13. September 2007 19:45; Akt: 14.09.2007 11:47 Print

McLaren-Mercedes verliert alle WM-PunkteMcLaren-Mercedes verliert alle WM-Punkte

Dem Formel-1-Team McLaren-Mercedes sind vom Automobil- Weltverband FIA in Paris in zweiter Instanz wegen der Spionage- Affäre bei Ferrari sämtliche WM-Punkte in der laufenden Konstrukteur-WM-Wertung aberkannt worden. Zudem muss McLaren-Mercedes 100 Mio. Dollar Busse bezahlen. Die Fahrer blieben unbehelligt.

  • Artikel per Mail weiterempfehlen
Zum Thema
Fehler gesehen?
Fehler beheben!
Senden

Der Weltrat ist damit in drastischer Weise auf sein erstes Urteil zurückgekommen. Am 26. Juli hatte das Gremium von einer Bestrafung von McLaren-Mercedes abgesehen. Zwar wurde schon damals der Besitz der Dokumente mit den technischen Daten des aktuellen Formel-1-Autos von Ferrari festgestellt, nicht aber ein direkter Nutzen für McLaren-Mercedes. In der Zwischenzeit war aber neues belastendes Material aufgetaucht, so dass der Council den Fall noch einmal behandelte.

Die Spekulationen hatten im Vorfeld der zweiten Anhörung im Spionagefall McLaren-Mercedes/Ferrari die ganze Bandbreite des möglichen Richterspruchs zutage gefördert; von einem Freispruch für das Team der «Silberpfeile» bis hin zum Ausschluss aus der Formel-1- Weltmeisterschaft waren als denkbarer Entscheid des 26 Personen umfassenden Gremiums genannt worden. Von einem derart hohen Geldbetrag war aber nirgends die Rede gewesen. Primär im Lager der verurteilten Equipe herrschte Unverständnis über die heftige Sanktion, die der FIA-Weltrat gestern Donnerstag nach zehnstündiger Anhörung in Paris bekannt gab.

«Dieses Urteil ist ein Schock für alle im Team und, wie erste Reaktionen beim Publikum zeigen, auch für weite Teile draussen», kommentierte Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug das Urteil. «Jetzt kämpfen wir aber erst recht mit aller Entschiedenheit weiter, um auf der Piste die richtige Antwort zu geben, und neben der Rennstrecke vor Gericht Gerechtigkeit zu finden.» Neben Haug war McLaren-Mercedes durch Teamchef Ron Dennis, WM-Leader Lewis Hamilton und Testfahrer Pedro de la Rosa vertreten. Fernando Alonso weilte bereits in Francorchamps, wo an diesem Wochenende der Grand Prix von Belgien im Programm steht. Ferrari zeigte sich in einer offiziellen Stellungnahme «erfreut, dass die Wahrheit endlich ans Tageslicht gekommen ist». FIA-Präsident Max Mosley sprach von «Gerechtigkeit».

«McLaren verliert alle Punkte und kann in dieser Saison auch keine mehr holen», sagte Max Mosley wenige Minuten nach der Urteilsverkündigung. Die Fahrer Lewis Hamilton und Fernando Alonso würden aufgrund «aussergewöhnlicher Umstände» nicht bestraft, sagte der Jurist weiter. «Sie haben mit uns zusammengearbeitet und wertvolle Informationen geliefert. Sie dürfen deshalb ihre Punkte behalten.» Ihr Arbeitgeber dagegen ist aber auch mit Blick auf die kommende Saison noch nicht «über dem Berg». «Wenn die Autos von McLaren-Mercedes für 2008 in Ordnung sind, wird nichts weiter passieren. Aber das wissen wir erst im Dezember», sagte Mosley.

Hamilton und Alonso dürfen also weiter vom Titel träumen. Der britische Rookie führt das WM-Zwischenklassement vor den letzten vier Grands Prix mit drei Punkten Vorsprung vor dem Spanier an. Kimi Räikkönen liegt als Dritter 19 Punkte zurück, Felipe Massa als Vierter bereits 24. In der Konstrukteurenwertung dagegen ist die Entscheidung zu Gunsten von Ferrari praktisch gefallen. Die Scuderia, die bis gestern 23 Punkte Rückstand auf McLaren-Mercedes aufgewiesen hatte, führt die Rangliste nun mit 57 Punkten Abstand auf das zweitplatzierte Team BMW-Sauber an. Zu gewinnen sind im Maximum noch 72 Punkte.

