MotoGP-Tests

27. Januar 2018 14:00; Akt: 27.01.2018 14:00 Print

Lüthi kehrt an den Ort des Schmerzes zurück

Tom Lüthi steht vor seinen ersten Runden auf der MotoGP-Honda. Und er ist bereit, das neue Abenteuer in Angriff zu nehmen.

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«Ich bin absolut fit», sagt der Tom Lüthi. Der Berner musste nach einem Sturz Ende Oktober lange an Krücken gehen und hat deshalb das Saisonfinale verpasst.

Ab Sonntag testen die Fahrer der MotoGP-Klasse während dreier Tage: in Malaysia und damit exakt auf dem Rundkurs, auf dem für den 31-Jährigen in der vergangenen Saison die Titelträume in der Moto2-Klasse ein schmerzhaftes Ende fanden.

Im ausführlichen Interview mit der Nachrichtenagentur SDA sagt Lüthi, dass diese Rückkehr nach Sepang für ihn kein Problem darstellte. Das sei sogar perfekt für ihn, findet der 16-fache Grand-Prix-Sieger, denn «mit dieser Strecke habe ich noch eine Rechnung offen». Bei seinem Sturz Ende Oktober hatte sich Lüthi ein Sprungbein gebrochen. Erst Mitte Dezember konnte er die Krücken in die Ecke stellen: «Seither ging es steil bergauf.»

Tom Lüthi nach schwerem Sturz zur Untersuchung im Spital

Lüthi hat sich für die kommenden Testfahrten Geduld auferlegt. Keinesfalls dürfe er während den Tests zu fest auf die Rundenzeiten schauen: «Ich werde mich beherrschen und Schritt für Schritt vorgehen müssen.» Denkt er an den Saisonstart am 18. März in Katar, kommt er ins Schwärmen. Als Kind habe er ein Poster von Valentino Rossi in seinem Zimmer aufgehängt gehabt. «Nun fahre ich in der gleichen Klasse und stehe mit ihm auf der Startaufstellung. Das ist schon geil», sagt Lüthi.

Tom Lüthi, wie geht es Ihnen?
Sehr gut. Seit ich im Dezember die Krücken in die Ecke stellen durfte, machte ich riesige Fortschritte.

Sie sind zuvor in ihrer fast 16-jährigen GP-Karriere schon öfter gestürzt und auch verletzt gewesen. Wie erlebten Sie diese Zwangspause?
Es war eine recht mühsame Zeit, gerade auch mental. Ich habe das anfänglich unterschätzt. Doch für mich war es letztlich halt so, dass ich durch den Sturz in Sepang den WM-Titelkampf verloren und auch die MotoGP-Tests im November verpasst habe. An den Testtagen mit den Krücken neben ‹meinem› Motorrad zu stehen, das war schwieriger als erwartet.

Wie verlief die Heilungsphase?
Für diese Verletzung (gebrochenes Sprungbein am linken Fuss - Red.) ging es schnell. Mir persönlich allerdings kam die Zeit mit den Krücken sehr lange vor. Von dem Moment, an dem ich nicht mehr darauf angewiesen war, ging es sehr steil bergauf. Ich konnte mein Trainingsprogramm wie geplant durchziehen. Ich schaffte es sogar, dass ich noch im alten Jahr auf den Ski stand.

Einen weiteren Belastungstest gab es Anfang Januar.
Das war in Spanien. Zunächst fuhr ich einen Tag in einem Rennkart. Auf einem solch schnellen Kart bin ich noch nie gesessen. Das war ein super Training, für das Auge, die Arme, die Reaktion – es galt, extrem viele Sachen in kürzester Zeit zu erledigen. Da konnte ich mich wieder etwas an die Geschwindigkeit gewöhnen.

Am zweiten Tag sassen Sie dann auf dem Motocross-Töff.
Nach diesem Training wusste ich definitiv, dass es auch auf dem MotoGP-Motorrad wegen dem Fuss keine Probleme geben wird. Nun kribbelt es, dass ich endlich einmal auf der Honda fahre.

