PSG – Real

06. März 2018 17:51; Akt: 06.03.2018 19:02 Print

Die Ticketpreise in Paris explodieren

Auch ohne Neymar: Die Fussballfans wollen die Partie zwischen PSG und Real Madrid unbedingt sehen – und bezahlen verrückte Summen.

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Der totale Marktwert des Kaders von Real Madrid beträgt 858,5 Millionen Euro. 703 Millionen standen im Hinspiel gegen PSG auf dem Feld. Interessant ist dabei, dass die hochdotierten Spieler Madrids fast durchgehend aus dem Ausland kommen, beispielsweise Toni Kroos, der einen Wert von 80 Millionen Euro aufweist und somit der teuerste deutsche Spieler der Geschichte ist. Die Spanier im Kader haben mit wenigen Ausnahmen (Isco, Ramos) einen relativ tiefen Marktwert. Im Vergleich mit Real weist das gesamte Kader von Paris Saint-Germain einen fast identischen Marktwert auf: 858,6 Millionen Euro. Die Mannschaft, die vor zwei Wochen in Madrid auf dem Feld stand, hatte dabei einen Marktwert von 584 Millionen Euro. Auffallend ist, dass Paris viele Spieler mit einem durchschnittlichen Marktwert hat und nur wenige mit einem sehr hohen. Wer über die jüngste Geschichte Real Madrids spricht, der wird unweigerlich auch den Namen Florentino Perez erwähnen. Der 70-jährige Bauunternehmer ist mit einem Vermögen von ungefähr 2 Milliarden Euro auf Position 14 der Liste der reichsten Spanier. Seit 2000 ist er mit einer dreijährigen Unterbrechung Präsident der Galaktischen und deren wichtigster Geldgeber. Besitzer ist der Selfmademan aufgrund der spanischen 50+1-Regel jedoch nicht. Nasser al-Khelaifi ist das Gesicht des katarischen Einflusses bei Paris Saint-Germain. Der ehemalige Tennisprofi fungiert als Vorsitzender des staatlichen Sportfonds QSI, in dessen Händen PSG liegt. Er ist somit im Gegensatz zu Perez kein privater Geldgeber. Wie gross das Vermögen von Khelaifi ist, ist nicht bekannt. Auch über das Vermögen seiner mächtigen Familie weiss man nichts. Durch sie hat Khelaifi beste Beziehungen zur Herrscherfamilie des Emirs. Wertvollster Spieler der Madrilenen ist noch immer der fünffache Weltfussballer Cristiano Ronaldo. Der Portugiese weist einen Marktwert von 120 Millionen Euro auf. In seinem Vertrag ist jedoch die horrende Ablösesumme von 1 Milliarde Euro festgeschrieben. Es stellt sich allerdings die Frage, welcher Club überhaupt bereit wäre, für einen 33-Jährigen, dessen Trefferquote in jüngster Zeit merklich zurückging, 120 Millionen auf den Tisch zu legen. Neymar wird ohne Frage in die Fussballgeschichte eingehen. Nach seinem Rekordtransfer ist er selbstredend der wertvollste Spieler in den Reihen von Paris Saint-Germain. Doch im heutigen Rückspiel wird Paris nicht auf seinen Superstar zählen können, da er sich vor rund eineinhalb Wochen einen Haarriss im Mittelfuss zuzog und dadurch mindestens drei Monate ausfallen wird. Das monumentale Estadio Santiago Bernabéu im wohlhabenden Norden der spanischen Hauptstadt ist seit 1947 Reals Heimat. Aktuell hat es Platz für 81'044 Zuschauer (der Rekord liegt aber bei 124'000 im Jahre 1957). Benannt ist die Arena nach dem langjährigen Clubpräsidenten Santiago Bernabéu (1895–1978). Der Pariser Parc des Princes wurde 1897 als Velostadion erbaut. Sehr bald nistete sich aber auch der Fussball ein, und der «Prinzenpark» entwickelte sich schnell zum Nationalstadion Frankreichs (1998 abgelöst vom Stade de France). PSG spielt seit 1974 im 48'583 Zuschauer fassenden Stadion, in dem es heutzutage keine Radrennbahn mehr hat. Jahrelang war Real Madrid Ablösesummen-Weltmeister. Immer wieder tätigten die Madrilenen Transfers, bei denen viel Geld bezahlt wurde, beispielsweise Zidane (2001/77,5 Millionen) oder Luis Figo (2000/58,2 Millionen). Nicht zu vergessen ist auch Cristiano Ronaldo, der mit 94 Millionen Euro im Jahr 2009 teuerster Transfer der Fussballgeschichte war. 2013 wurde er von Gareth Bale überholt, der rund 100 Millionen kostete, was zunächst aber nicht ganz so hoch kommuniziert wurde, um das Ego des Portugiesen nicht zu kränken. Im Sommer 2017 war PSG tagelang nicht aus den Schlagzeilen zu verdrängen, als bekannt wurde, dass der Hauptstadtclub Neymar dem FC Barcelona für 222 Millionen Euro abkaufte. Der Transfer führte auch zum Diskurs über die aktuelle finanzielle Entwicklung im Fussball. Nach dem «Brand Finance 50 2017»-Bericht gilt Madrid als die stärkste Fussballmarke der Welt. Dies ist auf die erbitterte Rivalität mit dem FC Barcelona und die Dominanz im europäischen Fussball zurückzuführen. 2016 konnte der Hauptstadtverein weltweit 2'866'000 Trikots verkaufen. Laut demselben Bericht steht Paris Saint-Germain auf dem 10. Platz der stärksten Fussballmarken der Welt und ist somit auch gleich die stärkste französische Fussballmarke. 