Blerim Dzemaili

04. September 2017 15:34; Akt: 04.09.2017 15:34 Print

«Wir haben die beste Nati aller Zeiten»

von E. Tedesco, Riga - Blerim Dzemaili schiesst gegen Lettland ein Tor, verschiesst aber auch einen Penalty. Vom aktuellen Team hält er enorm viel.

Granit Xhaka, Admir Mehmedi und Fabian Schär sagen, was die Nati derzeit ausmacht. (Video: 20 Minuten)
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Mit sehr guten Auftritten an der EM 2016, mit dem ersten Sieg gegen einen «Grossen» wie Europameister Portugal sowie einer Serie von nunmehr acht Siegen in Folge hat die Mannschaft von Vladimir Petkovic landesweit eine Euphorie entfacht, die mittlerweile so gross ist wie vor der WM 2006.

Vladimir Petkovic muss damit leben, dass der Schweiz die Rolle eines fixen Turnierteilnehmers zugeschoben wird. Die Nati hat sich die Erwartungshaltung selber erarbeitet, indem sie sich seit 2010 für beinahe jede Endrunde qualifiziert hat. Die einzige Ausnahme war das Scheitern für die EM 2012. Das sind Kennzahlen von grossen Fussballnationen.

Ein Team, das ständig nach mehr strebt

Unter Petkovic ist diese junge Truppe – durchschnittlich 26 Jahre jung – zu einer selbstsicheren Einheit geworden. Es ist ein Team, das sehr viel Qualität hat und ständig nach mehr strebt. Und mit Petkovic habe die Schweiz endlich auch einen Trainer, der nicht nur erkennt, was in ihr steckt, sondern sich auch traut, mit ihren Fähigkeiten zu arbeiten, schrieb die NZZ unlängst.

Es ist dieser positive Ist-Zustand, der Blerim Dzemaili zur Aussage «die beste Nati aller Zeiten» verleitet, obwohl die Qualifikation für Russland noch lange nicht in trockenen Tüchern ist. Aussagen wie die des 58-fachen Internationalen (8 Tore) sind schwierig zu belegen, dennoch gibt es Indikatoren, an denen man sie festmachen kann.

Der Marktwert: Nach der WM 2006 (Aus im Achtelfinal) steigerte Alex Frei seinen Marktwert auf den damaligen Spitzenwert von 10 Millionen Euro. Das 23-Mann-Kader von Riga hat im Schnitt einen Wert von 6,16 Millionen. Mit Xherdan Shaqiri (15), Ricardo Rodriguez (17) und mit Granit Xhaka, dem mit 35 Millionen teuersten Schweizer Fussballer, ist die Nati deutlich wertvoller als jede andere. Ihr Gesamtwert wird auf Transfermarkt.ch mit 172,5 Millionen Euro beziffert.

Die Arbeitgeber: Dass 17 Nationalspieler ihr Geld mittlerweile in einer der Top-5-Ligen (Deutschland, England, Italien, Spanien und Frankreich) verdienen, hat die Erwartungshaltung weiter vergrössert. Die stärkste Fraktion verdient ihr Geld in der Bundesliga: Sommer (Gladbach), Bürki (Dortmund), Hitz (Augsburg), Mehmedi (Leverkusen), Zakaria, Elvedi (beide Gladbach), Zuber (Hoffenheim) und Fernandes (Frankfurt). In Italien sind es Lichtsteiner (Juve), Rodriguez (AC Milan), Freuler (Bergamo) und Behrami (Udinese). Xhaka (Arsenal) und Shaqiri (Stoke) sind wie Fernandes (West Ham) in England engagiert. Moubandje (Toulouse) hält die Schweizer Farben in Frankreich hoch und Schär (La Coruña) in Spanien. Das Erfreuliche: Sie spielen alle eine Rolle in ihren Clubs.

Bis auf die Basler Champions-League-Teilnehmer Michael Lang und Manuel Akanji ist das gesamte Kader für Andorra (3:0) und Lettland (3:0) mit Auslandprofis bestückt.

Das Fifa-Ranking: Nur Brasilien, Weltmeister Deutschland und Argentinien liegen in der aktuellen Fifa-Weltrangliste vor der Schweiz. Seit Petkovic nach der WM 2014 auf Platz 12 übernahm, ist die Schweizer bis auf den 4. Rang vorgestossen. Besser stand die Nati nur 1993 unter Roy Hodgson (Platz 3) da. In der umstrittenen Fifa-Wertung liegt die Schweiz also vor Spanien (11.), Italien (12.) und England (13.). Bei aller Euphorie – ist das realistisch? Wer dagegen halten will: Die Schweiz ist seit dem Testspiel am 28. Mai 2016 gegen Belgien (1:2) ungeschlagen, das verlorene Penaltyschiessen gegen Polen im EM-Achtelfinal nicht eingerechnet. Das sind mittlerweile 14 Spiele en suite.

