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Alex Frei
16. November 2012 07:23; Akt: 16.11.2012 10:29 Print
Der ungehobelte Klotz
von Eva Tedesco - Er ist einer der erfolgreichsten Schweizer Torschützen und hat es mit Fleiss weit gebracht. Doch mit seiner rohen Art machte sich Alex Frei gerne unbeliebt. Porträt einer Diva.
Alex Frei ist trotz seiner Erfolge mit Medienschaffenden nie richtig warm geworden. «Kommt mir jetzt bloss nicht mit meinem Alter», schnauzt Frei ungefragt die Journalisten in der Interviewzone des Stade de Genève an, nachdem sich seine Torlos-Phase in der Super League gerade wieder um ein weiteres Spiel verlängert hat. Es ist einer von zig rhetorischen Ausbrüchen eines humorlosen Kickers. Hinter jeder Frage und jeder Geschichte vermutet er einen Hinterhalt. «Das ist der ungehobeltste Klotz, den wir hier seit ewigen Zeiten hatten», schrieb die «Süddeutsche Zeitung» einst über den damaligen Söldner in Dortmund.
Bildstrecken Spuckaffäre Alex Frei Video
Alex Frei tritt zurück
Auch hierzulande gibt es kaum einen Journalisten, der nicht schon vom eifrigen Zeitungsleser zusammengestaucht worden ist. Frei ist immer für eine Pointe gut, doch amüsante Kommentare und ein Augenzwinkern in seinen Interviews hat er noch nicht lange in seinem Repertoire. Umso öfter ist er unausstehlich und wirkt arrogant. Dabei will er nichts anderes als Fussball spielen, bodenständig bleiben. Ein Paradox, denn seine Bescheidenheit ist die einer Diva, die den Glamour hasst.
Frei tut seit seinem Start in die Fussballer-Karriere vor bald 16 Jahren alles, um aus der grauen Masse herauszustechen: Er spielt auf der prestigeträchtigsten Position in einer Mannschaft. Er schoss für jeden Klub, für den er spielte, die meisten Tore. Er ist Nati-Rekordtorschütze und ehemaliger Captain und wohl jener Schweizer Fussballer, der mit Werbung so viel Geld eingenommen hat wie kein anderer bisher.
«Zu viele Menschen. Zu peinlich.»
«Muss der Aufwand sein?» Frei zierte sich. Frei verdrehte die Augen. Fotograf und Journalist wären mit einem Fotoshooting beim Papst schneller vorwärtsgekommen als bei Alex Frei in Rennes. Das war im Mai 2004. Fotos gab es trotzdem. Allerdings nicht wie geplant in der Stadt. «Zu viele Menschen. Zu peinlich.» Sondern in einem Park, im letzten Winkel hinter den dichtesten Bäumen und Büschen. Ist ihm der Erfolg peinlich? «Das Problem ist, dass alles wieder zurückkommt – und das doppelt», pflegt Frei dazu zu sagen. Schiesst du zwei Tore, bist du Gott. Geht er daneben, bist du der Clown.» Dieses Schwarz-Weiss-Denken macht dem ehemaligen Internationalen von jeher Mühe. Obschon auch er Schwarz-Weiss-Denker ist.
Der Promistatus und das Geld haben Frei nicht verdreht, aber zu einem Menschen gemacht, der es gewohnt ist, zu befehlen und nur das zu tun, was ihm passt. Und er ist keiner, der es sich oder anderen einfach gemacht hätte. Einblicke in seinen weicheren Kern unter der harten Schale gewährt er nur selten und dann nur Menschen, die ihm nahestehen. Seiner Familie natürlich, seiner Frau und zwei, drei Jugendfreunden, deren Freundschaft er über all die Jahre gepflegt hat.
