Super League

09. August 2017 19:38; Akt: 10.08.2017 02:29 Print

Thun blamiert YB – Ravet vor dem Absprung?

Schlusslicht Thun schiesst sich mit einem 4:0 gegen Leader YB aus der Startkrise. Lugano schlägt Lausanne, Luzern gewinnt in St. Gallen.

storybild
Zum Thema
Fehler gesehen?

Das erste Berner Derby der Super-League-Saison 2017/18 brachte eine Sensation. Der punktelose FC Thun siegte in Bern gegen die verlustpunktlosen Young Boys 4:0. In der Pause führten die Gäste bereits 3:0.

Ausgerechnet unter den Voraussetzungen, unter denen es ihnen kaum jemand zugetraut hätte, beendete die Mannschaft von Marc Schneider eine lang anhaltenden Negativserie in den Duellen mit den Stadtbernern. Der letzte Derbysieg glückte den Oberländern im Dezember 2013. Danach holten sie aus 14 Duellen nur noch 3 Punkte mit Unentschieden. Es war auch eine völlige Umkehr der Ereignisse der ersten drei Runden. Thun ging mit 0 Punkten und 1:6 Toren in den Match, YB mit 9 Punkten und 9:0 Toren.

Gnadenlos effiziente Halbzeit

Es lässt sich nicht eruieren, wie viel Unterschätzung des bemitleidenswerten Gegners, der bei den knappen Niederlagen gegen Sion und beim FC Zürich auch Pech gehabt hatte, im Team der Young Boys mitspielte. Jedenfalls spielte YB von Beginn nicht annähernd so engagiert und aufopferungsvoll wie in den Heimspielen gegen Basel und Dynamo Kiew. Sicher ist auch, dass die Thuner in der ersten Halbzeit jeden seiner drei guten Angriffe verwertete. Auch dies kontrastierte zu allem, was vorher in der noch jungen Saison passiert war.

Geradezu kurios war das Thuner Führungstor nach 12 Minuten. Denn es war eine haargenaue Kopie des Tores, mit dem Leonardo Bertone am Sonntag die Young Boys im Match gegen Lausanne in Führung brachte. Diesmal liessen sich die Berner selber von ebendieser Variante übertölpeln. Der Direktschuss ins Tor stammte von Sandro Lauper, der letzte Saison nur einmal getroffen hatte. Und auch am Schluss des Spiels liessen sich nicht Hoarau, Assalé oder andere als Matchwinner feiern. Sondern der junge Oltner Doppeltorschütze Marvin Spielmann, von Aarau via Wil letzten Frühling nach Thun gekommen, und Matteo Tosetti als dreifacher Assistgeber.

Hütter rotiert kräftig durch

Den Young Boys ist zugute zu halten, dass sie in der zweiten Halbzeit alles unternahmen, um dem Match noch eine Wende zu geben - wie es ihnen im März gelungen war, als sie Thun daheim nach einem 0:2-Rückstand 3:2 besiegten. Die Berner erspielten sich unter anderem mit einem Pfostenschuss von Roger Assalé zu Beginn der zweiten Hälfte Chancen zuhauf.

Vielleicht schon im Hinblick auf das Champions-League-Playoffspiel vom nächsten Dienstag gegen ZSKA Moskau nahm Trainer Adi Hütter zahlreiche Änderungen vor. Diese werden sich vielleicht noch auszahlen, aber für das Spiel gegen Thun waren sie wohl eher kontraproduktiv. Hoarau und Bertone, Doppeltorschütze vom letzten Wochenende, kamen erst nach der Pause. In der Innenverteidigung wusste der erstmals eingesetzte, von Thun zurückgeholte Marco Bürki nicht zu überzeugen.

Interesse aus der Bundesliga

In der Pause äusserte sich YBs Sportdirektor Christoph Spycher zu den Gerüchten rund um Schlüsselspieler Yoric Ravet. Der französische Angreifer befindet sich im Moment in blendender Form, fehlte im Aufgebot von Adi Hütter, offizieller Grund ist ein Schlag auf den Fuss.

Gemäss Spycher liegt eine Anfrage für Ravet vom Bundesligisten SC Freiburg vor: «Yoric ist extrem wichtig für uns und wir möchten ihn behalten. Aber es gibt immer eine Schmerzgrenze. Stimmt das Angebot und wird finden einen adäquaten Ersatz, werden wir ihn wohl ziehen lassen.»

Lausanne - Lugano: Lausanne erneut mit drei Gegentreffern

Lausanne konnte seine Heimmisere auch gegen Lugano nicht beenden. Die Waadtländer verloren 2:3 und kassierten die dritte Niederlage im vierten Spiel.

