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Hire and Fire
21. November 2012 11:40; Akt: 21.11.2012 11:40 Print
Darum fliegen Super-League-Trainer so schnell
Die Super League feuert am schnellsten. In der Premier League sind die aktuellen Manager im Schnitt seit vier Jahren bei ihren Klubs, in der Schweiz erst seit sechs Monaten.
In der Super League herrscht eine «Hire and Fire»-Mentalität. Mit der Freistellung von Challandes nach über zwei Jahren beim FC Thun haben bereits alle Schweizer Erstligisten – ausser Aufsteiger St. Gallen – auf die oder in der Saison 2012/13 den Trainer gewechselt.
Bildstrecken Bilanz der neuen Super-League-Trainer Trainer-Verschleiss-Liste in Europa 2012/13Rumänien 19 (18 Teams)
Serbien 9 (16 Teams)
Belgien 8 (16 Teams)
Zypern 7 (14 Teams)
Schweiz 6 (10 Teams)
Ungarn 6 (16 Teams)
Griechenland 6 (16 Teams)
Türkei 5 (18 Teams)
Italien 4 (20 Teams)
Österreich 3 (10 Teams)
Frankreich 2 (20 Teams)
Deutschland 1 (18 Teams)
Portugal 1 (16 Teams)
Holland 1 (18 Teams)
England 1 (20 Teams)
Spanien 0 (20 Teams)
Schweden 0 (16 Teams)
(Quelle: transfermarkt.de)
Obwohl auch erst ein Jahr acht Monate und knapp vierzehn Tage bei den Ostschweizern, ist Jeff Saibene der Trainer mit der längsten Amtszeit in der höchsten Spielklasse. Challandes ist nach João Alves (Servette), Murat Yakin (Luzern), Sébastien Fournier und Michel Decastel (beide Sion) und Heiko Vogel (Basel) bereits der sechste Trainer, der in der laufenden Meisterschaft gefeuert wurde. Und die Halbzeit ist noch nicht einmal erreicht.
Ferguson ist der Dauerbrenner
Im Vergleich dazu die Dienstältesten anderer Ligen: In Deutschland führt Thomas Schaaf (Werder Bremen) mit 13 Jahren und sechs Monaten, in der Ligue 1 Christian Gourcuff (Lorient) mit 9 Jahren 5 Monaten, in England Sir Alex Ferguson (Manchester United; unangefochtener Dauerbrenner weltweit) mit 26 Jahren und 15 Tagen. Aber auch Arsenal-Trainer Arsène Wenger kommt schon auf 16 Jahre. Und David Moyes ist seit über zehn Jahren Trainer beim FC Everton.
Die Grafik spricht Bände - und zeigt, wie lächerlich kurz selbst Espen-Trainer Saibene erst im Amt ist:
Mit sechs Trainerwechseln liegt die SL-Ausgabe 2012/13 auf den vordersten Rängen in der Trainer-Verschleiss-Rangliste (siehe Box), die von Rumänien angeführt wird. Nach ebenfalls 16 gespielten Runden wurden in der Liga 1 19 Trainer ausgetauscht – allerdings umfasst die höchste rumänische Spielklasse 18 Teams und keine Zehnerliga wie die Schweiz. Engländer und Spanier (je 12 gespielte Runden) bringen mehr Geduld und Vertrauen in ihr Personal auf und haben erst einen bzw. keinen Trainerwechsel zu verzeichnen. In der Bundesliga (nach 12 Runden) ist Felix Magath (Wolfsburg) auch der einzige bisher, in der Serie A (13 Runden) wurden vier Trainer gefeuert.
