Fabian Cancellara

10. Januar 2012 23:12; Akt: 10.01.2012 23:13 Print

«Ich gehe meinen Weg»«Ich gehe meinen Weg»

von Nicolas Martin - Fabian Cancellara schielt erneut auf die Frühjahrs-Klassiker. Der Zeitfahr-Olympiasieger sprach mit 20 Minuten über sein neues Team und seine Ambitionen im Olympia-Jahr.

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Die Karriere des Fabian Cancellara wurde in den Jahren 1998 und 1999 so richtig lanciert. Der Berner wurde Junioren-Zeitfahrweltmeister. Cancellara empfahl sich damit für einen Profivertrag. Er sicherte sich 1999 den Rad-Weltcup der Junioren. In seinen beiden ersten Profijahren (2001-2002) fuhr Cancellara für das Team Mapei. Bereits in seinem Debutjahr konnte er den Prolog und die Gesamtwertung der Rhodos-Rundfahrt gewinnen. Der engültige Durchbruch gelang ihm aber erst bei Fassa Bortolo 2003, als er im ersten Jahr gleich den Prolog bei der Tour de Romandie... ... und auch bei der Tour de Suisse für sich entscheiden konnte. Bei seiner ersten Tour-de-France-Teilnahme 2004 konnte sich Fabian Cancellara ebenfalls gleich in Szene setzen. Der Berner triumphierte im Zeitfahren und durfte sich für einen Tag das gelbe Trikot überstreifen. Bei den Olympischen Spielen von Athen 2004 zählte Cancellara im Zeitfahren zum erweiterten Favoritenkreis. Die Schweizer Medaillenhoffnung ging aber leer aus. Cancellara zeigte vor allem in Eintagesrennen, das immer mit ihm zu rechnen ist. So auch bei seinem Etappensieg 2005 bei Paris-Nizza. Im Herbst desselben Jahres sicherte sich Cancellara seinen zweiten Schweizer Meistertitel im Zeitfahren. Wenige Tage später fuhr er bei der WM gar aufs Podest und holte die Bronzemedaille. Auf die Saison 2006 wechselte Cancellara zum Team CSC von Bjarne Rijs. Gleich in seiner ersten Saison bei CSC gelang Cancellara sein bislang grösster Coup. Der Berner gewann mit Paris-Roubaix das berühmteste Eintagesrennen des Radsports. Mit seinem ersten Weltmeistertitel im Zeitfahren krönte Cancellara eine äusserst erfolgreiche Saison. Bei der Tour de France 2007 wiederholte Cancellara seinen Prolog-Sieg von 2004. Cancellara sicherte sich in der ersten Woche einen weiteren Etappensieg und fuhr insgesamt sieben Tage in Gelb. Im Herbst verteidigte Cancellara seinen Weltmeistertitel im Zeitfahren. Wieder endete eine Saison ganz nach dem Geschmack des Berners. Das Jahr 2008 begann für Fabian Cancellara mit einem Paukenschlag. Zunächst triumphierte er beim Tirreno-Adriatico ... ... und nur wenige Tage später entschied Cancellara auch den Klassiker Mailand-San Remo für sich. Bei seinem grossen Saisonhöhepunkt Paris-Roubaix, auch die Hölle des Nordens genannt, musste sich Cancellara aber Tom Boonen geschlagen geben. Bei der Tour de France hielt sich Cancellara meist im Hintergrund, leistete aber immer wieder Helferdienste für seinen Mannschaftskollegen und späteren Sieger Carlos