Affäre Armstrong

02. November 2012 18:48; Akt: 02.11.2012 18:53 Print

WADA anerkennt Entscheid im Fall Armstrong

Die Welt-Anti-Doping-Agentur WADA ist mit der Streichung der sieben Tour-de-France-Titel von Lance Armstrong einverstanden.

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Der gefallene Rad-Star wurde von einem Schiedsgericht aufgefordert, am 12. Juni eine Video-Aussage zur Nutzung verbotener Mittel während seiner sieben Siege bei der Tour de France zu machen. Lance Armstrong sieht sich immer noch als siebenfacher Tour-de-France-Sieger, wie hier sein ehemaliger sportlicher Direktor Johan Bruyneel zeigt. Die Zeitung «USA Today» berichtet, dass Armstrong im Rahmen des Schadensersatz-Prozess der Acceptance-Versicherung im November 2013 ausgepackt und deutlich mehr als in seinem TV-Geständnis preisgegeben haben soll. An den Kragen geht es dabei seinem langjährigen Teamchef Johan Bruyneel, Arzt Michele Ferrari und seiner Ex-Masseurin Emma O'Reilly. Der italienische EX-Profi Roberto Gaggioli bezichtigt Lance Armstrong neben des Dopings auch der Bestechung. In einem Interview mit der «Daily Mail» bezichtigt Lance Armstrong Ex-UCI-Boss Hein Verbruggen der Beihilfe bei der Vertuschung einer positiven Dopingprobe. Nachdem es ruhiger wurde um Lance Armstrong, meldet sich der gefallene Radstar in einem BBC-Interview zurück. Er werde bei der Aufklärung der Doping-Vergangenheit im Radsport mit «100 Prozent Transparenz und Ehrlichkeit» mithelfen. Armstrong sagt in einem Interview kurz vor der 100. Tour de France, dass ein Sieg bei der «Grande Boucle» ohne Doping nicht möglich sei. Der geständige Dopingsünder lobt seinen ehemaligen Rivalen Jan Ullrich, nachdem dieser auch auspackte: «Habe es geliebt, mit Dir den Ton anzugeben, mein Freund.» Armstrong will weiterhin nicht mit der US-Anti-Doping-Agentur USADA zusammenarbeiten. Gemäss seinem Anwalt, werde der gefallene Radstar mit anderen Anti-Doping-Instanzen kooperieren. Lance Armstrong gibt erstmals seit seiner TV-Beichte bei Oprah Winfrey ein Interview. Er ist davon überzeugt, dass nicht nur seine Generation gedopt hat. Lance Armstrong lehnt eine Zusammenarbeit mit der amerikanischen Anti-Doping-Agentur USADA ab. Er will aber mit dem Radsport-Weltverband UCI oder der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA kooperieren. Im Interview mit Talkmasterin Oprah Winfrey beim amerikanischen News-Sender CBS gesteht Lance Armstrong, dass er bei allen sieben Tour-de-France-Siegen gedopt war. Der gefallene Radstar schweigt sich aber über die Praktiken und die Hintermänner aus. Erstmals gesteht das amerikanische Radsportidol laut einem Insider die Einnahme von Dopingmitteln während seiner Karriere. Dies bei einer Interview-Aufzeichnung mit US-Talkmasterin Oprah Winfrey. Ausgestrahlt wird das Ganze erst drei Tage später, dennoch sickern Details durch. Lance Armstrong sagt in einem Zeitungsbericht, dass er im Interview mit US-Starmoderatorin Oprah Winfrey offen und ehrlich sprechen werde. «Ich habe Winfrey gesagt, sie kann so weit gehen, wie sie möchte, und ich werde direkt, ehrlich und aufrichtig antworten», betonte der 41-Jährige vor der Aufzeichnung am Montag in seinem Haus in Austin/Texas. Am Donnerstag wird das Gespräch zur besten Sendezeit im Oprah-Winfrey-Network (OWN) und über Winfreys Webseite ausgestrahlt. , den Leiter des Schweizer Dopinganalysen-Labors in Lausanne. Er soll Lance Armstrong 2010 gesagt haben, mit welcher Methode EPO nachgewiesen wird. Laut der «New York Times» soll Lance Armstrong sich demnächst umfassend zu den ganzen Vorwüfen gegen ihn äussern. Das Blatt will aus dem Umfeld des Ex-Rad-Stars erfahren haben, dass dieser den Doping-Missbrauch gestehen will. Armstrong strebt damit offenbar eine Reduktion seiner lebenslangen Sperre an, damit