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10. Oktober 2017 23:13; Akt: 11.10.2017 00:52 Print

Das Warten auf den grossen Coup hält an

von Eva Tedesco, Lissabon - Argentinien 2014, Polen 2016, Portugal 2017: Wieder geht die Schweiz in einem Spiel der Spiele als Verlierer vom Platz.

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Am 10. Oktober 2017 muss Petkovic einen Dämpfer hinnehmen: Die Nati verliert das letzte Gruppenspiel gegen Portugal und verpasst die direkte Qualifikation für Russland. Das Vertrauen in den Coach ist gross. Der Schweizerische Fussballverband und Petkovic verlängern die Zusammenarbeit vorzeitig um weitere zwei Jahre. Er startet mit einem 2:0 gegen Gruppenfavorit Portugal in die WM-Qualifikation 2018. Der Startsieg gegen den Europameister ist der Anfang einer Erfolgsgeschichte: Die Nati reiht neun Siege aneinander - bis zum 0:2 im letzten Gruppenspiel gegen Portugal. An der EM 2016 in Frankreich hatte Petkovic eine bittere Pille zu verdauen: Die Nati scheitert im EM-Achtelfinal an Polen erst im Penaltyschiessen. Die EM beginnt für Petkovic und seine Mannen gut: Die Nati besiegt Albanien 1:0. Petkovic verlängert seinen Vertrag mit dem SFV bis Ende 2017. Sollte er die Schweiz an die WM in Russland führen, gilt der Kontrakt automatisch bis nach der Endrunde. Die Nati qualifiziert sich mit einem 7:0 gegen San Marino vorzeitig für die EM-Endrunde in Frankreich, weil Slowenien gegen Litauen nur 1:1 spielt. Der Nati-Trainer muss den Engländern um deren Captain Wayne Rooney zum 2:0-Sieg im Wembley gratulieren. Petkovic sieht in Basel einen kapitalen 3:2-Sieg seiner Mannschaft gegen Slowenien, der die Schweiz der EM einen grossen Schritt näherbringt. Die Nati geht mit dem Heimspiel gegen Slowenien (5. September) und drei Tage später im Wembley gegen England in die entscheidende Phase der EM-Qualifikation. Wenn man den Punktedurchschnitt in 9 Länderspielen berechnet, ist Vladimir Petkovic (1,88 Punkte) der erfolgreichste Schweizer Nationaltrainer vor Roy Hodgson und Ottmar Hitzfeld. Mit einem 2:1-Sieg gegen Litauen in Vilnius geht die Nati in die Sommerpause und ist in der Qualifikation für die Euro 2016 auf Kurs. In. St. Gallen doppelt die Schweiz mit einem weiteren 4:0 gegen Litauen nach und bringt sich wieder auf Kurs Richtung EM 2016. Fünf Tage nach dem Litauen-Match feiert Petkovic in San Marino den ersten Sieg als Nationaltrainer - 4:0 in der EM-Qualifikation. Sein Fehlstart ist perfekt: Nach dem 0:2 gegen England verliert Petkovic auch sein zweites Spiel als Schweizer Nationaltrainer. In der EM-Quali in Slowenien resultiert ein 0:1. Beim EM-Qualifikationsspiel gegen England in Basel steht Vladimir Petkovic erstmals an der Seitenlinie. Die Nati verliert dabei nach zwei Toren von Danny Welbeck 0:2. Vladimir Petkovic leitet in Freienbach sein erstes Training mit der Schweizer Nationalmannschaft. Der neue Nati-Coach wird begeistert empfangen. Der neue Nati-Coach Valdimir Pektovic gibt vor seinem ersten Spiel (EM-Quali gegen England) sein Aufgebot bekannt. Dabei ernennt er Yann Sommer zur neuen Nummer 1 im Tor. Kurz vor Weihnachten steht fest: Vladimir Petkovic wird nach der WM 2014 die Geschicke der Schweizer Nationalmannschaft lenken.

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Wie bitter ist das! Trotz neun Siegen in zehn Runden ist der Traum von der direkten Qualifikation für die WM 2018 geplatzt. Im letzten Spiel haben die Portugiesen die Schweizer noch von Platz 1 abgefangen – trotz Punktgleichheit. Aber der Weg an die Endrunde in Russland ist deshalb nicht zu Ende, doch die Schweiz muss den Umweg über die Barrage nehmen.

