Fifa-Skandal

30. Mai 2015 08:22; Akt: 31.05.2015 09:36 Print

Blatter will nach dem «Erdbeben» aufräumen

Sepp Blatter bleibt Fifa-Präsident. Einen Tag nach seiner Wiederwahl stellte er sich den Fragen der Journalisten.

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Gestern noch forderte Uefa-Präsident Michel Platini (r.) Fifa-Boss Sepp Blatter zum Rücktritt auf. Heute beglückwünscht er ihn zur Wiederwahl. Sepp Blatter bleibt Präsident der Fifa und tritt damit seine fünfte Amtszeit an. Notare zählen die Stimmen nach der Wahl zum Fifa-Präsidenten aus. «Ich stehe Ihnen zur Verfügung. Und wenn Sie mich wollen, liebe Freunde, dann danke ich Ihnen», sagte Fifa-Präsident Sepp Blatter in seiner Rede kurz vor der Wahl. Israels Verbandspräsident Ofer Eini (vorne Mitte) reicht seinem palästinensischen Amtskollegen Jibril al Rajoub (Mitte) die Hand. Der Kongress hatte Blatters Vorschlag angenommen, eine Kommission zu gründen, die sich dem Zwist zwischen den Verbänden Israel und Palästina annimmt. Fifa-Vizepräsident Prinz Ali bin al-Hussein hält seine Rede vor der Wahl. Er tritt gegen Sepp Blatter an. Fifa-Präsident Sepp Blatter (r.) und Prinz Ali bin al-Hussein reichen sich vor der Wahl die Hand. Demonstranten wollten ins Hallenstadion - die Polizei drängte sie zurück. Die Polizei hat weitere Beamte aufgeboten. Zwei Demonstranten gelang es ins Hallenstadion einzudringen. Mit Rufen störten sie den Fifa-Kongress. Die Security begleiteten die Damen hinaus. Sepp Blatters erster Auftritt nach dem Auffliegen des Korruptionsskandals: «Es wird noch mehr schlechte Nachrichten geben», sagte er an der Eröffnung des Fifa-Kongresses. IOC-Präsident Thomas Bach hielt ebenfalls eine Rede: «Es sind wichtige Tage für die Fifa, aber auch schwierige und traurige Tage.» Vor, zwischen und nach den Reden wurde immer wieder musiziert, getanzt und gesungen. Uefa-Präsident Michel Platini: «Nur ein Wechsel an der Spitze kann bei der Fifa etwas ändern.» Platini will Blatters Wahl verhindern und empfiehlt die Stimme dem Herausfordere Ali bin al-Hussein zu geben. Mehrere Fifa-Funktionäre sind wegen Verdachts auf Korruption am 27. Mai 2015, zwei Tage vor der Fifa-Präsidentschaftswahl, festgenommen worden. Die Polizeiaktion ist im Zürcher Hotel Baur au Lac durchgeführt worden. Einige der Verhafteten sind aus diesem Personaleingang geführt worden. Die Festgenommenen werden mit Sichtschutz aus dem Nobelhotel eskortiert (Screenshot eines Smartphone-Videos). Beamte begleiten Verhaftete zu einem Auto. Mitglieder der Schweizer Strafverfolgungsbehörde an der Rezeption des Baur au Lac. Das Interesse ist riesig, vor Ort sind zahlreiche Medienvertreter aus aller Welt. Journalisten vor dem Nobelhotel Baur au Lac. Die Polizei vor dem Fünf-Sterne-Haus. Innenhof des Luxushotels. Die Organisation von Sepp Blatter wird immer wieder mit Korruption in Verbindung gebracht. Der Hauptsitz des Weltfussballverbands Fifa in Zürich. Um 11 Uhr findet hier eine Medienkonferenz statt. Riesenaufgebot der Medien am Zürichberg, wo die Fifa ihren Hauptsitz hat. Journalisten kurz vor der Medienkonferenz. Fifa-Sprecher Walter De Gregorio.

