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Nach Podestplatz
07. November 2011 10:15; Akt: 07.11.2011 11:10 Print
Warum Aegerter nicht der nächste Lüthi ist
von Klaus Zaugg - Beide sind Emmentaler, beide haben sich über Deutschland in den GP-Zirkus gekämpft. Doch der Unterschied zwischen Aegerter und Lüthi ist ähnlich gross wie zwischen Federer und Wawrinka.
Die Bilder zum dritten Platz von Dominique Aegerter beim GP von Valencia.
Der lange Weg aus dem Bauerndorf Rohrbach in den GP-Zirkus und dort zum ersten Podestplatz in der zweitwichtigsten Töff-WM (3. beim GP von Valencia) ist eine der verrücktesten Geschichten unseres Töffrennsportes. Die Story beginnt mit einem wilden jungen blonden Buben, der auf dem Parkplatz der väterlichen Garage in Rohrbach auf einem Minitöffli herumknattert und sich durch seine Wildheit auf dem Pausenplatz der Primarschule Rohrbach als Alphatier behauptet.
Bildstrecken Die Karriere des Tom LüthiNun gibt es in Rohrbach (knapp 1500 Einwohner) im oberen Tal der Langeten, zehn Kilometer ob Langenthal, viele wilde Kerle. Das hat einen lokalhistorischen Hintergrund: Bis Mitte des 20 Jahrhunderts sind die «schwierigen Fälle» aus dem benachbarten noblen Städtchen Huttwil (knapp 5000 Einwohner) immer wieder nach Rohrbach abgeschoben worden. Darum pflegen die Alten, wenn wieder einmal etwas passiert ist, noch heute zu sagen: «Kein Wunder, in Rohrbach, zum Donner!».
Der blondgelockte Jüngling Dominique Aegerter ist also ein typischer Rohrbacher. Aber der Weg hinaus aus diesem Dorf in die weite Welt bis in den GP-Zirkus scheint so schwierig wie der Weg des Gemeindepräsidenten ins Bundesratszimmer. Vater «Ferre» kann die Karriere seines Lausbuben bis in die Deutsche Meisterschaft (IDM) finanzieren. Das kostet schon fast hunderttausend Franken pro Saison. Dann braucht er Hilfe.
Unverhoffte finanzielle Hilfe
Diese Hilfe kommt unverhofft. Olivier Métraux, ein wohlhabender Westschweizer Unternehmer und Kampfpilot, der mit seinem eigenen Jet an die GPs einzuschweben pflegt, will das Erbe seines verstorbenen Vaters Michel weiterführen. Michel Métraux war Schweizer Töffpionier und der Architekt der Karrieren von Michel Frutschi, Roland Freymond und Jacques Cornu.
Métraux junior alimentiert 2006 Vincent Braillard in der 250er-WM. Er merkt bald, dass aus diesem Hinterherfahrer nichts wird und sieht sich nach einem echten Talent um. Drei Welsche werden ihm empfohlen: Thomas Caiani, Yannick Freymond und Bastien Chesaux. Doch Baron Leo de Graffenried, Lebenskünstler, Duzfreund des spanischen Königs und ehemaliger Sponsoring-General von Philipp Morris sowie Journalisten überzeugen Métraux schliesslich davon, auch noch Dominique Aegerter in die engere Wahl zu nehmen. Wen jetzt nehmen? Im Sommer 2006 mietet Métraux den Rundkurs von Mugello (It) und lässt die vier «Töfflibuben» um die Wette blochen. Die Jungs sollen um die Chance einer GP-Karriere kämpfen. Aegerter fährt alle in Grund und Boden. Niemand kann Métraux junior nun noch einen Vorwurf machen, dass er als Romand ein Fahrer aus einem Berner Bauerndorf den welschen Talenten vorzieht.
Stetige Fortschritte
Der kräftige Modellathlet rechtfertigt das Vertrauen seines Geldgebers. Aegerter macht nach seinem Debüt am 15. Oktober 2006 beim GP von Portugal (26.) stetig Fortschritte: 23. der 125er-WM 2007, 16. der 125er-WM 2008 und 13. der 125er ccm 2009. 2010 steigt er in die Klasse Moto2 auf, wird WM-15. Und hat den tödlichen Unfall seines gleichaltrigen Teamkollegen Shoya Tomizawa zu verkraften. Nun ist Aegerter im letzten Rennen der Saison 2011 der erste Podestplatz und die Sicherung des 8. WM-Schlussranges gelungen.
