Kim Källström

07. September 2015 16:44; Akt: 07.09.2015 16:44 Print

GC-Star hält bewegende Rede zur Flüchtlings-Krise

Eigentlich sollte Kim Källström vor dem EM-Qualifikationsspiel Schwedens gegen Österreich über Fussball reden. Was folgte, war ein politisches Statement.

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Mit Kim Källström holt der Grasshopper Club einen sehr routinierten Mann in sein zentrales Mittelfeld. Der 33-jährige Schwede ist gleich der Chef auf dem Platz. Seit 2001 gehört Kim Källström zur schwedischen Nationalmannschaft. In 120 Spielen schiesst er 16 Tore. Er bestreitet die Europameisterschaften 2004, 2008 und 2012 sowie die WM 2006 in Deutschland. Gemeinsam mit Goalie Andreas Isaksson und Stürmer Zlatan Ibrahimovic bildet er eine sehr routinierte Achse. Für Cheftrainer Pierluigi Tami ist Källström ein absoluter Wunschtransfer. In der sehr jungen GC-Mannschaft spielt der Routinier eine zentrale Rolle. Drei Jahre steht Kim Källström bei Spartak Moskau unter Vertrag, einer seiner Trainer in dieser Zeit heisst Murat Yakin. Im Januar 2014 wird Källström für ein halbes Jahr zu Arsenal ausgeliehen. Wegen einer Rückenverletzung kommt er aber wettbewerbsübergreifend nur zu vier Einsätzen. Hier trifft der Linksfuss im Halbfinal des FA Cups gegen Wigan im Elfmeterschiessen. In dieser Saison gewinnen die «Gunners» den Pokal. In sechs sehr erfolgreichen Jahren bei Olympique Lyon gewinnt Kim Källström zweimal die französische Meisterschaft und zweimal den Cup. In der Champions League ist er Stammgast. Kim Källströms erste Station im Ausland heisst Stade Rennais. Als offensiver Mittelfeldspieler reiht er sich dank seines strammen Schusses regelmässig unter die Torschützen ein. Am produktivsten ist er in seiner letzten Saison mit acht Meisterschaftstoren. Schon früh fällt Kim Källström als grosses Talent auf. Mit 17 Jahren debütiert er für den BK Häcken im Profi-Fussball und steigt mit dem Club aus Göteborg später in die Allsvenskan auf. Nach dem Abstieg ein Jahr später wechselt er knapp 20-jährig zu Djurgarden Stockholm, wo er zwei schwedische Meisterschaften gewinnt.

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Der Fussball ist unpolitisch. Eigentlich. Zwar sonnen sich Politiker jeder Couleur gern im Glanz sportlicher Erfolge. Doch der Sport soll unpolitisch sein, der Fussball sowieso. Ist ja auch praktisch: Spricht man dem Sport eine politische Einstellung ab, lassen sich Grossanlässe ohne Gewissensbisse in Ländern mit Defiziten an Menschenrechten oder an politischen Freiheiten austragen. Egal ob Sotschi oder Peking: «Man darf Sport und Politik nicht vermischen», lautet der Kanon.

Doch Kim Källström hat es getan. Der schwedische Mittelfeldspieler der Grasshoppers wurde an der Medienkonferenz vor dem EM-Qualifikationsspiel in Stockholm zur Flüchtlingskrise befragt und nutzte die Frage zu einem spontanen, flammenden Plädoyer für mehr Menschlichkeit.

Kleine Veränderungen mit grosser Wirkung

«Was jetzt passiert, ist weit weg vom Sport. Aber Athleten und Menschen, die in der Öffentlichkeit stehen, haben die Möglichkeit, kleine Veränderungen zu bewirken. Wenn viele Menschen Kleinigkeiten verändern, entstehen daraus grosse Dinge», sagte Källström. In den letzten Tagen ist mit den Flüchtlings-Trecks aus dem Nahen Osten auch die Hilfsbereitschaft vieler im Westen gewachsen. So spendeten der FC Bayern und Real Madrid je eine Million Euro für die Flüchtlinge. Der Deutsche Fussball-Bund (DFB) belohnt Clubs, die sich um Aufnahme und Integration von Flüchtlingen kümmern, mit insgesamt 700'000 Euro – unterstützt wird er von der Uefa und der Bundesregierung. Auch das Internationale Olympische Komitee hat eine Spende von zwei Millionen Dollar angekündigt.