Wie sahen vor dem Abflug nach Malaysia Ihre Trainingswerte aus – ähnlich gut wie in früheren Jahren?
Konditionell ja. Bezüglich Muskelmasse konnte ich sogar rund zwei, zweieinhalb Kilogramm zulegen. Darauf bin doch ein bisschen stolz. Ich konnte neben der Reha schon früh anfangen, den Oberkörper zu trainieren. Ich bin absolut fit, um in Sepang auf das MotoGP-Motorrad zu sitzen.

Wie gehen Sie diesen ersten Test an?
Ich habe den ganzen Winter durch Onboard-Videos geschaut, vor allem natürlich von Marc Márquez und Dani Pedrosa. Die beiden sind vergangene Saison die Werks-Honda gefahren. Dabei versuchte ich, mich in sie hineinzuversetzen und zu schauen, wie sie fahren, wie ihr Fahrstil auf diesem Motorrad ist.

Und wenn Sie dann selbst auf dem Motorrad sitzen: Was gilt es zu beachten?
Dass ich mich von Anfang an zurücknehme. Ich muss geduldig Schritt für Schritt vorgehen und lernen. Diese Zeit muss ich mir einfach nehmen. Obwohl ich das als Rennfahrer vielleicht möchte: Ich darf ja nicht versuchen, möglichst schnell gute Rundenzeiten zu fahren.

Sie sagen, dass Sie Geduld brauchen. Das ist aber schwierig, wenn man zum Saisonauftakt über einen Rückstand verfügt.
Ich versuche, es nicht so anzusehen, dass mir die anderen Fahrer vier Testtage voraus sind. Sonst hätte ich von Anfang an Stress und das Gefühl, aufholen zu müssen. Ich gehe vielmehr dahin mit der Vorstellung, dass wir ein neues Jahr haben und alles auf null gesetzt ist. Dank der MotoGP-Tests 2016 mit KTM habe ich schon eine gewisse Idee, was mich erwartet.

Sind Sie auch für den Fall gewappnet, dass Franco Morbidelli, ihr Teamkollege bei Marc VDS und ebenfalls ein MotoGP-Rookie, plötzlich pro Runde zwei Sekunden schneller ist?
Lieber wäre mir natürlich, dass ich zwei Sekunden vor ihm bin. Aber ernsthaft: Ich muss mich wirklich beherrschen und darf keinen Schritt überspringen. Aber ich habe die volle Unterstützung des Teams. Vor allem auch Gilles (Bigot, der Cheftechniker) weist mich wohl fast jeden zweiten Tag auf den Ablauf hin.

Was ändert sich im Vergleich zur Moto2-Klasse, in der Sie seit 2010 fuhren?
Die Umstellung ist gross. So braucht es während dem Fahren auch viel mehr Kapazitäten im Kopf, denn es müssen bei der Elektronik laufend gewisse Sachen umgestellt werden. Danach gilt es den Unterschied zu spüren. Solche Dinge müssen möglichst automatisiert werden, weil das Renngeschehen sowieso schon stressig ist.

Sie haben nur neun Testtage zur Verfügung, um sich an diese «Höllenmaschine» zu gewöhnen.
Dessen bin ich mir bewusst. Zwei grosse Bereiche, an die ich mich gewöhnen muss, sind die Hinterradbremse und das Bedienen des Gasgriffs, ohne dass die Elektronik zu viel ins Spiel kommt. Das soll extrem schwer sein, habe ich gehört.

Sie verliessen Ende Oktober nach Ihrem Sturz Sepang mit einem schlechten Gefühl. Nun werden Sie ebendort auf der Strecke erstmals auf der MotoGP-Honda sitzen. Verspüren Sie also gemischte Gefühle?
Nein. Das ist perfekt für mich. Ich habe mit Sepang noch eine Rechnung offen.

Mit Ihrem Aufstieg in die MotoGP-Klasse verabschieden Sie sich vom Gewinnen. Haben Sie sich darüber Gedanken gemacht?
Klar, wird die Zielsetzung eine andere als bisher sein. Ich kann nicht kommen und alle Werksmotorräder schlagen. Das ist unmöglich. Darum will ich versuchen, der beste Rookie zu sein. Aber Ziele im Detail zu formulieren, das geht jetzt noch nicht, ohne dass ich nicht auf dem Motorrad gesessen bin. Und klar, mein grosser Wunsch ist, mich in der MotoGP-Klasse zu etablieren. Ich will dort Fuss fassen und bleiben können.

