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05. April 2011 16:07; Akt: 05.04.2011 16:54 Print

Frei und Streller treten sofort aus Nati zurück

Alex Frei und Marco Streller haben genug von der Schweizer Fussball-Nati. Sie legen das Trikot mit dem Schweizer Kreuz - auch wegen öffentlicher Kritik - sofort in den Spind.

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Am 6. Dezember 2014 nimmt Frei den Hut als Sportchef des FC Luzern. Der zweifache Familienvater wechselt in den Trainerstaff im FCB-Nachwuchs und arbeitet an seinen Trainerdiplomen. Nebenbei kickt er bei den Senioren des FC Biel-Benken. Am 21. Oktober 2013 darf der Nati-Rekordtorschütze am Fifa-Hauptsitz in Zürich die Barrage- Begegnungen in der WM-Qualifikation 2014 ziehen. Am Tag nach seinem Abschied beim FCB startet Frei als Sportchef des FC Luzern. Am 14. April 2013 wird Alex Frei vor seinem letzten Spiel als Profi in würdigem Rahmen verabschiedet. Der 34-Jährige zeigt sich dabei emotional. Der Abschied vor dem Saisonende hat mit einer neuen Herausforderung zu tun: Alex Frei wird am 19. März 2013 als Sportchef beim FC Luzern vorgestellt. Er wird die Stelle am 15. April antreten. Alex Frei gibt am 15. November 2012 seinen Rücktritt bekannt. Beim FC Basel begann er 1995 seine Karriere, in Rotblau beendet er sie 17 Jahre später. 28. Mai 2012: Zum zweiten Mal in Folge wird Frei die Ehre zuteil, die Trophäe für den besten Spieler der Saison entgegenzunehmen. Auch das dritte Jahr nach seiner Rückkehr zum FC Basel ist äusserst erfolgreich: Nebst dem Double-Gewinn ist Frei erneut der treffsicherste Schütze der Super League (24 Treffer). Am 12. Mai 2012 erzielt Frei gegen die Grasshoppers seinen 300. Karrieretreffer. An der Nach des Schweizer Fussballs wird der 31-Jährige zum Spieler des Jahres ausgezeichnet. Nicht nur das: Der FCB-Stürmer wird mit 27 erzielten Ligatoren auch Torschützenkönig der Saison 2010/11. Mit dem FC Basel holt sich Frei auch in der zweiten Saison nach seiner Rückkehr in die Schweiz den Meistertitel. Zusammen mit Beni Huggel macht er sich auf zu den Fans. 5. April 2011: Alex Frei tritt per sofort aus der Nati zurück. Damit war das EM-Qualifikationsspiel gegen Bulgarien (0:0, Bild) am 26. März seine letzte Partie im Nati-Dress. Seinen Rücktritt hat Frei schon früher bekannt gegeben. Am 16. November 2010 gelingt ihm im Spiel 1 nach der Ankündigung ein grosses Spiel: Im Test gegen die Ukraine spielt der Stürmer gross auf und erzielt zwei Tore. Es sind die ersten beiden Treffer seit über einem Jahr und die Länderspieltore Nr. 41 und 42 für Frei. Auch die letzten, wie sich später herausstellt. Am 4. November 2010 gibt der 31-Jährige seinen Abschied auf Raten bekannt. Ende Saison 2010/11 soll Schluss sein. Einer der Gründe ist sicher der 12. Oktober 2010: Der Nati-Captain wird im Basler St. Jakob-Park - seinem Heimstadion - bei jeder Ballberührung ausgepfiffen. Am 3. September 2010 bestreitet die Schweiz ein Testspiel gegen Australien (0:0). Frei verschiesst einen Elfmeter und erntet Pfiffe vom Publikum in St. Gallen. Die WM 2010 in Südafrika endet mit einer Enttäuschung. Sichtlich angeschlagen, kann Alex Frei der Nati keine Impulse geben. Ein 0:0 im letzten Gruppenspiel gegen Honduas besiegelt den Abschied durch die Hintertüre. Frei hat den historischen 1:0-Sieg gegen Spanien verpasst und wird gegen Chile (0:1) nach dem Platzverweis gegen Valon Behrami aus taktischen Gründen früh ausgewechselt. Kurz vor der WM 2010 in Südafrika verletzt sich der Basler im Abschlusstraining im Zürcher Letzigrund. Trotz der Knöchelverletzung reist Alex Frei ans Turnier. Schon im Flugzeug beginnt die Therapie. Ein Wettlauf mit der Zeit. Magische Marke: Im WM-Qualifikationsspiel gegen Lettland in Riga schiesst Alex Frei am 9. September 2009 sein 40. Länderspieltor. Die erste Saison nach seiner Rückkehr aus der Bundesliga endet für Frei im totalen Triumph: Mit seinen 15 Saisontoren hat der Stürmer grossen Anteil am Double-Gewinn mit dem FC Basel. 