Analyse

12. November 2017 21:55; Akt: 12.11.2017 22:06 Print

Eine Mannschaft, die harmoniert

von Eva Tedesco - Die Arrivierten überzeugen, die Jungen drängen von hinten, es sind rosige Aussichten für die Nati. Die WM 2018 kann kommen.

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Der nächste Termin der Schweizer Nationalmannschaft? Die Auslosung für die WM 2018 am 1. Dezember. Die Schweizer mussten zwar nach 27 Punkten aus der Ausscheidung einen Umweg über Nordirland machen und im Rückspiel der Barrage unten durch, aber am Ende zählt die Qualifikation. Die nordirische Härte konnte die Nati auf ihrem Weg nach Russland nicht stoppen. Die Schweizer schlugen mit mentaler Stärke, Herz und individueller Klasse zurück. Und wenn eine Mannschaft elf von zwölf Ausscheidungspartien gewinnt, hat sie diese WM-Teilnahme trotz eines Penalty-Geschenks und eines torlosen Remis auch redlich verdient.

Nach der erfolgreichen Barrage ist die Schweiz nunmehr zum 7. Mal seit 2004 an einer WM- oder EM-Endrunde dabei. Seit 2006 ist die Flagge mit dem Schweizer Kreuz an jeder WM-Endrunde vertreten. Zum vierten Mal in Folge. Für ein kleines Fussballland ist das eine beeindruckende Leistung. Und die Perspektiven für dieses kleine Fussballland sind ganz gross. Teamstützen wie Yann Sommer, Fabian Schär, Granit Xhaka oder Xherdan Shaqiri stehen voll im Saft. Und daneben gibt es eine Vielzahl Talente, die erst am Anfang ihrer Entwicklung sind: Nico Elvedi, Silvan Widmer, Denis Zakaria, Remo Freuler oder Breel Embolo.

Der erfolgreichste Schweizer Fussballer

Nicht vergessen darf man die wertvollen Zulieferer in diesem Team wie Ricardo Rodriguez, Admir Mehmedi oder Haris Seferovic, die seit Jahren auf konstant hohem Niveau agieren. Und vor allem sind da Valon Behrami und Stephan Lichtsteiner, die diese Ära prägen. Behrami ist der Patron, der leidenschaftlich ackert und seine Kollegen mitreisst. Lichtsteiner, der erfolgreichste Schweizer Fussballer der Geschichte, ist der Captain, der diese kunterbunte, ehrgeizige, teils auch ungeduldige Gruppe geschickt anführt.

Diese Mannschaft zeichnet eine neue Stilsicherheit aus, und sie verbindet ihr Selbstbewusstsein mit dem unverwechselbaren Drang, stets nach vorne spielen zu wollen. Neben dem Naturell der hungrigen Spieler ist das vor allem auch ein Verdienst von Vladimir Petkovic. Der 54-jährige Tessiner hat eine Einheit geformt, die auf und neben dem Platz harmoniert, die trotz Rückschlägen vertraut: der eigenen Qualität und Petkovic, ihrem Taktgeber.

Junge drängen nach

Man spürt das Vertrauen der Spieler zum Trainer und der Trainer stärkt bei jeder Gelegenheit seine Akteure. Das war vor der heiklen Aufgabe in der Barrage matchentscheidend. Diese Nati hat in Petkovic jenen Selektionär gefunden, der bestens zu dieser Multikulti-Truppe passt. Er ist nicht nur statistisch gesehen besser als Ottmar Hitzfeld und Köbi Kuhn, er geht auch stilsicherer und überzeugender durch das Programm als seine prominenten und populären Vorgänger.

Er kommuniziert offen und selbstbewusst. Er steckt alle widrigen Umstände weg und er bevorzugt keine Stars. Ihm geht es um die Einheit, um das grosse Ganze. Und dank einer durchdachten Personalpolitik, die vor allem die jüngere Generation betrifft, hat er es verstanden, das Feld der Nationalmannschaft geschickt zu verbreitern. Auf praktisch allen Positionen drängen Junge nach. Das ist der Verdienst des Coaches.

Pfiffe aus dem eigenen Lager

Es war richtig und wichtig den Vertrag des wichtigsten Angestellten beim Verband vorzeitig zu verlängern. Der SFV verhinderte Unruhe und öffnet der Nati die Chance, langfristig zu denken, damit eine talentierte Generation weiter aufgebaut werden kann. Petkovic hatte sich während der nun erfolgreich abgeschlossenen WM-Kampagne ein schönes Bild ausgedacht – das vom zufriedenen Bären und seiner Höhle.

Mit vollem Bauch kann er nach dem Umweg über Nordirland beruhigt in den Winterschlaf abtauchen. Petkovic weiss aber, dass der Bär schon im nächsten Frühling wieder frische Nahrung braucht. Für das nächste Ziel: An der WM in Russland Geschichte zu schreiben und die entstandene Euphorie am Schweizer Team am Leben zu erhalten und jenes Publikum Lügen zu strafen, das die eigenen Nati in Basel auspfiff. Ein «No-Go», nennt es Sommer. Das ist es und zudem respektlos. Das hat die Mannschaft nicht verdient.