er wieder Triathlon-Wettkämpfe bestreiten darf. Die britische Zeitung «Sunday Times» fordert von Lance Armstrong 1,2 Millionen Euro Schadenersatz. Sie beschuldigte ihn 2004 des Dopingmissbrauchs und musste nach einem Verleumdungsprozess 370 000 Euro bezahlen. Nun will sie dieses Geld samt Zinsen und Anwaltskosten zurück. Lance Armstrong interessiert die Aberkennung seiner Tour-Siege nach wie vor nicht. «Ich bin zurück in Austin und hänge ein bisschen herum», twittert der gefallene Radstar. Die Welt-Anti-Doping-Agentur WADA ist mit der Streichung der sieben Tour-de-France-Titel von Lance Armstrong einverstanden. Die UCI entscheidet, die sieben aberkannten Tour-de-France-Titel von Lance Armstrong nicht neu zu vergeben. Ausserdem bildet sie eine unabhängige, externe Kommission, die sich mit den Vorwürfen gegen die UCI in der Affäre Armstrong befassen wird. Michele Ferrari (l.) spricht in einem Interview erstmals über den Entscheid der UCI, Lance Armstrong alle sieben Tour-de-France-Titel abzuerkennen. Die UCI streicht Lance Armstrong alle sieben Tour-de-France-Titel. Pat McQuaid, Präsident des Radweltverbands, sagt, dass der Amerikaner keinen Platz mehr habe im Radsport. Trotz Dopingskandal feiert Lance Armstrong in Austin, Texas, das 15-jährige Bestehen seiner Stiftung «Livestrong». Rund 1700 Unterstützer, Krebs-Patienten und Freunde folgen der Gala-Einladung. Das aktuelle Geschehen kommentiert der Ex-Radprofi nur knapp. Er habe in den vergangenen Wochen «schwere Zeiten» durchlebt. Nach dem Fall von Lance Armstrong weitet sich der Doping-Skandal auch in Italien immer mehr aus. Die Staatsanwaltschaft in Cremona hat offenbar Beweise über Kontakte zwischen Dopingarzt Michele Ferrari und den Radprofis Michele Scarponi (Giro-Sieger 2011) und Denis Menschow (Giro-Sieger 2009) gesammelt. Die UCI gibt bekannt, dass sie am Montag seine Sanktionen gegen Lance Armstrong nennen will. Zudem wird sich UCI-Präsident Pat McQuaid zum Bericht der US-Antidoping-Agentur äussern. Die italienische Zeitung «Gazzetta dello Sport» berichtet, dass Armstrongs ehemaliger Arzt Michele Ferrari von St. Moritz aus Sportler bei der Einnahme von Dopingmitteln beraten haben soll. Armstrong laufen die Sponsoren reihenweise davon. Nike, Trek sowie eine Fitnessstudio-Kette kündigen ihre Verträge mit dem ehemaligen Radstar. Die USADA übergibt den über 1000-seitigen Bericht mit den Anschuldigungen gegen Armstrong an die UCI. Nach Erhalt hat der Weltverband 21 Tage Zeit, sein Urteil zu fällen. Armstrongs langjähriges Profiteam US Postal habe das «ausgeklügeltste, professionellste und erfolgreichste Dopingprogramm betrieben, das der Sport jemals gesehen hat», schreibt die USADA. UCI-Chef Pat McQuaid stellt im Fall Lance Armstrong in Aussicht, die Strafen der USADA zu übernehmen. Armstrong gibt den Kampf gegen die Anschuldigungen auf. Dem Amerikaner droht die Aberkennung der sieben Tour-de-France-Titel. Ein Gericht in Austin erklärt die USADA-Ermittlungen gegen Armstrong für rechtens. Der Texaner muss entscheiden, ob er eine Schiedsgericht-Verhandlung will oder eine drohende lebenslange Sperre der USADA akzeptiert. Der WTC gibt bekannt, dass Armstrong wegen den laufenden Ermittlungen nicht an Wettkämpfen teilnehmen darf. Die US-Antidoping-Agentur USADA erhebt schwere Vorwürfe gegen Armstrong. Proben von 2009 und 2010 sollen «vollkommen mit Proben übereinstimmen, an denen Blutmanipulation, inklusive EPO und/oder Bluttransfusionen vorgenommen wurden.» Armstrong wird für alle Wettbewerbe gesperrt. Bei einem Ironman-Wettkampf über die halbe Distanz wird Armstrong Zweiter. Zum Dopingtest müssen aber nicht wie üblich die ersten drei, sondern die Athleten auf den Plätzen vier bis sechs. Der Triathlon-Weltverband WTC gibt eine Kooperation mit Armstrongs Krebsstiftung «Livestrong» bekannt. Für sechs Starts kassiert die Foundation eine Million Dollar. Die US-Staatsanwaltschaft stellt ihre Doping-Ermittlungen gegen Armstrong ein. Tyler Hamilton ist Armstrongs nächster Teamkollege, der schwere Vorwürfe erhebt. «Ich sah EPO in seinem Kühlschrank. Ich sah mehr als einmal, wie er sich gespritzt hat», so der ehemalige Phonak-Profi und Zeitfahr-Olympiasieger 2004 in einem CBS-Interview. Armstrong erklärt sein endgültiges Karriereende. Nach Landis' Aussagen kündigen die US-Behörden an, die Ermittlungen gegen Armstrong auszuweiten. Es gehe nicht mehr nur noch darum, die Einnahme unerlaubter Mittel zu prüfen, sondern auch um die Frage, ob das Sponsorengeld von US Postal dazu genutzt wurde, um Dopingmittel zu finanzieren. Floyd Landis, ehemaliger Teamkollege von Armstrong, gibt zu, die meiste Zeit seiner Karriere gedopt zu haben. Der Tour-de-France-Sieger 2006 beschuldigt auch Armstrong. Dieser weist die Anschuldigungen zurück. Die französische Anti-Doping-Agentur AFLD schlägt Armstrong vor, die sechs Proben aus dem Jahre 1999 nochmals zu testen. Der Amerikaner lehnt das ab. Armstrong kündigt für 2009 sein Comeback an. Eine UCI-Kommission spricht Armstrong von den Dopingvorwürfen aus dem Jahr 1999 frei. Die Welt-Antidoping-Agentur WADA nennt den Bericht «fast schon lächerlich». Die französische Sportzeitung «L'Equipe» berichtet, dass in sechs Urinproben von Armstrong aus dem Jahr 1999 EPO nachgewiesen wurde. Die Proben waren eingefroren worden und konnten dem Bericht zufolge eindeutig Armstrong zugeordnet werden. Armstrong gewinnt die Tour de France zum siebten Mal nacheinander und beendet seine Karriere. Armstrongs ehemaliger Betreuer Mike Anderson erklärt vor Gericht, 2004 «ein verbotenes Medikament» in seinem Zimmer gefunden zu haben. Armstrong reagiert mit einer Schadenersatzklage. Der italienische Sportarzt Michele Ferrari (l.) wird wegen Betrugs zu einem Jahr Haft auf Bewährung verurteilt. Er arbeitete lange mit Armstrong zusammen. Vom Vorwurf, Radprofis mit Dopingmitteln versorgt zu haben, wird Ferrari aus Mangel an Beweisen freigesprochen. Vor der Tour de France 2004 erscheint das Buch «L.A. Confidential». In diesem erheben die Journalisten David Walsh und Pierre Ballester schwere Dopingvorwürfe gegen Armstrong. Er selbst scheitert vor Gericht mehrfach mit dem Versuch, sich im Buch dazu äussern zu dürfen. «Armstrong hatte bei der Tour de Suisse 2001 einen positiven Test auf EPO», sagte Ex-Teamkollege Tyler Hamilton im Mai 2005 in einem CBS-Interview. Mithilfe der UCI soll er den Test verschleiert haben. Nach der ersten Etappe der Tour de France wird im Urin von Lance Armstrong ein geringer Anstieg von Cortecoiden nachgewiesen. «Armstrong hat die Salbe Cemalyt benutzt, um eine allergische Hautkrankheit zu behandeln», erklärte der Weltradsportverband UCI. «Ich nahm sie zum Kurieren von Sitzproblemen», erklärte Armstrong. Der Wirkstoff ist allerdings meldepflichtig und darf nur bei ärztlicher bestätigter Indikation im Rennen benutzt werden.

Die Chronologie der Vorwürfe gegen Lance Armstrong.

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Man werde keinen Einspruch gegen den Entscheid der US-Anti-Doping-Agentur USADA im Dopingfall Armstrong einlegen, kündigte die WADA am Freitag auf ihrer Internetseite an. Vor der WADA hatte bereits der Internationale Radsport-Verband (UCI) neben der Aberkennung von Armstrongs Ergebnissen seit 1998 auch dessen lebenslanger Sperre zugestimmt.

Die WADA lobte die USADA-Untersuchung erneut ausdrücklich. «Der Fall hat mit einer richtigen und angemessenen Sanktion für den Athleten geendet», sagte WADA-Präsident John Fahey. In dem mehr als 1000 Seiten starken Bericht hatte die USADA unter anderem zahlreiche Zeugenaussagen gegen Armstrong gesammelt.

(si)