2009 kehrt Frei für eine Ablöse von etwas mehr als 4 Millionen Euro von Borussia Dortmund nach Basel zurück. Dort trifft er in 103 Liga-Spielen 73 Mal. Erfolgreich ist er zuvor auch in Dortmund: 34 Tore in 74 Bundesliga-Spielen, Legendär sein Doppelpack am 13. September 2008 beim 3:3 gegen Erzrivale Schalke 04. Es ist sein erstes Spiel nach einer Verletzungspause. Zuvor hat die EM erneut mit einem Tiefschlag geendet: Im Eröffnungsspiel verletzt sich der Nati-Captain beim Eröffnungsspiel der Euro 2008 im eigenen Land gegen Tschechien (0:1) schwer. Das Turnier ist für ihn schon nach 43 Minuten gelaufen. Am 30. Mai 2008 erreicht der Basler einen Meilenstein in seiner Karriere: Mit dem 35. Länderspieltor in der Partie gegen Liechtenstein (3:0) löst er Kubilay Türkyilmaz als Rekordtorschütze der Schweizer Nati ab. In der Saison 2007/2008 kommt Frei für Borussia Dortmund aufgrund einer Verletzung nur 13 Mal zum Einsatz, erzielt dabei dennoch 6 Tore. Zudem schafft er es mit Dortmund in den Cupfinal. Dort verliert der BVB 1:2 gegen Bayern München. Alex Frei ist nach der Ausbootung von Johann Vogel am 22. März 2007 erstmals Captain der Nationalmannschaft. Beim 2:0 gegen Jamaika gelingt ihm jedoch kein Tor. Auch im Verein läuft es dem Stürmer: Mit 16 Treffern hat er grossen Anteil am Ligaerhalt des BVB (Rang 9). Zum Traditionsverein aus dem Ruhrpott wechselt Alex Frei nach der WM 2006. Der Wechsel vom Stade Rennais kostet die Dortmunder 4,1 Millionen Euro Ablöse. Frei unterschreibt für vier Jahre. Zuvor endet die Weltmeisterschaft in Deutschland mit einem unverständlichen Fehler von Nationaltrainer Köbi Kuhn. Dieser wechselt seinen treffsichersten Elfmeterschützen in der Verlängerung des Achtelfinals gegen die Ukraine aus. Frei fehlt im Penaltyschiessen, das die Schweiz mit 0:3 verliert. An der WM 2006 erzielt Alex Frei im letzten WM-Gruppenspiel gegen Südkorea das 2:0 und sichert der Schweiz die Qualifikation für die Achtelfinals. Schon vier Tage zuvor gegen Togo(2:0) hat er getroffen. Die Qualifikation für die WM 2006 gelingt der Nati in der denkwürdigen Barrage gegen die Türkei. Nach dem 2:0 im Hinspiel unterliegt die Nati in Istanbul mit 2:4, qualifiziert sich aber aufgrund der Auswärtstore-Regel. Frei trifft im Skandalspiel am Bosporus am 16. November 2005 vom Elfmeterpunkt zum 1:0. Die EM 2004 bringt dem Stürmer kein Glück. Statt mit Toren macht Frei von sich reden, als er Englands Steven Gerrard bespuckt. Vom Staff falsch beraten steitet der damals 25-Jährige zuerst alles ab, muss dann aber doch klein bei geben. Er wird für drei Spiele und somit für den Rest des Turniers gesperrt. Frei hat massgeblichen Anteil an der EM-Qualifikation: Am 11. Oktober 2003 erzielt er gegen Irland das 2:0, mit dem sich die Nati das Ticket nach Portugal sichert. Zu dieser Zeit spielt der Stürmer in der Ligue 1. Im Sommer 2003 zieht es Frei zu Stade Rennes. Bei seiner ersten Station im Ausland läuft es dem Angreifer. 47 Tore in 100 Spielen stehen nach dem dreijährigen Engagement zu Buche. 2004/05 wird er Torschützenkönig in Frankreich. In der Nati debütiert die Tor-Maschine am 24. März 2001 in der WM-Qualifikation gegen Jugoslawien (1:1). Vier Tage später gelingt dem 21-Jährigen in seinem zweiten Länderspiel gegen Luxemburg bereits ein Hattrick. Im gleichen Jahr gewinnt der junge Stürmer seinen ersten Titel. Mit einem 3:0-Sieg gegen Yverdon holt Servette-Genf am 10. Juni den Schweizer Cup. Der Stürmer erzielt in 64 Spielen für die «Grenats» 36 Tore und zieht die Blicke ausländischer Klubs auf sich. Zuvor spielt Frei eine Saison für den FC Thun in der damaligen Nationalliga B. Bei seinem Stammklub FC Basel kann sich der damals 19-Jährige nicht durchsetzen.