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Löst die Nati das WM-Ticket via Barrage?

Wenn die erste riesengrosse Enttäuschung überstanden ist und die Realität die Emotionen wieder in den Hintergrund drängen, wird man zugeben müssen: Vor dem Auftakt in diese Qualifikation hätte keiner gedacht, dass die Schweiz Portugal bis zum letzten Tag unter Druck setzt – und praktisch alle hätten für den zweiten Tabellenplatz unterschrieben.

Ein Bär, Sinnbild einer gefrässigen Schweiz, die die Zähne fletscht und alle Gegner aus dem Weg räumt: «Wieder hungrig!», stand auf dem Bild, das sich Vladimir Petkovic im Herbst 2016 für diese WM-Kampagne ausgedacht hatte. Voller Tatendrang strebte der Bär sein Ziel an. Für ein Gala-Menü reichte es aber wieder nicht. Das Rezept stimmt, aber die letzte Würze, die aus einer guten Mahlzeit ein Gourmet- oder ein Fest-Essen macht, fehlt noch.

Mit breiter Brust in die Barrage

Die Nati ist wieder in einem «Final» gescheitert. Im WM-Achtelfinal 2014 fehlten gegen Argentinien 120 Sekunden. Im EM-Achtelfinal 2016 gegen Polen ein letzter Penaltyschuss. Im letzten Gruppenspiel gegen Portugal resultierte am Dienstagabend ein enttäuschendes 0:2.

Diese verpassten Chancen, dieses Warten auf den grossen Coup, diese letzte Bestätigung ihres Talents und Entwicklung: Dies fehlt der Nati noch und haftet wie ein Makel an ihr. Nichtsdestotrotz können die Schweizer die Barrage mit breiter Brust und erhobenen Hauptes in Angriff nehmen.

Petkovic passt perfekt

Die Stilsicherheit und das neue Selbstbewusstsein, gepaart mit einer unverwechselbaren Identität einer Mannschaft, die stets nach vorne spielen will: Das alles ist zu einem grossen Teil der Verdienst von Vladimir Petkovic. Der Tessiner hat eine Einheit geformt, die auf und neben dem Platz harmoniert. Man spürt das Vertrauen der Spieler zum Trainer, und der Trainer stärkt seine Spieler bei jeder Gelegenheit.

Diese Nati hat in Petkovic den Selektionär gefunden, der bestens zu dieser Multikulti-Truppe passt. Er ist nicht nur statistisch gesehen besser als Ottmar Hitzfeld und Köbi Kuhn, er geht auch stilsicherer und überzeugender durch das Programm als seine prominenten und populären Vorgänger. Die Nati hat eine Euphorie entfacht und es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis der Bär auch die grosse Beute erlegt.

Ihm geht es immer um die Einheit

Petkovic bevorzugt keine Stars wie Xhaka oder Shaqiri. Ihm geht es immer um die Einheit. Breel Embolo traf schon im Startspiel gegen Portugal, Nico Elvedi bekam seine Chance in Ungarn, Manuel Akanji auswärts gegen die Färöer – sie überzeugten von der ersten Minute an.

Er hat es nicht nur geschafft, eine sehr gute Qualifikation zu absolvieren, sondern auch immer wieder junge Kräfte nachzuziehen, gestandene Spieler besser zu machen und sein Kader so breit auf- und einzustellen, dass es mittlerweile fast keine Rolle spielt, wer auf dem Platz steht. Ob Routinier oder Jungspund – alle kennen den Matchplan des Trainers.

Es war ein schönes Bild, das sich Petkovic ausgedacht hat – das Bild vom zufriedenen Bären und seiner Höhle. Aber der Bär braucht weiter Nahrung, um schon bald auch gegen Grosse bestehen zu können. Auf diesen Meilenstein in der Entwicklung der Mannschaft muss die Schweiz weiter warten. So bitter der Gedanke nach dieser Qualifikation auch ist.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Lena Müller am 10.10.2017 23:30 Report Diesen Beitrag melden

    Grösster Fehler war schon vor dem Spiel

    Während Portugal die besten 11 auf dem Feld hatte... spielten für die Schweiz teilweise Akteure bis weit in die 2. Hälfte, die weitaus weniger in Form waren als diejenigen, die noch gegen Ungarn spielen durften. Da muss man sich dann nicht wundern, wenn's gegen gute Gegner nix wird. Ein Abpraller zum Eigentor hilft natürlich nicht... aber trotzdem.

