GP von Australien

22. Oktober 2017 06:53; Akt: 22.10.2017 15:14 Print

Lüthi enttäuscht – Raffin begeistert

Tom Lüthi kann seinen Rückstand in der WM im GP von Australien nicht verringern. Er wird Zehnter, während Jesko Raffin als Vierter das Rennen seines Lebens zeigt.

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Kann am GP von Australien nicht mit der Spitze mithalten: Tom Lüthi im Qualifying. (21. Oktober 2017) (Bild: Keystone/Joe Castro)

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Tom Lüthi konnte das Tempo der Spitzenfahrer nie mitgehen. Der 31-jährige Emmentaler spürte die Nachwehen seines Sturzes im Warm-Up-Training und konnte sich deshalb auch in der Verfolgergruppe nicht durchsetzen. Der Vorjahressieger wurde mit 12 Sekunden Rückstand nur Zehnter, zum 6. Rang von Alex Marquez fehlten weniger als eine halbe Sekunde.

Lüthi: «Der Sturz am Morgen war heftig. Ich hatte das ganze Rennen über Schmerzen im Rücken und am Nacken und konnte nicht angreifen. Zudem bekam ich Probleme mit dem Hinterreifen. Ich hoffe jetzt einfach, dass ich in einer Woche wieder ganz fit sein werde.»

Mobridelli am Sonntag Weltmeister werden

Am Dienstag fliegt Lüthi nach Malaysia zum zweitletzten Saisonrennen vor dem Finale am 12. November in Valencia. Mit im Gepäck ein Rückstand von jetzt schon 29 Punkten. WM-Leader Franco Morbidelli holte auf der 140 km südlich von Melbourne gelegenen Insel als Dritter zehn Punkte mehr als sein nächstjähriger MotoGP-Teamkollege im Marc-VDS-Rennstall. Der 22-jährige Italiener kann schon in einer Woche in Sepang Weltmeister und damit Nachfolger von Johann Zarco werden.

Einen Doppelsieg feierten die beiden KTM-Fahrer Miguel Oliveira und Brad Binder. Der portugiesische Medizinstudent und zukünftige Zahnarzt, der seinen 1. Sieg in der Moto2 feierte (6 in der Moto3), gewann knapp drei Sekunden vor dem südafrikanischen Moto3-Weltmeister von 2016. Für Chassis-Hersteller Kalex war es die erste offizielle Niederlage nach 49 Rennen und dem GP von Amerika in Austin im April 2015 (Sam Lowes auf Speed Up).

Vor einem Monat hatte Dominique Aegerter auf Suter in San Marino zwar vor Lüthi auf Kalex gewonnen, wurde aber nachträglich wegen unerlaubtem Öl-Zusatz disqualifiziert. In Australien wurde der 27-jährige Oberaargauer Achter, weil er nach einem Crash zwischen Pole-Setter Mattia Pasini und Marcel Schrötter vom vierten in den zwölften Rang zurückgefallen war.

Raffins (zu) später Exploit

Bester Schweizer wurde überraschend Lüthis Teamkollege Jesko Raffin. Der 21-jährige Zürcher, der schon im Qualifying als Neunter überzeugt hatte, feierte mit dem 4. Platz sein bestes Karriere-Resultat (zuvor 2015 Achter auf dem Sachsenring). Aufs Podest fehlten ihm nur gerade 3,5 Sekunden. «Nach meinem schlechten Start fiel ich weit zurück. Doch danach hatte ich viele schöne Fights und bin sehr, sehr glücklich. Das alles fühlt sich wie ein Sieg an.»

Doch der Exploit und die Verbesserung in den 19. WM-Rang kommt für ihn wohl zu spät. Raffin, der in dieser Saison den Kopf wegen Schwierigkeiten im familiären Umfeld nicht immer frei hatte, besitzt im Team von Fred Corminboeuf zwar einen Vertrag für 2018. Doch das Schweizer Team wird nächste Saison wohl nur noch zwei statt wie bisher drei Plätze erhalten.

