Trainer entlassen

28. September 2017 14:23; Akt: 29.09.2017 06:27 Print

Bayern feuert Ancelotti – kommt jetzt Tuchel?

Nach der 0:3-Pleite gegen Paris Saint-Germain: Carlo Ancelotti ist nicht mehr Coach beim deutschen Rekordmeister. Die Münchner ziehen die Reissleine.

Tuchel oder doch Nagelsmann: Wer wird Nachfolger von Carlo Ancelotti bei den Bayern? (Video: Tamedia/AFP)
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Die Trennung vom Chefcoach erfolgte unmittelbar nach der Rückkehr aus der französischen Hauptstadt, wo es am Mittwochabend in der Champions League eine 0:3-Niederlage bei Paris Saint-Germain abgesetzt hatte. «Die Leistungen unserer Mannschaft seit Saisonbeginn entsprachen nicht den Erwartungen, die wir an sie stellen», so Bayerns CEO Karl-Heinz Rummenigge. «Das Spiel in Paris hat deutlich gezeigt, dass wir Konsequenzen ziehen mussten.» Er erwarte jetzt von der Mannschaft eine positive Entwicklung und absoluten Leistungswillen, damit der FC Bayern seine Ziele für diese Saison erreiche.

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Unmut bei Führungsspielern

Zum Verhängnis wurden Ancelotti nicht allein die bisherigen Resultate in dieser Saison, sondern auch die Tatsache, dass weder ein spielerisches Konzept noch eine Weiterentwicklung der Mannschaft erkennbar waren. Mit seiner Taktik und Aufstellung in Paris hatte Ancelotti die seit Monaten wachsenden Zweifel an seiner Arbeit nochmals verstärkt. Erschwerend kam für den 58-jährigen Italiener hinzu, dass Führungsspieler wie Thomas Müller, Arjen Robben und Franck Ribéry ihren Unmut betreffend Personalentscheide öffentlich nicht zurückhielten. Rückendeckung seitens der Klubspitze erhielt Ancelotti daraufhin in den vergangenen Wochen keine, womit auf eine vorzeitige Trennung geschlossen werden musste. Dass diese jedoch bereits Ende September und nicht erst am Saisonende, ein Jahr vor Vertragsende, erfolgen würde, war indes nicht absehbar.

Bayern und Ancelotti gehen getrennte Wege

Die Trainingsleitung übernimmt bis auf Weiteres Assistenz-Coach Willy Sagnol. Der 40-jährige Franzose, 2001 mit Bayern München Champions-League-Sieger und zwischen Juli 2014 und März 2016 Cheftrainer bei Girondins Bordeaux, wird am Sonntag beim Spiel bei Hertha Berlin als Interimstrainer auf der Bank sitzen. Als Nachfolger im Gespräch sind Hoffenheims Trainer Julian Nagelsmann und der derzeit vereinslose Thomas Tuchel (zuletzt Borussia Dortmund). Dass Bayern nach Pep Guardiola und Ancelotti künftig auf einen deutschen Trainer setzen wird, gilt als sicher.

Ancelotti, zweimal mit Milan und einmal mit Real Madrid Champions-League-Sieger, hatte das Traineramt bei Bayern im Sommer 2016 als Nachfolger Guardiolas übernommen. Er kam nicht nur mit einem eindrücklichen Titel-Palmarès nach München, sondern auch mit dem Ruf, hervorragend in der Menschenführung zu sein. Kritische Stimmen von Starspielern waren bei den früheren Stationen des Italieners nie zu vernehmen gewesen – Spieler wie Zlatan Ibrahimovic und Cristiano Ronaldo schwärmen noch Jahre nach der Zusammenarbeit von Ancelotti. Doch anders als bei seinen Klubs zuvor - bei Milan, Chelsea, Paris Saint-Germain oder Real Madrid - stiess Ancelottis «Quiet Leadership» («Ruhiger Führungsstil», Titel von Ancelottis 2016 erschienenen Buches) in Teilen der Münchner Equipe nicht auf die erhoffte Resonanz. Dass der gemütliche und warmherzige Bauernsohn aus der Emilia-Romagna in die im Vergleich mit Paris, London oder Madrid eher beschauliche bayrische Landeshauptstadt und zu deren familiärem Vorzeigeklub perfekt passen würde, erwies sich in den letzten Wochen zunehmend als Trugschluss. Ancelotti habe fünf Spieler gegen sich gehabt, so Präsident Uli Hoeness. «Das war nicht durchzuhalten.»

