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Eingesperrte Sion-Fans
23. April 2009 11:56; Akt: 23.04.2009 11:56 Print
«Sind wir hier in Guantánamo?»
von Herbie Egli - Das Fussballspiel Luzern gegen Sion ging diesmal friedlich über die Bühne. Die verschärften Sicherheitsvorkehrungen für gegnerische Fans haben genützt. Die Anhänger der Gastmannschaft kamen sich jedoch wie in einem US-Gefangenenlager vor.
Szenen wie nach dem Cup-Halbfinal am 13. April, als Fans nach dem Spiel Luzern - Sion aufs Feld stürmten und sich prügelten, waren beim Meisterschaftsspiel am Mittwochabend nicht mehr zu sehen. Die nach den Vorfällen beschlossenen zusätzlichen Massnahmen wie Stacheldraht auf den Zäunen und alkoholfreies Bier haben ihren Dienst also erfüllt. Die Sion-Fans selbst konnten der ganzen Sache aber nicht viel Positives abgewinnen.
Nach dem Cup-Halbfinal wurde das Spielfeld gestürmt(Bild: Keystone/Sigi Tischler)
Drohung der Polizei zeigt Wirkung
Nachdem am Cup-Halbfinal Fans auf Spielfeld gestürmt waren, drohte die Luzerner Polizei mit dem Pranger: «Wir geben ihnen bis Mittwoch um 18 Uhr Zeit, sich zu melden», liess Beat Hensler, Kommandant der Kapo Luzern, verlauten. Ansonsten werde man die Bilder der Randalierer ins Internet stellen (20 Minuten Online berichtete). Die Drohung zeigte Wirkung: Bis zum Ablauf des Ultimatums haben sich 25 Männer bei der Polizei gemeldet. Wie sich diese Personen an den tätlichen Auseinandersetzungen beteiligt haben, sei noch Gegenstand der weiteren Ermittlungen, schreibt die Luzerner Kantonspolizei in einer Mitteilung. Jene Personen, die sich noch nicht gemeldet hätten, müssten weiterhin damit rechnen, dass ihre Fotos im Internet veröffentlicht werden. Wann das aber geschehen soll, sei noch nicht bestimmt, schreibt die Polizei weiter. (mlu)
«Alkoholfreies Bier können sie behalten»
Beim Betreten des Gästesektors fragte ein Oberwalliser Anhänger der Rot-Weissen seinen Kollegen: «Sind wir hier in Guantánamo?». Zwischen einer Blache als Sichtschutz (in einem Stadion?) und dem ausgerollten Stacheldraht antwortete dieser: «Aus Sicht der Securitas und aller anderen Zuschauer sind wir wohl eher im Zoo.» Er meinte damit, dass sie wie im Käfig ausgestellt sind.
Die Walliser fühlten sich wie Gefangene. In Einzelfällen mussten sie sogar einen Ausweis vorzeigen, als sie bereits in ihrem Stadionsektor waren. Das Unverständnis war gross: «Natürlich darf man nicht auf das Feld», gab der Gesprächspartner mit einem breiten, schwer verständlichen Dialekt von sich. «Aber warum stand am Ostermontag nicht ein einziger Securitas am Zaun? Erst als wir damals sahen, dass auf der Luzerner Seite auch Fans auf das Feld liefen und von Securitas-Leuten zurückgehalten wurden, kletterten einige Sion-Fans über den Zaun. Die meisten von uns wollten ja nur feiern. Dass nun einseitig solch ein Aufwand betrieben wird und die Luzerner Fans als unschuldig hingestellt werden, finden wir nicht fair. Ach ja: Alkoholfreies Bier können sie gerne behalten.»
«Stehen dort, wo wir hingehören»
Wie sinnvoll unüberwindbare Zäune 20 Jahre nach der Hillsborough-Katastrophe sind, bleibe dahingestellt. Die Verantwortlichen in Luzern werden sich dabei hoffentlich etwas überlegt haben. Nach dem Spiel war die Käfighaltung jedoch bei den angereisten Walliser Zuschauern kein Thema mehr.
Vielmehr schimpften die Sion-Fans wieder einmal über den uninspirierten Auftritt ihres Teams. «Warum kann oder will diese Mannschaft einfach nicht zwei Spiele hintereinander gewinnen? Auch die Auswechslungen verstehe ich nicht», raufte sich der Oberwalliser die Haare. «Jetzt stehen wir dort, wo wir eigentlich hingehören. Schon viel zu oft mussten wir solche Leistungen hinnehmen, doch nie hat sich in dieser Saison etwas geändert. Die Spieler streiten, verwerfen die Hände und die Reaktion auf den Rückstand bleibt aus.»



