2016 konnten die Pariser rund 2'212'000 Trikots absetzen. Mit dem Rekordwechsel von Neymar stieg diese Zahl aber sprunghaft an. Allein am ersten Tag nach Bekanntgabe seines Wechsels wurden 10'000 Jerseys mit seinem Namen gekauft. Alfredo di Stefano (1926–2014) Sie nannten ihn den blonden Pfeil, «La saeta rubia». Zwischen 1953 und 1964 wirbelte er im weissen Dress durch die spanischen Stadien, wurde vom Gegner gefürchtet, vom eigenen Anhang vergöttert. Di Stefano erzielte für die Madrilenen 307 Tore und war Teil des «Weissen Balletts», das zwischen 1956 und 1960 fünfmal in Folge den Europacup der Landesmeister gewann. Der gebürtige Argentinier lief auch für das spanische Nationalteam auf und war Trainer der Königlichen. Zinedine Zidane (1972) «Zizou», Welt -und Europameister mit Frankreich, war Teil der «Galaktischen Ära» Reals und schoss seine Mannschaft 2002 mit einem herrlichen Treffer zum Champions-League-Titel. 2006 beendete er in Madrid seine aussergewöhnliche Laufbahn und wurde zehn Jahre später zum Cheftrainer der Madrilenen ernannt. An der Seitenlinie gewann er bereits zweimal die Champions League. Youri Djorkaeff (1968) Auch wenn der armenischstämmige Weltmeister von 1998 nur gerade eine Saison beim Hauptstadtclub spielte, zählt er doch zu den grössten Spielern der PSG-Geschichte. Zusammen mit anderen Grössen (Lama, Le Guen) gelang es ihm in dieser Saison den bis heute einzigen internationalen Titel für Paris zu holen (Europacup der Cupsieger 1995/1996). Ronaldinho (1980) Der brasilianische Superstar kam 2001 an die Seine und tänzeltewährend zweier Jahre auf dem Rasen des Prinzenparks, ehe er nach Barcelona wechselte. In Paris reifte Ronaldinho zu seiner Weltklasse-Form. Real Madrid soll in der Saison 2016/2017 rund 130 Millionen Euro aus den TV-Übertragungsrechten erhalten haben. In Spanien verdiente nur Erzrivale FC Barcelona mehr an den Fernsehgeldern. Anders als in den übrigen europäischen Ligen vermarkten sich die beiden Spitzenmannschaften in Spanien selber. Nur dadurch können überhaupt solche Zahlen erreicht werden. Die Einnahmen von Paris Saint-Germain aus den Fernsehrechten bezifferten sich in der Saison 2016/2017 auf rund 57 Millionen Euro. Dass diese so viel tiefer liegen als diejenigen von Madrid, liegt an der Zentralvermarktung der französischen Ligue 1. Mitglieder der Madrider Oberschicht gründeten am 6. März 1902 den Madrid FC. Der Verein war sehr bald erfolgreich. Seit 1920 trägt er durch einen Erlass des Königs den Namenszusatz «Real», übersetzt «königlich». Die französische Hauptstadt war seit jeher gut vertreten im nationalen Fussballgeschehen. Die grössten Vereine Racing, Stade Français und Red Star hatten ihre glorreichsten Zeiten jedoch vor dem Zweiten Weltkrieg. Darum gründeten stadtbekannte Pariser Persönlichkeiten am 12. August 1970 den neuen Club Paris Saint-Germain. Genau genommen war es aber keine Neugründung, sondern eine Lizenzübernahme des Vorstadtclubs Stade Saint-Germanois. Dass Fussballspieler astronomisch hohe Löhne verdienen, ist keine neue Erkenntnis. Dass eine einzige Sturmreihe gleich knapp 50 Millionen Euro pro Jahr verdient, ist doch nicht ganz alltäglich. Das sogenannte «BBC»-Dreigestirn der Madrilenen, bestehend aus Gareth ristiano Ronaldo (23,5 Millionen) erreicht aber genau diese Lohnsumme. Ähnlich sieht die Situation in Paris aus. Hier verdient das Stürmer-Trio «MCN» zusammengerechnet allerdings nochmals deutlich mehr. Der 19-jährige Kylian eymar rund 37 Millionen Euro. Zusammen werden den drei Angreifern also jährlich 73,5 Millionen Euro Lohn ausbezahlt. Real Madrid gewann in den 116 Jahren seiner Vereinsgeschichte eine schier unendliche Menge an Titeln. Der Club ist spanischer Rekordmeister (33 Titel) und zugleich Rekordsieger der Champions League (früher Europacup der Landesmeister) mit zwölf Titeln. Dazu kommen 19 Siege in der Copa del Rey, mehrere nationale und europäische Supercuptitel und 6 Siege in der Fifa-Club-Weltmeisterschaft und dem Vorgängerwettbewerb (Weltpokal). Aufgrund der wesentlich kürzeren Vereinsgeschichte hat PSG im Vergleich zum Gegner von heute Abend ein sehr bescheidenes Palmarès. Sechsmal wurden die Pariser französischer Meister, zusätzlich stehen elf Siege im «Coupe de France» zu Buche. Auf europäischer Ebene ist der bisher einzige Erfolg der Gewinn im Europacup der Cupsieger 1996. «Deloitte Football Money League» errechnete für die Saison 2016/2017 einen Umsatz von 674,6 Millionen Euro bei Real Madrid. Seit Beginn der Erhebungen vor 20 Jahren fungiert der Club immer in den Top 6, meistens jedoch auf dem ersten oder zweiten Platz. Momentan ist nur Manchester United erfolgreicher, was Real Madrid zur zweitwertvollsten Fussballmarke der Welt macht. PSG erzielte 2016/2017 einen Umsatz von 486,2 Millionen Euro. Interessant ist vor allem der Aufstieg des Hauptstadtclubs in den Kreis der wertvollsten Fussballmarken. Erstmals erschien er in diesem nach der Übernahme durch den katarischen Staatsfonds 2011. In dieser Saison vergrösserte sich der Wert um mehr als 130 Millionen Euro.