Schlechte Bilanz gegen Topklubs

In der vergangenen Saison wurde Ancelotti mit dem FC Bayern zwar souverän Meister, seine Bilanz in Spielen gegen Topteams ist jedoch verheerend: In acht Duellen gegen Borussia Dortmund, Real Madrid, Atlético Madrid und Paris Saint-Germain resultierten sechs Niederlagen. Derzeit liegt Bayern in der Bundesliga nach sechs Runden drei Punkte hinter Leader Dortmund zurück.

Noch nie in seiner ruhmreichen Bundesliga-Geschichte hat der FC Bayern früher in der Saison einen Trainerwechsel vollzogen. Ähnlich früh hatte der Rekordmeister vor 26 Jahren eine Kurskorrektur auf der Trainerbank vorgenommen. Damals, am 8. Oktober 1991, musste Jupp Heynckes seinen Stuhl für den Dänen Sören Lerby räumen. Nötig wurde daraufhin im März gar ein weiterer Trainerwechsel (Erich Ribbeck für Lerby). Am Ende resultierte für den Klub in der Bundesliga Platz 10 - so weit wird es diesmal freilich nicht kommen.

(heg/sda)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • R10 am 28.09.2017 15:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tja

    Wer den Kern der Führungsspieler gegen sich aufbringt... Ancelotti ist ein guter Trainer, jedoch ist er zu diesem Zeitpunkt nicht der richtige für Bayern

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  • unglaublich am 28.09.2017 15:27 Report Diesen Beitrag melden

    aber wahr

    Im falschen Moment am falschen Ort. Carlo ich wünsche dir viel Glück. Wer weiss, vielleicht fährst du Richtung Piemont.

  • M.H. am 28.09.2017 15:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Der richtige Schritt!

    Viele hier verstehen es einfach nicht. Es ist nichts persönliches, das weiss Carlo auch, aber er muss gehen. Seine erste Saison war nicht die Beste, ist auch nicht weiter schlimm, doch es braucht eine Steigerung in der zweiten, und die ist trotz Neuzugängen wie Rudy, Tolisso oder James nicht erfolgt. Man hat sich in allen Vorbereitungsspielen blamiert, in der Bundesliga viel zu viele Punkte liegen lassen und ist kein Angstgegner mehr! Man darf gegen PSG verlieren, aber nicht auf diese Art und Weise. Kein Spielkonzept zu erkennen. Der FC Bayern braucht einen deutschen Trainer, ganz einfach.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • John Wick! am 29.09.2017 14:09 Report Diesen Beitrag melden

    Und tschüss Ancefloppi!!!

    Endlich ist Ancefloppi weg! Wie die Bayern unter ihm agierten, war nicht mehr der FC Bayern. Endlich hat der Verein gehandelt. Tuchel wäre interessant, da kann er sich bei Herrn Watzke revanchieren.

    • S S S am 02.10.2017 14:21 Report Diesen Beitrag melden

      @John Wick

      Jaa revangieren oder das gleiche mit Ueli und Karl abziehen ;)

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  • Peti am 29.09.2017 13:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Besser Hiztfeld

    Also sicher nicht Tuchel der passt gar nicht zu Bayern und er ist auch nicht so einfach einer wo Zuviel das Mund aufmacht und hach unüberlegte Meinungen sagt, dann lieber der Hitzfeld als Notlösung er hat das schon einmal gemacht bei der Bayern

  • giovanni am 29.09.2017 10:22 Report Diesen Beitrag melden

    Perfekt

    Foto mit knaki Hoeness... er wird froh sein zu gehen. Das ist keine gute werbung.

  • wolly am 29.09.2017 08:40 Report Diesen Beitrag melden

    Tatsache

    Panzer fussball hat eben kein erfolg. Eine mentalitat frage. Ancellotti hat es nicht geschafft das hau ruck zu umwandeln.

  • hr.leser am 29.09.2017 08:22 Report Diesen Beitrag melden

    Falsche Planung

    Wenn man ständig junge, aufstrebende Spieler einkauft muss man sich eben auch mal von den alten und gestandenen trennen.Oder man kauft erst gar keine Jungen en masse. Robben und Ribery z.B sind ja sowieso ständig verletzt.Ich denke das ist auch der Grund warum sie noch bei Bayern sind.Die Versicherung bezahlt ja meistens deren Lohn.