Zwist Udinese/SFV

08. November 2017 19:46; Akt: 08.11.2017 21:43 Print

«Valon Behrami bleibt in Belfast»

von E. Tedesco, Belfast - Zwar gibt der SFV zu, die Frist für Valon Behramis Anmeldung nicht eingehalten zu haben. Zu Udinese zurückkehren wird er trotzdem nicht.

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Für Vladimir Petkovic ist klar, dass er eine Entscheidung, wie den Penaltypfiff für die Nati in Belfast, akzeptieren würde. Gemeinsam mit dem Nati-Trainer stellten sich Stephan Lichtsteiner (M.) und Granit Xhaka den Fragen der Presse. Fabian Frei hat die Nati wegen eines Todesfalls in der Familie verlassen. Der Rückflug der Nati am Freitagabend aus Nordirland verzögerte sich um mehr als eine Stunde. Dies weil eine Flybe-Mschine in Belfast notlanden musste. Am Schluss landete dann die ganze Truppe gesund wenn auch etwas müde und spät auf heimischem Boden. Die Schweiz ist der WM in Russland einen grossen Schritt nähergerückt. Das Barrage-Hinspiel entschied sie dank einem verwandelten Penalty von Ricardo Rodriguez (r.) in Belfast für sich. Granit Xhaka (Nr. 10) und Denis Zakaria jubeln mit und führten im Mittelfeld eine feine Klinge. Die Szene, die zum Strafstoss führte, war allerdings sehr umstritten und wohl eher nicht elfmeterwürdig. Doch das war der Nati sowie den Fans letztendlich egal. Die Weichen fürs Rückspiel am Sonntag sind gestellt. Xherdan Shaqiri wirkt an der Pressekonferenz etwas skeptisch. Hauptsache, im Spiel am Donnerstagabend weiss er genau, was zu tun ist. Petkovic strahlt viel Ruhe aus. Und Behrami zieht sich bei ungemütlichen Temperaturen warm an. An einer Pressekonferenz in Belfast gibt der SFV kurze Zeit zuvor bekannt, dass Valon Behrami, der selber nicht an der PK teilnimmt, bei der Nati bleibt und nicht zu seinem Verein Udinese zurückkehren wird. Wenig später trainiert der Udinese-Söldner bereits wieder mit den Kollegen und ist bester Laune. Auch die anderen Nati-Spieler zeigen vollen Einsatz. Der angeschlagene Valon Behrami soll zu spät zur Nati eingerückt sein. Sein Verein Udinese verlangt nun die sofortige Freigabe seines Spielers und droht dem Schweizerischen Fussballverband SFV mit rechtlichen Konsequenzen, falls Behrami nicht zurückkehrt oder gegen Nordirland sogar eingesetzt wird. Die Nati landete am Dienstagabend in Belfast. Ein Autogrammjäger will ein Selfie mit Ricardo Rodriguez. Auf gehts nach Nordirland. Vladimir Petkovic (r.) und sein Assistent Antonio Manicone am Flughafen Basel. Steven Zuber, Remo Freuler und Haris Seferovic (v. l.) checken vor dem Abflug ihre Handys. Valon Behrami macht es sich im Flieger bequem. Zuvor gaben Behrami (M.), Seferovic (l.) und Fabian Schär den Medien Auskunft. Vladimir Petkovic, Trainer der Schweizer Nationalmannschaft, zeigt sich an der Pressekonferenz entspannt. Petkovic begrüsst einige Journalisten persönlich. Druck vor dem wichtigen Spiel in Nordirland am Donnerstag scheint der 54-Jährige keinen zu verspüren. Xherdan Shaqiri (r.) und Admir Mehmedi treffen im Hotel Marriott Courtyard in Pratteln BL ein. Breel Embolo kommt mit dem Teambus. Ebenso Yann Sommer (vorne) und Nico Elvedi (links hinten). Granit Xhaka mit pfiffiger Frisur. Valon Behrami weiss noch nicht, ob er wegen seiner Oberschenkelprobleme spielen kann. Captain Stephan Lichtsteiner. Denis Zakaria sieht beinahe wie ein Tourist aus. Steven Zuber (vorne) und Remo Freuler.

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Fehler gesehen?