Die weiche Seite des Alex Frei
«Läck, isch dä geil!» Der Teenager im Rollstuhl schaut fasziniert zum Superstar hoch. Er kann es kaum erwarten, dass Frei sein Autogramm auf seinen Schal kritzelt und sich mit ihm fotografieren lässt. Er nimmt allen Mut zusammen und spricht den FCB-Stürmer an. Frei lacht über das ganze Gesicht. Seine Züge werden weich. Die Augen strahlen Offenheit und Emotionen aus, die man so kaum zu sehen bekommt. Es ist ein Vergnügen, Frei so befreit zu erleben. Seit seiner Zeit bei Dortmund unterstützt er gemeinsam mit der Jumbo Markt AG die Schweizerische Gesellschaft für Muskelkranke und spendet jährlich über mehrere 10'000 Franken. Auch das ist Frei.
Sein Nati-Rücktritt vor ziemlich genau einem Jahr kam unerwartet und aus dem Bauch heraus, nachdem er im Länderspiel gegen Wales am 12. Oktober 2010 im eigenen Stadion in Basel ausgepfiffen worden war. Mitten in der EM-Kampagne. Überhastet, emotional und überraschend. Nicht ganz so unerwartet kommt aber der endgültige Rückzug des Fussballers – wieder mitten in einer Saison. Nicht so unerwartet, weil der Vertrag des Angreifers beim FC Basel im Sommer 2013 ausgelaufen wäre. Überraschend – knapp einen Monat vor der Winterpause – ist der Zeitpunkt der Ankündigung. Dennoch zeugt sie von der gesunden Selbsteinschätzung, die ihn eine Karriere lang begleitet hat. Bevor die mediale Kritik harscher wird und noch ehe er wieder durch Pfiffe verletzt und vertrieben wird, verlässt einer der erfolgreichsten Schweizer Fussballer seine Bühne durch die Vordertür und beendet eine jahrzehntelange Suche nach dem Scheinwerferlicht, das er, wie er uns weismachen wollte, so gehasst hat.
Ich war nie sein grösster Fan, tatsächlich ging mir seine Art auf die Nerven. Trotzdem gehört er zu den grössten Schweizer Fussballern und das sollte respektiert werden. Ist denn Ibrahimovic oder Ronaldo sympathisch, waren Gascoigne und Pippo Charmeure? Sie alle machen den Fussball aber erst sehenswert..... – René
finde ich eine richtige entscheidung, alex. jetzt wo du selber ne familie hast, solltest du mehr zeit für deine frau und dein kind haben. es ist schade, wenn mann die eigenen kinder nicht wachsen sieht, weil die zeit schnell vorbei geht und du bestimmt genug geld jetzt hast für deine familie. es gibt nichts schöneres als die eigenen kinder wachsen zusehen :) Gruss veysel - bin selber zwillingsvater – veysel top
Alex Frei war und ist ein toller Spieler. All denen, die andauernd auf ihm rumhacken, sei gesagt, dass ihn die Kinder in den Fussballcamps jeweils als nettesten Profi empfinden... – Victor
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Alle 506 Kommentare

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Respekt Alex
Ich bin kein Frei-Fan aber was er für unsere Nationalmannschaft gemacht hat, Respekt. Wahrscheinlich sind wir das einzige Land, welches seine "Star-Spieler" hasst. Und dass es ein Schweizer so weit bringt, ist auch nicht selbstverständlich. Aber eben, wenn man sich an Spanien, Deutschland oder Argentinien orientiert und nicht einmal Tunesien bzw. Luxemburg schlägt.......
Tunesien
Sorry, natürlich habe sie ja dort "überlegen" gewonnen...
Danke
I liebe Alex...seine Art ...sein Fussball...sein strahlen...sein Mensch sein...danke für deine super Leistung!!!!!!!!!!Ein Grund für mich Fussball zzu schauen!!!!!!!!!!!!!!!
Ungehobelter Klotz?
Ihr armen Journalisten: Ihr klagt über Unanständigkeit? Da seid ihr doch selber schuld. Die Fragen die ihr manchmal stellt sind teilweise ungeholbelter als die "netten" Bemerkungen die ihr von Alex Frei erhalten habt. Denkt mal nach: Wie man in den Wald schreit, so hallt es zurück! Kurz um: Selber schuld!