Die Nati-Karriere von Alex Frei.

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10 Tage nach dem 0:0 in Sofia muss sich Ottmar Hitzfeld erneut mit medialen und sportlichen Turbulenzen befassen: Alex Frei (31) und Marco Streller (29) ziehen sich per sofort aus der Nati zurück. Publik wurde der Entschluss des Duos erst heute Dienstag. Gefallen sind die Würfel aber bereits am letzten Donnerstag. Frei und Streller empfingen Hitzfeld in Basel im Büro des FCB-Vize-Präsidenten Bernhard Heusler und konfrontierten den Nationalcoach mit ihrem Vorhaben.

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Öffentlicher Druck spielte eine Rolle

In einem Communiqué des Schweizer Fussball-Verbandes wurden die Gründe der beiden dargelegt: «Die Aufgebote zu den Spielen der Nationalmannschaft, die Zeit der Zusammenzüge und die Länderspiele selbst sind für die beiden Spieler immer wieder und zunehmend von äusseren, für sie negativen Begleiterscheinungen geprägt und zuletzt gar beherrscht worden.»

Die flächendeckende (teils auch auf private Aspekte zielende) Kritik hat dem Duo offenkundig enorm zu schaffen gemacht. Unter diesen Umständen sei das optimale Leistungsniveau nicht mehr zu erreichen gewesen, liessen die beiden Basler mittels einer Medienmitteilung verbreiten. Frei: «Ich habe zehn Jahre lang eine gute Zeit in der Nationalmannschaft gehabt, dabei aber auch mit einigen Tiefschlägen fertig werden müssen. Teils habe ich diese selbst verursacht, teils musste ich sie aus nicht nachvollziehbaren Gründen einstecken. Ich kann aber mit gutem Gewissen sagen, dass ich immer versucht habe, mein Bestes zu geben. Aber jetzt ist es aus den Gründen, die ich Ottmar Hitzfeld erklärt habe, Zeit für einen Schnitt. Ich wünsche dem Nationalteam weiterhin nur das Beste und danke allen Fans, die hinter mir standen, auch jenen, die kritisch waren, aber die Grenzen der Fairness und des Anstands nicht überschritten haben.»

Umzustimmen waren die Bebbi nicht mehr. Frei hätte ohnehin nur noch einmal im Nationalteam gespielt. Nun tritt der mit 42 Treffern beste Torschütze der SFV-Geschichte noch vor der Partie in London ab. Auch Streller mag im Wembley-Stadion definitiv nicht mehr einlaufen. Beide vertraten gegenüber Hitzfeld überdies die Absicht und den Wunsch, ihre Plätze zu Gunsten jüngerer Mitspieler per sofort zu räumen. «Die Zeit ist gekommen, einen Schnitt zu machen. Wir haben unseren Beitrag geleistet», erklärte Streller, dessen Karriere im Nationalteam nach 37 Spielen und 12 Toren endet.

«Ich bedaure den Doppel-Rücktritt»

Hitzfeld akzeptierte das Rücktritts-Angebot: «Ich bedaure diesen Doppel-Rücktritt aus sportlicher Sicht ausserordentlich. Alex Frei und Marco Streller haben nicht aus dem Affekt heraus entschieden, sondern sich diesen Schritt wohl überlegt. Darum habe ich auch entschieden, auf weitere Gespräche zwecks Umstimmung zu verzichten.»

Frei trat seit seinem Debüt vor zehn Jahren 84-mal für die Schweiz an. Als brillanter Torschütze führte er die Equipe an vier EM- oder WM-Endrunden. In der Öffentlichkeit wurde Frei in den letzten Jahren aber mehr und mehr als Fremdkörper dargestellt. Den persönlichen Tiefpunkt erlebte der Topskorer im letzten Herbst, als er nach der Auswechslung gegen Wales (4:1) von den eigenen Fans gnadenlos ausgepfiffen wurde.

