«Ein Experte für Entgleisungen»

11. August 2017 15:01; Akt: 11.08.2017 17:18 Print

Das schallende Echo auf den ARD-Knall mit Scholl

Weshalb haben sich der TV-Sender und Fussballexperte Mehmet Scholl nach neun Jahren tatsächlich getrennt? Die heisse Debatte in Deutschland.

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Ist nicht mehr eins mit der ARD: Mehmet Scholl

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Mehmet Scholl, der ehemalige Star von Bayern München und deutsche Nationalspieler, war während neun Jahren Fussballexperte der ARD. Ein Streit zwischen Scholl und der öffentlich-rechtlichen deutschen Anstalt war offenbar der Anfang vom Ende, obwohl der Sender erst kürzlich die weitere Zusammenarbeit mit Scholl kommuniziert hatte – allerdings mit der Mahnung an Scholl, er müsse sich an die Regularien halten, wie ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky unmissverständlich sagte: «Er muss den Inhalt und die redaktionelle Hoheit akzeptieren.»

Aber offenbar konnte der Streit auch hinter den Kulissen nicht geschlichtet werden, worauf der Sender am Donnerstag eine «einvernehmliche» Trennung bekannt gab. Wie «Bild» nun berichtet, soll Scholl über die offizielle Pressemitteilung der ARD derart verärgert gewesen sein, dass er sogleich seine Kündigung eingereicht habe. Offenbar wollte Scholl auf die inhaltlichen Planungen von Fussballsendungen selbst Einfluss nehmen. Der ehemalige deutsche Internationale hatte im Juni während des Confed Cups zwei Sendungen boykottiert, weil er einen von der ARD recherchierten Bericht über Doping in der russischen Nationalmannschaft bei der WM vor drei Jahren als nicht relevant erachtete und darüber nicht sprechen wollte.

«Ein Experte für Entgleisungen»

«Die Wahrheit liegt auf dem Platz», heisst die Schlagzeile der «Frankfurter Allgemeinen», die einen Kommentar dann so einleitete: «Zuerst verkündet die ARD, sie wolle mit Mehmet Scholl weitermachen, obwohl er als Fussball-Experte nicht über Doping reden wollte. Zwei Tage später muss er gehen. Was hat sich da abgespielt?» Mit Ach und Krach hätten sich die ARD und Scholl wieder zusammengerauft.

«Ein Experte für Entgleisungen», kommentiert der «Kölner Stadt-Anzeiger». Fussball-Experte bei einem grossen Fernsehsender zu sein, sei schwerer, als sich manch einer das vorstellen möge, denn die wichtigste Voraussetzung sei: Die Leute müssten einen kennen. Scholl würden alle kennen, manch einen kenne niemand. Deshalb sei er auch Fussball-Experte bei der ARD geworden und habe die Leute neun Jahre mehr oder weniger gut unterhalten. Am Anfang mehr, am Ende weniger, denn die Rolle des kickenden Lausbuben habe sich irgendwann abgenutzt.

«Scholl und Rauch»

«Ein Spruch zu viel – Warum sich ARD von Mehmet Scholl trennt», titelt die «Berliner Morgenpost» und kommentiert, dass am Donnerstag die ARD-Fussballwelt noch in Ordnung gewesen sei.

Dabei habe sich der Fussballexperte des Senderverbundes bereits vor Tagen nach Kräften bemüht, sie durcheinanderzubringen. In der jenseits des Weisswurst-Äquators so gut wie unbekannten Hörfunksendung «Mehmets Schollplatten» des Bayerischen Rundfunks habe er am Sonntag erklärt, warum er die beiden Halbfinalspiele des Confed Cups geschwänzt habe.

«Scholl und Rauch», meint «Spiegel online» in seiner Schlagzeile. ARD und Mehmet Scholl würden sich trennen – das sei nach dem Eklat um das Dopingthema unausweichlich gewesen. Der 46-Jährige sei als TV-Moderator immer wieder angeeckt.