«Wir sind alle Bürger dieser Welt»

«Was Fussballteams und andere Sportler jetzt rund um die Welt tun, ist sehr gut», sagte Källström. «Es macht den Anschein, dass sich eine Bewegung aufbaut – nicht nur Personen des öffentlichen Lebens, sondern auch ganz normale Leute fragen sich: Was kann ich tun, um Menschen zu helfen, die in diese schreckliche Situation geraten sind? Heute sind wir nicht nur Bürger unseres Landes. Wir sind alle Bürger dieser Welt und es ist wichtig, dass jeder tut, was er tun kann, für diese Menschen, die unverschuldet in eine derart schwierige Lage geraten sind. Ich denke, es ist wichtig, dass wir uns bewusst sind, dass diese Menschen (die Flüchtlinge, die Red.) in diese Lage geraten sind, weil andere sehr, sehr schlechte Entscheidungen gefällt haben.»

Schwedens Nationaltrainer Erik Hamrén applaudierte spontan. Offen ist, ob die Schweden am Dienstagabend vor der Heimpartie gegen Österreich eine Aktion planen.

(sco)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • P.senn am 07.09.2015 16:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gute worte

    Grosses Vorbild! Gute und richtige worte von kim super, wenn nur alle so wie er denken würden, dann währe die flüchtlingskriese einiges leichter zu meistern!

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  • jürg am 07.09.2015 16:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Klasse

    Dieser Mann ist auf und neben dem Platz eine wahre Grösse. Chaupeau für den Mut

  • SH/7 am 07.09.2015 16:59 Report Diesen Beitrag melden

    Zusammen

    Eine perfekte Welt ist unrealistisch. Lasst sie uns jedoch für jedermann ein stück weit lebenswert machen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Simon P. am 08.09.2015 22:35 Report Diesen Beitrag melden

    GC-Fan

    Respekt, Kim! Tolle und wichtige Worte von einem super sympathischen Sportler und Menschen der wahre Grösse zeigt. Bin glücklich, dass du bei uns spielst. Auch Caio, Dabbur uvm. Mit solchen Spielern und Typen macht es noch viel mehr Freude, GC-Fan zu sein.

  • Adrian am 07.09.2015 20:59 Report Diesen Beitrag melden

    Die Welt besteht nicht nur aus Europa

    Wie recht er hat; Wir sind alle Bürger dieser Welt! Eben, dieser Welt! Im Moment scheint es mir aber eher nach; "Wir alle auf dieser Erde sind Bürger dieses Europa's"! Da müsste also auch Süd-Amerika, Nord-Amerika, Asien und Australien verpflichtet werden zu helfen!

  • Menion Leah am 07.09.2015 20:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Klasse

    Von ihm! Die Fifa könnte doch paar Millionen spenden! Imagepflege wäre ja bitter nötig!

  • m.h. am 07.09.2015 20:28 Report Diesen Beitrag melden

    Bewegend und Erstaunend

    Mich nimmt das Thema sehr mit. Ich versuche zu helfen wo ich kann. Doch motivationstechnisch sind die Ereignisse in Ungarn und Deutschland einen Rückschlag. Gibt es doch Asylsuchende die in Ungarn protestieren weil sie nicht dort in einen Unterkunft wollen sondern in Deutschland. Oder solche die Essen und Wasser auf die Schienen werfen weil sie weiter gehen wollen und nicht im Osten Europas bleiben wollen. Oder in Deutschland randalieren sie weil sie nicht zufrieden sind mit dem was sie bekommen....hört man zuwenig davon in den Medien. Gewisse von denen sind leider undankbar.

    • kai stutz am 08.09.2015 08:04 Report Diesen Beitrag melden

      Wahrheit sieht anders aus!

      ...und das ist das Problem. leute die in not sind, machen nicht noch ansprüche geltend sonder nehmen den schutz und hilfe an, den sie bekommen. leider sind vermutlich die meisten Wirtschaftsflüchtlinge........

    • Fritzli am 08.09.2015 11:05 Report Diesen Beitrag melden

      Hilfe für die richtigen Flüchtlinge!

      Leider ist es wirklich so, dass es solche darunter hat, die nicht flüchten weil ihr Leben bedroht ist, sondern ihre Finanzen! Das ist nun die erste Aufgabe! Diese Flüchtlinge aussortieren. Die "Rebellen" ins nächste Schiff und zurück mit ihnen! Die wirklichen Flüchtlinge sollen die Hilfe erhalten!

    • Sennemaa am 08.09.2015 12:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Tja....

      Ich denke nur ein kleiner Teil machen richtige Kriegsflüchtlinge aus. Denn sonst würden sie sich nicht so benehmen. Jetzt will jeder halt etwas vom Kuchen abhaben. Das was dem römischen Reich den Gnadenstoss verpasst hat war dass alle auf einmal ins Reich gekommen sind weil sie etwas vom Luxus abhaben wollten, die Geschichte wiederholt sich.

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  • Marco Gasser am 07.09.2015 19:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vorbild für die Jugend

    endlich ein Fussballer mit internationalem Format... und menschlicher Klasser der bei den Hoppers spielt