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Allmend-Stadion
24. April 2009 15:19; Akt: 24.04.2009 15:36 Print
Droht der Schweiz eine Katastrophe?
von Herbie Egli - In den meisten Fussballarenen sind die Zäune nach den Stadion-Katastrophen der Achtzigerjahre verschwunden. Nur Luzern hält sich für besonders clever und montiert noch Stacheldraht oben drauf. Eine Massnahme, die verheerende Folgen haben könnte.
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Die grössten Fussball-Katastrophen
Es waren fussballerisch die Horrorbilder des letzten Jahrhunderts: Zu Tode gequetschte Fans an einem Zaun, ohne Überlebenschance. In Sheffield (Hillsborough) und Brüssel (Heysel) schrieb der europäische Fussball seine schwärzesten Kapitel der Geschichte. Europaweit lernte man daraus und zog sinnvolle Konsequenzen – nur in der Schweiz stellte der FC Luzern zuletzt die Uhren zurück auf das vergangene Jahrhundert. Läuft die Schweiz damit Gefahr, dass die nächste Stadionkatastophe hier stattfindet?
Einseitige Bewachung war ein Fehler
Viel zu reden gaben die Szenen nach dem Schlusspfiff des Cup-Halbfinals zwischen Luzern und Sion, als Fans aus beiden Lagern aufs Feld gelangten und sich nach gegenseitigen Provokationen in die Haare gerieten. Der Fanblock der Gäste war umzäunt, der Sektor mit den Luzern-Fans lediglich bewacht. Als die Entscheidung im Penalty-Krimi gefallen war, bestiegen die Sion-Fans zunächst den Zaun, was erlaubt ist und längst überall zu einer Standardhandlung der Fans gehört.
Auf der anderen Seite, vor dem Luzern-Sektor, kletterten die ersten Luzern-Fans über die Werbebande auf das Spielfeld und wurden von den Securitas zurückgehalten. Ein wirkungsvolles Eingreifen. Erst als dann aber die Sion-Fans ungehindert auf den Rasen konnten und dies weit und breit niemand verhinderte, kam es zur Eskalation. Wo war der Sicherheitsdienst? Hier passierte der Fehler.
Analyse falsch umgesetzt
In den Tagen danach haben sich die Innerschweizer an einen Tisch gesetzt und die Sache unter die Lupe genommen. Die eigenen Fans nahm man in Schutz, beim Gästesektor entschied man sich dafür, Stacheldraht auf den Zaun zu montieren, damit die Gästefans nicht mehr aufs Spielfeld gelangen können. Gerade die Katastrophen in Brüssel und Sheffield haben aber gezeigt, dass es den Fluchtweg auf den Rasen braucht, um Leben zu retten. Was, wenn der normale Weg aus dem Gästesektor versperrt bleibt, oder schlagwütige Randalierer in den Block eindringen wollen? In Luzern wäre dies von hinten herum überhaupt kein Problem. Die Gästefans hätten keine Chance, der Konfrontation aus dem Wege zu gehen und sich in Sicherheit zu bringen. Eine Erkenntnis aus den 80er-Jahren!
Auf den zusätzlichen Stacheldraht beim Gästesektor hätte man also gut verzichten können. Denn im Allmend-Stadion sind mit Aarau, GC und Xamax nur noch drei Gegner zu Gast, bevor es abgerissen wird. Und die Fans dieser Vereine gelten als wenig problematisch. Doch statt Sicherheitsleute vor den Zaun zu postieren, wurden teure Investitionen getätigt. Und da bei einem Mittwochspiel lediglich mit 100 bis 150 Sion-Fans zu rechnen war, scheint es vielmehr so, dass der FC Luzern eine Strafe durch den Verband verhindern wollte und deswegen mit Kanonen auf Spatzen schoss, anstatt die eigenen Fehler einzugestehen.
Beim FCB war ein Zaun auch schon Thema
Ein Mitarbeiter von Basel United, dem Stadionbetreiber des St. Jakob-Parks, der angesichts der Luzerner Fehlentscheide nicht namentlich zitiert werden möchte, erklärte gegenüber 20 Minuten Online, dass man in Basel höchstens in Ausnahmefällen zusätzlich einen Zaun installieren würde. «Wir setzen auf Zäune aus Menschen. Damit haben wir gute Erfahrungen gemacht. Hilfreich sind auch gespannte Netz über mehrere Sitzreihen, die nahezu unüberwindbar sind. In Notsituationen sind wir so flexibel und können frei entscheiden. Das kann die Gesundheit der Zuschauer schützen.»
Angesprochen auf das Geschehen in der ominösesten 93. Minute der Schweizer Fussballgeschichte - als FCB-Fans nach der verlorenen Meisterschaft gegen den FCZ den Platz stürmten - entgegnete der Basel-United-Mitarbeiter: «Im Vorfeld haben wir mit Gigi Oeri (die Präsidentin, Red.) über eine Montage der Zäune diskutiert. Es wäre eine Unterstützung des Sicherheitspersonals gewesen, aber die Gesundheitsgefahr war für die Zuschauer zu gross, weshalb wir darauf verzichtet haben. Wir wollten keine Katastrophe heraufbeschwören, aber was dann passierte, war ähnlich tragisch.»

























