ATP World Tour Finals

18. November 2017 20:34; Akt: 18.11.2017 23:42 Print

Federer erklärt den Schock von London

Roger Federer verpasst überraschend seinen 11. Final an den ATP Finals. Im Halbfinal unterliegt er dem Belgier David Goffin nach gutem Start 6:2, 3:6, 4:6.

Bittere Niederlage: Federer gibt gegen Goffin den Sieg her. (Video: Tamedia/AFP)
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Alles schien angerichtet für ein letztes Ausrufezeichen in Roger Federers sensationellem Comeback-Jahr. Noch nie hatte er in sechs Partien gegen David Goffin verloren. Erst vor einem Monat hatte er ihn an den Swiss Indoors in Basel in einer knappen Stunde 6:1, 6:2 deklassiert. In der O2 Arena holte sich Federer den ersten Satz in einer guten halben Stunde mit 6:2.

Dann aber nahm die zuvor einseitige Partie eine völlig unerwartete Wende. Gleich mit seinem ersten Breakball nahm Goffin Federer den Aufschlag zum 2:0 im zweiten Satz ab. Danach fand Federer überraschend kein Mittel mehr gegen den nur 1,80 m grossen Belgier. Der 36-jährige Basler kam im zweiten und dritten Satz nur noch zu je einem Breakball.

Goffin nervenstark

Vor allem von der Grundlinie war er dem äusserst aggressiv und mit viel Risiko spielenden Goffin unterlegen. Federer unterliefen 36 unerzwungene Fehler, bei nur 28 Winnern (darunter sieben Asse). Alleine die sonst so zuverlässige Vorhand verschlug er 22 Mal.

Zudem flatterten bei Goffin diesmal auch die Nerven nicht. Nach dem entscheidenden Break zum 2:1 im dritten Satz musste er gleich im folgenden Game einen letzten Breakball abwehren. In den letzten drei Aufschlagspielen gab der nicht gerade als Service-Riese bekannte Belgier aber nur noch einen Punkt ab. Nach eindreiviertel Stunden nutzte Goffin gleich den ersten Matchball mit einem Service-Winner.

Federer fand Timing nie

Federer nahm die Niederlage nach aussen hin gelassen. «Ich bin enttäuscht, weil mit dem einfachen ersten Satz eigentlich alles aufgegleist war», stellte er fest. Das verlorene Aufschlagspiel zu Beginn des zweiten Satzes sei ärgerlich, weil unnötig, gewesen. «Es ist mein Fehler, dass ich ihm in dieser Phase, als er noch nicht sattelfest war, ins Spiel geholfen habe. Danach hat er es einfach gut gespielt.» Spätestens da hätte er aber auch aggressiver spielen sollen.

Dies gelang Federer nicht. Er bestätigte damit den Eindruck der Gruppenspiele. Trotz der drei Siege stellte er fest, dass «ich hier nie zu 100 Prozent zu meinem Spiel gefunden habe. Das Timing stimmte nie so ganz.» Er habe eigentlich erwartet, dass er am Ende der Woche nochmals einen Gang höher schalten könne. Denn er habe sich frisch gefühlt, körperlich keine Probleme gehabt und auch der Spielplan mit jeweils einem Tag Pause und den zumeist am Nachmittag angesetzten Partien sei für ihn ideal gewesen.

Historische Woche für Goffin

Allzu sehr ärgern wollte sich Federer aber nicht. «Ich bin sehr gefasst, weil ich alles probiert habe, weil David ein guter Typ ist und weil es sowieso eine fantastische Saison war.» Vom Niveau Goffins sei er nicht überrascht. «Er hat mich im Training schon des Öfteren zerstört. Ich war eher überrascht, dass ich zum Teil so einfach gewonnen habe.»

Statt eines 11. Masters-Final von Federer gibt es nun am Sonntagabend eine Premiere. Goffin, der zuvor einzig im letzten Jahr als Ersatzspieler zu einem Einsatz an den ATP Finals gekommen war, trifft auf den Bulgaren Grigor Dimitrov, der in London diese Woche alle vier Spiele gewonnen hat und am Montag die neue Nummer 3 der Welt sein wird. Im Duell zweier Debütanten setzte er sich in einer Achterbahnfahrt gegen den Amerikaner Jack Sock 4:6, 6:0, 6:3 durch. Bereits im ersten Satz hatte Dimitrov 3:0 geführt. In der Vorrunde holte Goffin gegen den Bulgaren nur zwei Games – aber gegen Federer war die Ausgangslage ähnlich.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Sein am 18.11.2017 20:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    passt schon

    also ich als federer fan, mag es goffin von herzen gönnen. erst nadal und dann federer... ein (für tennis) kleiner mann spielt gross auf! jetzt wäre ihm der sieg zu gönnen! roger, du wirst es verschmerzen.

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  • Ale am 18.11.2017 21:07 Report Diesen Beitrag melden

    Alex

    Der sieg sei dem stärkeren gegönnt. Und heute war die goffin

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  • Sams tag am 18.11.2017 21:21 Report Diesen Beitrag melden

    Kann passieren...

    Ist doch alles halb so schlimm. Rogi kann halt auch nicht immer nur gewinnen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Roman I. am 19.11.2017 14:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Beobachter

    Genau das was Federer gestern gezeigt hat, macht den Unterschied zum Rafael Nadel. RN hätte sich nie so gehen lassen wir RF gestern in den Sätzen 2 und drei. RF hat immer gekämpft, sich nie aufgegeben, ausser er spürte wieder Schmerzen.

    • Realist am 19.11.2017 17:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Roman I.

      Ich glaube gegen den Schluss machen Sie ein Durcheinander mit RF, RN. Ausschreiben wäre die Lösung.

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  • Minnie Mouse am 19.11.2017 14:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Rücktrittsforderungen sind peinlich!

    Ich bin absolut kein Federer-Fan, aber diese ewigen Rücktrittsforderungen finde ich geschmacklos! Selbst wenn er irgendwann als Nummer 100 abtritt, kann ihm niemand seine Erfolge nehmen! Was daran dann peinlich sein soll, verstehe ich nicht! Er verdient mit seinem Hobby mehr Geld, als wahrscheinlich alle Kommentarschreiber zusammen, also lasst ihn doch einfach spielen! Solange er sich motivieren kann und spielen will, sehe ich darin nur Positives! Wenn es nach Euch ginge, dürfte jenseits der Nr. 10 der Weltrangliste niemand mehr spielen!

  • Wunschgegner am 19.11.2017 13:06 Report Diesen Beitrag melden

    Vorsicht, Ikarus

    "Ich habe es ja gesagt" trifft es irgendwie nicht ganz. Es braucht keinen Wissenschafter, um zu sehen, was vor sich geht. Tick tack...

  • FR am 19.11.2017 12:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Warum

    Warum muss RF jede Niederlage erklären? Er ist doch keinem was schuldig und Niederlage gehört zum Sport .

    • Sina am 19.11.2017 13:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @FR

      genau das habe ich auch gedacht. Roger ist und bleibt Roger...

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  • Leo65 am 19.11.2017 11:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    mir kam es vor....

    als ob er verlieren wollte ist er in diesem matche aufgetreten, er war schlicht nicht auf dem platz gedanklich.