In den beiden Strafräumen ortet Lausannes Trainer Fabio Celestini die Probleme seiner Mannschaft: vorne zu wenig effizient, hinten zu wenig konsequent. Eine Besserung war im vierten Saisonspiel nicht zu erkennen. Vor allem die Defensive muss dem früheren Internationalen zu denken geben. Das entscheidende 3:2 von Davide Mariani in der 85. Minute nach einem Konter war schon der zehnte Gegentreffer in der noch jungen Saison. Die Verteidigung um Captain Alain Rochat geriet gefährlich oft in Verlegenheit. Mit den drei Gegentoren waren die Waadtländer sogar noch gut bedient.

Zweimal konnte Lausanne einen Rückstand wettmachen und nach dem 2:2 von Francesco Margiotta in der 82. Minute konnte Celestinis Truppe sogar auf den ersten Heimsieg seit zehn Monaten hoffen. Doch Lugano behielt das letzte Wort, nicht zufällig dank Mariani. Der Zürcher hatte schon die ersten beiden Tore der Luganesi vorbereitet und war der Hauptverantwortliche für den ersten Sieg unter Trainer Pierluigi Tami.

St. Gallen - Luzern: Luzern bestraft ideenloses St. Gallen

Das ersatzgeschwächte Luzern hat sich in St. Gallen mit einer geschlossenen Mannschaftsleistung den zweiten Saisonsieg gesichert. Zum 2:0-Sieg markierten Yannick Schmid mit seinem ersten Super-League-Tor und der überragende Francisco Rodriguez die FCL-Tore.

St. Gallen hat in dieser Partie enttäuscht. Es erspielte sich kaum eine Torchance. Alles war Stückwerk, phantasielos. Die Luzerner machten geschickt die Räume eng, und St. Gallern fand nie die Mittel, um sich durchzusetzen und Torchancen zu erzwingen. Kurz vor der Halbzeit nickte der 22-jährige Innenverteidiger Yannick Schmid eine Freistoss-Flanke von Rodriguez ein. Und kurz vor Schluss schloss der wirblige Rodriguez einen mustergültig vorgetragenen Konter auf Zuspiel von Pascal Schürpf ab.

St. Gallen im ersten Durchgang völlig von der Rolle

St. Gallen zog eine ganz schwache erste Halbzeit ein. Das Team von Giorgio Contini agierte zusammenhang- und ideenlos, offenbarte arge Abwehrdefizite und konnte sich bei Torhüter Daniel Lopar bedanken, dass es zur Pause nur 0:1 in Rückstand lag. Der reflexstarke Lopar klärte mit Glanzparaden Kopfbälle von Pascal Schürpf (9.) und Francisco Rodriguez (25.) in höchster Not. Die St. Galler Hintermannschaft war völlig desorientiert. Jegliche Zuordnung fehlte.

Luzern hingegen, das Trainer Markus Babbel nach dem 3:3 gegen GC auf vier Positionen umbesetzt hatte, gefiel durch seine Raumaufteilung, seine Laufwege, spielte gradlinig und schwungvoll und überzeugte nicht nur mit seinen einstudierten Freistoss-Varianten.

Young Boys - Thun 0:4 (0:3)
16'863 Zuschauer. - SR Amhof.
Tore: 12. Lauper (Tosetti) 0:1. 24. Gelmi (Tosetti) 0:2. 43. Spielmann (Hediger) 0:4. 69. Spielmann 0:4.
Young Boys: von Ballmoos; Mbabu (71. Lotomba), Bürki, von Bergen, Benito; Fassnacht, Sanogo, Sow (46. Bertone), Sulejmani; Assalé, Nsamé (46. Hoarau).
Thun: Ruberto; Glarner, Bürgy, Gelmi, Facchinetti; Tosetti (91. Alessandrini), Hediger, Lauper, Spielmann (70. Da Silva); Rapp, Sorgic (85. Hunziker).
Bemerkungen: Young Boys ohne Seferi (verletzt) und Ravet (nicht im Aufgebot). Thun ohne Bigler, Rodrigues und Kablan (alle verletzt). Pfostenschuss: 52. Assalé.
Verwarnungen: 16. Tosetti (Foul), 20. Gelmi (Foul), 38. Sanogo (Foul), 49. Sorgic (Reklamieren), 52. Rapp (Foul), 56. Benito (Foul), 75. Bertone (Foul).