Auslöser der Affäre war der ehemalige Chefmechaniker von Ferrari, Nigel Stepney. Der Engländer war zu Beginn des Jahres von der Scuderia ins Testteam versetzt worden, nachdem er sich zuvor offen mit Abwanderungsgedanken getragen hatte. Stepney soll danach geheime Daten, die insgesamt 780 Seiten umfassen, an seinen Freund Mike Coughlan geschickt haben. Dessen Frau war aber beim Kopieren in einem Kopiergeschäft in der Nähe von McLarens Headquarter in Woking (Eng) erwischt worden. Coughlan, der bis dahin als Chef- Designer für McLaren gearbeitet hatte, war vom Team ebenfalls umgehend entlassen worden. Coughlan hat sich inzwischen offiziell dafür entschuldigt, das Material angenommen zu haben. Stepney dagegen weist jede Schuld von sich.

(si)

20min Login Facebook Connect
Fragen und Antworten rund um die Kommentar-Funktion
«Warum dauert es manchmal so lange, bis mein Kommentar sichtbar wird?»

Unsere Leser kommentieren fleissig - durchschnittlich gehen Tag für Tag 4000 Meinungen zu allen möglichen Themen ein. Da die Verantwortung für alle Inhalte auf der Website bei der Redaktion liegt, werden die Beiträge vorab gesichtet. Das dauert manchmal eben einige Zeit.

«Gibt es eine Möglichkeit, dass mein Beitrag schneller veröffentlicht wird?»

Wer sich auf 20 Minuten Online einen Account zulegt und als eingeloggter User einen Beitrag schreibt oder auf einen Kommentar antwortet, der wird vorrangig behandelt. Hat ein eingeloggter User bereits viele Kommentare verfasst, die freigegeben wurden, so werden seine neuen Beiträge mit oberster Priorität behandelt.

«Warum wurde mein Kommentar gelöscht?»

Womöglich wurde der Beitrag in Dialekt verfasst. Damit alle deutschsprachigen Leser den Kommentar verstehen, ist Hochdeutsch bei uns Pflicht. Sofort gelöscht werden Beiträge, die Beleidigungen, Verleumdungen oder Diffamierungen enthalten. Auch Kommentare, die aufgrund mangelnder Orthografie quasi unlesbar sind, werden das Licht der Öffentlichkeit nie erblicken. (oku)

Haben Sie allgemeine Fragen zur Kommentarfunktion?

Schreiben Sie an feedback@20minuten.ch
Hinweis: Wir beantworten keine Fragen, die sich auf einzelne Kommentare beziehen.

  • Marc am 18.09.2007 10:26 Report Diesen Beitrag melden

    Ungerechte Strafe

    Ich finde die Strafe in dem Sinn ungerecht, dass die Fahrer von McLaren nicht bestraft wurden, insbesondere dieser arrogante Fernando Alonso, der ja sogar noch schlimmer ist als ein Michael Schumacher war. Der einzige der den WM - Titel verdient ist Kimi!

  • truth am 17.09.2007 22:57 Report Diesen Beitrag melden

    Wertlose Daten!

    Wie war das doch wieder? Ein Ferrari Mann hat die Unterlagen den McLaren Leuten übergeben! Wenn Sie die Daten gebraucht haben, dann wissen wir jetzt endlich,warum Sie nicht gewonnen haben!!

  • Georg Smidix am 17.09.2007 21:14 Report Diesen Beitrag melden

    Mercedes Arroganz

    Dass in der F1 immer abgekupfert wird, ist normal. Dumm nur, dass die Mercedes-Sippe diesmal an den Lügen zerbricht. Das ändert jedoch nichts an der unübertrefflichen Arroganz des Teams und Mercedes als Firma. Damit ich auf dem Boden bleibe, habe ich mir heute einen neuen BMW 7-er bestellt.