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  • Basler am 10.10.2017 23:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Djorou

    Wiso lässt man jedes mal diesen djorou spielen verstehe das einfach nicht der gehört nicht ind diese natoinal mannschaft !!

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  • Franky am 11.10.2017 00:31 Report Diesen Beitrag melden

    Tja, so ist es

    Es bringt nichts vom ersten bis zum neunten Spieltag auf Platz 1 zu sein, wenn man dann am zehnten und letzten Spieltag die Führung abgibt. Zum Spiel: Wenig zu sagen, Portugal war in allen Belangen besser und ist somit verdienter WM Teilnehmer. Hoffe dass einige CH Fans wenigsten von ihrem hohen Ross runtergekommen sind. Mit so einer Leistung wie heute, werden wir nicht an die WM fahren. Egal auf wen wir in der Barrage treffen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Üzgür Meier am 11.10.2017 23:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gedanken sind frei

    Bei allem gut und schlecht darf man nicht vergessen dass der orhmar hitzfeld gute vorarbeit geleistet hat. Es ist sicherlich einer der besseren ch mannschaften. Was jetzt noch nötig wäre, ist ein kompetenter trainer. Petkovic mag sympathisch sein, die nationalmannschaft ist nicht bellinzona und vladimir nicht othmar, so einfach ist fussball

  • Luzerner Eidgenosse am 11.10.2017 21:46 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht die Schweiz hat verloren

    es war Albania II das verloren hat. Mit 11 Eidgenossen auf dem Platz, wäre das nicht passiert. Und dann erzielt noch soneiner ein Eigentor, das wäre einem Eidgenossen nicht passiert. So eine Schande, so eine Schmach.

  • Modric Kroat am 11.10.2017 07:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wm 2098

    Vergessen Sie nicht, nur 7 Spieler spielen für Heimatland, alle anderen für das Geld Und Andora, letland , ungarn sind top Mannschaften na bitte , Realität

  • Nike Ten am 11.10.2017 06:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hauptsache negativ

    Viele der Kommentarschreiber hier leiden am gleichen Problem wie unsere Nati! Kaum läuft es nicht wie geschmiert, geben sie sich auf. Hey, es ist ein Spiel verloren aber noch nicht die Quali. Freuen wir uns, dass wir überhaupt noch hoffen dürfen, viele andere Nationen haben schon ausgeträumt. Und hört mal auf, immer von leichter Gruppe und falschen Spieler zu sprechen. Auch einfache Spiele müssen immer erst gewonnen werden. Auch ich habe mich über einige Spieler geärgert, aber sorry, auch Zuber und Frei hätten die Schweizer gestern nicht gerettet. Da fehlte es an allem, und es war einfach nix. Das ist aber noch lange kein Grund, sich mit den Kommentaren dem Gezeigten anzupasse... oder anders gesagt, auch gewissen Kommentarschreibern fehlt leider in entscheidenden Augenblicken die Grösse!

    • Lisi Üller am 11.10.2017 07:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Nike Ten

      Grösse zeigen und untergehen. Was wollen die sagen? Das gestrige Spiel war einfach die Realität welche schon nach dem 2:0 Heimsieg in Basel klar war. Die schwache Gruppe hat leider zu Spekulationen verführt.

    • Nike Ten am 11.10.2017 07:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Lisi Üller

      Ja der Schweiz hat es gestern mal wieder an Grösse gefehlt. Untergegangen sind sie aber noch nicht und schön gibt es so viele Sachverständige in unserem Land vor allem wenn es darum geht, etwas schlecht zu reden.

    • Roman am 11.10.2017 10:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Nike Ten

      Du unterstellst der Nati ja auch gerade, dass die aufgeben. Du bist also widerdprüchlich und gleichwohl negativ.

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  • Mûlli am 11.10.2017 05:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    messi goal

    Viel wichtiger ist dass es Argentinien geschaft hat . Auf die Schweizer kann man Verzichten .