Das ist nicht die Art von Vorbereitung, die sich die Nati vor den zwei wichtigsten Spielen des Jahres gewünscht hat. Im Mittelpunkt stand nämlich nicht das wichtige Auswärtsspiel in Nordirland, sondern der Wirbel um Valon Behrami. Ein Communiqué des Serie-A-Clubs aus dem Friaul schlug im Schweizer Lager in Belfast ein wie eine Bombe. Die Italiener forderten, dass ihr Spieler sofort nach Italien zurückkehrt, um seine Oberschenkelzerrung auszukurieren. Der Club drohte: «Falls der Spieler nicht freigegeben oder trotz der Umstände eingesetzt wird, behält sich Udinese Calcio das Recht vor, wegen Verletzung der Fifa-Regeln sämtliche zivil- und sportrechtlichen Mittel auszuschöpfen.»

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Schlägt die Schweiz Nordirland in der Barrage?

Udinese sieht sich im Recht, weil der Schweizer Verband (SFV) einen formellen Fehler begangen und die Frist (15 Tage vor dem Beginn des offiziellen Fifa-Termins) für ein provisorisches Aufgebot nicht eingehalten habe. Der SFV hätte bis zum 22. Oktober ein Aufgebot für den Spieler schicken müssen. Dies sei aber erst am 27. Oktober geschehen.

Den Fehler eingeräumt

«Die formelle Seite wurde nicht eingehalten, ja. Aber in verschiedenen Situationen hat Udinese solche Aufgebote bekommen und nie einen Einwand gehabt», räumte Claudio Sulser den Fehler ein. Die ehemals grosse Figur bei GC und Fifa-Jurist ist Delegierter der Nationalmannschaft und sagte aber auch: «Wichtig ist, dass man in Erinnerung erhält, dass Udinese nie etwas gesagt hat, wenn die Frist in der Vergangenheit nicht eingehalten wurde.» Weder einst bei Gökhan Inler noch aktuell bei Silvan Widmer.

«Wir haben seit Jahren das provisorische Aufgebot zwei- bis zweieinhalb Wochen vor Beginn der Fifa-Termine zugestellt. Beschwert hat sich in den letzten 18 Jahren nie jemand.» Das sei bisher als «stillschweigendes Agreement» akzeptiert gewesen. Begründet hat das der SFV damit, dass man nicht 40 Spieler provisorisch aufbieten und Hoffnung machen wollte, um danach 17 wieder absagen zu müssen. «Aber wir werden das nun in Zukunft halt so machen», sagte Sulser. Die Verzögerung im aktuellen Fall entstand auch deshalb, weil Nati-Trainer Vladimir Petkovic die Europacup-Einsätze seiner Kandidaten abwarten wollte.

Sulser nimmt Stellung zum Fall Behrami. (Video: Tamedia)

«So ein Faktor stört»

Verspätung hin, italienischer Unmut her. «Der Spieler wird bleiben», stellte Sulser klar, denn es gäbe keine reglementarische Grundlage bei der Fifa, dass der Spieler abreisen müsse. Und der Mann weiss, wovon er spricht. Sulser ist Anwalt und hat vier Jahre für die Fifa-Disziplinarkommission gearbeitet. Das ist auch jene Stelle beim Weltverband, die eine Entscheidung in der Causa fällen müsste. «Wir korrespondieren mit Udinese, aber wir spielen um eine Weltmeisterschaft und so ein Faktor stört.»

Trainer und Spieler geben vor dem Match Auskunft. (Video: Tamedia

Das ist den Italienern egal. Sie pochen auf ihr Recht. «Die Antworten des SFV haben uns nicht zufrieden gestellt», sagte Franco Collavino gegenüber tio.ch. Die Fifa bestätigte am Mittwoch denn auch, dass Udinese in dieser Causa an sie gelangt sei und eine Untersuchung eingeleitet wird. Das beunruhigte Sulser aber nicht gross. «Ich war vier Jahre in der Disziplinarkommission, ein solcher Fall wurde nie sanktioniert.»

