Vom Kanonenfutter zum Bollwerk
Dass Gladbach ein derart schwer zu knackendes Bollwerk werden würde, konnte noch im Februar niemand erwarten. Damals lag das Team abgeschlagen am Tabellenende und kassierte in 22 Partien deren 56 Tore (fast drei im Schnitt!). Werder Bremen als zweitschwächstes Defensivteam liess nur auf deren 44 Gegentreffer zu. Dann kam Favre. Von der «Bild» als «Retterli» verhöhnt, impfte er dem Team die «favre'schen Eigenschaften» ein: Organisiert, kompakt, präzis. Die Schiessbude wurde fast augenblicklich geschlossen. Favre arbeitete wie immer akribisch und detailverliebt. Bis zum Saisonende jubelten die Gegner nur noch neunmal. Favre schaffte das Wunder, die «Bild» blieb höhnisch, titelte jetzt aber «Abstiegs-Verhüterli».
In den ersten drei Partien überzeugte Gladbach mit sieben Punkten. Für die gleiche Anzahl Zähler dauerte es in der letzten Spielzeit ganze elf Partien. Die jungen Marco Reus (Doppelpack gegen Wolfsburg) und Goalie Marc-André ter Stegen gehören zu den grossen Gewinnern im Team. Reus sagt: «Wir haben uns zusammen mit den Fans in einen Rausch gespielt. Letztes Jahr hat uns zusammengeschweisst.» Und Favre – der mitten im Abstiegskampf auf einen 19-jährigen Keeper setzte - meint: «Das war kein Risiko, ihn zu bringen. Wer nicht gesehen hat, dass er ein richtig Guter ist, der ist blind.»
Favre tritt auf Euphorie-Bremse
Abheben wird man in Gladbach nicht. Favre drückt die Euphorie-Bremse mit aller Kraft: «Wir sind erst in der dritten Runde. Das ist schön, mehr nicht. Wir sollten die Situation nicht überbewerten. Im Fussball geht es sehr schnell. Genau wie im Leben», sagt er und denkt wohl an seine Zeit bei Hertha Berlin. 2009 wurde er mit den Hauptstädtern fast Meister, wenige Monate später wurde er entlassen. Darum legt er nach: «Ich bestätige noch einmal: Es wird eine extrem schwere Saison. Wir müssen von Anfang an um jeden Punkt kämpfen.» Am Sonntag bat Favre seine Kicker um 10 Uhr zum Training.
«Wir brauchen die Tabelle jetzt nicht mehr umzudrehen»
Favre hat praktisch das gleiche Team zur Verfügung, welches im Mai den Ligaerhalt schaffte. Gegen Wolfsburg trumpfte Raúl Bobadilla gross auf, der bis zum 2. Spieltag seit letztem Dezember nie mehr auflief. «Triumph der Abgeschriebenen» titelt der «Spiegel» daher. Stürmer Mike Hanke nimmt die aktuelle Situation gelassen und witzelt: «Wir brauchen die Tabelle jetzt nicht mehr umzudrehen, um Erster zu sein. Das ist ein schönes Gefühl.»
So hofft man im Borussia-Park, dass die Gänsehautstimmung unter den Fans anhält. Am Freitag waren es 43 224 Zuschauer, gut möglich dass die Arena beim nächsten Heimspiel gegen Kaiserslautern mit 54 000 Fans proppenvoll sein wird. Und vielleicht titelt die «Bild» ja bald: «Favre, der Deutschland-Eroberli.» Denn bisher wurde noch jedes Team Deutscher Meister, welches im ersten Saisonspiel bei den Bayern gewann. Die Statistik verliert allerdings etwas an Wert, wenn man bedenkt, dass dies mit Kaiserslautern erst einem Team gelang. Aber immerhin.
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Alle 8 Kommentare































wundertrainer
wie herr favre es geschafft hat, in so kurzer zeit aus "schlecht und langsam" ein "schnell und gut" zu zaubern ist für mich unbegreiflich. sicherlich war es unter seinem vorgänger auch besonders katastrophal und planlos. dennoch hätte ich als absoluter borussia fan in meinen kühnsten träumen soetwas nicht für möglich gehalten. während es vor einem knappen jahr echt schon geschmerzt hat gladbach fan zu sein, macht es nun aber wieder so richtig spass! herr favre, du hast uns die freude an der borussia zurückgebracht. danke!!
Lucien Favre
Ganz klar, einer der besten Trainer, welche die Schweiz je herausgebracht. Wenn Hitzfeld nach der WM 2014 zurücktritt, ist Favre für mich Kandidat Nr.1 auf den Nati-Trainer Posten. (Falls Favre dann aber Barcelona trainiert, dann können wir ja Murat Yakin zum Natitrainer machen.)
Christian Gross
Ich würde aber auch Christian Gross noch gerne als Trainer der Nati sehen ...
wm 2014 ???
...leider werden wir nicht an der wm 2014 teilnehmen ;-)
Lucien Favre
Richtig ist: Wenn Schalke gegen Mainz und Hertha gegen Hannover gewinnt: Aber solche Fehler und Flüchtigkeiten sind ja normal heute @Fehr!
Alles richtig
Nein, der Autor Reto Fehr hat das schon richtig geschrieben. Wenn Mainz und Hannover NICHT gewinnen, bleibt Gladbach Spitzenreiter. Insgesamt ist das sowieso ein guter Artikel!