Einen Grossen aus dem Weg räumen

Der nächste Nati-Termin? Die Auslosung für die WM, an der man Geschichte schreiben will, wie Captain Lichtsteiner sagt. Dafür muss die Nati in der K.-o-Phase einen Grossen aus dem Weg räumen, um in die Viertelfinals vorzustossen. Das wäre der nächste Meilenstein in der Entwicklung – man darf es Petkovic und seinem eingespielten Ensemble ruhig zutrauen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Johnny Schmidt am 12.11.2017 22:00 Report Diesen Beitrag melden

    Teamgeist stimmt

    Sie halten zusammen, fahren auch lieber gemeinsam als einzeln zum Naticamp... und zeigen viel Einsatz. Was heute gefehlt hat, das waren die Tore. Die Chancenauswertung war schwach - hätten sie mind. 1-2 getroffen, gäb's nicht mal eine Diskussion. Kann aber auch mal passieren.

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  • Berner am 12.11.2017 22:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Pfiffe

    Ich finde es unter allem Hund, dass Seferovic vom Publikum ausgepfiffen wurde.

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  • Pascal Duss am 12.11.2017 22:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Manuel Akanji?

    Manuel Akanji, der meiner Meinung nach in den letzten 2 Spielen einer der Stärksten war, wird einfach mal nicht erwähnt

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Ich am 13.11.2017 17:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Naja

    Herzliche Gratulation an die Manschaft! Gegen Nordirland hat sie ja nicht brilliert. Die Pfiffe sind ja nur für diesen Match zu betrachten. Sollte ja bei so hochbezahlten und hochgelobten Spielern nichts ausmachen. Trotzdem schön dass die Schweiz dabei ist. Hoffe dass wir einige schöne Spiele zu sehen bekommen.

  • urs zh am 13.11.2017 07:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ja

    eine mannschaft die harmoniert und die an die wm fährt Gratulation! leider hat wieder mal das Basler Publikum gar nicht harmoniert und pfeifen eigene Spieler aus:-( vom Zustand des Spielfeld sprechen wir jetzt besser nicht ;(

  • Paolo am 13.11.2017 07:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zweifel

    Wen ich den Titel lese EINE. MANSCHAFT die HARMONIERT habe ich meine Zweifel den mit so einer Leistumg wie gegen die Iren gestern in Basel kommt die Schweiz an der WM in Russland nicht weit.Petkovic soll sich lieber Gedanken machen ein Stürmer zu finden der die Tore macht

    • Simon am 13.11.2017 07:51 Report Diesen Beitrag melden

      Iren?

      Die Schweiz hat nicht gegen die Iren gespielt. Du verwechselst da was. Die Dänen haben gegen die Iren gespielt aber nicht gestern.

    • Obed M. am 13.11.2017 11:56 Report Diesen Beitrag melden

      An das dachte halt niemand.

      Nein, Paolo, echt? Hättest Du das nicht vor dem Spiel schreiben können? Die Welt versteht eben von Fussball nicht so viel wie Du und kennt all die Top-Stürmer nicht. Man sucht einen Experten wie Dich. Bitte melde Dich beim SFV. Der hat sogar eine Homepage, unter Kontakt nachgucken.

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  • problem ist offensichtlich am 12.11.2017 23:20 Report Diesen Beitrag melden

    Keine Fortschritte aus EM

    Mit Seferovic ist die Nati leider auf den besten Weg wie an der EM zu scheitern. Mit einem "Schade, es lag wieder an der Chancenauswertung, eigentlich wie schon immer seit jetzt mehr als 3 Jahren" Nein sorry, ernsthaft ich will nicht motzen, aber unsere Schwäche ist und bleibt dieselbe und daran hat sich während der Quali leider nichts verändert, weil der Coach weiterhin an Chancenfriedhof aus Surssee festhält in der Startelf. Aus ihm wird nie ein Knipser, hören wir auf mit dem Experiment, von mir aus hinten kann im Mittelfeld spielen, aber lässt einen treffsicheren Stürmer spielen.

    • G.Enau am 13.11.2017 10:53 Report Diesen Beitrag melden

      Du hast das Problem erkannt

      wer ist denn die Lösung? Wer ist der Knipser, der schon Dutzende Goals für die Nati oder den Klub geschossen hat?

    • `Michi am 13.11.2017 12:05 Report Diesen Beitrag melden

      Wen denn?

      Wer hat denn in der laufenden Kampagne öfters getroffen? VP weiss genau was er tut.

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  • Oh Je am 12.11.2017 22:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Komischer Kommentar

    Frau Tedesco, haben wir das gleiche Spiez gesehen ? Seferovic und Shaqiri als Teamstützen zu sehen finde ich komplett daneben. In beiden Spielen gegen Norfirland waren sie sehr schwach. Ich begreife übrigens Petkovic nicht, dass er solange wartet, bis er Embolo bringt !

    • Mike Anders am 12.11.2017 23:13 Report Diesen Beitrag melden

      Applaus!

      Immer werden Seferovic und Shaqiri hochgelobt. In den letzten 2 Spielen spielten sie völlig daneben... Embolo hätte viel früher kommen sollen!

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