Neuchâtel Xamax

14. Juli 2008 07:42; Akt: 14.07.2008 09:34 Print

Dunkle Wolken am Neuenburger HimmelDunkle Wolken am Neuenburger Himmel

Am kommenden Sonntag bestreitet Neuchâtel Xamax sein erstes Meisterschaftsspiel gegen den FC Zürich, doch am Neuenburger See droht schon vor der Saison eine handfeste Krise, und die Stimmung ist beinahe am Tiefpunkt angelangt.

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Auf der Stirn von Xamax-Trainer Nestor Clausen bilden sich bereits vor Anpfiff der Saison tiefe Sorgenfalten. Der zielstrebige Argentinier mit Walliser Wurzeln macht aus seinen Sorgen auch keinen Hehl. «Im Moment passt bei uns so gut wie gar nichts zusammen», sagt er mit verbittertem Unterton. Und Gründe für die schlechte Laune gibt es einige: Zwei argentinische Verstärkungen wollte er haben, doch der allmächtige Präsident Bernasconi schob den Plänen seines Trainers kategorisch einen Riegel vor. Beinahe zur gleichen Zeit kehrte jedoch der neue Xamax-Sportchef Alain Geiger aus der Wüste zurück und hatte einen unterschriebenen Vertrag mit Hussein Soulimani im Gepäck.

Soulimani ist ein erfolgreicher Star in seinem Heimatland Saudi-Arabien, doch weil im Scheichtum die Petrodollars lockerer im Portemonnaie sitzen als der harte Franken in der Xamax-Schatulle, kann man getrost davon ausgehen, dass ein solcher Transfer nicht gratis war.

Clausen mit der Personalpolitik nicht einverstanden

Nestor Clausen zuckte nur mit den Schultern, als er auf diesen Einkauf angesprochen wird. Seine Mundwinkel lassen jedoch erahnen, wie frustriert der Cheftrainer über die Situation ist. «Und überhaupt bin ich mit der Transferpolitik überhaupt nicht einverstanden», liess Clausen doch noch verlauten. Er bezieht sich dabei auf die Entscheidung der Vereinsführung, jeden halbwegs (un-)geeigneten Neuzugang zu einem Probetraining einzuladen und in Testspielen einzusetzen.

Dadurch ergaben sich in einigen Vorbereitungsspielen sehr skurrile Auftritte. Gegen den FC Sion beispielsweise liefen die Neuenburger mit 18 Testspielern und drei Talenten aus dem eigenen Nachwuchs auf. Wie kann man aus dem Spiel eines solch zusammengewürfelten Haufens effektive Erkenntnisse erhalten?

Zahlreiche schlechte Tests

Die Personalpolitik erklärt die schlechten Testspielergebnisse zumindest teilweise. In sieben Partien gab es gerade einmal gegen den Erstligisten Etoile Carouge einen Sieg. Nestor Clausen bemängelt, dass es bislang kaum die Möglichkeit gab, seine
zukünftige Mannschaft zusammenspielen zu lassen. Und genau hier liegt das Hauptproblem von Xamax: Sportlich, auf dem Platz, passt nichts zusammen. Im Match gegen Rapid Bukarest liefen die Rot-Schwarzen sowohl dem Ball, als auch dem Gegner nur hinterher.

Nestor Clausen versuchte zu diesem Zeitpunkt die Leistungen noch schönzureden und die Fans zu beschwichtigen: «Auch wenn wir verloren haben, gab es auch positive Dinge zu sehen. Aber natürlich sind wir weit weg von dem, was wir spielen wollen. Im Abstiegskampf war das spielerische Potenzial noch eine unserer Stärken.» Doch das Xamax in der Version 2008/2009 ist hiervon meilenweit entfernt. Gegen Olympique Marseille am Sonntag gab es in 90 Minuten lediglich grosszügig gezählte zwei Torschüsse - dafür aber eine Menge unnötiger Fouls, weil die Xamax-Akteure immer wieder zu spät in die Zweikämpfe kamen.

Trotz der nicht gerade rosig verlaufenen Saisonvorbereitung kämpft Trainer Nestor Clausen weiter. Zunächst mit sich selbst, um den Optimismus nicht zu verlieren - und dann auch gemeinsam mit seinen Spielern, um in Form zu kommen. «Ich muss das Beste aus der aktuellen Situation machen», stellte er fest. Xamax-Spieler Julio Hernan Rossi bestätigt dies und nimmt seinen Chef uneingeschränkt in Schutz: «Es stimmt. Im Moment läuft nicht viel zusammen bei uns. Unser Trainer arbeitet hart und intensiv mit uns, aber wir sind längst noch nicht parat für die Meisterschaft.»

Verletzungssorgen noch und noch

Zu allem Überfluss schlug bei Neuchâtel Xamax unlängst auch noch die Verletzungshexe gnadenlos zu. Spielmacher Johnny Szlykowicz leidet unter starken Beschwerden, sobald er auf dem Kunstrasen der neuen Maladière trainiert. Der Franzose hegte deswegen Wechselabsichten. Xamax schloss dies zwar kategorisch aus, doch dadurch löst sich das gesundheitliche Problem der Neuenburger Nummer 10 auch nicht. Noch schwerer wiegt jedoch die dreimonatige Verletzungspause von Abwehrchef Alexandre Quennoz. Plötzlich ist nun Selver Hodzic als Innenverteidiger wieder dick im Geschäft. Einst Teil des Champions League-Wunders von Thun, wurde er in der Folgezeit von allen Trainern im Berner Oberland als nicht Super-League-tauglich eingestuft und schliesslich nach Israel abgeschoben. Seit Quennozs Ausfall steht Hodzic nun wieder häufig in der Startaufstellung. Auch dies ist ein Indiz für die aktuelle Not am Jura-Bergfuss.

Unter dem Dach der Maladière brennt es also in allen Ecken und Enden. Wenn nun auch noch der Saisonstart in die Hose geht - was kaum einen Experten überraschen würde - steht Neuchâtel Xamax vor einer langen und beschwerlichen Saison.

(gwl)

Axpo Super League

Datum Spiel Resultat
04.02.12  Luzern - Zürich 1:1 (1:0)
05.02.12  Basel - Sion 0:0
05.02.12  Grasshoppers - Thun 0:1 (0:1)
05.02.12  Young Boys - Servette 3:1 (3:0)
R Mannschaft Sp S U N G : E P
1. Basel 19 11 6 2 38 : 17 39

2. Luzern 19 9 5 5 26 : 16 32
3. Young Boys 19 8 6 5 29 : 18 30

4. Thun 19 7 5 7 22 : 21 26
5. Servette 19 7 3 9 26 : 32 24
6. Zürich 19 6 4 9 27 : 27 22
7. Grasshoppers 19 6 1 12 19 : 37 19
8. Lausanne-Sport 18 3 2 13 16 : 44 11

9. Sion 19 9 5 5 26 : 17 -4 (-36)

10. Neuchâtel Xamax 18 7 5 6 22 : 22 26
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