Teambesitzer Corminboeuf verpflichtete als Lüthi-Ersatz den als Sturzpilot bekannten Briten Sam Lowes. Und auf den Spanier Iker Lecuona, der ebenfalls einen Vertrag besitzt, will er nicht verzichten. Er lobt den 17-Jährigen praktisch nach jedem Rennen wegen seines Talents und Perspektiven. Dabei hat Lecuona noch keinen WM-Zähler gewonnen, Raffin schon deren 25.

Gemäss Raffibns Manager Marco Rodrigo gibt es «kaum Optionen» und ein Wechsel in eine andere Rennserie «mache keinen Sinn». Raffin: «Ich weiss wirklich nicht, wie es weitergeht. Sollte sich nichts ergeben, werde ich mich auf die Ausbildung als Fitness-Trainer konzentrieren.»

Marc Marquez steht vor seinem 6. WM-Titel

Marc Marquez steht im Alter von erst 24 Jahren bereits vor seinem 6. WM-Titel, dem vierten in der Königsklasse. Der spanische Honda-Fahrer siegte in einem spektakulären MotoGP-Rennen in Phillip Island mit vielen Führungswechseln und Feindberührungen mit knapp zwei Sekunden Vorsprung auf das Yamaha-Trio mit Valentino Rossi, Maverick Viñales und Johann Zarco.

Mit seinem 6. Saisonsieg (total 61 in 166 WM-Rennen) baute Marquez zwei Rennen vor Schluss die WM-Führung weiter aus. Der italienische Ducati-Fahrer Andrea Dovizioso, der als einziger Marquez den Titel noch streitig machen könnte, wurde nur 13. und liegt bereits 33 Zähler zurück (236:269). «Das war ein wichtiger Tag für mich», erklärte Marquez nach dem Rennen. «Ich habe zuerst lange gewartet und acht Runden vor Schluss voll gepusht. Es war ein toller Kampf.»

Für den neunfachen Champion Valentino Rossi («Ich habe die allgemein aggressive Fahrweise aller richtig genossen») war Australien schon immer ein gutes Pflaster. Der 38-jährige Italiener startete bereits zum 21. Mal auf dem 5. Kontinent, stand dabei 17 Mal auf dem Podest und feierte in Down under acht seiner 115 Siege.

Philipp Island (AUS). Grand Prix von Australien. MotoGP (27 Runden à 4,448 km = 120,096 km):
1. Marc Marquez (ESP), Honda, 40:49,772 (176,4 km/h).
2. Valentino Rossi (ITA), Yamaha, 1,799 Sekunden zurück.
3. Maverick Viñales (ESP), Yamaha, 1,826.
Ferner: 13. Andrea Dovizioso (ITA), Ducati, 21,692. 15. Jorge Lorenzo (ESP), Ducati, 26,168.
Schnellste Runde (2.): Johann Zarco (FRA), Yamaha, in 1:29,572 (178,7 km). - 23 Fahrer gestartet, 22 klassiert.

WM-Stand (16/18):
1. Marquez 269.
2. Dovizioso 236.
3. Viñales 219.
4. Rossi 188.

Moto2 (25 Rd/111,2 km):
1. Miguel Oliveira (POR), KTM, 39:25,290 (169,2 km/h).
2. Brad Binder (RSA), KTM, 2,974.
3. Franco Morbidelli (ITA), Kalex, 3,846.
4. Jesko Raffin (SUI), Kalex, 7,348.
Ferner:
8. Dominique Aegerter (SUI), Suter, 12,444.
10. Tom Lüthi (SUI), Kalex, 12,605.
Schnellste Runde (24.): Binder in 1:33,864 (170,5 km). - 30 Fahrer gestartet, 23 klassiert.
Nicht gestartet: Xavier Simeon (BEL), Kalex (Finger gebrochen im Qualifying).

