Auf Kollisionskurs

12. November 2012 13:42; Akt: 12.11.2012 13:42 Print

Lüthi und Aegerter kommen sich in die Quere

von Klaus Zaugg - Tom Lüthi und Dominique Aegerter fahren nächste Saison unter anderen Vorzeichen als 2012. Die Rivalität unter den beiden Schweizern wird zunehmen - ein Eklat ist programmiert.

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Die wichtigste Erkenntnis aus der Moto2-WM 2012 für Tom Lüthi (26): Er wird 2013 mit Dominique Aegerter (22) erstmals in seiner Karriere einen sportlich und finanziell ernstzunehmenden Rivalen aus der Schweiz haben. Der Eklat ist programmiert.

Dominique Aegerter hat seine Situation in einem einzigen Satz auf den Punkt gebracht. Nach dem 5. Platz beim GP von Australien, dem zweitletzten Rennen der Saison, sagte er resigniert: «Jetzt schreibt ihr sowieso über den Sturz von Tom Lüthi.» Exakt so war es. Über dem Bericht der international hoch angesehen Agentur «Sportinformation» titelten fast alle Medien prompt: «Lüthi gestürzt». Über Aegerters Heldentat war erst weiter unten im Text zu lesen.

Selbst dann, wenn Tom Lüthi, 2005 125er-Weltmeister und Sportler des Jahres, von einem Schweizer bei einem GP-Wochenende in den Schatten gestellt wird, steht er doch im Scheinwerferlicht. Er ist seit seinem Einstieg ins internationale Motorrad-Business im Herbst 2002 das Mass aller Dinge im Schweizer Töffrennsport. Aber es ist nach der Saison 2012 nicht mehr ganz sicher, ob er das auch in Zukunft sein wird. Der letzte GP der Saison am Sonntag in Valencia hat gezeigt, was ihm bevorsteht. Er vermochte Dominique Aegerter nur mit grösser Mühe doch noch zu besiegen.

Aegerter hat mächtig aufgeholt

Dominique Aegerter hat Tom Lüthi bereits in einzelnen Rennen herausgefordert und besiegt. 2012 ist der Fahrer vom unteren Rand des Emmentals seinem Rivalen vom oberen Rand des Emmentals auch im Gesamtklassement so nahe gekommen wie noch nie. Lüthi hat die WM auf dem 4. Platz mit 80 Punkten Vorsprung auf Aegerter (WM-8.) beendet. Aber die Differenz ist geringer als es die Statistik vermuten liesse. In den letzten sechs Rennen hat Aegerter seinen Rivalen dreimal besiegt.

Tom Lüthis Problem war 2012 in der Moto2-WM das gleiche wie 2010 und 2011: Die technische Betreuung. Kein anderes Spitzenteam hatte in den drei letzten Jahren so viele technische Schwierigkeiten und arbeitete bei der Abstimmung so unprofessionell. Daniel M. Epp, Teambesitzer und persönlicher Manager von Tom Lüthi, gibt seinen Jungs noch einmal eine Chance. «Es gibt bei uns keine personellen Wechsel. Wir werden 2013 mit den gleichen Technikern antreten.» Und stellt gegenüber 20 Minuten Online klar, dass das Scheitern im Titelkampf kein Frage des Geldes war und es auch 2013 nicht sein wird: «Wir konnten uns bereits diese Saison technisch alles leisten, was wir brauchten. Das wird auch 2013 der Fall sein. Weil wir bei Eskil Suter jetzt die Nummer 1 sind, werden wir nächste Saison noch intensiver testen.»

Lüthi kann auf mehr Know-How zählen

Auf den ersten Blick wird Tom Lüthi 2013 einen Vorteil haben: Nach dem Aufstieg von Weltmeister Marc Marquez in die Königsklasse MotoGP wird er die neue Nummer 1 beim Schweizer Töffhersteller Eskil Suter. Der ehemalige GP-Pilot hat in seinem Hightech-Unternehmen in Turbenthal (ZH) den Weltmeister-Töff gebaut. Er hat sogar angekündigt, nun ein Bike für die besonderen Bedürfnisse von Lüthi zu bauen.

Alles klar? Nein, bei weitem nicht. Tom Lüthi ist zwar sportlich Suters Nummer 1. Doch der wichtigste Schweizer Kunde ist der Westschweizer Unternehmer Olivier Métraux. Er kauft bei Suter gleich zwei Bikes: Für seine beiden Piloten Dominique Aegerter und Randy Krummenacher. Krummenacher ist nach der Auflösung seines bisherigen Teams für 2013 Teamkollege des gleichaltrigen Dominique Aegerter.

Eine Frage des Geldes

Beim Motorsport geht es immer auch um Kohle. Olivier Métraux ist ein erfolgreicher Unternehmer in der Auto-Ersatzteilbranche. Er wird nicht hinnehmen, dass er mit Standardware vorliebnehmen muss, während Suters Techniker für Lüthi ein Spezialbike konstruieren. Er dürfte letztlich auch keine Vorzugsbehandlung Lüthis einfach so hinnehmen. Zwar wird in der Moto2-WM mit Einheitsmotorrädern (alle gleiche Motoren und Reifen) gefahren. Aber bei den Fahrwerkherstellern gibt es die freie Marktwirtschaft. Dominique Aegerter fährt einen raueren, direkteren Fahrstil als Lüthi und braucht deshalb eine Maschine mit einer anderen Charakteristik. Er kann auch mit einem nicht perfekt abgestimmten Bike schnell sein und ist insgesamt der sicherere, robustere Fahrer. 2012 ist er bei keinem Rennen gestürzt. Lüthi hat hingegen durch Stürze drei «Nuller» hinnehmen müssen.