Lausanne - Lugano 2:3 (1:1)
3251 Zuschauer. - SR Klossner.
Tore: 12. Marzouk (Mariani) 0:1. 17. Kololli (Gétaz) 1:1. 53. Rouiller (Mariani) 1:2. 82. Margiotta (Torres) 2:2. 85. Mariani (Crnigoj) 2:3.
Lausanne: Castella; Monteiro, Rochat, Gétaz (69. Mesbah); Maccoppi (59. Campo); Delley (69. Bojinov), Zarate, Geissmann, Kololli; Margiotta, Torres.
Lugano: Da Costa; Rouiller, Sulmoni, Golemic; Piccinocchi; Crnigoj, Sabbatini (62. Vecsei), Mariani, Mihajlovic; Marzouk (85. Schäppi), Gerndt (71. Carlinhos).
Bemerkungen: Lausanne ohne Manière und Martin (beide verletzt). Lugano ohne Jozinovic, Padalino und Culina (alle verletzt). Tore von Marzouk (7.) und Mihajlovic (55.) wegen Abseits aberkannt.
Verwarnungen: 44. Sabbatini. 49. Delley (beide Foul). 76. Da Costa (Unsportlichkeit). 79. Rochat (Foul).

St. Gallen - Luzern 0:2 (0:1)
11'815 Zuschauer. - SR San.
Tore: 41. Schmid (Rodriguez) 0:1. 86. Rodriguez (Schürpf) 0:2.
St. Gallen: Lopar; Koch, Wiss, Haggui, Wittwer; Kukuruzovic, Tschernegg; Aleksic (55. Tafer), Barnetta (61. Albian Ajeti), Aratore; Ben Khalifa (72. Buess).
Luzern: Omlin; Schwegler, Schmid, Schulz, Lustenberger; Christian Schneuwly (72. Kryeziu), Custodio; Francisco Rodriguez (90. Feka), Jong (60. Ugrinic), Schürpf; Itten.
Bemerkungen: St. Gallen ohne Adonis Ajeti, Toko (beide verletzt), Musavu-King (nicht spielberechtigt), Angha und Schulz und Babic (alle nicht im Aufgebot). Luzern ohne Juric (gesperrt), Schindelholz, Arnold, Grether (alle verletzt), Lucas (rekonvaleszent) und Oliveira (nicht im Aufgebot). Pfostenschuss: 91. Albian Ajeti.
Verwarnungen: 10. Wittwer, 19. Schneuwly, 52. Ben Khalifa, 68. Tafer (alle Foul), 70. Schwegler (Spielverzögerung), 77. Schmid (Foul).

(sda)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Zino am 09.08.2017 20:59 Report Diesen Beitrag melden

    Hochmut hällt Einzug

    Hochmut kommt vor dem Fall! Sehr unprofessionell Thun zu unterschätzen

    einklappen einklappen
  • Kurt am 09.08.2017 21:18 Report Diesen Beitrag melden

    YB

    Da ist der Sieg gegen Basel wohl schon nichts mehr Wert

    einklappen einklappen
  • Steffi am 09.08.2017 20:52 Report Diesen Beitrag melden

    Bravo

    Hopp Thun, jetzt einfach nicht nachlassen in der 2. Halbzeit.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Joaquin.U am 10.08.2017 22:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die reichsten

    Meiner Meinung nach sind die Champions immer die,die am meisten Geld haben denn die haben die besten Spieler der Schweiz. Aber diese,die nicht so Talent haben die geben trotzdem ihr Bestes.

    • Thuner am 10.08.2017 23:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Joaquin.U

      Da gebe ich dir absolut recht.

    einklappen einklappen
  • jabok am 10.08.2017 19:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ravet

    Ich frage mich..wer soll Ravet ersetzen?Da muss Spycher einen Spielähnlichen Spieler finden

  • Basler Dybli am 10.08.2017 11:04 Report Diesen Beitrag melden

    Champion wird man nicht so leicht!

    Wenn der mögliche Wegzug eines Spielers genügt, die ganze Mannschaft so zu verunsichern, dann stimmt einiges nicht bei YB! Wenn man dagegen den FC Basel nimmt, welcher nach dem grössten Umbruch der letzten Jahre auch noch den Captain zum denkbar dümmsten Moment verloren hat und sieht wie die mit solchem umgehen, dann hat YB noch viel zu lernen um ein Champion zu werden!

  • Thomy M. am 10.08.2017 10:25 Report Diesen Beitrag melden

    kein Experte

    Das Spiel gestern von yb war wohl eines, wie es sie immer geben wird für Titelanwärter nämlich eines zum vergessen. Ich bin sicher kein Experte aber trotz allem behaupte ich der grösste Schwachpunkt ist dieser Steve von Bergen. Arno Del Curto sagte es mal richtig, Stürmer gewinnen Spiele , die Verteidigung Meisterschaften. Aber nicht mit solchen Spielern ...

  • NachDenker am 10.08.2017 10:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nichts Neues aus Bern

    So wie immer liebe YBler, alles bleibt beim Alten. Auf gute bis sehr gute Spiele folgen katastrophale Aussetzer, es fehlt einmal mehr die Kontinuität die es braucht, um einen Titel zu gewinnen. Meine Prognose, YB geht auch dieses Jahr leer aus - und ich hoffe fest dass ich mich irre!