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Gladbachs Höhenflug
22. Dezember 2011 13:44; Akt: 22.12.2011 15:49 Print
Das Wunder, das einfach nicht enden will
von Philipp Reich - Im Frühling hatte Lucien Favre Borussia Mönchengladbach vor dem scheinbar sicheren Abstieg bewahrt. Ein halbes Jahr später schweben die «Fohlen» noch immer auf Wolke Sieben.
«Letztes Jahr noch am Boden, heute auf dem Weg nach oben. Danke Jungs! Danke Lucien!», stand auf dem Spruchband, das vor der Gladbacher Fankurve hing. Schon vor dem abschliessenden DFB-Pokal-Achtelfinal gegen Schalke bedankten sich die die Anhänger der Borussia für das fantastische Fussballjahr 2011.
Bildstrecken Favre gelingt das «Wunder von Gladbach»Schweizer in der Bundesliga 2011/12 Video
Durch Knobelei zum Freistoss-Schützen
Dank dem 3:1-Sieg gegen die Köngisblauen durften die Gladbach-Fans auch nach der Partie jubeln. Erstmals seit 2004 stehen die «Fohlen» im Pokal unter den letzten Acht. In der Bundesliga liegt man nach dem Fastabstieg im Frühling auf Rang 4, einem Champions-League-Platz. «Einen schöneren Jahresabschluss kann man nicht haben», sagte Gladbachs Sportdirektor Max Eberl.
Favre, der akribische Arbeiter
Dabei hatte das Jahr für Borussia Mönchengladbach äusserst unangenehm begonnen. Mit nur 10 Punkten aus 17 Spielen und 56 kassierten Toren lag der fünffache deutsche Meister abgeschlagen am Tabellenende. Schnell wurde klar, dass es mit Michael Frontzeck nicht weitergehen kann und so übernahm Lucien Favre am Valentinstag (14. Februar) die Borussia. Und es sollte wahrlich eine Liebesbeziehung werden zwischen dem akribischen Schweizer und dem etwas eingerosteten Traditionsklub.
In kürzester Zeit brachte Favre seine neue Mannschaft auf die Erfolgsspur zurück. Organisiert, kompakt, präzis trat sein Team nun auf. Das Kader blieb dasselbe, der Romand nahm einige personelle Rochaden vor. Die Kunst von Favre war es, alle Charaktere in ein Konzept zu integrieren, das funktioniert. Der als schwierig geltende Regisseur Arango kehrte in die Stammelf zurück, ins Tor stellte Favre das junge Talent Marc-André ter Stegen. Die jungen Marco Reus und Patrick Herrmann waren die grossen Profiteure.
Der grösste Verdienst von Favre war aber die Stabilisation der Defensive. Die Schiessbude wurde fast augenblicklich geschlossen. Nur noch neun Gegentreffer kassierte Gladbach und schaffte schliesslich in der Relegation gegen den VfL Bochum den für unmöglich gehaltenen Ligaerhalt, das «Wunder von Gladbach». Es war der Grundstein für den angestrebten systematischen Aufbau unter Chefarchitekt Favre.
Defensive ist das Geheimnis des Erfolgs
Ohne grösseren Neuverpflichtungen ging der Höhenflug der Borussia auch in der neuen Saison weiter. Zum Auftakt der Hinrunde besiegten die «Fohlen» in der Allianz-Arena Rekordmeister Bayern München. Nach dem 4:1 gegen Wolfsburg grüsste Gladbach gar von der Tabellenspitze, erstmals seit beinahe fünf Jahren. Das Konzept blieb dasselbe: Hinten kompakt stehen und vorne mit schnellem Kombinationsspiel wirbeln. Nur einmal kassierte Gladbach in der Vorrunde mehr als einen Gegentreffer. Beim 2:2 gegen Leverkusen. Die Tore schiesst vor allem Shooting-Star Marco Reus, der dank 10 Treffern von den Bayern und Arsenal umworben wird.
Dank 33 Punkten aus 17 Spielen (Punkteschnitt 1,94) liegt die Borussia nach der Vorrunde auf Rang 4 und Lucien Favre, der vom deutschen Sportinformationsdienst zum «Trainer der Hinrunde» gewählt wurde, ist der erfolgreichste Trainer der Klubgeschichte. Nicht einmal Hennes Weisweiler, der in den 70er Jahren in der «Ära Netzer» die «Fohlen» zu drei Meistertiteln geführt hatte, kommt an den Punkteschnitt von 1,82 des Schweizer «Superhirnli» heran.
Man will auf dem Boden bleiben
Die Euphorie der Fans ist längst grenzenlos, doch weder Favre noch die Führungsetage der Gladbacher heben wegen des fantastischen Laufs aber ab. «Es gibt keinen Grund, das Saisonziel zu verändern. Das lautet noch immer: 40 Punkte holen und den Klassenverbleib sichern», sagte Vize-Präsident Rainer Bonhoff zuletzt und sorgte damit für Verwirrung bei den Journalisten. Mit dem Verweis zur Frankfurter Eintracht, die 2011 mit Platz 7 und 26 Punkten nach der Hinrunde noch abstieg, nahm er ihnen aber schnell den aufkommenden Wind aus den Segeln.
Auch für Favre ist erst die halbe Arbeit getan. «Es kann alles so schnell gehen», sagt der FCZ-Meistermacher von 2006 und 2007. «Wir machen weiter wie bisher und kämpfen um jeden Punkt. Abgerechnet wird am Schluss.» Wo Favres Borussia dann klassiert sein wird, steht noch in den Sternen. Uli Hoeness ahnt aber schon Böses: «Dieses Team könnte die Überraschungsmannschaft der Saison werden. Wie Wolfsburg vor zwei Jahren oder Kaiserslautern 1998», sagt der Bayern-Präsident im Wissen, dass sowohl Wolfsburg wie auch Lautern nach einer tollen Saison Meister wurden.
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Alle 15 Kommentare































Gänsehatu
Vielen Dank für den Text un dem Hinweis zum Trailer. Gladbach ist diese Saison wirklich Gänsehaut put. Der englische *Guardian" schreibt schon von "Borussia Barcelona", der Vergleich hinkt natürlich, ist aber eine tolle Anerkennung für die Arbeit und Philosophie von Lucien Favre.
Spannendste Liga
Darum finde ich die Bundesliga die spannendste Liga. Es gibt jede Saison einige Überraschungsmannschaften,mit denen man nicht rechnen würde.
Danke LF
Gänsehautfeeling bei diesem Trailer! Was Favre aus dieser Mannschaft gemacht hat, stellt ihn für mich auf eine Stufe mit den besten Trainern der Welt!