«Mit diesen Sprüchen eckte Mehmet Scholl an», berichtet «Die Welt». Scholl sei ein Freigeist und sage, was er denke. Vielen erfrischenden Kommentaren habe er aber auch immer wieder grenzwertige Aussagen beigemischt, mit denen er immer wieder angeeckt sei, kommentiert «Die Welt» mehrere Sätze Scholls, darunter jener über Ronaldo: «Vielleicht kommt Cristiano Ronaldo ja in den Knast. Dann mache ich mir Sorgen, dass er zur Miss September wird.» Und über Deutschlands Torjäger Mario Gomez habe Scholl einst gesagt: «Ich hatte zwischendrin Angst, dass er sich wundgelegt hat, dass man ihn wenden muss.»

(tn)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Hui Bu am 11.08.2017 15:17 Report Diesen Beitrag melden

    what did he say?

    "In der jenseits des Weisswurst-Äquators so gut wie unbekannten Hörfunksendung «Mehmets Schollplatten» des Bayerischen Rundfunks habe er am Sonntag erklärt, warum er die beiden Halbfinalspiele des Confed Cups geschwänzt habe." und was hat er da gesagt? Zu anstrengend für euch, das in Erfahrung zu bringen, oder wie?

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  • Marc am 11.08.2017 15:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Russenbashing

    Scholl hat sich geweigert die tägliche Dosis Russenbashing in seiner Sendung zu bringen. Er sollte eine mehrjährig alter Fall von russischem Doping bringen,welchen er als unangebracht erachtete. Er sagte, "lassen wir das Russlandbashing an diesem schönen Rag weg". Damit bekam er Ärger und hat gekündigt.

  • Ossie am 11.08.2017 15:24 Report Diesen Beitrag melden

    Es geht doch um was ganz anderes!

    Naja - wenn Du Dich von den öffentlich-rechtlichen Sendern nicht für deren Russland-Hetze instrumentalisieren lässt, wirst Du halt gefeuert... Peinlich plump, wie die ARD als Grund den "Doping-Bericht" anführt...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Taxi11 am 12.08.2017 22:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schade.....

    ....... mir haben die erfrischenden Kommentare von MS immer gefallen. Er war schon als Spieler unkonventionell und hat sich nie verbiegen lassen. Der ARD war das offensichtlich nicht genehm. Bin mal gespannt, welchen opportunistischen Jasager die öffentlich rechtliche Anstalt engagiert wird.

  • Timm am 12.08.2017 14:28 Report Diesen Beitrag melden

    Zeitgeist

    Die Deutschen möchten nun einen möglichst langweiligen 08/15-Apparatschik, der zur Gesamt-Situation passt... Schade, Scholl war ok.

  • Roland am 12.08.2017 13:57 Report Diesen Beitrag melden

    Radsport lässt grüssen

    Sobald das Thema Doping aufkam, machte Scholl komplett zu. Das war nicht nur bei der Russland-Story so, sondern allgemein, wenn das Thema im Profifussball angesprochen wurde. Warum er so reagierte, wollte er nie erklären. Es kam einfach immer ein "ist nicht wichtig" Spruch. Das ist halt schon verdächtig. Würde mich nicht wundern, wenn da mal etwas über Bayern und andere Proficlubs rauskommt. Scholl hat sich sehr suspekt verhalten beim Dopingthema.

  • jc heusser am 12.08.2017 12:32 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht gleiche Massstäbe!

    Einer der "unverblümt seine Meinung sagt" ist eben unbequem! Netzer und Kahn haben das als Experten auch getan und das war "anscheinend ok"?

  • Rogi zh am 12.08.2017 09:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    noch fragen.??

    Da soll mir noch einer sagen, in einer Demokratie darf man sagen was man will..?? Freie Meinung für alle...?? In ganz Europa wird gelabbert, wie herrlich doch unsere schöne Demokratie doch ist.?! Aber sagt man mal seine Meinung, wird man entlassen ..??!! Ja was den nun.? Demokratie oder doch nicht..?!

    • Biker am 12.08.2017 14:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Rogi zh

      Er darf seine Meinung als Privatmann sagen. Wenn man als Angestellter einer Firma spricht, kann man nicht eifach drauf los plappern, sondern kommentiert in Absprache mit der Firma und analog der Firmenpolitik. Ich mochte Scholls Sprüche allerdings.

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