At the end of the day it’s all love for you ⚽️❤️🙇 @fotototomarti

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Und was machte Behrami unterdessen? Der 76-fache Schweizer Internationale absolvierte mit der Mannschaft das Abschlusstraining im Windsor Park und testete seinen lädierten Oberschenkel bei diversen Sprints. Der Vorkämpfer bekannte sich am Dienstag schon zur Schweizer Nationalmannschaft und sagte klar: «Immer wenn ich im Club schwierige Momente hatte, hat mir die Nationalmannschaft geholfen. Ich hätte nicht Zuhause bleiben können.» Sein und der Fokus der ganzen Mannschaft bleibt auf dem wichtigen Barrage-Hinspiel gegen Nordirland.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ein Nati Fan durch und durch am 08.11.2017 19:53 Report Diesen Beitrag melden

    Das heisst Charakterstärke

    Bravo, Herr Behrami. Sie sind ein hundertprozentiger Schweizer Patriot. Die Schweiz darf stolz auf Sie sein. Ich jedenfalls bin es. Vielen Dank.

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  • Kurt F. Aus Vogelsang am 08.11.2017 20:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    WM

    Super dass er bleibt, spielen wird er sowieso nicht Aber für die Mannschaft psychologisch sehr wichtig Tippe: 1:1 Tor freuler

  • Mb am 08.11.2017 19:07 Report Diesen Beitrag melden

    Kommt ihm teuer zu stehen

    Das werden sie ihn leider in Italien büssen lassen. Schon öfters passiert. Schade für ihn.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • greeny am 09.11.2017 17:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    SCHADE

    sehr schade, er gibt immer der Mannschaft den Antrieb.

  • Helveticus am 09.11.2017 13:58 Report Diesen Beitrag melden

    Eigentor

    Wer den Vertrag mit dem Club nicht mehr braucht, weil man eh schon zu viel Geld hat, kann sich sowas natürlich erlauben

  • S. Bollinger am 09.11.2017 12:26 Report Diesen Beitrag melden

    Behrami

    Behrami nimmt niemanden den Platz weg, auch wenn er nicht spielen sollte, vom Kader kommen sowieso nur max. 17 Spieler zum Einsatz. Ich verstehe Udinese. Aber wenn Behrami nicht fit ist, wird er auch nicht spielen, also unnötiges Theater. Ich bin Eidgenosse und seit Alex Frei nicht mehr spielt, ist Valon mein Lieblingsspieler in der Nati. Er hat sich das verdient dabei zu sein.

  • Steff/Arbon am 09.11.2017 09:53 Report Diesen Beitrag melden

    Von einem Juristen

    erwarte ich eine bessere Begründung. Ist ein Fussballclub ein Gebilde, dass auf immer und ewig aus derselben Geschäftsführung/Präsidentschaft besteht? Mag sein dass sowas wie stillschweigendes Agreement existiert. Aber daraus entsteht wohl kein sakro-sanktes Gewohnheitsrecht. Auch Clubs kennen sowas wie Personalfluktuation jenseits des Spielfelds. Fand den Sulser als Spieler besser, ok er ist ja nicht der SFV-Jurist. Gibt es sowas eigentlich oder eher als outgesourcte Beratung? Morgen einfach nicht zu Kreuze kriegen. You can win the game.

    • Johnny Schmidt am 09.11.2017 10:32 Report Diesen Beitrag melden

      Ach komm

      wenn das sozusagen 'Usanz' wird, und das quasi eh alle so machen... gleichzeitig noch die FIFA festgelegt hat, dass Clubs für Nationalteams ihre Spieler hergeben müssen... dann wird diese Diskussion wegen den 3-4 Tagen zu spät nur zur Randnotiz.

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  • Martin Stettler am 09.11.2017 08:26 Report Diesen Beitrag melden

    Nati

    Wir wollen heute nur eines von der Nati sehen Zusammehalt sprich zusammen stehen und alle mit Inbrunst die Nati Hymne singen.

    • Perry am 09.11.2017 09:25 Report Diesen Beitrag melden

      Sänger singen

      Unsere Kicker sollen kicken. Allenfalls die Lippen hymnemusiksynchron bewegen.

    • 46664 am 09.11.2017 10:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Martin Stettler

      Wer ist wir? Du und deine Familie? Seht euch doch eine Aufzeichnung der 1.August Bundesfeier auf der Rütliwiese an. Für die meisten gilt wohl eher das Motto: Russland mir chömed!

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