Argentinien in Not

10. Oktober 2017 14:24; Akt: 10.10.2017 14:57 Print

Messis letzte Chance

von Kai Müller - Dem fünffachen Weltfussballer droht die nächste Enttäuschung mit dem Nationalteam. Ein Sieg im letzten Spiel der WM-Qualifikation in Ecuador ist Pflicht.

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Er ist ein lebender Superlativ. Lionel Messi hat manch bedeutenden Rekord an sich gerissen, er hat mit Barcelona Pokal um Pokal gesammelt und in 594 Spielen für die Katalanen sagenhafte 521 Tore geschossen. Wer ihn als besten Fussballer dieser Zeit preist, läuft nicht Gefahr, als Ahnungsloser dazustehen. Und doch haftet dieser unvergleichlichen Karriere ein Makel an.

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Der 30-jährige Linksfüsser läuft Gefahr, als ungekrönter Fussballkönig in die Historie einzugehen, denn es fehlt ihm nach wie vor ein bedeutender Titel mit der argentinischen Nationalmannschaft. Der U20-WM-Titel 2005 und der Olympiasieg drei Jahre später reichen nicht, um diese Lücke im Palmarès zu schliessen. Präsenter sind da die Erinnerungen an die bitteren Finalniederlagen: an der WM 2014 in der Verlängerung gegen Deutschland, an der Copa América 2007 gegen Brasilien sowie 2015 und 2016 jeweils im Penaltyschiessen gegen Chile.

Trainerwechsel ohne Wirkung

Es scheint fast, als laste ein Fluch auf dem 58-fachen Torschützen (in 121 Länderspielen), sobald eine Trophäe greifbar wird. Wie sehr die problematische Liaison dem Superstar, der in der Heimat nicht nur verehrt wird, zusetzt, offenbarte seine Reaktion nach dem verlorenen Copa-Final im Juni des vergangenen Jahres: Messi erklärte den Rücktritt, er ertrug die ungestillte Sehnsucht nicht mehr. Es war auch den Überredungskünsten des neuen Trainers Edgardo Bauza zu verdanken, dass der Captain seine Entscheidung nicht einmal zwei Monate später revidierte.

Bauza ist inzwischen nicht mehr für die Auswahl verantwortlich. Dass Argentinien unter ihm in der WM-Qualifikation nur elf von 24 möglichen Punkten einfuhr, kostete ihn den Job. Besserung hat der Wechsel zu Jorge Sampaoli allerdings nicht gebracht: Unter dem vom FC Sevilla freigekauften Trainer gab es nur drei mickrige Unentschieden gegen Uruguay (0:0), Venezuela (1:1) und zuletzt am Freitag gegen Peru (0:0).

Messi und Dybala: Geht nicht

Bemerkenswert ist, dass sich die Misere an der Offensive festmachen lässt. Argentinien hat in 17 Partien nur 16 Tore erzielt, einzig Bolivien (14) steht in dieser Statistik schlechter da. Dies trotz herausragender Solisten wie Messi, Dybala, Agüero, Higuaín, Icardi oder Di María.

Agüero und Higuaín werden der Mannschaft im Showdown in Ecuador nicht helfen können. Der Goalgetter von Manchester City fällt nach einem Autounfall in Amsterdam mit einem Rippenbruch aus, Juventus-Stürmer Higuaín erhielt für die entscheidenden Partien kein Aufgebot. Umso erstaunlicher war, dass Dybala, der für Juventus in zehn Wettbewerbsspielen dieser Saison schon zwölfmal getroffen hat, gegen Peru 90 Minuten auf der Bank sass. Sampaolis Erklärung: «Messi und Dybala sind sich zu ähnlich. Und wir haben aktuell nicht die Zeit, um an ihrem Zusammenspiel zu arbeiten.»

Zwischen Himmel und Hölle

Der Last der drohenden Schmach – der zweifache Weltmeister hat seit 1970 keine WM verpasst – wird also auch am Dienstagabend in Quito vor allem auf Messis Schultern drücken. Denn Argentinien muss im Atahualpa-Stadion auf 2800 Metern über Meer gewinnen, um sicher den 5. Platz zu erreichen, der zum Barrage-Duell mit Neuseeland berechtigt. Dank der engen Konstellation in der Südamerika-Gruppe ist allerdings auch denkbar, dass ein Sieg zur direkten Qualifikation für Russland genügt (siehe unten). Bei einem Unentschieden müsste einiges für Argentinien laufen, damit es zu Rang 5 reicht.