Sie verfügen nur über einen Einjahresvertrag. Morbidelli hingegen hat einen Dreijahresvertrag. Zudem wurde Álex Márquez bereits zugesichert, dass er 2019 ebenfalls für Marc VDS MotoGP fahren darf. Haben Sie überhaupt eine Chance, in der Königsklasse bleiben zu können?
Ja. Aber ich muss das alles ausblenden. Es geht ums Gleiche wie bei den Tests. Ich darf nicht jetzt schon das Gefühl haben, dass ich immer vor allen anderen sein und diese schlagen muss. Dann käme es nicht gut. Vielmehr muss ich ruhig bleiben und meinen Job gut erledigen.

Ihr erstes MotoGP-Rennen ist zugleich ein Jubiläums-GP für Sie.
Genau. Den 250. GP habe ich mir letzte Saison noch aufgespart. (lacht)

Mit welchem Gefühl denken Sie an Katar?
Das ist noch weit weg. Nach Sepang werde ich etwas mehr wissen. Aber natürlich ist die Vorfreude extrem, in Katar gemeinsam mit Valentino Rossi und Co. auf der Startaufstellung zu stehen. Früher als Kind hatte ich ein Poster von Rossi im Zimmer. Nun fahre ich in der gleichen Klasse mit ihm. Das ist schon geil.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • René B. am 27.01.2018 14:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Moto GP

    Wünsche Tom eine erfolgreiche, unfallfreie Saison. Go Tom, für Dich und den schweizer Motorradrennsport.

  • Te Rasse am 27.01.2018 14:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ich wünsche

    Viel Geduld und Glück

  • Roli am 27.01.2018 15:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hopp

    Hopp Tom und zeige den Kritikern die nicht viel vom Motorradsport verstehen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Roli am 28.01.2018 17:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Los

    Tom auch ich wünsche Dir eine Unfallfreie Saison 18. Du schaffst es, ich freue mich riesig auf die Saison 18. Wir sind alle mit Dir. Wir könnens kaum erwarten bis los geht, und der Honda Motor prüllt.

  • Vasilios Anagiannis am 28.01.2018 06:27 Report Diesen Beitrag melden

    Dominanz und Eleganz

    Wünsche dem Thom alles Gute! Freue mich schon riesig auf die Saison. Das wird SUPER! Er macht das wirklich Professionel. Mental ist er mega stark. Voll fokusiert. Er wird Fuss fassen, bleiben, dominieren und siegen. Hopp Lüthi!!!

  • Gionto1 am 28.01.2018 04:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Realitisch

    Sehr gute Analyse und Einstellung von Tom Lüthi. Er ist sehr realistisch und setzt sich anpackende Ziele. Viel Glück Freue mich

  • Töfflady am 27.01.2018 18:39 Report Diesen Beitrag melden

    Verdienter Preis

    Was spricht dagegen, Tom Lüthi einmal in die Liste "Sportler des Jahres" aufzunehmen? Meine Stimme hätte er auf sicher. Sehr sympathischer und bodenständiger Typ seit eh und je. Wünsche ihm eine tolle und erfolgreiche Saison.

  • Inseyder am 27.01.2018 17:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schon immer

    Wenn man sich alle seine stürze inkl 125ccm-wm usw zusammenzählt, dann kann man nur zum schluss kommen: er war schon immer ein bruchpilot.

    • s.t. am 27.01.2018 18:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Inseyder

      Deshalb war er ja auch in den letzten beiden Saisons Vizeweltmeisters... Interessant das der Bruchpilot das geschaft hat . Wenn man so einen Sport macht der immer voll am Limit ist können Stürzte nicht ausgeschlossen werden. Stark sind die, welche wieder aufstehen und weiter machen, sich nicht unterkriegen lassen und ihr Ziel verfolgen wie Tom dies tut. Meinen Respekt hat er! Und ich freue mich über diese Chance welche er erhält in der MotoGP zu fahren.

    • Neid am 27.01.2018 18:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Inseyder

      Verspühre ich hier etwa Neid. Sehr schade.

    • Bobi am 28.01.2018 08:34 Report Diesen Beitrag melden

      @Inseyder

      Vielleicht sind Sie in Ihrem Job ja auch ein Bruchpilot? ;-D

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