Sein Basler Freund und Teamkollege Streller hatte phasenweise ebenfalls mit persönlichen Anfeindungen zu kämpfen. Ein Teil des Publikums wandte sich von ihm ab, als er im WM-Achtelfinal gegen die Ukraine in Deutschland im Penaltyschiessen versagte. Dass er es war, welcher der Schweiz mit dem zweiten Treffer in Istanbul (2:4 gegen die Türkei) die Tür zur WM öffnete, blendeten (zu) viele aus.

(sda)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Peter 44 am 06.04.2011 11:02 Report Diesen Beitrag melden

    Bye bye grimmiger Alex Frei

    Toll, endlich sehen wir bei den Natiinterviews nicht mehr dieses launische, grimmige Auftreten von Alex Frei.

  • Marc Lütolf am 05.04.2011 16:10 Report Diesen Beitrag melden

    Endlich

    Wurde auch Zeit!!

  • Hans Burger am 05.04.2011 19:47 Report Diesen Beitrag melden

    Sind das Champions?

    Wird endlich Zeit!! Das sind doch Mimosen!! Champions sind auch in schlechten Zeiten für die Mannschaft. Jetzt sollte auch der FCB die zwei auf die Strasse stellen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Ryan Knee am 07.04.2011 16:54 Report Diesen Beitrag melden

    Neider und andere Unstimmigkeiten

    An all die Neider: Es werden Frei und Streller sein die den ASL-Pot wieder ans verhasste Rheinknie holen werden, und dass ist gut so! Und fuer die Nati ist es auch eine Chance. Man (OH) sollte jetzt den Fokus auf 2014 legen und mit jungen, willigen Spielern eine neue Manschaft formen.

  • Dj Finger am 07.04.2011 10:10 Report Diesen Beitrag melden

    Wo bleibt die Offensive??

    Leider ist kein neuer Spielmacher in Sicht. F. Frei hat kein internationales Format! Kasami ist auch eher ein Defensiver... Vielleicht am ehesten noch Buff oder Costanzo. Auch Xhaka, der übrigens eine sehr gute Entwicklung nimmt, wird in Basel immer mehr zu einem 6er umgeschult. Da bleibt Dzemaili der Offensivste aller Zentrum-Spieler...

    • kobi kühn am 07.04.2011 17:56 Report Diesen Beitrag melden

      ben khalifa oder frei

      wenn ben khalifa in deutschland spielt, könnte er die rolle als offensivmann im zentralen mittelfeld übernehmen. auf die entwicklung von f. frei bin aber noch sehr gespannt. dieser hat meiner meinung ein grosses potenzial. aber leider wird ein zentraler offensivmann unter witzfeld nie ein thema sein!!

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  • Felippe am 07.04.2011 01:30 Report Diesen Beitrag melden

    Neubeginn

    So, Frei und Streller sind nun weg! Schliessen wir diese Akte und schauen in die Zukunft. Immer wieder zu wiederholen wer wann in der Vergangenheit die Tore geschossen hat ist irelewant für die Spiele der Zukunft!! O.H. kann nun beweisen, dass er ein Trainer ist der eine neue Mannschaft formen kann. Die Voraussetzung ist geben. Jetzt liegt der Ball bei Ihm!! Buena suerte!

  • Ebber am 06.04.2011 19:09 Report Diesen Beitrag melden

    Ich Joerg Stiel ebenfalls nicht

    Bravo Alex und Marco!

  • Simon Strebel am 06.04.2011 18:42 Report Diesen Beitrag melden

    Wie bescheuert ist die Schweiz?

    Jetzt einfach auf Alex Frei und Marco Streller rumhacken ist doch nicht fair! Alex Frei ist noch immer Rekordtorschütze in der Nati und nun, seit er bei Basel spielt, wird er fertig gemacht! Ohne ihn wäre der schweizer Fussball nicht da wo er jetzt wäre! Dasselbe bei Streller! Wer schoss uns damals in der Türkei an die WM in Deutschland? Genau Marco Steller!!! Man sollte den beiden dankbar sein und ihren Entscheid sowie ihre Person respektieren, sie sind schlisslich auch Menschen! Ich persönlich wäre nun froh, wenn die nächsten EM's und WM's ohne Schweiz stattfinden würden! Das haben wir nicht verdient... denn Fussball ist ein Teamsport nichts anderes!