Ein Jahr vor der EM

05. Mai 2011 18:34; Akt: 05.05.2011 18:49 Print

Hools im Stadion – und in der RegierungHools im Stadion – und in der Regierung

Wieder ist es in Polen zu brutalen Ausschreitungen bei einem Fussballspiel gekommen. Die Regierung kündigt neue Massnahmen an. Dabei ist sie selbst Teil des Problems.

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Krawalle nach dem polnischen Cupfinal 2011 (Video:YouTube). Im Grossformat auf dem Videoportal Videoportal
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«Obwohl es immer noch ein paar gewalttätige Vorfälle gibt – provoziert durch Hooligans, ist es für uns wichtig, dass zur Kenntnis genommen wird, dass die polnischen Fussballstadien sicherer geworden sind», heisst es in einem Artikel, der am 16. März dieses Jahres auf der Homepage des polnischen Innenministeriums veröffentlicht wurde. «Diese Vorfälle sind marginal und die polnische Polizei versucht, sie effektiv zu bekämpfen». Soweit die offiziellen Statements ein Jahr vor Beginn der Fussball-EM. Die Bilder sprechen eine andere Sprache, Bilder vom Cupfinal zwischen Lech Posen und Legia Warschau (4:5 nach Penaltyschiessen).

Spieler mitten unter Hooligans

Noch vor dem letzten Elfmeter verliessen Hunderte Warschau-Fans den Zuschauerbereich und legten sich – vom regungslosen Sicherheitspersonal ungehindert – gleich hinter dem Spielfeld auf die Lauer. Als der Ball dann zum 4:5 im Netz zappelte, stürmten sie aufs Feld. Der Grossteil davon vermummt. Eine weisse Welle schwappte aufs Feld und feiert seine Helden. Als die Polizei die Fans zurück in ihre Ecke trieb, wurde sie mit Gegenständen beworfen – unter anderem auch mit einem Feuerlöscher. Derweil entschieden sich auch die Hooligans von Lech Posen ins Geschehen einzugreifen, und attackierten die Gesetzeshüter mit demontierten Sicherheitszäunen.

Polens Hooligans sind weltweit berüchtigt. Und die Schlimmsten unter den Berüchtigten sind die Gruppierungen der beiden Krakauer Teams Cracovia und Wisla. Den viel besungenen Hooligan-Kodex der Waffenlosigkeit gibt es in Krakau nicht. Stattdessen kommen Baseballschläger, Eisenstangen und Messer zum Einsatz. Nach Angaben des britischen Journalisten Bob Graham enden in Polen Hooligan-Auseinandersetzungen schon mal tödlich.

Nazis und Hooligans

Für den Politaktivisten Jacek Purski des antifaschistischen Vereins «Nie wieder» ist das Gewaltproblem tief in der Gesellschaft verankert – sogar in der Politik. Nach seinen Angaben sei der stellvertretende Sportminister Radoslav Parda früher Skinhead und Hooligan gewesen. Und auch Kabinettsminister Rafal Wiechecki sowie der ehemalige Chef des polnischen Staatsfernsehens TVP, Piotr Farfal, sollen eine mehr als nur zwielichtige Vergangenheit haben. Letzterer schrieb vor seiner TV-Karriere für verschiedene rechtsextreme Magazine und muss sich heute per Gerichtsbeschluss den zweifelhaften Titel «Ex-Neonazi» gefallen lassen.

Während in den 90er Jahren viele Hooligans der rechtsextremen Szene angehörten, seien die faschistischen Logos und Banner heute aus den Fankurven vertrieben worden, so Purski weiter im Interview mit der deutschen Bundeszentrale für politische Bildung. Doch die Verbindung von Hooligans und Rechtsextremen besteht weiterhin. Fussballstadien sind für die zahlreichen nationalistischen Gruppen Polens ein guter Nährboden für ihre Gesinnung – und das bevorzugte Rekrutierungsgebiet.

Fussfesseln für Hooligans

Nach den jüngsten Randalen bekräftigt Regierungssprecher Pawel Gras «So kann es nicht weitergehen. Die Regierung wird hart durchgreifen». Neue Gesetze sollen her, zur Debatte stehen Fussfesseln für die Randalierer. Ein Rabatt für die stolze Bestellmenge wird der Regierung in diesem Fall wohl sicher sein. Ob der Gastgeber der EM 2012 seine Hooligans bis zum Eröffnungsspiel allerdings in den Griff kriegt, ist fraglich. Das Problem sitzt tiefer in der Gesellschaft, als dass man es mit ein paar Ketten in den Griff kriegen würde.

(tog)

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  • Hans und Heiri! am 05.05.2011 22:36 Report Diesen Beitrag melden

    EM mit weniger Hooligans!

    Diese Hooligans sind alle für ihren Klub und randalieren für diesen. Ich bezweifle, dass diese an der Seite ihrer "Feinde" kämpfen werden an der EM und ich denke auch, dass dort die Spiele sicherlich friedlicher sind. Die Hools sind ja die Fans eines Klubs und nicht der Nationalmannschaft!

    • Peter Enis am 06.05.2011 13:52 Report Diesen Beitrag melden

      Stimmt nicht!

      Die Hooligans in Polen sind wenn es um Ihr Land geht gemeinsame Kämpfer! Da wird auch mit den "Feinden" für das Land gekämpft. Die EM wird ziemlich böse enden, vorallem wenn die Engländer oder die Deutschen in die gleiche Gruppe wie die Polen landen!

    • Anja am 06.05.2011 15:29 Report Diesen Beitrag melden

      Polnische Hooligans an EM

      Nun es ist anscheinend so dass in Polen sich die Hools für die Nationalmannschaft verbrüdern und dann auf die Fans von anderen Teams losgehen, so habe ich das gehört und auch schon gelesen.

    einklappen einklappen
  • Hans Nötig am 05.05.2011 21:22 Report Diesen Beitrag melden

    Heimspiel Poznan

    also da es nur ein Geisterspiel geben wird habe ich ja Glück.werde nämlich am 14.Mai ein Heimspiel von Lech Poznan schauen gehn,Angst hab ich keine!

  • Andres Meier am 05.05.2011 19:46 Report Diesen Beitrag melden

    Komisch

    Komisch, immer wieder erzählen uns sogenannte Experten der Polizei (auch schon hier auf 20min), dass wir in der Schweiz europaweit die schlimmsten Hooligans hätten. Entweder übersehe ich ähnliche Szenen in der Schweiz oder die Expertise der Experten ist mangelhaft.

Axpo Super League

Datum Spiel Resultat
23.05.12  Basel - Young Boys 1:2 (1:1)
23.05.12  Sion - Luzern 1:3 (1:1)
23.05.12  Lausanne-Sport - Grasshoppers 2:1 (1:1)
23.05.12  Thun - Zürich 2:4 (0:0)
R Mannschaft Sp S U N G : E P
1. Basel 34 22 8 4 78 : 33 74

2. Luzern 34 14 12 8 46 : 32 54
3. Young Boys 34 13 12 9 52 : 38 51
4. Servette 34 14 6 14 45 : 53 48

5. Thun 34 11 10 13 38 : 41 43
6. Zürich 34 11 8 15 43 : 44 41
7. Lausanne-Sport 34 8 6 20 29 : 61 30
8. Grasshoppers 34 7 5 22 32 : 66 26

9. Sion 34 15 8 11 40 : 35 17 (-36)

10. Neuchâtel Xamax 18 7 5 6 22 : 22 26
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