Schweiz - Weissrussland

01. Juni 2017 21:45; Akt: 03.06.2017 14:46 Print

Die Nati schreibt dank Shaqiri Geschichte

von E. Tedesco, Neuenburg - Die Generalprobe ist gelungen. Die Schweiz gewinnt ihr Testspiel gegen Weissrussland 1:0 und stellt einen Rekord auf.

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«Wir wollen mit einem positiven Resultat auf die Färöer reisen», sagte Vladimir Petkovic vor dem Testspiel gegen Weissrussland. Das ist der Nati gelungen. Auch dank Xherdan Shaqiri, der die Schweiz schon in der 9. Minute mit einem Traumtor in Führung brachte.

Shaqiris Traumtor gegen Weissrussland (Video: SRF)

Und was war das für ein Hammer! XS hämmerte den Ball aus rund 25 Metern via Innenpfosten zum 1:0 in den Kasten. Ein Traumtor mit dem Prädikat Weltklasse! Oder soll man sagen: ein typisches Shaqiri-Tor? Letztmals hat der Stoke-Söldner im EM-Achtelfinal gegen Polen getroffen – sein Seitfallzieher war nicht minder sehenswert.

Im Zusammenhang mit Shaqiri ist nicht nur das 1:0 erwähnenswert. Der Mittelfeldspieler sprühte vor Spielwitz und legte einen Kampfgeist an den Tag, als ginge es um den Gruppensieg. Schlicht: Der Zauberzwerg zauberte und verzauberte die 10'200 Zuschauer auf der Maladière. Zu stoppen war Shaq nur, wenn man ihm, wie in der ersten Halbzeit, den Schuh auszog. Auch die zweite gute Gelegenheit hatte Shaqiri (80.). Beim zweiten Streich war Goalie Tschernik auf dem Posten.

Xherdan Shaqiri nach dem Test gegen Weissrussland. (Video: 20 Minuten)

Die Nati schreibt Geschichte

Es war kein Spiel um den Gruppensieg, sondern nur ein Test und eine Vorbereitung auf das WM-Qualifikationsspiel gegen die Färöer (9. Juni). Und doch war dieses Spiel am Neuenburgersee historisch. Die Schweiz gewann erstmals in der 112-jährigen Länderspielgeschichte sechs Spiele in Serie.

Am 25. März hatte die Nati mit einem 1:0-Sieg gegen Lettland in Genf die bisher längste Siegesserie einer Auswahl egalisiert. Unter Trainer Karl Rappan siegte die Schweiz zwischen April 1960 und Mai 1961 ebenfalls fünfmal. Die damaligen Erfolge: Chile (h) 4:2, Holland (h) 3:1, Frankreich (h) 6:2, Belgien (a) 4:2, Belgien (h) 2:1.

Die aktuelle Serie: Portugal (h) 2:0, Ungarn (a) 3:2, Andorra (a) 2:1, Färöer (h) 2:0, Lettland (h) 1:0 und nun 1:0 gegen Weissrussland. Die Serie wird Nati-Coach Vladimir Petkovic und seinem Team schmeicheln, aber die Bestmarke stand nicht im Vordergrund.

Test der nächsten Generation

Petkovic nützte die Gelegenheit, einige Spieler zu testen. So auch die nächste Generation, die er in der letzten Woche zum Casting eingeladen hatte. Zum ersten Einsatz in der Startelf kamen Remo Freuler, Steven Zuber und Edimilson Fernandes. Nico Elvedi durfte sich 45 Minuten lang als Schär-Ersatz (gegen die Färöer gesperrt) neben Johan Djourou in der Innenverteidigung versuchen. Kurz bewertet: Der junge Gladbacher machte seine Sache hervorragend, auch wenn sich die Nummer 78 der Fifa-Weltrangliste als gar harmlos präsentierte.

Freuler – neben Valon Behrami (er ist für diese Mannschaft einfach unverzichtbar) – ist der nächste Sechser, der nah dran am Team ist. Unaufgeregt, präzise und konzentriert verteilte er die Bälle. Fernandes ackerte, hielt mit, aber konnte Blerim Dzemaili nicht ersetzen, der erst in der nächsten Woche zum Team stossen wird.

Vladimir Petkovic nach dem 1:0 gegen Weissrussland. (Video: 20 Minuten)

Hadergjonaj muss sich noch gedulden

Zu seinem Debüt kam auch der ehemalige Berner Florent Hadergjonaj, der in der zweiten Halbzeit Silvan Widmer und im Endeffekt Stephan Lichtsteiner vertrat. Hinter Lichtsteiner, Michael Lang und Silvan Widmer hat er vorerst aber hartes Brot zu kauen. Bleibt noch Zuber im linken Mittelfeld. Der Hoffenheimer ist in dieser Form ein ernstzunehmender Kandidat für die Nati.

Test hin oder her, eine Baustelle bleibt weiterhin offen: die Sturmspitze. Die Nati machte aus ihren Chance einmal mehr zu wenig. Das 1:0 schmeichelte eher den harmlosen Weissrussen. Die zweite Halbzeit plätscherte so dahin. Der einzige Aufreger war kurz vor Schluss ein Hahnenkampf zwischen Xhaka und Lapzew. Schlicht unnötig in einem Testspiel.

Schweiz - Weissrussland 1:0 (1:0)
Maladière, Neuenburg.- 10'200 Zuschauer. - SR Prihoda (CZE).
Tor: 9. Shaqiri 1:0.
Schweiz: Bürki; Widmer (46. Hadergjonaj), Elvedi (46. Klose), Djourou (65. Xhaka), Moubandje; Behrami, Freuler (46. Frei); Edimilson Fernandes (65. Seferovic), Shaqiri, Zuber (65. Gelson Fernandes); Mehmedi.
Weissrussland: Tschernik; Burko (46. Alisejka), Filipenka, Siwakow, Satschywka (61. Pawlowez), Jewdakimow (46. Mazwejtschik); Balanowitsch, Lechtschilin (46. Bykow), Dragun; Chardsejtschuk (46. Lapzew), Skawisch (46. Sawizki).
Bemerkungen: Schweiz ohne Derdiyok, Drmic, Rodriguez (alle verletzt), Embolo (rekonvaleszent), Schär (nicht im Aufgebot/gegen Färöer gesperrt), Lichtsteiner, Dzemaili, Lang und Steffen (alle noch beim Klub). Debüt von Hadergjonaj. Schweizer Ersatzspieler: Sommer, Hitz, Kobel, Garcia, Grgic, Sow.
Verwarnungen: 72. Dragun (Reklamieren). 88. Xhaka und Lapzew (beide Unsportlichkeit).