Eskil Suter weiss um die hochheikle Ausgangslage und hofft, dass er zwei Herren dienen kann. Er hat bereits mehrmals erklärt: «Wir wollen im Grunde eine Maschine bauen, die für alle optimal ist. Es geht also darum, einen Kompromiss zu finden.» Es ist ein unmögliches Vorhaben und Eskil Suter unterschätzt die Situation: Fährt Tom Lüthi seinem Rivalen auf und davon, geht sogleich die Polemik im Aegerter-Lager los. Und rückt der Rohrbacher zu Tom Lüthi auf, wird dessen Manager Daniel M. Epp unverzüglich Eskil Suter die Hölle heiss machen und auf seinen Status als Nummer 1 pochen.

Der Eklat ist programmiert. 2013 wird die unterhaltsamste Töffsaison seit vielen, vielen Jahren. Mit zwei Schweizern in der Moto2-WM auch in sportlichen Hauptrollen. Hätte Dominique Aegerter das Talent von Tom Lüthi – er könnte dominieren wie heuer Marc Marquez. Aber Tom Lüthi auch, wenn er die Rumpelfestigkeit, Regelmässigkeit und Zähigkeit Aegerters hätte.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Exrennfahrer am 13.11.2012 09:39 Report Diesen Beitrag melden

    Die liebe Konkurenz

    Tom ist dem Druck und den Erwartungen je länger nicht mehr gewachsen, die immer mehr werdenden Stürze beweisen das. Ein wirklich guter Fahrer fährt konstant, nicht mal Hopp und dann Flop

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  • Hanspi am 12.11.2012 14:48 Report Diesen Beitrag melden

    Lüthi muss das warme Kombi anziehen

    Ich habe keine Angst, dass D. Aegerter, mit gleich wertigem Material, Tom Lüthi schon bald aus den Spalten der Sportpresse werfen wird.

  • Motorradrennsportfan am 12.11.2012 15:00 Report Diesen Beitrag melden

    Schön gesagt

    Schöner kann mann das Fazit nicht schreiben!!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Speedy Gonzales am 13.11.2012 16:06 Report Diesen Beitrag melden

    3 Schweizer

    In welcher anderen Sportart hat die Schweiz denn sonst noch 3 Leute in einem Weltklassefeld (MotoGP2)...?

  • Exrennfahrer am 13.11.2012 09:39 Report Diesen Beitrag melden

    Die liebe Konkurenz

    Tom ist dem Druck und den Erwartungen je länger nicht mehr gewachsen, die immer mehr werdenden Stürze beweisen das. Ein wirklich guter Fahrer fährt konstant, nicht mal Hopp und dann Flop

    • Franco Caduto am 13.11.2012 16:08 Report Diesen Beitrag melden

      Glückssache?

      Alle andern Spitzenfahrer fallen zum Glück ja nie vom Moped... (Z.B. Lorenzo, Valencia!)

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  • Go Ton am 12.11.2012 19:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lüthi die nr. 1

    Ganz ehrlich, tom wird auch nächstäs jahr die klare nummer 1 der schweiz sein. Wenn lüthi konstanter wird, dann ist er einer der topfavoriten auf den wm-titel. Das was aegerter diese saison gezeigt hat, war sack stark. Leider glaube ich nicht das aegerter das talent hat um eines tages um den titel zu fighten. Lüthi ist einfach der komptleterer fahrer als aegerter.

    • Fil Koni am 13.11.2012 23:42 Report Diesen Beitrag melden

      Im Ernst ??

      Wieviele Chancen braucht den Tom Lüthi noch? Jedes Jahr redet er vom Titel nur hat er es bis jetzt jedes Jahr vergeigt, immer ist etwas anderes Schuld nur er wird es nie sein das es schlecht läuft. Meiner Meinung nach hat hat Tom den Biss verloren nach seinem WM Titel. Ich für meinen Teil achte schon gar nicht mehr auf ihn, hingegen achte ich vermehrt auf Dominique und jetzt natürlich auch auf Krummenacher, den der bekommt das gleich Material wie Dominique. Bin mal gespannt wie das ausgeht. Von mir aus können alle drei um den Titel fahren. Möge der bessere gewinnen.

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  • bbr am 12.11.2012 17:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    die jungen wilden

    oh ich höhre schon wie lüthi jammert und nach ausreden sucht wenn ihm die jungen wilden um die ohren fahren.hoffentlich wird lüthi im winter noch rhetorik kurse besuchen und zur niederlage stehen!

  • Dieter am 12.11.2012 17:29 Report Diesen Beitrag melden

    Eklat

    Ich bin âuch der Meinung, da versucht ein Journalist, sprich Mister Zaugg..wer den sonst, einen Eklat herbeizuschwätzen. Lüthi muss endlich lernen, auf die Zähne zu beissen und zu kämpfen. In der Motoradwelt sind "Mensch ärgere dich nicht" Piloten fehl am Platz..oder müssen mit dem was sie erreichen zufrieden sein. Es lebe Marquez...wartet mal ab, wie der in der Königsklasse einschlägt..:-)

    • Villiger am 12.11.2012 19:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Danke Dieter!

      bin genau deiner Meinung!!!

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