Nach mehreren Tagen

12. Dezember 2012 07:31; Akt: 12.12.2012 13:08 Print

Ex-Schiri Amerell tot in Wohnung aufgefunden

Der ehemalige Bundesliga-Schiedsrichter Manfred Amerell ist tot. Die Polizei fand die Leiche des in eine Affäre um sexuelle Übergriffe verwickelten Unparteiischen in dessen Wohnung.

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Manfred Amerell starb unter bisher noch ungeklärten Umständen. (Bild: Keystone/AP)

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Der frühere Bundesliga-Schiedsrichter Manfred Amerell ist gestorben. Er stand zuletzt im Zentrum einer Affäre um sexuelle Übergriffe.

Amerell hatte im April angekündigt, den Verband DFB wegen Verletzung seiner Persönlichkeitsrechte auf Schadenersatz verklagen zu wollen. Der ehemalige Unparteiische fühle sich vom DFB seit Beginn des Falls Amerell/Kempter diffamiert.

Leiche lag mehrere Tage in der Wohnung

Polizisten fanden laut deutschen Medienberichten die Leiche, als sie die Wohnung des 65-Jährigen aufbrachen. Die Ordnungshüter waren offenbar gerufen worden, weil ein Bekannter Amerells diesen seit einiger Zeit nicht mehr kontaktieren konnte. Die Beamte stellten bei der Ankunft vor dem Haus fest, dass der Briefkasten überquoll.

«Die Feuerwehr musste mit einer Drehleiter in die Wohnung im vierten Stock auf den Balkon steigen. Ein Fenster musste gewaltsam geöffnet werden. Der Wohnungsinhaber wurde tot aufgefunden», gab der Münchner Kriminaldirektor Frank Hellwig bei einer Medieninformation am Mittwochmittag bekannt. Amerells Leiche müsse bereits mehrere Tage in der Wohnung gelegen haben. «Die Heizung lief witterungsbedingt auf vollen Touren. Es war sehr warm in der Wohnung. Dementsprechend ist der Leichnam in einem sehr schlechten Zustand aufgefunden worden. Eine zweifelsfreie Identifikation war nicht möglich. Die Auffinde-Situation lässt darauf deuten, dass kein Unfallgeschehen, Fremdverschulden oder ein Suizid vorliegt.» Eine Obduktion soll am Mittwochnachmittag folgen.

Sexuelle Übergriffe vorgeworfen

Der ehemalige FIFA-Referee Michael Kempter hatte Amerell sexuelle Übergriffe vorgeworfen. In einem gerichtlichen Vergleich zog er später jedoch seine in mehreren Interviews getätigte Aussage zurück, Amerell klar signalisiert zu haben, keine sexuellen Kontakte zu wollen. Er habe seine Ablehnung möglicherweise nicht ausreichend wahrnehmbar ausgedrückt, so Kempter. Amerell hatte sexuelle Übergriffe stets bestritten.

Amerell war Geschäftsführer bei den Clubs TSV 1860 München, FC Augsburg und Karlsruher SC. Danach pfiff er während seiner aktiven Zeit als Schiedsrichter insgesamt 66 Bundesliga-Partien. Amerell beendete die Karriere nach der Leitung des Cupfinals 1994 zwischen Werder Bremen und Rot-Weiss Essen. Im Anschluss wechselte er als Funktionär zum DFB. Im Februar 2010 trat er im Zuge des Falls Amerell/Kempter von seinem Ämtern im DFB und im Süddeutschen Verband zurück.

(mon/si)