Fehler gesehen?

PSG-Trainer Unai Emery gibt sich vor dem Achtelfinal-Rückspiel der Champions League gegen Real Madrid martialisch. In ein Inferno sollen die Fans den Prinzenpark von Paris verwandeln, fordert er. Ausserdem wurden Ultras sogar ins Abschlusstraining eingeladen.

Sie folgten nicht nur dieser Einladung, sondern zündeten um 1.30 morgens vor dem Teamhotel von Real Madrid Pyros und versuchten die Spieler mit lauten Gesängen und Beleidigungen vom Schlaf abzuhalten. Alles für die Aufholjagd. Alles dafür, trotz dem 1:3 vom Rückspiel eine Runde weiterzukommen.

Die Nachfrage nach Eintrittskarten ist aber nicht nur beim eingefleischten Kern der Fankurve gross. Gemäss spanischen und französischen Medienberichten konnte ein VIP-Ticket für 8000 Euro verkauft werden. Zum Vergleich: Auf einer Wiederverkaufsplattform kostet ein VIP-Pass für den WM-Final in Moskau 8600 Franken.

Mit strengen Kontrollen versucht die Uefa zwar, Verkäufe auf dem Schwarzmarkt zu unterbinden. Das bleibt aber offensichtlich erfolglos.

(fas)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • David am 06.03.2018 18:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht Normal

    Das hat mit Sport nichts zu tun. Ich mag Fussball sehr, aber das ist nicht mehr normal.

  • Apex Marko am 06.03.2018 18:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ohje..

    Im vergleich zu den Preisen ist mein Sky Abo schon fast kostenlos.

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  • Dk10 am 06.03.2018 18:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Rm

    Psg fans singen und beleidigen vor dem hotel von real madrid, richtig respektlos auch ohne schlaf kommt real madrid heute weiter ;)

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Franz B am 06.03.2018 22:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vollkommen Überschätzt

    Und die Preise, um ein vollkommen überbewertetes Team (PSG) verlieren zu sehen...!

  • Susi Sorglos am 06.03.2018 21:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Selbst schuld, wer diese Tickets kauft

    Ob bei diesen Preisen wirklich die Fans im Stadion sitzen, wage ich zu bezweifeln! Schade für den Fussball, aber mittlerweile geht es ja nur noch ums Geld! Ich würde diese Tickets nie kaufen!

  • mike am 06.03.2018 21:40 Report Diesen Beitrag melden

    What!?

    8000 Euro für einen CL Abend!!! Da ist 7 Tage WEF aber billiger.

    • Ticko am 07.03.2018 13:56 Report Diesen Beitrag melden

      @mike

      Nein. Eine Invitation 18000 CHF/pax ohne nichts. Nur damit Du die Chance bekommst auf einen Smalltalk mit XYZ

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  • Saison für Saison am 06.03.2018 20:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Normal

    Was sollte daran erstaunlich oder eines Berichts wert sein? War immer so. Bei Fussballmatches solcher Wichtigkeit keiner Zeile wert.

  • marko 33 am 06.03.2018 20:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schrecklich

    Schrecklich

    • Komiker 2018 am 07.03.2018 12:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @marko 33

      Was ist schrecklich ???

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