Zeiten, da hatte man das Gefühl, jeder sei ein Einzelkämpfer

Ein Scheitern in der WM-Qualifikation wäre eine Enttäuschung. Zumindest auf den ersten Blick. Schuld daran ist der absurde Modus. Obwohl die Nati die Gruppe B seit dem 1. Spieltag verlustpunktlos anführt, kann sie in der Runde noch von Portugal abgefangen werden. Denn bei Punktgleichheit nach allen Spielen entscheidet das Torverhältnis – und da hat Portugal mit einem Cristiano Ronaldo bessere Karten.

Aber auf den zweiten Blick muss man feststellen: Wer im Ernst hätte bei der Auslosung der WM-Qualifikationsgruppen gedacht, dass die Schweiz den Europameister so lange in Schach hält?

«Es ist immer ein Vergnügen, zu dieser Gruppe zu kommen», sagt SFV-Präsident Peter Gilliéron. «Ich kann mich an Zeiten erinnern, da hatte man das Gefühl, jeder sei ein Einzelkämpfer und es ziehe jeden in eine andere Richtung. Jetzt ist Freude da, man kommt gern in die Nationalmannschaft. Es ist wirklich eine Einheit und diese Gruppe und die Resultate gefallen mir.» Die beste Nati aller Zeiten eben.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Alois Janjic am 04.09.2017 15:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    WM 2018 Wir Kommen

    Abstand die erfolgsreichste Mannschaft aller zeiten,jedes mal ein hohes Fiebern Wünsche der Mannschaft weiter hin viel erfolg und gutes gelingen Hooopp Schwiz Hooop V.Petkovic macht ne Gute Arbeit

  • Tello am 04.09.2017 15:55 Report Diesen Beitrag melden

    Es geht in die richtige Richtung!!

    Dass der Marktwert so hoch ist wie noch nie hat natürlich damit zu tun, dass der Fussball generell im Geld schwimmt wie nie zuvor. Trotzdem bin ich der Meinung, die Schweizer Nati ist wirklich zu einer Einheit geworden. Wir sind nicht mehr auf einzelne Shaqiris angewiesen die ein harziges Spiel alleine entscheiden können. Auch die Breite des Kaders sieht immer besser aus und einige Talente sind mittlerweile erfahrene gestandene Leistungsträger. Weiter so

  • wasp am 04.09.2017 15:58 Report Diesen Beitrag melden

    Er hat Recht

    Und an die Stänkerer: Frankreich Luxemburg 0:0! Das spricht Bände, zumal wir nicht nur gegen Zwerge gewinnen, sondern den Europameister auch geschlagen haben.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Tom Wirth am 04.09.2017 19:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Achtung Täuschung!

    2:0 verlieren in Portugal = Barrage! Barrage gegen Teams wie Italien, Frankreich, oder Schweden etc. CH hat gegen so einen Gruppen Zweiten keine Chance! Tabelle und Gruppe von CH täuscht!

  • rekki am 04.09.2017 19:09 Report Diesen Beitrag melden

    alles makulatur wenn..

    gegen solch schwache (zt. amateurvereine) müssen hochbezahlte profis einfach gewinnen. sobald die topmannschaften kommen, sieht die sache wieder anders aus (und die identifikation mit dieser mannschaft wird auch jedes jahr geringer)

  • Zico am 04.09.2017 19:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wohl eher kaum

    Die beste Nati aller Zeiten!? Hat Dzemaili Wahrnehmungsstörungen? Wir haben höchstens gegen die schlechtesten Gegner aller Zeiten gespielt. Petkovic ist ja jetzt auch der beste Trainer aller Zeiten, weil er ja sogar in den Testspielen nur drittklassige Gegener aussucht und so Siege verbuchen kann. Nur an den Grossanlässen klappts dann nicht mehr mit den Siegen, weil keiner der Schweizer Gegner mehr anwesend ist. Sind die Schweizer Fans dermassen verblendet, dass sie das nicht einmal mehr realisieren?

  • Toni Montana am 04.09.2017 17:42 Report Diesen Beitrag melden

    Super guet

    Endlich spielen wir auch gegen schwächere Gegner top. Das war doch immer das Problem, gegen die sog. Kleinen konnte das Spiel nicht gemacht werden. Hooop Schwiiiz

  • lars am 04.09.2017 17:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die beste Nati....

    ...welche mit Andorra und Lettland spielen :-)