Zwei Jahre gesperrt

06. Februar 2012 12:14; Akt: 06.02.2012 15:11 Print

Contador verliert den Tour-de-France-SiegContador verliert den Tour-de-France-Sieg

Das Internationale Sportgericht in Lausanne hat sein Urteil gefällt: Alberto Contador ist ein Dopingsünder. Der Spanier wird zwei Jahre gesperrt und muss seinen Tour-de-France-Sieg 2010 abgeben.

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(Clenbuterol): Gab die Schuld am positiven Test an einem Ruhetag der TdF 2010 «verunreinigten Lebensmitteln», genauer gesagt einem Stück Fleisch. Am Tag nach der Kontrolle bestand Contador den letzten Test auf dem Col du Tourmalet. (Testosteron): Aus einer offenen Flasche Jack Daniel’s «mindestens vier Whiskys getrunken». (erhöhter Nandrolonwert): «Ich hab nicht gedopt. Ich hab nur Avocados gegessen!» (Kokain): «Meine Mutter schickte mir Bonbons aus Peru. Und diese waren in Kokablättern eingepackt. Beim Zweiten mal war wohl etwas im Tee, den mir meine Tante schickte». Die 1999 in seinem Blut nachgewiesenen Spuren würden von einer Salbe kommen, welche er sich an seinen Hintern schmierte. Radfahrer Jan Ullrich (Amphetamine): Im Sommer 2002 war sein Wert zu hoch. Daran schuld seien zwei Pillen, welche ihm am Abend vor der Kontrolle in einer Disco angedreht worden seien. Radfahrer Christian Henn (l., Testosteron): Ein Kräutertee seiner Schwiegermutter hätte seine Zeugungskraft stärken sollen. (Clenbuterol): «Mein Hund hat Asthma». (Fenoterol): Ein explodierender Asthmaspray: Dabei sei eine Spraywolke ausgetreten, die Kraft eingeatmet haben soll. (Testosteron): «Ich hatte fünf Flaschen Bier und viermal Sex - es war ihr Geburtstag, und die Lady hatte eine Extra-Behandlung verdient.» (erhöhter Nandrolonspiegel): Der deutsche Langstreckenläufer Dieter Baumann gab nach positiven Tests an, ihm hätten unbekannte Täter Nandrolon in die Zahnpasta getan. 2001 sei sein Masseur schuld gewesen, welcher ihm die Beine mit einer testosteronhaltigen Salbe «positiv massierte». Der Beschuldigte wies die Vorwürfe zurück. (anabole Steroide): Das Medikament zur Penisvergrösserung enthält die verbotene Substanz. (Kokain): «Jemand hat es mir in den Fruchtsaft getan.» (erhöhter Nandrolonwert): «Ich bin Moslem und halte mich strikt an die Regeln, die Drogen als Todsünde ansehen - also auch das Doping.» (Blutdoping): «Ich bin ein Mischwesen, die fremden Zellen in meinem Körper werden von den Stammzellen meines vor der Geburt gestorbenen Zwillingsbruders produziert.» «Ich wollte meine sexuelle Leistung verbessern.»

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Die Radsportszene blickte am Montag gespannt nach Lausanne. Dort fiel nach langem Warten endlich der Vorhang in der «Affäre Contador». Der Internationale Sportgerichthof CAS entschied auf schuldig und verhängte eine zweijährige Dopingsperre gegen den Spanier. Dadurch wird ihm der Sieg bei der Tour de France 2010 aberkannt. Der Luxemburger Andy Schleck wird nun nachträglich zum Tour-Sieger «befördert». Zudem verliert der Spanier auch den Giro-Gesamtsieg 2011. Jener Erfolg geht an Michele Scarponi (It).

Contador war am zweiten Ruhetag der Tour de France 2010 positiv getestet worden. Der Befund ergab eine geringfügige Menge von Clenbuterol, die Contador auf den Verzehr von kontaminiertem Fleisch zurückführte. Nach dem Freispruch durch die Disziplinarkommission des spanischen Radsportverbandes verlangten sowohl der internationale Radsport (UCI) wie auch die Anti-Dopingweltagentur (WADA) eine Beurteilung durch das Internationale Sportgericht in Lausanne. Weil Contadors Anwälte ein 600 Seiten starkes Werk zur Verteidigung ihres Mandanten zusammentrugen, zog sich das Verfahren in Lausanne über Wochen und Monate hin.