WM-Stand (16/18):
1. Morbidelli 272.
2. Lüthi 243. 3. Oliveira 191.
Ferner:
12. Aegerter 82.
19. Raffin 25.

Moto3 (15 Rd/66,72 km):
1. Joan Mir (ESP), Honda, 24:51,490 (161,0 km/h).
2. Livio Loi (BEL), Honda, 0,351.
3. Jorge Martin (ESP), Honda, 0,359.
Schnellste Runde (7:): Gabriel Rodrigo (ARG), KTM, in 1:37,898 (163,5 km/h).
Das Rennen nach 17 von 23 Runden wegen Regens abgebrochen und beim Stand nach 15 Runden gewertet.

WM-Stand (16/18):
1. Mir 296 (Weltmeister).
2. Romano Fenati (ITA), Honda, 226.
3. Aron Canet (ESP), Honda, 184.

Nächstes Rennen: Grand Prix von Malaysia in Sepang am 29. Oktober.

(chk/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Gsxr1000 am 22.10.2017 08:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ich bin stolz auf ihn

    Auch ein zweiter Platz ist weltmeisterlich. Schön dass die Schweiz so einen erfolgreichen Spitzensportler hat.

    einklappen einklappen
  • Blue am 22.10.2017 08:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schade

    Schade für Tom. Aber nach dem Sturz und mit dieser Maschine trotzdem Platz 10. Hoffe noch auf zwei super spannende Rennen. Gratulation an Raffin

  • Superduke 1290 am 22.10.2017 10:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Jesko gehört heute aufs Titelbild

    Gratuliere allen 3 schweizer fahrer, aber Titel und Bild liebe red. hätte heute einmal klar Jesko Raffin verdient. Er fuhr quali, warmup und das Rennen seines Lebens auf einer der schwierigsten Strecke der Welt.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Schweizer am 22.10.2017 16:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mehr Biss

    Es zeigt sich an Lüthi's Kommentar wieder einmal mehr: er jammert zuviel. Klar war Abflug heftig, andere wie VR46 fahren Podestplätze heraus mit kürzlich gebrochenen Knochen und jammern nicht. Ebenso MM93 und viele andere. Gegen die wird er aber antreten nächste Saison. Da muss er an seinem Biss noch etwas arbeiten. Schnell ist er ja!

  • R. Assanti am 22.10.2017 16:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ist ok so

    Lüthi wird sicher noch irgendwie einen oder zwei plätze nach vorne "erben". Doch auch das nützt wohl nichts. Schön musste sich Raffin nicht noch hinter Lüthi zurückfallen lassen. Raffin hätte es verdient, dass sein Bild hier gezeigt wird!!

  • Pjotr am 22.10.2017 12:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nur logisch

    Morbidelli hat dermassen viele Siege eingefahren, dass er logischer Weltmeister ist. Alles andere ist Wunschdenken.

  • Rex500 am 22.10.2017 10:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nichts entschieden

    Es sind 29 Punkte, viel, aber auch nicht viel, es sind noch 50 Punkte zu vergeben, Morbidelli kann im letzten Rennen mit 24 Punkten führen, und Lüthi könnte noch Weltmeister werden. Also haltet den Ball flach, es muss zuerst gefahren werden. Reden wir lieber über Raffin, statt über Lüthi zu nörgeln und schon von der MotoGP zu diskutieren. Hammer Wochenende von Raffin, sensationell gefahren. Auch Domi hat ein tolles Rennen gezeigt. Ich glaube weiterhin an euch, auch wenn es mal keinen Podestplatz gibt, kämpft weiter.

  • Superduke 1290 am 22.10.2017 10:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Jesko gehört heute aufs Titelbild

    Gratuliere allen 3 schweizer fahrer, aber Titel und Bild liebe red. hätte heute einmal klar Jesko Raffin verdient. Er fuhr quali, warmup und das Rennen seines Lebens auf einer der schwierigsten Strecke der Welt.

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