Sastre. Bei den Olympischen Sommerspielen 2008 in Peking trumpfte Fabian Cancellara ganz gross auf. Im Strassenrennen holte er Bronze. Später wurde es Silber, weil der Italiener Davide Rebellin des Dopings überführt wurde. Im Zeifahren vier Tage später wurde er seiner Favoritenrolle ganz gerecht: Gold für Fabian Cancellara. Cancellara war neben Federer/Wawrinka für die einzige Goldmedaille zuständig. Der Medienrummel um den Radsportler war riesig. Wieder zu Hause, hatte Cancellara Mühe das Erlebte zu verarbeiten. Er fiel in ein emotionales Tief und hatte ausserdem mit Doping-Anschuldigungen zu kämpfen. Im Dezember wurde Cancellara dann zum Schweizer Sportler des Jahres gewählt. Er setzte sich unter anderem auch gegen US-Open-Sieger Roger Federer durch. Die Saison 2009 begann nicht wunschgemäss. Nach seinem Prolog-Sieg musste Cancellara die Kalifornien-Rundfahrt wegen einer Grippe aufgeben. Etwas später machten ihm dann auch noch Schulterprobleme zu schaffen. April 2009: Bei seinem Comeback an der Flandern-Rundfahrt war Cancellara zu Fuss unterwegs. Seine Kette war im dümmsten Moment kaputt gegangen. Im Juni 2009 gewann Fabian Cancellara zum ersten Mal in seiner Karriere eine wichtige Rundfahrt. Bei der Tour de Suisse überzeugte er vor allem im Zeitfahren und überraschend auch in den Bergen. Wenige Tage nach seinem Triumph bei der Tour de Suisse bestätigte Cancellara seine Form und wurde zum ersten Mal Schweizer Meister im Strassenrennen. Auch an der Tour de France ritt Cancellara weiter auf der Erfolgswelle. Der Zeitfahrspezialist gewann den Prolog und musste das Leadertrikot erst in den Bergen wieder abgeben. An der Vuelta durfte Fabian Cancellara bereits ins dritte Leadertrikot schlüpfen. Wieder gewann er bei der Spanien-Rundfahrt den Prolog und auch das erste Einzelzeitfahren. An der Heim-WM in Mendrisio holte Fabian Cancellara im Zeitfahren überlegen und bereits zum dritten Mal den Titel. Im Frühjahr 2010 gelang Cancellara ein weiteres Husarenstück. Der Berner gewann zum ersten Mal die Flandern-Rundfahrt. Eine Woche später doppelte Cancellara mit seinem zweiten Sieg bei Paris - Roubaix nach. Er holte damit als erst zweiter Schweizer das Double. 87 Jahre nach Heiri Suter. Bei der Tour de France 2010 gewann der Berner erneut den Prolog und trug zu Beginn während einiger Tage das Maillot Jaune. Im Herbst läuft Cancellara noch einmal zu Hochform auf. Nachdem er zuerst auf die WM verzichten wollte, gewinnt er in Australien seinen vierten WM-Titel im Zeitfahren. Als zweiter Schweizer wird Cancellara im Oktober mit dem «Velo d'Or», dem goldenen Velo für den besten Fahrer des Jahres geehrt. Der einzige Grosserfolg im Jahre 2011 ist der Gewinn der WM-Bronzemedaille im Zeitfahren. Cancellara stürzt am 1. April 2012 bei der Flandern-Rundfahrt schwer. Er zieht sich einen dreifachen Schlüsselbeinbruch zu und fällt mehrere Wochen aus.