Seine blonde Haarpracht ist, wie vorgesehen, gefallen: Bevor er gestern aufs Podest kletterte, schnitt ihm Olivier Métraux bereits die ersten Locken ab. Hinterher fiel der Rest der Haarpracht der Schere zum Opfer. Dass der Rohrbacher seinen grössten Erfolg (beste Klassierung bis dahin: 4. Platz) genau in diesem Rennen herausgefahren hat, ist kein Zufall: Erstens hat er die Tragödie um Marco Simoncelli (er kannte den tödlich verunglückten Italiener gut) auf seine Art verarbeitet: Er trainierte in den letzten zwei Wochen wie ein Verrückter (er ist ja auch ein Triathlet) und konzentrierte sich ganz auf seinen Sport. Und Valencia war ein Hochrisiko-Rennen. Weil die Piste nie hundertprozentig trocken war. Aegerter nützte die Chance mit Mut und gut dosiertem Risiko. Und es kommt auch nicht ganz überraschend, dass Tom Lüthi (25) lediglich auf Rang 17 kam: Der talentiertere, aber weniger wilde und sensiblere Lüthi kann nur dann Spitzenränge herausfahren, wenn alles stimmt.
Der Vergleich mit Tom Lüthi
Wird Dominique Aegerter der nächste Tom Lüthi? Nein. Er hat zwar den Renninstinkt, den Mut und die Unbekümmertheit, um ein Rennen zu gewinnen und in der WM eine Spitzenklassierung zu erreichen. Aber er hat nicht Tom Lüthis fahrerisches Talent und Sensibilität für die Abstimmung einer Maschine. Um einen Vergleich zum Tennis zu ziehen: Lüthi mahnt an Roger Federer, Aegerter an Stanislas Wawrinka. Oder um beim Motorradrennsport zu bleiben: Lüthi ist eher ein Stilist und Perfektionist wie einst Wayne Rainey, Aegerter ein Haudegen wie Kevin Schwantz. Eine Kombination aus Lüthis und Aegerters Qualitäten ergäbe einen neuen Valentino Rossi.
Ausblick auf die Saison 2012
Wir stehen damit vor einer spektakulären Saison 2012. Seit 2002 ist Lüthi der uneingeschränkte König der Töff-Schweiz. Nun bekommt der Weltmeister von 2005 erstmals einen Herausforderer: Lüthi hat die Moto2-WM 2011 auf dem fünften und Aegerter auf dem achten Schlussrang beendet. So nahe ist Lüthi in der WM noch nie ein Schweizer gerückt.
Die Voraussetzungen sind nächste Saison für beide sehr ähnlich: Beide sind die Nummer 1 in ihren Teams, beide fahren das Schweizer Fabrikat Suter, beide haben bisher 34 Moto2-Rennen bestritten. Randy Krummenacher (21) ist der dritte Schweizer in der Moto2-WM 2012 – er hat im letzten Rennen in Valencia als 16. Tom Lüthi besiegt und die WM auf dem 18. Platz beendet. Im letzten Viertel der Saison 2011 war er durch ein Burnout geschwächt und spielte deshalb keine Rolle mehr. Im Winter wird er die Batterien aufladen und er hat 2012 gute Chancen auf den ersten Podestplatz. Krummenacher vertraut wieder auf das Deutsche Fabrikat Kalex, auf dem Stefan Bradl die WM 2012 gewonnen hat. Der vierte Schweizer im GP-Zirkus wird 2012 Giulian Pedone (18) sein. Er hat in Valencia im letzten Rennen der 125er-Klasse auf Rang 15 seinen ersten WM-Punkt herausgefahren. Er wird im nächste Saison im gleichen Team in der neuen Klasse Moto3 fahren.
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Alle 13 Kommentare
































Aegi ist Weltklasse
Lieber Klaus Zaugg der Aegi hat viel mehr Talent und Sensibilität für die Abstimmung einer Maschine als Tom aber nicht das gleiche Material wieso ist Domi den so konstant? Und noch etwas mit den Umgang mit den Fans ist Aegi dem Tom um Welten voraus! Der Tom Grüsst nicht einmal die Fans an der Strecke aber das siehst du ja nicht im Fahrerlager! Sorry
Rohrbach=Oberaargau
Wusste gar nicht , dass Rohrbach im Emmental ist??? Seit wann denn? Soviel ich weiss, ist Rohrbach im Oberaargau.
der weg ist das ziel in diesem rennsport
Dömu...das war einfach klasse! nerven lagen bei uns blank auf dem sofa , die letzten 3 runden sowieso. du bist besser geworden....viel besser und... wirst noch besser. die heranwachsende reife bringt dich unweigerlich weiter. wir freuen uns auf 77 auf dem podest und drücken weiterhin die daumen.