Die Sperre gegen den Spanier wird rückwirkend ausgesprochen. Daher wird Contador bereits ab dem 6. August 2012 wieder startberechtigt sein. Die diesjährige Tour de France verpasst der nun nur noch zweimalige Gesamtsieger (2007, 2009) allerdings.

Clenbuterol - Kälbermastmittel als Doping

Der Wirkstoff Clenbuterol unterstützt den Aufbau von Muskeln und wird unter anderem in der Kälbermast eingesetzt. Verschiedene Tiermast-Skandale führten dazu, dass Clenbuterol in der EU nicht mehr eingesetzt werden darf. Kontrollen werden aber nur selten durchgeführt.

Bei hoher Dosierung verlangsamt Clenbuterol die Muskelabbauprozesse, die normalerweise ständig im Körper ablaufen. Bei entsprechend angepasstem Trainings- und Ernährungsverhalten kann solch ein schneller Muskelaufbau erzielt werden.

Clenbuterol gehört zur Substanzklasse der Beta-2-Agonisten. Solche Wirkstoffe sind in Arzneimitteln gegen Asthma enthalten. Sie erweitern die Bronchien und lassen die Bronchialmuskulatur erschlaffen, um deren Verkrampfung bei einem Asthmaanfall zu lindern. In hohen Dosen können sie die Herzfrequenz und den Blutdruck erhöhen.

Prominente Clenbuterol-Fälle

Einer der bekanntesten Clenbuterol-Fälle betraf die Leichtathletin Katrin Krabbe. Die frühere zweifache Sprint-Weltmeisterin war 1992 der Einnahme überführt worden. In der jüngeren Vergangenheit gab es aber auch zwei Fälle, in denen Sportler nicht bestraft wurden. So wurde der Velorennfahrer Philip Nielsen von der Antidoping-Agentur seines Landes freigesprochen. Nielsen hatte im Mai 2010 an der Mexiko-Rundfahrt teilgenommen und konnte den Nachweis erbringen, dass der erhöhte Wert durch den Verzehr von verseuchtem Rindfleisch zustande gekommen war. Auch der Tischtennisspieler Dimitri Owtscharow wurde positiv auf Clenbuterol getestet. Owtscharow hatte an einem Turnier in China verseuchtes Fleisch gegessen und vermochte unter anderem mittels Haarproben entlastendes Material vorzuweisen.

Die Chronologie des Falles Contador

21. Juli 2010: Alberto Contador unterzieht sich am zweiten Ruhetag der Tour de France in Pau zwei Dopingkontrollen.

25. Juli 2010:
Der Spanier lässt sich auf den Champs-Elysées in Paris zum dritten Mal als Gesamtsieger der Tour de France feiern.

24. August 2010:
Contador wird von der UCI darüber informiert, dass er positiv auf auf Clenbuterol getestet wurde.

30. September 2010:
Die UCI macht den Fall während den Strassen-Weltmeisterschaften in Geelong (Au) publik und verhängt eine vorläufige Suspension.

1. Oktober 2010: Die französische Fachzeitung 'L'Euqipe' berichtet, neben Clenbuterol seien im Urin des Spaniers auch Plastikrückstände nachgewiesen worden, was auf eine Blut-Eigentransfusion schliessen lasse. Diese Version wird zwölf Tage später von einem anerkannten Experten in Abrede gestellt, weil die geringe Menge Plastikanteile einen solchen Rückschluss nicht zulasse.

8. November 2010: Die UCI fordert den spanischen Radsportverband zur Einleitung eines Disziplinarverfahrens auf.

26. Januar 2011:
Der spanische Verband informiert Contador über den Vorschlag einer einjährigen Sperre, womit dem Madrilenen der dritte Tour-Triumph aberkannt würde.

28. Januar 2011:
Contador gibt bekannt, dass er gegen eine solche Sperre Einsprache einlegen würde, weil er unschuldig sei.

