Analyse

08. September 2010 16:49; Akt: 08.09.2010 16:58 Print

Die Problemzonen der NatiDie Problemzonen der Nati

Des Schweizers liebstes Sorgenkind steht im Kreuzfeuer. Doch nicht der Fakt der Niederlage gegen England ist schuld an diesem Missstand – es ist die Art und Weise.

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Der Beste war der Jüngste: Xherdan Shaqiri (Video: SF). Im Grossformat auf dem Videoportal Videoportal
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Gleich mehrere Baustellen offenbarten sich nicht erst im England-Spiel. Wer die Schuld dem ungefährlichen Sturm in die Stollenschuhe schiebt, gräbt zu wenig tief. Die Probleme beginnen schon viel früher.

Der Spielaufbau

Umfrage
Wo liegt das Haupt-Problem der Fussball-Nati?
15 %
8 %
56 %
3 %
18 %

Grosse Spielmacher sind selten. Auch in der Schweiz. Hakan Yakin wäre einer, aber eher hinter einem Einmannsturm. Moreno Costanzo könnte der nächste werden. Die Kreativität bleibt ohne einen dieser beiden auf der Strecke. Pirmin Schwegler hat seine Position noch nicht gefunden, Gökhan Inlers Stärken zeigen sich bei der Balleroberung – besonders kreativ ist der Aggressivleader allerdings auch nicht. Ob Xavier Margairaz im zentralen Mittelfeld für Akzente sorgen könnte? Gegen Australien gelang ihm dies nicht so schlecht.

Das Problem des fehlenden Spielmachers ist nicht neu. Bleiben die tödlichen Pässe in die Tiefe aus, wird es auch für die Stürmer schwierig. Auch über die Seiten kommt zu wenig. Das betrifft nicht nur die Flügelzangen, sondern auch die Aussenverteidiger. Es kann nicht jedes Land einen Dani Alves, Glen Johnson oder Philipp Lahm in seinen Reihen haben. Einer von der Sorte Ludovic Magnin - in der Blüte seiner Karriere – würde weiterhelfen.

Physis: Schweizer Spieler sind schlicht zu wenig schnell

Einer der auffälligsten Spieler im gestrigen Spiel Schweiz gegen England war Jermain Defoe. Alleine durch seinen unglaublichen Speed verschafft er sich immer wieder Räume. Dass er diese dann nicht immer nutzen kann, liegt daran, dass er am Ball kein Zauberer ist. Kein Messi, auch kein Margairaz. Aber schnell ist Defoe, wie der Wind. Und er bringt sich damit ins Spiel.

Die Fifa erhob für die Weltmeisterschaft in Südafrika die Höchstgeschwindigkeiten jedes Teilnehmers: Nur gerade Reto Ziegler (Platz 36, 28,77 km/h) erreichte einen Platz in den Top 100. In die besten 200 schafften es Steve von Bergen (132.) und Gökhan Inler (136.). Drei Schweizer unter den besten 200 – ein trauriges Bild.

Alex Frei (24.32 km/h) und Eren Derdiyok (22.05 km/h) fielen ausser Rang und Traktanden. Der Unterschied zum WM-Schnellsten Javier Hernandez (Mexico, 32.15 km/h) war enorm.

Gerade wenn eine Mannschaft Probleme mit dem Spielaufbau bekundet, sich nicht mit Leichtigkeit vor den Strafraum spielen kann, wo die unbestrittenen Stärken von Alex Frei und auch Eren Derdiyok zum Tragen kommen könnten, wäre ein Spieler, der sich freilaufen kann, vonnöten. Dieser fehlt in der Schweizer Mannschaft. Nicht nur im Sturm.

Die Aussenbahnen

Xavier Margairaz und David Degen konnten die Probleme auf den Aussenbahnen nicht beheben. Margairaz fiel nach der guten Leistung im zentralen Mittelfeld gegen Australien auf dem Flügel durch. Degen war bemüht, zerriss aber keine Stricke. Hitzfeld fehlen Couloir-Spieler. Marco Padalino kommt bei Sampdoria nicht regelmässig zum Einsatz. Gleiches gilt für Valon Behrami in der Premier League. Albert Bunjaku bestand den Test im Australien-Spiel ebenfalls nicht. Auf den defensiv stärksten, Gelson Fernandes, baut der Trainer anscheinend nicht mehr – trotz ansprechenden Leistungen an der WM. Gegen Montenegro und Wales werden sowieso eher Offensivqualitäten gebraucht.

Tranquillo Barnetta dürfte zurück ins Team finden. Er fehlte gegen England krankheitshalber. Auch er tut sich im Schweizer Dress schwer. Bei Leverkusen bringt er hingegen regelmässig Topleistungen, was Natianhänger immer wieder erzürnt. Barnettas letzter Treffer ist eine gefühlte Ewigkeit her. Trotzdem bleibt er ein Hoffnungsträger. Der zweite könnte Valentin Stocker werden, der verletzt fehlte. Nur Xherdan Shaqiri überzeugte. Der «Alpen-Messi» hat die richtige Einstellung, spielt frech und sorgte mit seinem Hammerschuss für das einzige Schweizer Highlight gegen England. Shaqiri, der bringt es.

Der Trainer oder der Sturm?

Warum setzt Hitzfeld nicht auf die Jungen? Wieso Margairaz? Wie stellt der General seine Spieler auf eine Partie ein, wenn sie danach auf dem Platz keine Disziplin zeigen? Fragen, die mittlerweile laut ausgesprochen werden – auch wenn der Trainer Ottmar Hitzfeld heisst. Oder muss der Startrainer einfach mit zu bescheidenem Spielermaterial arbeiten? Egal in welcher Formation – in diesem Jahr erzielte noch kein Schweizer Stürmer im Natidress einen Treffer.

Wo liegt das Hauptproblem der Schweizer Nationalmannschaft. Sagen Sie uns Ihre Meinung in unserem Poll.

(fox/tog)

Axpo Super League

Datum Spiel Resultat
23.05.12  Basel - Young Boys 1:2 (1:1)
23.05.12  Sion - Luzern 1:3 (1:1)
23.05.12  Lausanne-Sport - Grasshoppers 2:1 (1:1)
23.05.12  Thun - Zürich 2:4 (0:0)
R Mannschaft Sp S U N G : E P
1. Basel 34 22 8 4 78 : 33 74

2. Luzern 34 14 12 8 46 : 32 54
3. Young Boys 34 13 12 9 52 : 38 51
4. Servette 34 14 6 14 45 : 53 48

5. Thun 34 11 10 13 38 : 41 43
6. Zürich 34 11 8 15 43 : 44 41
7. Lausanne-Sport 34 8 6 20 29 : 61 30
8. Grasshoppers 34 7 5 22 32 : 66 26

9. Sion 34 15 8 11 40 : 35 17 (-36)

10. Neuchâtel Xamax 18 7 5 6 22 : 22 26
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