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Am Mittag nach der Wahl zum FIFA-Präsidenten trat Joseph Blatter in Zürich vor die Medien. Die ihm feindlich gesinnten Journalisten aus England und Deutschland stellten bissige Fragen. Blatter liess sich nicht in die Enge treiben und übte selbst Kritik an der UEFA.

Frage: Haben Sie Angst, dass Sie wegen Korruption selbst einmal hinter Gitter müssen? - Antwort: Verhaftet, wofür? Nächste Frage! - Frage: In jedem Unternehmen müsste der Chef für eine solche Situation die Verantwortung übernehmen und gehen. Weshalb sind Sie noch da? - Antwort: Der Kongress hat mir das Vertrauen ausgesprochen. 133 Verbände haben mich gewählt. - Frage: Weshalb kommt es in Ihrem Exekutivkomitee so oft zu Fällen von Korruption? - Antwort: Das sind Einzeltäter. Jeder ist für sein eigenes moralisches und ethisches Verhalten verantwortlich.

Von Platini gekränkt

Joseph Blatter schien aus Teflon zu sein. Kritische Fragen perlten am 79-jährigen FIFA-Präsidenten einmal mehr ab. Er liess sich nicht in die Enge treiben. Vielmehr setzte er selbst den einen oder anderen Nadelstich gegen die UEFA und deren Präsidenten Michel Platini. «Ich kann verzeihen, aber ich vergesse nicht», sagte er. Ihn haben die persönlichen Angriffe von Platini gekränkt. Der Franzose, einst sportpolitischer Ziehsohn von Blatter und bei der FIFA früher auch dessen Berater, hatte den Walliser am Donnerstag zum Rücktritt aufgefordert.

Angesprochen auf korrupte Mitglieder im FIFA-Exekutivkomitee gab Blatter zu bedenken, dass er keinen Einfluss habe auf die Zusammenstellung des Gremiums. «Die Konföderationen bestimmen ihre Leute und schicken sie dann zu mir.» Aber an der Spitze der FIFA stehe immerhin die Ethikkommission, welche auch schon korrupte Funktionäre ausgeschlossen habe, so Blatter. Mit dieser Aussage bestellte er das Feld für seinen nächsten Angriff auf die UEFA. «Im Gegensatz zur FIFA funktionieren die Konföderationen und die nationalen Verbände noch nicht so. Nicht einmal die reiche UEFA hat eine solche Einrichtung.»

Gills Zeichen

Dass der Graben zwischen dem Weltverband und seiner mächtigsten und reichsten Konföderation in den letzten Tagen noch tiefer geworden ist, wurde am Samstag bei der ersten Sitzung des neuen Exekutivkomitees deutlich. Der Engländer David Gill blieb der Veranstaltung fern. Der frühere CEO von Manchester United erklärte nach der Wiederwahl von Joseph Blatter seinen sofortigen Rücktritt aus dem Komitee - womöglich auf politischen Druck, nachdem der britische Premierminister David Cameron vor dem FIFA-Kongress ebenfalls den Rücktritt von Blatter gefordert hatte.

«Dieser Schritt fällt mir nicht leicht, aber die fürchterlich beschädigenden Ereignisse der letzten drei Tage haben mich überzeugt, dass es nicht angemessen ist, unter der aktuellen Führung ein Mitglied des FIFA-Exekutivkomitees zu sein», so Gill. Ob weitere Europäer aus dem Exekutivkomitee austreten, ist noch offen. Die Europäer wollen ihre Strategie bei einem Treffen in den Tagen vor dem Champions-League-Final in Berlin von nächster Woche beraten. Es deutet trotz allem wenig darauf hin. Denn Blatter schoss zwar gegen die UEFA zurück, doch sagte er auch: «Die FIFA braucht die UEFA und die UEFA braucht die FIFA.»

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(20 Minuten/sda)