Die Gründe sind mangelnde Fach- und Führungskompetenz
Gründe für die «Hire and Fire»-Mentalität sind die gestiegene Erwartungshaltung sowie die Angst, die Saisonziele und Geld zu verlieren, aber auch mangelnde Fach- und Führungskompetenz, die mit unrealistischen Zielvorgaben das Scheitern fast programmieren. So wurde Murat Yakin nach einer überdurchschnittlichen Saison mit Platz 2 in der Liga und dem Erreichen des Cupfinals in Luzern entlassen – auch auf Druck der (fachunkundigen) Investoren. Mangelnde Fachkompetenz und übertriebene Erwartungen kosteten bei YB auch schon Vladimir Petkovic und Christian Gross den Job. Über die Planke ging dabei auch CEO Ilja Kaenzig, der an den Erwartungen und Wunschvorstellungen der Geldgeber scheiterte.
Übel ist eine Begründung mit der «Vertrauensfrage», wie sie bei der Entlassung von Ciri Sforza letzte Saison bei GC und zuletzt im Fall Bernard Challandes in Thun herhalten musste. Spieler, notabene Angestellte der Vereine, entscheiden über den Verbleib des Trainers mit. Bricht man das auf einen «normalen» Angestellten herunter, wäre das, als ob man schlechtere Arbeit verrichten würde, nur weil einem der Chef nicht passt und anderer Meinung ist.
Wie würde wohl ein Firmenchef reagieren, wenn sein Angestellter nur bei Big Deals richtig motiviert wäre, den täglichen Alltagskram aber nur so lala erledigt? So geschehen bei YB, als Goalgetter Raúl Bobadilla nach seiner Gala gegen Udine in die TV-Kameras strahlte und zu Protokoll gab, dass er halt in den Europacupspielen mehr motiviert sei.
Und wer entlässt die Klub-Chefs?
Im Durchschnitt haben 12'409 Zuschauer (insgesamt 980'288) die bisher 79 SL-Partien in der Saison 2012/13 gesehen. Hunderttausende mehr, wenn man Fernsehen und Internet dazuzählt. Wenn Profis die Leistung unter einem bestimmten Trainer verweigern und die Resultate ausbleiben, schädigen sie den Verein und die Sponsoren, aber vor allem die Fans. Wenn Klubpräsidenten und Sportchefs Fehler machen, schädigen sie den Verein und entlassen die Trainer in der Hoffnung, dass danach alles besser wird. Aber wer entlässt die Führungskräfte? Denn Floskel hin oder her – der Fisch stinkt doch immer vom Kopf her.
(ete)
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Alle 16 Kommentare

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Kindergarten
Fussball in der Schweiz ist schon lange ein Witz! Da habe ich mich längstens abgemeldet und interessiere mich nur noch für die Spiele in Deutschland. So einfach ist das!
20min soll
mal die letzten aufstellungen von luzern unter muri ansehen, diesen treainer hätte ich auch entlassen !
Hallo!?
Ich glaube Murat Yakin besitzt genügend Fachkompetenz und Erfahrung um zu wissen was er tut. Nur weil ein Laie wie du seine Aufstellung nicht nachvollziehen kann, ist das kein Grund zur Entlassung - erst denken, dann schreiben
lasst cc in ruhe
sein club, sein geld, seine entscheidungen!
CC macht das sehr gut
Absolut deiner Meinung. Der hat Sion einmal fast Konkurs verwirtschaftet, der wird es bestimmt nicht mehr machen. Tjaaa und Sion ist finanziell sehr weiträumig abgesichert und vom Tourismus gehen Mio in die Kassen von Sion und CC ist ein reicher Mann. Keine Angst, Sion geht finanziell nicht bankrott, das Gegenteil ist der Fall. Etwas weniger gibt es für Visp und Sierre. Ich wette mit jedem das Sion in ein paar Jahren in einem nigelnagel neuen 35'000 Zuschauer fassenden Stadion spielen - und der beste Fussballverein der Schweiz sein wird. CC ist so etwas wie CMS im Eishockey. Ein Egocentriker, aber ein cleverer Geschäftsmann. Und eines muss man wissen. Im Berner Oberland hat es nicht nur Thun Fans. Sonst wäre das mickrige neue Stadion in Thun besser besucht. Viele Berner Oberländer fahren mit dem Zug von Spiez in knapp einer Stunde nach Sion. Mit dem neuen Tunnel kommen viel mehr als früher. Allez Sion!!