Fabian Cancellaras Karriere.

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20 Minuten: Fabian Cancellara, Ihr Team RadioShack-Nissan-Trek ist ein Fusionsprodukt aus den letztjährigen Teams Leopard-Trek und RadioShack. Fühlen Sie sich im gleichen Team wie 2011 oder ist alles anders?
Fabian Cancellara:
Es ist eine Art «Halb-Neuheit». Aus zwei Mannschaften wurde eine. Auf dem Papier ist es die stärkste Mannschaft der Welt. Aber es genügt nicht, nur auf dem Papier die Nummer 1 zu sein, man muss es auf der Strasse beweisen. Aber mit der Arbeit, die Sportdirektor Johan Bruyneel bereits gemacht hat, und mit den Neuen im Team bin ich wirklich sehr zuversichtlich, was die neue Saison betrifft.

Sie haben sich an der Tour de France 2011 für die Schleck-Brüder aufgeopfert. Würden Sie dasselbe 2012 wieder tun, wenige Wochen vor den Olympischen Spielen?
Jede Tour ist verschieden. Der Parcours scheint etwas weniger hart als letztes Jahr mit mehr Zeitfahren. Den Fakt, dass die Olympischen Spiele unmittelbar nach der Tour beginnen, halte ich für wenig problematisch. Man kann es auch so sehen, die Tour erlaubt mir, in Topform in London zu starten. Ich bin optimistisch

Was bringen die Neuen in Ihrer Equipe im Hinblick auf die Tour de France?
Mit Fahrern wie Andreas Klöden oder Chris Horner ist der Mix in unserer Mannschaft besser geworden. Um eine Tour-Equipe zu selektionieren, wird unser Staff die Qual der Wahl haben. Aber das ist ein Luxusproblem.

Wie beurteilen Sie die Entwicklung des Teams, das Ihnen erlauben dürfte, noch gezielter auf die Klassiker hinzuarbeiten?
Ich kann es kaum erwarten, dass die neue Saison endlich beginnt. Gerade für die Klassiker verfügen wir jetzt über mehr erfahrene Rennfahrer. Und ich selber habe ja auch an Erfahrung gewonnen im letzten Jahr, als er mit nicht gelungen ist, eine Classique zu gewinnen.

Was nehmen Sie aus diesem Jahr 2011 mit?
Es gibt in jedem Rennen Dinge, die nicht so laufen wie geplant. Und wenn 99 Prozent der Fahrer nur auf dich schauen, dann wird es noch schwieriger zu gewinnen. Ich habe keine Revanchegelüste, aber ich möchte wieder siegen.

Die Anwesenheit von Grégory Rast und Jaroslav Popovych an Ihrer Seite könnte wertvoll sein.
Ja, und die beiden haben schon gezeigt, dass sie sehr motiviert sind für die Klassiker. Es erfüllt mich mit viel Selbstvertrauen, diese beiden so erfolgshungrig zu sehen.

Glauben Sie, dass Sie so stark sein werden wie BMC mit Philippe Gilbert und Thor Hushovd?
Auch BMC hat eine grosse Equipe für die Frühjahrs-Klassiker. Aber ich glaube nicht, dass es viel bringt, wenn man zu viele Leader hat. Was uns betrifft, haben wir eine grosse Qualität: Wir sind sehr ausgeglichen und können vom ersten bis zum letzten Rennen der Saison um den Sieg fahren.

Was werden Ihre persönlichen Prioritäten sein?
In den Klassikern öfter zu siegen als letztes Jahr (lächelt). Ich hoffe auch, dass ich etwas mehr Wettkampfglück habe. Ausserdem finden die Olympischen Spiele statt; mein Traum ist, mit einer Medaille zurückzukehren. Das wäre quasi mein «Double» nach Peking 2008.

Wie sieht Ihr Programm zu Beginn der Saison aus?
Es wird identisch zu jenem aus dem letzten Jahr: zuerst die Qatar- und die Oman-Rundfahrt, dann die Eroica, Tirreno-Adriatico, Mailand-Sanremo und dann die Eintagesrennen in Belgien.

Philippe Gilbert möchte unbedingt die fünf Monumente Mailand-Sanremo, Flandern-Rundfahrt, Paris-Roubaix, Lüttich-Bastogne-Lüttich und Lombardei-Rundfahrt in seinem Palmarès stehen haben. Gibt es da eine Rivalität zwischen Ihnen und dem Belgier?
Nein. Er hat seine Ziele, ich habe meine. Ich gehe meinen Weg. Mir fehlt Lüttich, ihm fehlt Paris-Roubaix. Vielleicht finden wir ja eine Einigung und können etwas tauschen (lacht).

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