Der Match wird für die Albiceleste zur 90-minütigen Gratwanderung zwischen Himmel und Hölle. Möglich, dass sich am Ende die grosse Erleichterung einstellt und Messi im kommenden Sommer eine vielleicht letzte Chance auf den WM-Titel erhält. Möglich aber auch, dass er zum tragischen Protagonisten einer monumentalen Peinlichkeit wird. Es würde nicht überraschen, wenn ihm in diesem Fall die Lust auf das Nationalteam endgültig verginge.

WM-Qualifikation Südamerika. 18. und letzte Runde (Mittwoch, 11. Oktober, 1.30 Uhr Schweizer Zeit): Brasilien - Chile, Ecuador - Argentinien, Paraguay - Venezuela, Peru - Kolumbien, Uruguay - Bolivien.

Rangliste: 1. Brasilien 17/38 (38:11). 2. Uruguay 17/28 (28:18). 3. Chile 17/26 (26:24). 4. Kolumbien 17/26 (20:18). 5. Peru 17/25 (26:25). 6. Argentinien 17/25 (16:15). 7. Paraguay 17/24 (19:24). 8. Ecuador 17/20 (25:26). 9. Bolivien 17/14 (14:34). 10. Venezuela 17/9 (18:35).

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Insider am 10.10.2017 14:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Keine Aufregung

    Ein Sieg reicht und alles ist gut. Und wer gegen Ecuador nicht gewinnt, hat die WM nicht verdient!

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  • CR7 - The Looser am 10.10.2017 15:02 Report Diesen Beitrag melden

    mein Freund Leo

    Kein Problem, im Sommer spielen Leo und CR7 gemeinsam die WM, auf der PS4!

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  • Johnny Schmidt am 10.10.2017 16:38 Report Diesen Beitrag melden

    Ecuador spielt daheim auf >4'000 m.ü.M.

    Wenn Ecuador bei der Quali jeweils punktet, dann ist das meistens zuhause... auf der grossen Höhe mit Heimvorteil sind sie bei der Kondition den Gegnern überlegen - weil die mit der Zeit probleme mit der dünnen Luft bekommen. Das wurde schon während der letzten WM öfters berichtet.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Anna am 10.10.2017 22:51 Report Diesen Beitrag melden

    Hoffentlich schaffen sie es

    bei allem was er durchgehen musste, für das was er alles geleistet hat, für eine land das den Fussball liebt, kann man ihm die Qualifikation gönnen. Wäre einfach schön, auch für Ronaldo und andere die man immer wieder gerne spielen sieht,

  • Diego Madonna am 10.10.2017 18:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die Messi ist gelesen

    ... oder die Hand Gottes hilft mal wieder weiter - wobei jetzt gibts ja den Videobeweis ....

  • Gable am 10.10.2017 18:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bitte ohne Messi!

    Ich hoffe, es gibt eine WM ohne Argentinien.

    • Kolonel Messi am 11.10.2017 03:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Gable

      Tja falsche Hoffnungen gehabt ;) Messi ist doch dabei!

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  • Helvetier1291 am 10.10.2017 17:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Egal

    Es stammen so oder so etwa 93% der Argentinier von Italos ab - somit vollkommen egal ob sie dabei sind oder nicht, beide haben an einer WM nichts verloren...

    • Maurinho am 10.10.2017 17:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Helvetier1291

      Was ist eigentlich mit dir los?Immer diese Kommentare gegen alles was mit Italien zu tun hat!Ich empfehle dir dringendst eine Therapie zu machen!Du hast ein Problem mit deinem Italien-Hass!

    • Johnny Schmidt am 10.10.2017 18:21 Report Diesen Beitrag melden

      @Helvetier

      Du, weisst du wie viele Südschweizer historisch von 'Italien' stammen? Jede Menge. Rhätoromanisch gibt's nur wegen Italien, aka Rom. Sogar der Name 'Helvetia' kommt von den Römern, für die alten Kelten im Raum der 'Schweiz'.

    • römer am 10.10.2017 18:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Helvetier1291

      7% der erdbewölkerung wollen die schweiz an der wm, 93% wollen messi und buffon...stimmt, deine rechnung geht auf ;)

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  • juventino am 10.10.2017 17:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    klappt schon

    Dybala und Higuain werden es richten :-)

    • CL Verlierer am 10.10.2017 17:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @juventino

      Der eine Sitzt auf der Bank und der andere hat nicht mal ein Aufgebot.. Alles klar...:-)

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