7. Februar 2011: Contador beruht sich auf Paragraphen des Codes der Antidoping-Weltagentur und versteift sich darauf, ein Sportler könne nicht sanktioniert werden, wenn eine Dopingsubstanz ohne sein Wissen in seinen Körper gelangt sei.

10. Februar 2011:
Der spanische Staatspräsident José Luis Rodriguez Zapater leistet Schützenhilfe und erklärt, es gebe keinen juristischen Grund, Contador zu bestrafen.

15. Februar 2011: Die Disziplinarkommission des spanischen Radsportverbandes spricht Contador vom Dopingvorwurf frei.

24. März 2011:
Die UCI legt beim Internationalen Sportgericht (CAS) in Lausanne Einspruch gegen den Freispruch ein.

6. Februar 2012:
Das CAS verhängt gegen Contador eine Sperre von zwei Jahren.

(mon/si)

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  • Bruno Wüthrich am 07.02.2012 10:08 Report Diesen Beitrag melden

    Strafanzeige einreichen

    Contador hatte etwas im Blut, was da laut Dopingliste nicht hinein gehört. Ob er deswegen gewonnen hat, weiss niemand. Tatsache ist jedoch, dass derjenige, der nachträglich zum Sieger gekürt wurde, diesen Sieg finanziell nie derart auschlachten kann, wie dies Contador mit dem nun aberkannten Erfolg bereits tat. Die Frage ist deshalb, ob der nachträglich zum Sieger Erklärte nicht Strafanzeige wegen Betruges einreichen sollte. Denn dieser wurde um erhebliche Einnahmen geprellt. Zudem: Die rückwirkende Sperre ist eine Farce. Contador hätte an der Tour 2011 gar nicht fahren dürfen. Was ist damit?

  • Dowyle am 06.02.2012 17:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schade für den Sport

    Früher war ich begeisteter Radrenn Fan. Ich verpasste im TV kein Rennen ob Giro de Italia, Tour de France, Tour de Swiss etc, Was im Moment dort los ist, hat nix mit Sport zu tun. Wenn jetzt jemmand gewinnt weiss man nie ob gut gedopt oder gut gefahren. Ich frage mich nur immer was bringts? Man kann sich doch nicht mehr in die Augen schauen wenn man das weiss. Naja leider schauen das immernoch Menschen und leider haben die noch Sponsoren verdient hat der Sport es nicht mehr.

    • Tim am 06.02.2012 19:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Nur eine von vielen Sportarten

      Im Radsport wird seit einiger Zeit halt stark hin geschaut. An andere Ausdauer- oder Kraftsportarten geht bisher keiner so konsequent ran. Da wo es was bringt und wo Geld für Siege fliesst wird garantiert genau so viel gedopt. Von daher ist es egal welchen Sport man schaut. Ich glaube sogar das der Radsport inzwischen sauberer ist als sehr viele andere Sportarten.

    • roman am 07.02.2012 11:38 Report Diesen Beitrag melden

      naive vorstellung

      und du meinst allen ernstes dass in all den anderen sportarten nicht gedopt wird?!?! im radsport gibts wenigstens sehr gute kontrollen! im fussball zum beispiel gibts massig verschobene spiele UND doping..werden dort spieler/funktionäre gesperrt?!?!

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  • sepp am 06.02.2012 16:48 Report Diesen Beitrag melden

    unglaubwürdig

    aber sie konnten nicht beweisen das er gedopt hat. das hat das cas selber gesagt..wie kann man dann einen sperren für etwas das man nicht beweisen kann? an der vorletzten u17 wm hatte von einer auswahl die hälfte solche werte im blut, und ja es kam vom fleisch..wenn sie sich so sicher gewesen wären, hätte man ihn gleich dann sperren müssen und nicht ihn noch 2 jahre fahren lassen.

    • Christian Bonvin am 06.02.2012 17:34 Report Diesen Beitrag melden

      Sündenbock gefunden

      Typischer Sportgerichtsentscheid. Im Zweifel GEGEN den Angeklagten. Das hat weder etwas mit Recht, noch Gerechtigkeit zu tun. Das kennt man ja auch vom SFV im Fall FC Sion.

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