Pro & Kontra

07. Dezember 2012 13:04; Akt: 07.12.2012 15:57 Print

Europaweite Fanmeile oder Tod des EM-Geists?

von H. Egli & R. Fehr - 2020 soll die Euro in ganz Europa stattfinden – die Idee spaltet unsere Redaktion. Hat Uefa-Präsident Michel Platini einen Nobelpreis verdient – oder ist das der Anfang vom Ende?

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Die Fussball-EM 2020 findet in ganz Europa statt.

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Herbie Egli: Für eine europaweite Fanmeile!

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Eine EM nicht in ganz Europa, aber in einem Viertel der rund 50 Länder. Ich befürworte die Austragung in dieser Form im Jahr 2020 zum 60. Jubiläum dieses Wettbewerbs. Sei es dann eine einmalige Sache oder die Basis für weitere Endrunden in dieser Form. Europameisterschaften in nur einem oder zwei Ländern auszutragen ist oft mit hohen Hürden verbunden. Strassen und Stadien müssen erstellt werden, früher oder später beginnt beides zu verfallen. Natürlich gibt es auch Länder, in denen die Infrastruktur benutzt wird. Aber erinnern wir uns an die Heim-EM 2008. Zürich schaffte es als grösste Schweizer Stadt nur mit Ach und Krach, ein Stadion für einen der grössten Sportanlässe der Welt auf die Beine zu stellen.

Mit einer EM in zwölf, dreizehn Ländern sind die Fussballfeste über den halben Kontinent verteilt. Europa verwandelt sich dabei in eine riesige Fanmeile. Fussball wird gelebt. Für die Top-Nationen, die sich für die Endrunde qualifizieren, sollen die Vorrundenspiele jeweils in den Hauptstädten stattfinden. Die Fans könnten ihre Lieblinge – zumindest zu Beginn des Turniers – im eigenen Land anfeuern. Und es soll mir jetzt keiner kommen und sagen, Bilder wie jene der orangen Fan-Invasion in Bern, als die Holländer 2008 in der Schweizer Hauptstadt spielten, gäbe es nicht mehr. Sie konzentrieren sich zuerst einfach auf die Heimat. Und je länger eine Nation im Turnier verbleibt, umso mehr zieht auch die farbenfrohe Fan-Karawane in Europa umher.

Reto Fehr: Das ist der Tod des EM-Geists!

Eine Euro in ganz Europa ohne wirkliches Gastgeberland –in meinen Augen eine Horrorvorstellung. Ich habe die Bilder von Bern 2008 im Kopf, als die Holländer hier eine Woche alles in ein orangefarbenes Meer verwandelten, die Stadt liess orange Blumen blühen und der EM-Geist war überall spürbar. Ähnlich war es in diesem Sommer in Charkow, als die Elftal-Fans ihr Lager in der Ukraine aufschlugen und alle mit ihrer Freude mitrissen. Oder als auf dem Marktplatz von Posen Fans aus Irland, Spanien, Italien, Polen, Kroatien und woher auch immer zusammen feierten. Würden die Holländer ihre Gruppenspiele in Amsterdam bestreiten, das orange Meer wäre nur kurz vor und nach dem Spiel zu sehen. Danach gehen die Leute wieder arbeiten. Dem Team nachreisen? Von Amsterdam über Roma via Moskau nach Istanbul? Wohl kaum. Der EM-Geist wäre tot.

Ich glaube, die Euro in ganz Europa sorgt dafür, dass die unvergesslichen Begegnungen mit Fussballfans und Gleichgesinnten weniger werden. Es wird weniger Herzblut bei den Gastgebern zu spüren sein, weil alles weitläufiger und anonymer wird. Kein Land wird der Euro seinen Stempel aufdrücken können, der jede Endrunde so einzigartig macht.

Klar, es gibt gute Gründe, warum die Last einer Euro nicht einem oder zwei Länder auferlegt werden soll. Wirtschaftlich kann das durchaus Sinn machen. Rational vielleicht auch. Aber im Sport geht es um Emotionen. Ein Land kann an der Aufgabe Euro wachsen, zusammenrücken und sich weiterentwickeln. Den Stolz, die Gastfreundlichkeit und die Freude, welche ich in Polen und der Ukraine erlebt habe, sind unbezahlbar.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Nicht neu am 10.12.2012 13:21 Report Diesen Beitrag melden

    Gab es schon

    Die Idee ist nicht neu, streng genommen sind die ersten Europameisterschaften ja auch nichts anderes. Es haben sich 4 Mannschaften für die Finals qualifiziert und diese haben dann den Sieger ermittelt. Siehe EM 1960, 1964...

  • Michael Vollmer am 09.12.2012 08:17 Report Diesen Beitrag melden

    Demokratie

    Ich interessiere mich nicht für Fussball...Auf gut deutsch, er ist mir wurscht! Wenn aber Steuergelder für solche Veranstatungen verschleudert werden, werde ich genötigt mich mit diesem "Sport" auseinander zu setzen. Ob ich will oder nicht! Da wir scheinbar ein "demokratischer" Staat sind, wäre es mehr als fair wenn wir darüber abstimmen dürften. Wie wir alle wissen ist das reines Wunschdenken (siehe Kandidatur olympische Winterspiele). Zu viel Geld und Lobbies stehen dahinter und die Mehrheit macht wieder einmal mehr die bekannte Faust im Sack! Lang lebe Michel Platini!!!

  • Phil D. am 08.12.2012 13:08 Report Diesen Beitrag melden

    Idee gut! Warum? Darum:

    1) Die Big 5 und weitere grosse und wichtige Finanzierer des ganzen UEFA-Systems wollen und müssen nicht ewig warten auf weitere EM-Spiele. 2) Mit 1/3 mehr Teilnehmer haben auch mittelmässige Teams eine Chance auf Teilnahme. Nieten wie Luxembourg oder Liechtenstein werden dagegen auch künftig nicht dabei sein. Ist auch nicht nötig.

  • Grizzly am 08.12.2012 12:36 Report Diesen Beitrag melden

    Kurze Wege in Europa

    Gute Sache,mit diesen super Verbindungen und Distanzen in Europa, wenn man sich auf die 7 Gross-Nationen konzentriert! D,I,F,GB,P,E, Türkei !

  • marc am 08.12.2012 11:31 Report Diesen Beitrag melden

    Nur wegen ein paar Spielen

    Nur wegen ein paar Fussbalspielen neue Stadien bauen die dann vergammeln weil niemand den Unterhalt zahlen kann. Wir haben genug Stadien in Europa. Weil die meisten grossen Clubs probleme mit Ihrer fanacierung haben, kann man so den maroden Clubs unter die Arme greifen.